Gelenkerguss

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 5. April 2016
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Als Gelenkerguss bezeichnet man eine Ansammlung von Flüssigkeit in einer Gelenkhöhle. Bei der Flüssigkeit kann es sich um Blut, Eiter oder einfach eine Vermehrung der normalen "Gelenkschmiere" handeln. Um Schädigungen des Gelenkknorpels zu vermeiden, ist es wichtig den Gelenkerguss rasch zu behandeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Gelenkerguss?

Eine Ansammlung von Flüssigkeit kann prinzipell in jedem Gelenk des Körpers auftreten. Bei einem Gelenkerguss kann es in kürzester Zeit zum Anschwellen des Gelenks mit Einsteifung, Bewegungseinschränkung und Schmerzen kommen.

Oft sind Verletzungen (Traumata) die Ursache, aber auch Entzündungen, Gicht Blutungskrankheiten oder arthrotische Veränderungen durch chronische Fehlbelastungen kommen infrage. Ein Orthopäde oder Unfallchirurg kann das Problem ebenso schnell mit einer Punktion des Gelenks entlasten - eine Ursachenaufklärung ist jedoch trotzdem notwendig.

Ursachen

Als Ursachen eines Gelenkergusses kommen verschiedene Bereiche in Betracht, die oft anhand der Vorgeschichte bereits unterschieden werden können. Eine der häufigsten Entstehungsgeschichten eines Gelenkergusses ist das Trauma, also die Verletzung als Unfallfolge.

Insbesondere das Kniegelenk ist ein häufiges "Opfer" von Zerrung (Distorsion) oder Bänderriss (Ligamentruptur) infolge von Sportverletzungen oder Verkehrsunfällen - dabei gehen immer auch kleine Blutgefäße kaputt, welche die Strukturen des Knies mit Blut versorgen und als Verletzungsfolge nun in die freie Gelenkhöhle einbluten können, bis die Blutung irgendwann gerinnt und zum Stillstand kommt. Oft schwillt ein Gelenk dann über Nacht an und sollte am nächsten Tag schleunigst entlastet werden.

Eine weitere häufige Ursache eines Gelenkergusses ist eine Arthrose, also eine chronische, degenerative Gelenkerkrankung, die ebenfalls oft das Knie oder die Hüfte betrifft.

Oft macht solch eine Gelenkarthrose schon seit Längerem Beschwerden: Typisch sind Anlaufschmerz und belastungsabhängige Beschwerden. Durch Überlastung und Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovia) und der Knorpeloberfläche kann es als Begleiterscheinung jedoch auch zu einem Erguss kommen, welcher dann nicht aus Blut, sondern einzig aus "normaler" Gelenkschmiere (Synovialflüssigkeit) besteht. Man spricht dann von einer "aktivierten" Arthrose, welche verstärkte Schmerzen bereitet.

Auch infolge anderer entzündlicher Erkrankungen wie einer Gicht oder einer rheumatoiden Arthritis kann es zu Gelenkergüssen kommen, dann auch an kleineren Gelenken. Der Entstehungsmechanismus ist dann derselbe, wieder stehen "Ausschwitzung" von fibrinöser Flüssigkeit und normaler Gelenkflüssigkeit im Vordergrund, Blut oder Eiter findet man kaum.

Zu einem eitrigen Erguss kommt es dagegen bei einer direkten bakteriellen Infektion des Gelenkes: Dazu kann es beispielsweise bei Fortleitung einer Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung) ins Gelenk kommen.

Ein anderer häufiger "Fortleiter" ist der Arzt, wenn zum Beispiel bei einer Kniepunktion zur Entlastung eines Ergusses oder zur Injektionstherapie einer Arthrose Erreger in die Gelenkhöhle verschleppt werden. Damit dies nicht passiert, muss also unbedingt steril gearbeitet werden. Punktionen eines Gelenks zur Injektion von Hyluronsäure sind daher auch medizinisch sehr umstritten - Kritiker meinen, das Risiko einer Infektion sei durch die wiederholten Injektionen viel zu hoch (zudem ist die Wirkung gegen Arthrose fraglich).

Schließlich kann ein Gelenkerguss auch Ausdruck einer Hämophilie (Bluterkrankheit) sein - multiple Gelenkergüsse zusammen mit Hautblutungen und schlecht gerinnenden Verletzungswunden sind hier häufige Krankheitserscheinungen und der Grund, warum Betroffene dieser Erbkrankheit keine Kontaktsportarten betreiben sollten. Ursächlich fehlen bestimmte Gerinnungsfaktoren und die Blutgerinnung ist stark verlangsamt. Auch Tumoren von Knochen und Gelenk können sich als Erguss bemerkbar machen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome eines Gelenkergusses:

Im Vordergrund der Symptomatik bei einem Gelenkerguss steht die Schwellung und Schmerzen. Die Schwellung tritt im Falle einer Verletzung mit wenigen Stunden Verzögerung auf (langsame Einblutung), ein Kniegelenk läuft nach einer Bänderverletzung beim abendlichen Fußballtraining beispielsweise häufig über Nacht voll.

Bei einer Blutungskrankheit kann der Erguss noch schneller "passieren", bei den entzündlichen Krankheiten entsteht er eher etwas langsamer. In der Folge kommt es zu einem "Schweregefühl" oder Druckgefühl im Gelenk, welches durch die Flüssigkeit mechanisch nicht mehr voll beweglich ist und langsam einsteift.

Schmerzen entstehen durch die Verletzung von Knorpel oder Bandstrukturen und/oder die beteiligten Entzündungsvorgänge. Wenn das Gelenk zudem überwärmt und gerötet ist, so deutet dies ebenfalls auf einen Entzündungsvorgang hin.

Diagnose

Die ärztliche Diagnose stützt sich auf die Befragung nach Unfallmechanismus oder sonstiger Vorgeschichte (vorhergehende Belastungsschmerzen) bzw. Vorerkrankungen. Bei Letzteren spielen vor allem rheumatische Erkrankungen oder Blutungsleiden (auch in der Familie) eine Rolle. Auch eine kürzlich erfolgte Injektionstherapie kann Hinweis auf die Ursache eines plötzlich geschwollenen überwärmten Gelenks sein (Infektion).

Die körperliche Untersuchung zielt vor allem auf Bewegungsgrade des Gelenks, mögliche Bändertests sowie die Entzündungszeichen Rötung, Schwellung und Überwärmung. Beim Kniegelenk kann man einen geringen Erguss beispielsweise anhand des Phänomens der "tanzenden Patella" bei Druck auf die Kniescheibe sichtbar machen. Am besten gelingt die Beurteilung immer im Seitenvergleich. Anschließend erfolgt oft eine Gelenkpunktion, welche gleichzeitig Diagnostik (Untersuchung der Flüssigkeit) und Therapie (Entlastung) ist. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, CT oder MRT spielen je nach Gelenk und zugrundeliegender Krankheit eine mehr oder minder große Rolle.

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach der Ursache des Ergusses. Im Falle eines blutigen Verletzungsergusses ist oft die Punktion zur Entlastung angezeigt, daraufhin sollte dem Gelenk ein wenig Ruhe gegönnt und weitere bildgebende Diagnostik zur Identifikation von Bänder- oder Knochenverletzungen durchgeführt werden. Diese müssen dann wiederum entsprechend behandelt werden.

Grundlegend ist das Kühlen (kalte Kompressen) und eine schonende Haltung des Gelenks (Hochlagerung z.B. des Kniegelenks) anzuraten. Im Anschluss sollte die schrittweise Mobilisierung erfolgen.

Eine rheumatische Erkrankung wird mit Entzündungshemmern und anderen spezifischen Rheuma-Medikamenten behandelt, auch für die Gicht gibt es spezifische Wirkstoffe. Eine Infektion muss unbedingt antibiotisch behandelt werden.

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Vorbeugung

Zur Vorbeugung eines Gelenkergusses kann im Prinzip nur Vorsicht beim Sport und im Alltag angeraten werden. Gutes, regelmäßiges und auch gezieltes Muskeltraining schützt die Gelenke am besten vor Unfällen und Verletzungen. Am Ende passieren sie jedoch, wie so oft: unverhofft.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Capitano kommentierte am 26.11.2015 um 20:58 Uhr

Bei einem Anlauf beim Hallentennis (im Februar diesen Jahres) hatte ich plötzlich Schmerzen in der Leiste. Bis heute sind diese nicht verschwunden! Die letzte Maßnahme war eine Kortisonspritze zur Austrocknung der Flüssigkeit. Ergebnis gleich 0. Die Schmerzen treten immer bei seitlichen Drehbewegungen auf. Was können Sie empfehlen?

schweden-Peter kommentierte am 12.05.2016 um 09:46 Uhr

Ich habe bei fortgeschrittener Gonarthrose aber noch ausreichender Mobilität plötzlich auftretende einseitige Knieeinblutungen innerhalb weniger Minuten erfahren, die mich dann sofort fast unbeweglich machten. Die anschließenden Punktierungen des Orthopäden erfolgten erfolgten jeweils 1 bis 2 Tage später, mit darauf folgender kurzer Erleichterung. Ein ursächlicher Kausalzusammenhang mit den Folgen eines Sturzes oder einer Verdrehung ist nicht gegeben, so bleibt es bisher ein Rätsel.