Adipositas (Fettsucht, Fettleibigkeit)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. Oktober 2016
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Die Adipositas, Fettsucht bzw. Fettleibigkeit gilt als Zivilisationskrankheit. Sie zeichnet sich durch starkes Übergewicht bei krankhaft erhöhtem Körperfettanteil aus und geht mit schweren Folgeerkrankungen einher. Verursacht wird die Adipositas meist durch chronische Überernährung und Bewegungsmangel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Adipositas?

Gemäß WHO-Definition spricht man von einer Adipositas, Fettsucht bzw. Fettleibigkeit, sobald der Body-Mass-Index (BMI) den Wert 30 überschreitet. Es werden 3 Schweregrade unterschieden: Adipositas Grad I bei einem BMI bis 35, Adipositas Grad II bei einem BMI bis 40 und Adipositas Grad III (auch: morbide Adipositas) bei noch höheren BMI-Werten.

Ein hoher BMI allein beweist jedoch nicht das Vorliegen einer Fettsucht, da z. B. auch Bodybuilder hohe BMI-Werte erreichen. Für die Diagnose einer Adipositas muss auch das Taille-Hüfte-Verhältnis und der Körperfettanteil berücksichtigt werden.

Ursachen

Meistens entsteht eine Adipositas durch übermäßige Kalorienzufuhr gepaart mit Bewegungsmangel. Essen wird von Betroffenen häufig als Ersatzbefriedigung missbraucht, z. B. bei Einsamkeit, Langeweile oder Stress. Zwillingsstudien bestätigen, dass eine Neigung zur Fettleibigkeit auch durch genetische Faktoren determiniert wird: Die Erbanlagen beeinflussen den Grundumsatz, die Effizienz der Nahrungsverwertung und das Fettverteilungsmuster.

Auch hormonelle Stoffwechselstörungen können eine Adipositas hervorrufen, beispielsweise eine Schilddrüsenunterfunktion, ein Cortisolüberschuss oder eine Überproduktion von Insulin. Neben Hormonen können auch Medikamente für eine starke Gewichtszunahme verantwortlich sein.

Arzneimittelinduzierte Adipositas kann u. a. bei Einnahme bestimmter Neuroleptika, Antidepressiva oder Kortikosteroide auftreten. Schließlich beeinflussen auch sozioökonomische Faktoren die Entstehung einer Adipositas. Generell gilt: Je niedriger der soziale Status, desto höher ist das Risiko, an einer Adipositas zu erkranken.

Symptome und Verlauf von Adipositas

Typische Anzeichen von Adipositas:

Die Adipositas kann sich schleichend über viele Jahre, aber auch in einem kurzen Zeitraum ausbilden. In Industrieländern tritt sie häufig schon im Kindes- und Jugendalter auf. Je früher die Adipositas einsetzt, desto früher entwickeln sich auch Folgeerkrankungen. Da das Übergewicht die Gelenke belastet, sind Schäden am Stütz- und Bewegungsapparat typisch. Diese machen sich z. B. durch Knie- oder Rückenschmerzen bemerkbar.

Darüber hinaus begünstigt Adipositas die Entstehung von Bluthochdruck (Hypertonie), Arteriosklerose und Diabetes mellitus Typ 2. Diese Erkrankungen steigern das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Nicht zu unterschätzen sind auch die psychischen Belastungen: Fettleibige Menschen erfahren gesellschaftliche und oft auch wirtschaftliche Diskriminierungen. Sie haben ein erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken. Insgesamt verringert Adipositas die Lebensqualität und die Lebenserwartung.

Diagnose

Diagnostiziert wird die Adipositas durch eine Bestimmung des Body-Mass-Indexes. Dieser berechnet sich als Quotient aus dem Körpergewicht und der Körpergröße in Metern zum Quadrat. Zusätzlich werden Hüft- und Bauchumfang gemessen. Eine hohe Fetteinlagerung im Bauchbereich gilt als besonders gefährlich. Mittels bioelektrischer Impedanzanalyse lässt sich der Körperfettanteil bestimmen. Wichtig sind außerdem eine ausführliche Anamnese und eine Analyse des Essverhaltens. Zudem sollte erfasst werden, ob bzw. in welchem Ausmaß bereits Folgeerkrankungen vorliegen. Neben der Befragung des Patienten sind diagnostische Hilfsmittel hierfür etwa eine Blutdruckmessung und ein Glukosetoleranztest.

Behandlung und Therapie

Oberstes Ziel einer Adipositastherapie ist immer eine deutliche und dauerhafte Gewichtsreduktion. Bleibenden Erfolg liefert nur eine grundlegende Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten. Das Grundprinzip ist einfach und einleuchtend: Um Fettreserven zu verbrennen, muss der Kalorienverbrauch vorübergehend die Kalorienaufnahme unterschreiten. Um das neue Gewicht zu halten, muss anschließend ein Essverhalten etabliert werden, bei dem die Energiebilanz ausgeglichen ist.

Gelenkschonender Ausdauersport hilft bei der Fettverbrennung, Muskelaufbau durch Krafttraining steigert den Grundumsatz. Bei der Gewichtsreduktion können Patienten durch Ernährungsberatung, angeleitetes Training, Selbsthilfegruppen und Psychotherapie unterstützt werden. Initial kann ein mehrwöchiger stationärer Aufenthalt hilfreich sein, insbesondere bei einer manifesten Esssucht.

Wenn Sport und gesunde Ernährung allein keinen (ausreichenden) Erfolg liefern, kann unter ärztlicher Aufsicht auch eine medikamentöse Hungerkontrolle erfolgen. In Extremfällen sind chirurgische Maßnahmen erforderlich. Gängige Verfahren der Adipositaschirurgie sind das Einsetzen eines Magenbandes, die dauerhafte Verkleinerung des Magens zum Schlauchmagen sowie der sogenannte Magenbypass, bei dem der obere Magenabschnitt unter Umgehung des Zwölffingerdarms direkt an den Leerdarm angeschlossen wird.

Der langfristige Erfolg einer Adipositas-Therapie hängt von komplexen Faktoren ab. Ungefähr 10-20% der Patienten erreichen und halten das angestrebte Gewicht. Generell sollte die Behandlung einer Adipositas so früh wie möglich erfolgen, da schädliche Ess- und Bewegungsgewohnheiten mit den Jahren immer stabiler und änderungsresistenter werden.



Vorbeugung

Vorbeugen lässt sich der Adipositas durch ausgewogene Ernährung und regelmäßigen Sport. Die Ernährung sollte nicht zu fett- und zuckerreich sein. Proteine und Ballaststoffe sorgen für ein lang anhaltendes Sättigungsgefühl. Geschmacksverstärker, Zuckerzusätze sowie Farb- und Geruchsstoffe begünstigen eine Nahrungsaufnahme über den natürlichen Appetit hinaus. Wer trotz eines unveränderten Lebensstils in kurzer Zeit stark zunimmt, sollte einen Arzt konsultieren und etwaige Stoffwechselstörungen behandeln lassen, bevor sich eine Adipositas manifestiert.

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