Depression

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 28. Juni 2017
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Depressionen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Rund 20 Prozent der deutschen Bevölkerung leidet mindestens einmal im Leben an einer Depression. In der Medizin werden Depressionen den Affektstörungen zugeordnet. Prägende Symptome einer Depression sind allgemeine Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit und Antriebsschwäche.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Depression?

Bei der Depression handelt es sich um eine psychische Störung, die zur Gruppe der affektiven Störungen gehört. Eine klinische Depression hat einen Krankheitswert und darf nicht mit dem umgangssprachlichen "Depressionen" – die meist eine leichte, negative Grundstimmung beschreiben – verwechselt werden.

Depressionen sind verbunden mit Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit. Dinge, die früher einmal Spaß bereitet haben, scheinen nun uninteressant und belanglos. Auch Konzentrations- und Schlafstörungen sowie Versagensängste und Selbstzweifel sind typische Anzeichen und Symptome von Depressionen.

Der soziale Rückzug und das Erschaffen einer eigenen Traumwelt sind ebenso typisch für Depressionen. Häufig werden die Depressionen auch von körperlichen Beschwerden wie Schwindel, Kopfschmerzen oder dem typischen "Kloßgefühl im Hals" begleitet. Im schlimmsten Fall können depressive Menschen sogar an Selbstmord denken. Frauen sind von Depressionen weitaus häufiger betroffen als Männer.

Ursachen

Die Ursachen für Depressionen sind äußerst vielfältig. Der Tod eines geliebten Menschen kann ebenso der Auslöser für eine Depression sein wie Stress im Beruf. So ist es nicht verwunderlich, dass bestimmte Berufsgruppen besonders häufig von Depressionen betroffen sind. Vor allem Lehrer und Ärzte sowie Menschen in Führungspositionen leiden häufig an dieser Art der Erkrankung.

Mittlerweile hat man herausgefunden, dass Depressionen vererbbar sind. Traten also bei nahen Angehörigen bereits Depressionen auf, ist das Risiko, an diesen zu erkranken, deutlich erhöht.

Unterschieden werden bei Depressionen die biologischen Faktoren und die psychologischen Faktoren.

Bei den biologischen Faktoren ganz entscheidend ist der Aufbau des Gehirns. Die Aktivität des Gehirns unterscheidet sich von Mensch zu Mensch - bei depressiven Menschen sind die Hirngebiete, welche für das Erzeugen negativer Energien verantwortlich sind, deutlich stärker ausgeprägt. Als psychologische Faktoren wiederum kann man in der Kindheit erworbene negative Denkmuster oder negative Erfahrungen mit Gewalt bezeichnen. Beide können eine Depression auslösen.

Wann zum Arzt?

Ob eine Depression fachärztlich abgeklärt und therapiert werden sollte, hängt in erster Linie vom Umgang der Betroffenen mit ihrer Erkrankung ab. Viele Menschen kennen im Laufe ihres Lebens depressive Verstimmungen. Vor allem wenn diese Verstimmungen auf ein konkretes Ereignis zurückzuführen sind, besteht eine gute Chance, dass mit dem Überwinden der Situation auch die depressiven Gefühle überwunden werden können.

Ein Facharzt für psychische Erkrankungen sollte aber dann aufgesucht werden, wenn die Betroffenen keinen Grund für depressive Gefühle ausmachen können. Auch wenn die Depression aus heiterem Himmel zu kommen scheint und kein akutes Ereignis verarbeitet werden kann, liegt die Gefahr einer endogenen Depression nahe. Da in diesem Fall eine medikamentöse Behandlung meist unumgänglich ist und zeitnah einsetzen sollte, ist der rasche Gang zu einem Arzt ratsam.

Depressionen können mit einer hohen Rate an Suizidalität einhergehen. Eine Behandlung durch einen Arzt sollte deswegen unbedingt in Anspruch genommen werden, wenn Selbstmordgedanken auftreten. Dies gilt auch für Außenstehende, wenn sie Kenntnis von suizidalen Absichten der Betroffenen erlangen. Suizidabsichten im Rahmen einer Depression können auch eine Zwangseinweisung in eine ärztliche Behandlung begründen.

Symptome und Verlauf

Mögliche Symptome einer Depression:

Eine leichte, mittlere oder schwere Depression ist nicht nur durch eine negative Gefühlslage gekennzeichnet, die den Tagesablauf des Betroffenen dominiert; sie führt auch zu einem Interessenverlust und verschwindender Freude an Tätigkeiten: Hobbys geraten aus Lustlosigkeit in den Hintergrund, ein sozialer Rückzug tritt ein.

Weitere Symptome sind Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit, Freudlosigkeit, Selbstzweifel, psychomotorische Störungen, Müdigkeit, Energieverlust, Minderwertigkeitsgefühle, Konzentrationsstörungen und Suizidgedanken. Allerdings müssen nicht alle Symptome zur selben Zeit und bei jedem Betroffenen auftreten: Wenn bereits fünf der genannten Symptome über zwei Wochen hinweg auftreten und diese nicht anderweitig erklärt werden können, spricht man von einer Depression.

Die Depression tritt in Schüben auf, die man als Episoden bezeichnet. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen folgt auf die erste Episode keine weitere mehr; jede weitere Episode steigert jedoch die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Ausbruchs (Rezidiv). Eine Depression verläuft jedoch nicht bei jedem Betroffenen gleich; Verbesserung und Verschlechterung können schnell oder langsam erfolgen. Nach der Besserung (Remission) kann innerhalb von 6 Monaten allerdings auch ein Rückfall eintreten.

Eine Depression dauert in der Regel nicht länger als fünf Monate, nur bei etwa zehn Prozent der Betroffenen wird die Depression chronisch. Immerhin 15 Prozent der Patienten wiederum sehen keinen anderen Ausweg aus der Depression als den Suizid.

Diagnose

Für eine medizinische Diagnose der Depression muss sich der diagnostizierende Arzt vor allem eines nehmen: Zeit. Das Krankheitsbild zeigt vielfältige Symptome auf, die zusammengenommen als Symptomenkomplex nachweisbar sein müssen, um eine gesicherte Diagnose zu erstellen.

Typisch für eine Depression sind vor allem Antriebsstörungen. Neben dem charakteristischen Antriebsverlust kann der Antrieb bei einer sogenannten agitierten Depression deutlich gesteigert sein, was sich beispielsweise in motorischer Unruhe und lauten Klagen äußert.

Weitere Merkmale sind tiefe Niedergeschlagenheit, Gefühle von Leere und Sinnlosigkeit und körperliche Störungen. Im Tagesverlauf empfinden viele Patienten Stimmungsschwankungen, die morgens zumeist mit einem Tief beginnen und sich abends verbessern. Der Schlaf ist beeinträchtigt.

Zu den ärztlichen Diagnosemethoden gehören verschiedene Instrumente. Dazu gehören insbesondere Depressionstest. Zu den bekanntesten Tests gehört der Depressionstest nach Goldberg. Die Testergebnisse werden anschließend mithilfe einer Depressionsskala anaysiert und ausgewertet werden.

Weitere anerkannte Depressionstests sind u.a.: die "Hamilton-Skala" (Fremdbeurteilungsbogen), das "Beck-Depressions-Inventar" (Selbst- und Fremdeinschätzung) die "Paranoid-Depressivitäts-Skala" (Selbsteinschätzungsbogen) sowie das "Inventar depressiver Symptome" (Selbst- und Fremdbeurteilungsbogen).

Komplikationen

Depression kann mit Suizidgedanken und -absichten einhergehen. 3–4 % der Personen, die unter einer Depression leiden, nehmen sich das Leben (Wolfersdorf, 2008). Höher ist die Zahl derjenigen, die einen Suizidversuch begehen. Insgesamt gehen 90 % aller Selbsttötungen auf eine psychische Krankheit zurück (Hegerl, 2005). Suizidalität ist eine ernste Komplikation der Depression und macht eine Behandlung erforderlich. Wenn keine akute Suizidgefahr besteht, kommt auch eine ambulante Therapie bei einem Psychotherapeuten oder Psychiater in Betracht. Auch der Hausarzt ist ein möglicher Ansprechpartner. Wird die Depression nicht behandelt, ist eine Verschlechterung möglich. Darüber hinaus können sich weitere psychische Erkrankungen zeigen, die in direktem Zusammenhang mit der Depression stehen. In dem Versuch, sich selbst zu behandeln, nehmen einige Depressive beispielsweise Drogen oder nicht verschriebene Medikamente.

Vor allem bei schweren depressiven Episoden können sich Betroffene auch körperlich vernachlässigen und/oder stark zurückziehen. Die Isolation verschlechtert die Symptome häufig. Selbstschädigende Verhaltensweisen können ebenfalls als Komplikation auftreten. Dazu gehört selbstverletzendes Verhalten (SVV), bei dem sich der Depressive beispielsweise Brandwunden oder Schnittverletzungen selbst zufügt. Dabei verfolgen Betroffene sehr unterschiedliche Absichten: Selbstbestrafung und der Versuch, sich selbst wieder zu spüren, sind häufige Motive. Selbstverletzung kann mit Suizidalität einhergehen, aber auch unabhängig davon auftreten. Im weiteren Sinne umfassen selbstschädigende Verhaltensweisen auch den Verzicht auf Nahrung, absichtliche Dehydrierung, temperaturunangemessene Kleidung u. a.

Behandlung und Therapie

Von einer Depression sprechen die Ärzte immer dann, wenn mindestens zwei der oben genannten Symptome über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen lang anhalten. Wichtig ist es dann, die Ursache für die Depression zu erkennen, um diese gezielt behandeln zu können. Häufig werden die Depressionen mit bestimmten Medikamenten in Verbindung mit einer psychotherapeutischen Behandlung bekämpft.

Die Medikamente, welche gegen Depressionen zum Einsatz kommen, nennt man Antidepressiva. Diese bringen das Gleichgewicht der Hirnbotenstoffe wieder in Einklang. Leider sind diese Medikamente, deren Wirkung meist erst nach frühestens zwei Wochen einsetzt, von starken Nebenwirkungen wie Schwindel oder Müdigkeit begleitet.

Weitaus wichtiger aber ist die therapeutische Behandlung, in welcher versucht wird, negative Verhaltensmuster zu bekämpfen. Große Erfolge erzielte auch die sogenannte Lichttherapie - besonders bei der Winterdepression wird diese häufig eingesetzt.



Vorbeugung

Entscheidend für die Vorbeugung von Depressionen ist die eigene Denkweise. Man sollte lernen, positiv zu denken und die Fehler nicht immer bei sich selbst zu suchen. Zudem kann ein regelmäßiger und geordneter Tagesablauf helfen, einer Depression vorzubeugen. Vor allem Frauen sind häufig mit der Doppelbelastung Beruf und Familie überfordert. Man sollte versuchen, auch an sich zu denken und möglichst jeden Tag ein positives Erlebnis einzubauen. Geschützt allerdings ist keiner vor einer Depression - die Krankheit kann jeden treffen.

Bücher über Depression

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

josi kommentierte am 10.12.2015 um 22:15 Uhr

Finde dich selbst, geh neue Wege und kämpfe! Sprich mit deiner Seele und vor allem – treibe Sport! Ich hatte vor 2 Jahren ein sehr starkes Burn Out, nehme noch immer Antidepressiva, habe aber dennoch ein total neues Leben begonnen und nie aufgegeben. Egal ob arm oder reich oder wie krank du bist oder du dich fühlst! Aktiviere deine Selbstheilungskräfte und versuch einfach mal Neues! Nicht die Medikamente helfen dir, du selbst bist es!