Beinschmerzen beim Kind

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. April 2017
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Beinschmerzen beim Kind können vielfältige Ursachen haben. Häufig stecken Wachstumsschmerzen dahinter, wenn Kinder darüber klagen, dass ihre Beine wehtun. Doch auch bedrohlichere Erkrankungen können Beinschmerzen beim Kind verursachen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Beinschmerzen beim Kind?

Im Bein finden sich viele verschiedene Muskeln, Bänder, Sehnen, Arterien und Venen. All diese Strukturen können Schmerzen verursachen. Die Lokalisation kann dabei in Hüftnähe, am Oberschenkel, im Kniebereich, an den Unterschenkeln oder an den Füßen liegen. Die Schmerzen können nur bei Belastung auftreten oder sich auch schon in Ruhe bemerkbar machen. Sie können punktgenau auftreten oder diffus ausstrahlen. Eventuell treten neben den Schmerzen auch Schwellungen oder Rötungen als Zeichen einer Entzündung auf. Sind die Schmerzen nur einer kurzzeitigen Überlastung geschuldet, verschwinden sie recht schnell wieder. Sind die Schmerzen lang anhaltend oder die Folge eines Traumas, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Ursachen

Beinschmerzen beim Kind können viele unterschiedliche Ursachen haben. Die häufigste Ursache sind Wachstumsschmerzen. Was genau Wachstumsschmerzen verursacht ist allerdings noch nicht geklärt. Diskutiert werden Fehlhaltungen und eine zu starke Beanspruchung des Bewegungsapparates. Eine Überlastung kann natürlich auch Beinschmerzen verursachen, zum Beispiel in Form eines Muskelkaters.

Ist das Kind gestürzt oder hatte einen Unfall sollte an Knochenbrüche gedacht werden. Auch Gelenkausrenkungen, Bänder- und Sehnenverletzungen oder Muskelrisse verursachen Schmerzen im Bein beim Kind. Weitere Ursache für die Schmerzen können sogenannte aseptische Knochennekrosen wie zum Beispiel der Morbus Legg-Calvé-Perthes oder der Morbus Osgood-Schlatter sein.

Treten die Schmerzen in den Beinen vor allem nachts auf, kann ein Osteoidosteom vorliegen. Ein Osteoidosteom ist ein gutartiger Knochentumor. Neben einem gutartigen Knochentumor kann natürlich auch ein bösartiger Knochentumor Beinschmerzen hervorrufen. Das Ewing-Sarkom ist ein solcher bösartiger Tumor des Knochens. Er befällt meist Becken- oder Oberschenkelknochen und ist die zweithäufigste Knochenkrebsart bei Kindern. Schmerzen, die eher im Gelenkbereich auftreten, können durch eine Gelenkentzündung (Arthritis) bedingt sein.

Beindeformitäten können durch die Fehlbelastung der Muskulatur und der anderen Strukturen am Bein ebenfalls Schmerzen bewirken. Die häufigsten Beindeformitäten im Kindesalter sind X- und O-Beine, Skoliose, Schiefhals und Knickfuß.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Da Kinder gerne einmal hinfallen oder sich aus Unachtsamkeit stoßen, sind Schmerzen im Bereich des Beines zunächst einmal kein Grund zur Besorgnis. Findet sich an der schmerzenden Stelle zudem ein Hämatom, ein blauer Fleck, ist ein Stoß die wahrscheinlichste Ursache von Beinschmerzen beim Kind. Mit Abheilen des Hämatoms sollten dann aber auch die Beinschmerzen zurückgehen. Ist dies nicht der Fall und klagt das Kind weiter über Unwohlsein im Bereich der Beine, ist es ratsam, sich die Extremität genauer anzusehen.

Hierbei sollten Eltern darauf achten, ob sich das Bein an der schmerzenden Stelle warm anfühlt und gerötet ist. Ist dies der Fall und kommt hinzu, dass das Bein Schwellungen aufweist, ist unverzüglich ein Kinderarzt aufzusuchen. Symptome wie Schwellungen, gepaart mit unnatürlich warmen Arealen und Schmerzen, können in seltenen Fällen Hinweise auf eine Thrombose im Bein geben. Schmerzen und Schwellungen, die auch nach einigen Tagen nicht abklingen, sollten aber auch unabhängig von einer Rötung und der Intensität der Schmerzen einem Arzt vorgestellt werden.

So ist ein Sarkom eine Art von tumorösem Geschehen, eine im Kindes- und Jugendalter auftretende Krebserkrankung, die sich unter anderem durch nicht nachlassende oder immer wieder auftretende Schmerzen in den Beinen äußern kann. Eine Schwellung kann dabei den Sitz eines möglichen Tumors eingrenzen. Bildgebende Verfahren bringen hier Sicherheit bezüglich der Diagnose und ermöglichen eine schnelle Behandlung.

Diagnose und Verlauf

Stehen die Schmerzen im Bein in Zusammenhang mit einer Überlastung, handelt es sich meist um einen einfachen Muskelkater. Halten die Beinschmerzen beim Kind jedoch länger an, sind sie sehr stark, treten sie nach einem Unfall oder einem Sturz auf oder ist das Bein entzündlich verändert, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Je nach vermuteter Diagnose wird dieser weitere Untersuchungen veranlassen.

Bei Verdacht auf eine Fraktur oder einen Knochentumor erfolgt eine Röntgenuntersuchung. Auch eine Ultraschalluntersuchung kommt zum Einsatz. Bei Entzündungen der Gelenke und bei Gelenkergüssen kann eine [Gelenkpunktion]] erforderlich sein. Auch eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf eine Entzündung, eine bakterielle Infektion, eine Krebserkrankung oder eine Infektion liefern.

Möglicherweise ist eine MRT- oder CT-Untersuchung indiziert. Klagt das Kind neben Schmerzen auch über Missempfindungen in den Beinen, wird der behandelnde Arzt elektrophysiologische Untersuchungen wie ENG, EMG oder die Messung von Nervenleitgeschwindigkeiten veranlassen.

Beinschmerzen sind in der Regel das Hauptsymptom der ursächlichen Erkrankung. Vor allem wenn diese nachts auftreten, werden sie oft ohne weitere Untersuchungen als Wachstumsschmerzen diagnostiziert. Doch weitere Symptome können Hinweise auf andere zugrunde liegende Erkrankungen geben. Treten die Schmerzen unmittelbar oder kurze Zeit nach einem Sturz oder Unfall auf, kann ein Knochenbruch vorliegen.

Tritt neben den Schmerzen noch eine unnatürliche Beweglichkeit des Beines auf oder sind bei einer offenen Fraktur gar Knochenstücke sichtbar, ist eine Fraktur des Knochens sehr wahrscheinlich. Schwellungen, Hämatome, eine Erwärmung des Beines und eine Bewegungsseinschränkung können auf einen Knochenbruch aber auch auf eine Muskelzerrung oder einen Bänderriss hinweisen.

Eine Arthritis äußert sich neben Schmerzen auch in Form einer Rötung und Überwärmung des betroffenen Gelenks. Die betroffenen Kinder leiden unter einer Morgensteifigkeit des Gelenks. Ist die Entzündung durch eine Borreliose verursacht, können zusätzlich neurologische Symptome auftreten.

Komplikationen

Häufig sind die Beinschmerzen beim Kind auf einen Wachstumsschub zurückzuführen. Sie führen zu einer Gereiztheit, Unzufriedenheit und dem Weinen des Kindes. Ein quengeliges und unruhiges Verhalten kann sich einstellen. Damit werden oftmals die Nerven der Personen aus dem näheren Umfeld strapaziert. Alle Bemühungen der Ablenkung oder Beruhigung des Kindes können anstrengend werden und ein Stresserleben auslösen. Abgeschlagenheit, Übermüdung und Energielosigkeit stellen sich bei allen Betroffenen ein. Die Schwierigkeit besteht darin, die Beinschmerzen beim Kind von einem Entzündungsprozess oder einer Läsion abzugrenzen. Die Muskeln, Blutgefäße oder der Knochen können beschädigt sein. Dies führt zu einem Ausfall von sportlichen Aktivitäten. Dies kann wiederum die Unzufriedenheit stärken. Bei einer Fehlhaltung sind wichtige Veränderungen notwendig.

In einigen Fällen kommt es zu einer Teilnahme an einer Krankengymnastik, um rechtzeitige Korrekturen im Wachstumsprozess vorzunehmen. Alternativ droht eine lebenslange Beeinträchtigung. Bei einer Überlastung kann ein Muskelkater bestehen, der nach Schonung in kurzer Zeit verschwunden ist. Halten die Beinschmerzen beim Kind über mehrere Tage an, so kann es sich hierbei um einen Knochentumor handeln. Da Knochenkrebs bei Kindern häufig auftritt, sollte unverzüglich gehandelt werden. Die Schmerzen werden zunehmen und damit sinkt die Lebensqualität des Kindes sowie der Angehörigen. Neben einer Krebstherapie ist die psychologische Betreuung der Familienangehörigen wichtig.

Behandlung und Therapie

Die Therapie der Beinschmerzen ist von der Ursache abhängig. Bandagen und Salbenverbände können bei Verletzungen hilfreich sein. Bei einer Infektion mit den durch Zecken übertragenen Borrelien ist eine Behandlung mit Antibiotika erforderlich. Bei rheumatischen Erkrankungen wie dem Still-Syndrom erfolgt eine medikamentöse Therapie mit Glukokortikoiden.

Liegt ein Tumor vor, so muss dieser falls möglich operativ entfernt werden. Auch eine Strahlentherapie und eine Chemotherapie können von Nöten sein. Handelt es sich bei den Schmerzen um Wachstumsschmerzen, ist keine spezielle Behandlung erforderlich.



Vorbeugung

Für Beinschmerzen beim Kind gibt es keine generelle Prävention. Wichtig ist eine frühzeitige Abklärung der Schmerzen beim Arzt. In den meisten Fällen handelt es sich zwar tatsächlich nur um harmlose Wachstumsschmerzen oder Muskelkater, doch können sich hinter den Schmerzen auch bedrohlichere Krankheiten verstecken. Hier gilt, je früher diese Erkrankungen erkannt werden, desto besser sind die Heilungschancen.

Bücher über Beinschmerzen

Quellen

  • Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2013
  • Schellenberg, I. et al.: Kinderkrankheiten von A-Z: Wo Naturheilverfahren wirken - wann Schulmedizin nötig ist, 2. Auflage, TRIAS, 2012
  • Stauber, M., Weyerstahl, T.: Duale Reihe Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2014
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

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