Gicht

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 25. März 2016
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Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit, die vornehmlich in westlichen Überfluss-Gesellschaften auftritt. Bei der Gicht kommt es aufgrund von überhöhter Harnsäure im Blut zur Bildung von Harnsäurekristallen, die sich in den Gelenksregionen aber auch Organen absetzen und dort Entzündungen hervorrufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Gicht (Hyperurikämie)?

Früher bezeichnete man die Gicht auch als Krankheit der Kaiser, Könige und Fürsten, heute kann sie aufgrund unserer modernen, auf ständigen (Ess-) Konsum hin ausgerichteten Lebensweise jeden treffen. Längst schon hat sich die Gicht zur Gesellschaftskrankheit ausgeweitet.

In dieselbe Kategorie fallen etwa noch die Zuckerkrankheit (Diabetes Mellitus) sowie die Störung der Schilddrüsenfunktion oder etwa krankhaftes Übergewicht (Adipositas).

Es werden zwei Arten der auch als Hyperurikämie bezeichneten Krankheit unterschieden: Als primäre Gicht ist sie angeboren, in ihrer sekundären Form tritt sie infolge anderer Krankheiten oder falscher Ernährung auf. Grundsätzlich ist die Krankheit entweder durch eine erhöhte Harnsäureproduktion oder eine verminderte Ausscheidung von Harnsäure gekennzeichnet.

Zu den typischen Symptomen von Gicht gehören u.a.: Gliederschmerzen, Hautrötungen, Schwellungen und erhöhte Temperatur der Gliedmaßen und Fieber. Zunächst äußert sich die Erkrankung als akuter Gichtanfall. Unbehandelt und ohne eine dauerhafte Senkung des Harnsäurespiegels kann die Gicht chronisch werden.

Symptome von Gicht und befallene Gelenke.

Ursachen

Die Gicht gehört zu den am häufigsten durch falsche Ernährung hervorgerufenen Stoffwechselerkrankungen.

Das Hauptproblem ist dabei die exzessive Nahrungsaufnahme purinhältiger Lebensmittel wie Fleisch, Innereien und Alkohol, denn die Harnsäure entsteht bei der Verarbeitung von Purin.

Aber auch Diätfehler vor allem in Kombination mit ungenügender Flüssigkeitszufuhr können zur Gicht führen, da der Abbau körpereigenen Eiweißes ebenfalls Purin freisetzt.

Daneben kann es zu einer vermehrten Produktion der Harnsäure durch schwere physische Belastungen, massives Übergewicht, schwere Bluterkrankungen und Tumoren kommen.

Nierenerkrankungen, starker Alkoholkonsum sowie hoher Blutdruck tragen ihrerseits zur verminderten Ausscheidung der Harnsäure bei.

Die Gicht kann in zwei Ausprägungen auftreten: akut oder chronisch. Die akute Hyperurikämie tritt auch beim Gesunden aufgrund vorhandener Harnsäurekristallen bei sonst normalem Harnsäurespiegel spontan auf. Zu chronischer Gicht kommt es, wenn erhöhte Harnsäurewerte nicht dauerhaft gesenkt werden.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Gicht:

Gicht zeigt im Anfangsstadium meist keine Symptome. Diese Phase kann Jahre und Jahrzehnte dauern. Während dieser asymptomatischen Periode weist lediglich der Harnsäurespiegel im Blut auf die Erkrankung hin. Erreicht die Harnsäurekonzentration einen kritischen Wert, tritt ein akuter Gichtanfall auf. Meist ist dieser an Schmerzen im Fuß bzw. am Grundgelenk der großen Zehen zu spüren. Es kommt zu Gelenkentzündungen, roten Verfärbungen, Schwellungen und einer erhöhten Berührungsempfindlichkeit. Meist können die Betroffenen nur noch mit der Ferse auftreten, sodass sie einen typischen humpelnden Gang zeigen. Dieser Zustand der akuten Gicht dauert meist mehrere Stunden oder sogar einige Tage.

Erfolgt keine Behandlung, wiederholen sich die Attacken in immer kürzeren Abständen. Die Schmerzphasen verlängern sich und greifen häufig auf andere Gelenke über. Bei einer chronischen Gicht sind die Schmerzen stetig vorhanden und es entstehen bleibende Gelenkdeformationen. Diese beeinträchtigen die Funktion des jeweiligen Gelenks. Ferner kann es bei der chronischen Gicht zu Ablagerungen von Harnsäurekristallen kommen, welche sich durch harte Knötchen bemerkbar machen.

Wird der erhöhte Harnsäurespiegel rechtzeitig gesenkt und stabilisiert, nimmt die Gicht einen problemfreien Verlauf. Wird die Erkrankung jedoch nicht behandelt, kann sie chronisch werden. Dies erfolgt meist nach einer beschwerdefreien Zwischenphase, welche auf einen akuten Gichtanfall folgt. Häufen sich die akuten Anfälle, entsteht eine chronische Gicht, welche Komplikationen wie Nierensteine, Schleimbeutelentzündungen verursachen kann.

Diagnose

Die Diagnose der Gicht erfolgt durch Blutuntersuchungen und bildgebende Verfahren, um Schäden an betroffenen Gelenken darstellen zu können. Zunächst wird die Blutuntersuchung vorgenommen, hier deuten erhöhte Harnsäurewerte auf Gicht hin. Jedoch kann es sein, dass bei einem akuten Gichtanfall die Harnsäurewerte nur geringfügig oder gar nicht erhöht sind, dafür aber die Entzündungswerte, insbesondere der CRP, einen deutlichen Anstieg zeigen. In solch einem Fall kann die Entnahme von Gelenkflüssigkeit weiterführen: zeigen sich darin Harnsäurekristalle, stellen diese einen klaren Hinweis auf Gicht.

Zur Sicherung der Diagnose setzt der behandelnde Arzt bildgebende Verfahren, wie Röntgen, CT und MRT ein, um Schäden an den Gelenken feststellen zu können. In einigen Fällen kommt auch eine Ultraschalluntersuchung der Gelenke in Frage.

Durch eine sorgfältige Anamnese und die Kenntnis der Krankengeschichte lässt sich die Diagnose meist schnell stellen. Bei der Diagnose von Gicht werden die Nieren auf ihre Funktion untersucht - denn die Erkrankung kann mit Nierenschäden einhergehen

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Gicht ist ein zweistufiger Prozess. Zunächst müssen besonders bei der akuten Form der Hyperurikämie die starken Schmerzen medikamentös gelindert sowie der Entzündungsherd behandelt werden.

Hierzu kann der Mediziner dem Patienten Kortison in Kombination mit einer lokalen Betäubung in den Entzündungsherd spritzen. Aber auch die gesamte Bandbreite antirheumatischer Medikamente eignet sich zur Behandlung der Gicht.

Desweiteren ist es mittel- bis langfristig unabdingbar den Harnsäurespiegel zu senken und wieder in den Normbereich zu überführen. Das kann nur durch eine kontrollierte Ernährungsumstellung erreicht werden, indem die Menge zugeführten Purins - durch dessen Abbau Harnsäure entsteht - reduziert wird.

Konkret bedeutet dies die verminderte Zuführung von alkoholischen Getränken, fettreiche Fleisch- und Wurstwaren, Suppenwürfel, Hülsenfrüchte sowie Innereien.

Zeitgleich ist auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. Bei Übergewicht sollte in Maßen abgenommen werden. All diese Maßnahmen tragen zur konsequenten Umstellung der Ernährungsweise und Lebensführung bei.

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Vorbeugung

Wie kann der Gicht vorgebeugt werden? Regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen mit der Bestimmung des Blutbilds geben Rückschluss über den Harnsäurespiegel, der als Indikator einer möglichen Erkrankung mit Gicht gilt.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch die Familienanamnese. Gibt es in der Familie bereits Fälle von Hyperurikämie? Dann sollten Betroffene auf jeden Fall bereits früh mit einer bewussten Umstellung der Ernährungsgewohnheiten beginnen.

Aber auch andere Faktoren wie beispielsweise Bluthochdruck können in der Folge mit der Gicht im Zusammenhang stehen. Daher ist es sinnvoll zu überprüfen, ob familiär bedingter Bluthochdruck vorliegt, um diesen gegebenenfalls medikamentös zu senken. Es ist wichtig, der Gicht konsequent entgegenzutreten.

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