Gelenkentzündung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 3. Juli 2016
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Der menschliche Körper besitzt über 100 bewegliche Gelenke. Entzündliche Gelenkerkrankungen können in jedem Alter auftreten und beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten oft erheblich. Eine Gelenkentzündung, in der Fachsprache auch als Arthritis bezeichnet, kann akut oder chronisch verlaufen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Gelenkentzündung?

Unter einer Entzündung versteht man eine Abwehrreaktion des Immunsystems auf einen (potenziell) schädlichen Reiz. Dabei kann es sich um eine mechanische Reizung, eingedrungene Mikroorganismen, Giftstoffe oder auch um körpereigene Substanzen handeln. Findet ein solcher Prozess innerhalb eines Gelenks statt, spricht man von einer Arthritis oder Gelenkentzündung.

Sofern nur ein Gelenk betroffen ist, handelt es sich um eine Monarthritis. Es ist jedoch auch möglich, dass sich das Entzündungsgeschehen in mehreren Gelenken abspielt (Oligoarthritis). Sobald mehr als fünf Gelenke beteiligt sind, wird die Erkrankung als Polyarthritis definiert.

Ursachen

Es kommen verschiedene Ursachen für Gelenkentzündungen in Betracht. Bei der bakteriellen oder eitrigen Gelenkentzündung sind Mikroorganismen ins Innere des Gelenks vorgedrungen. Dies kann einerseits bei Verletzungen oder chirurgischen Eingriffen geschehen, andererseits können die Erreger auch über die Blutbahn von anderen Entzündungsherden aus einwandern.

Bei abakteriellen Gelenkentzündungen befinden sich hingegen keine Erreger im Gelenk selbst. Eine sogenannte reaktive Gelenkentzündung liegt vor, wenn sich das Immunsystem gegen eine außerhalb des Gelenks lokalisierte Infektion wendet und sich diese Immunreaktion bis in das Gelenk hinein fortsetzt, wie z. B. bei einer Borrelieninfektion nach einem Zeckenbiss.

Ein Autoimmungeschehen kann zur rheumatoiden Gelenkentzündung führen. Ebenso können Gelenkentzündungen mit bestimmten Stoffwechselerkrankungen wie Gicht oder Psoriasis einhergehen. Als weitere Ursache kommt eine aktivierte Arthrose, d. h. ein Gelenkverschleiß mit Entzündungsfolge, infrage.

Symptome und Verlauf

Typische Anzeichen einer Gelenkentzündung:

Von Gelenkentzündung betroffene Gelenke.

Charakteritische Symptome einer Gelenkentzündung sind die fünf allgemeinen Entzündungszeichen:

  • Rubor (Rötung),
  • Calor (Erwärmung),
  • Dolor (Schmerz),
  • Tumor (Schwellung) und
  • Functio laesa (eingeschränkte Funktion).

Zusätzlich kann sich ein allgemeines Krankheitsgefühl einstellen. Innerhalb kurzer Zeit kann eine bakterielle Gelenkentzündung den Gelenkknorpel weitgehend zerstören. Ohne schnelles ärztliches Eingreifen können sich die Erreger weiter im Körper ausbreiten und im schlimmsten Fall zu einer Sepsis mit eventuell einhergehendem Organversagen und Todesfolge führen.

Bei der rheumatoiden Gelenkentzündung erkennt das Immunsystem fälschlicherweise körpereigenes Material als Fremdkörper und reagiert mit einem Entzündungsprozess. Die Synovialis bzw.

Gelenkschleimhaut beginnt aggressiv zu wuchern, in schweren Fällen bis hin zur vollständigen Zerstörung des Knorpels mit nachfolgendem Knochenabbau.

Die Symptome beginnen oft schleichend als allgemeines Krankheitsgefühl mit Gewichtsabnahme und leichtem Fieber. Hinzu kommen morgendliche Steifigkeit der Fingergelenke sowie Schwellung, Rötung und Schmerzen. Am häufigsten sind die Handwurzel- und Fingergrundgelenke betroffen, allerdings kann sich die Gelenkentzündung mit der Zeit auf andere Gelenke ausweiten. Die Erkrankung verläuft in Schüben und deformiert die betroffenen Gelenke.

Diagnose

Neben den typischen Symptomen bzw. Anzeichen einer Gelenkentzündung eignet sich zur Diagnose eine Blutuntersuchung, bei der eine Erhöhung des C-reaktiven Proteins, der Blutsenkungsgeschwindigkeit sowie der sogenannten Rheumafaktoren für eine Gelenkentzündung sprechen. Diese Befunde treten allerdings auch bei anderen Erkrankungen auf bzw. lassen sich manchmal trotz vorliegender rheumatoider Gelenkentzündung nicht nachweisen. Bildgebende Verfahren (u.a. Ultraschall, MRT, Röntgenuntersuchung) zeigen Knochenschädigungen und Gelenkfehlstellungen wie Abrieb, Osteoporose, Ulnardeviation oder die charakteristische Knopfloch- oder Schwanenhalsdeformität der Finger.

Behandlung und Therapie

Zur medikamentösen Behandlung einer Gelenkentzündung werden meist mehrere Wirkstoffgruppen kombiniert: Schmerzmittel, Glucocorticoide (immunsuppressiv und entzündungshemmend, z. B. Cortison), nichtsteroidale Antirheumatika (schmerzlindernd und entzündungshemmend) sowie Basistherapeutika (zur langrfristigen Eindämmung des Krankheitsverlaufs). Oft ist zusätzlich eine operative Therapie notwendig.

Im frühen Stadium einer Gelenkentzündung wirkt sich eine Synovektomie (Entfernung der entzündeten Gelenkschleimhaut)häufig günstig auf den weiteren Krankheitsverlauf aus.

In fortgeschrittenen Entzündungsstadien kann ein betroffenes Gelenk jedoch oftmals nicht gerettet werden, sondern muss entfernt werden. Die Gelenkresektion kommt zum Einsatz, wenn die Gelenkentzündung bereits zu starker Deformierung und Knochenschäden geführt hat.

Zusätzlich kann eine Arthrodese durchgeführt werden. Dabei handelt es sich um eine Gelenkversteifung. Nach dem Entfernen des Gelenks werden die Knochenenden aneinander fixiert, so dass zwar keine Beweglichkeit mehr gewährleistet ist, aber auch keine Schmerzen mehr auftreten.

Sollen stark geschädigte Gelenkteile entfernt werden, das Gelenk als solches aber in seiner Funktion erhalten bleiben, bietet sich eine Arthroplastik unter Verwendung körpereigener Sehnen an. Ist dies nicht möglich, kann auch eine Endoprothese, also ein künstliches Gelenk, das Mittel der Wahl sein, doch wie auch bei Arthrosepatienten wird diese Option so lange wie möglich hinausgezögert, da es sich bei Endoprothesen um Verschleißteile handelt, die früher oder später ersetzt werden müssen. Als Alternative zur Operation findet bei Gelenkentzündungen mitunter auch das nuklearmedizinische Verfahren der Radiosynoviorthese Anwendung.



Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Gelenkentzündung kann es hilfreich sein, die Gelenke nicht zu überlasten. Bestimmte Sportarten wie Fußball, Tennis oder übermäßiger Kraftsport sollten gemieden werden. Gelenkschonende Alternativen sind Schwimmen oder Walken, denn moderate Bewegung wirkt sich günstig auf die Gelenke aus.

Ein weiterer Faktor ist eine ausgewogene Ernährung – einerseits, um die Knochen vor Mangelerscheinungen zu bewahren, und andererseits, um Übergewicht zu vermeiden, das die Gelenke zusätzlich belasten würde.

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