Leberkrebs

Letzte Aktualisierung am 27. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Größtes Organ des Körpers ist die Leber: Sie gilt als zentrales Stoffwechselorgan und Entgiftungszentrale des Körpers für Alkohol & Co. - sie erfüllt damit lebenswichtige Aufgaben. Auslöser des primären Leberkrebses ist in den meisten Fällen (ca. achtzig bis neunzig Prozent) eine Leberzirrhose - sie ist vor allem durch übermäßigen Alkoholkonsum bedingt. Männer erkranken häufiger an Leberkrebs als Frauen. Im Frühstadium sind Symptome selten, im weiteren Verlauf können unspezifische Beschwerden wie Schmerzen im rechten Oberbauch auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Leberkrebs?

Entstehen in den Leberzellen bösartige Neubildungen, ist von Leberkrebs die Rede. Es wird zwischen primärem und sekundärem Leberkrebs differenziert. Stammen die bösartigen Geschwülste direkt aus den Leberzellen, spricht man von primärem Leberkrebs. Wenn die bösartige Geschwulst auch in der Leber entsteht, jedoch nicht aus deren Zellen, sondern vielmehr aus Zellen anderer Gewebe, welche in der Leber ihren Wachstumsprozess fortsetzen, liegen Tochtergeschwülste anderer Organe (Lebermetastasen) vor. Dies bezeichnet man als sekundären Leberkrebs. In Deutschland gilt Leberkrebs mit weniger als 10.000 Erkrankungen jährlich als vergleichsweise seltenes Tumorleiden. Zwei Drittel der Neuerkrankungen betreffen Männer.

Ursachen

Bis heute sind die Ursachen für Leberkrebs nicht ganz geklärt. Es sind jedoch eine Vielzahl von Risikofaktoren bekannt, welche maßgeblich zur Entstehung von Leberkrebs beitragen. Inzwischen wird - neben Alkohol - die Zunahme des Übergewichts in unserer Bevölkerung als der wichtigste begünstigende Faktor betrachtet. Primärer Leberkrebs ist in der Regel Folge einer Leberzirrhose oder aber molekular-genetisch bedingt.

Eine Leberzirrhose, welche das Endstadium chronischer Lebererkrankungen bezeichnet, gilt als hauptverantwortlich für die Entwicklung von bösartigem Leberkrebs. Chronischer Alkoholmissbrauch sowie chronische Virusinfektionen begünstigen maßgeblich die Entstehung einer Zirrhose. Bei der Leberzirrhose, die auf einer angeborenen Störung des Eisenstoffwechsels beruht, ist das Erkrankungsrisiko um ein Mehrfaches erhöht.

Daneben existieren noch weitere Ursachen, welche die Entstehung von primärem Leberkrebs begünstigen, zum Beispiel die Aufnahme von bestimmten Giftstiffen von Aspergillus flavus, einem Pilz, der sich auf bestimmten Nahrungsmitteln ausbreitet. Zudem können Stoffwechslerkrankungen genauso wie Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 verantwortlich sein. Selbst die Einnahme bestimmter Sexualhormone sowie die berufliche Belastung mit diversen Lösungs- und Pflanzenschutzmitteln kann Leberkrebs befördern.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome des Leberkrebs:

Leberkrebs verläuft zu Beginn seines Wachstums in der Regel weitgehend beschwerdefrei: Der Betroffene bemerkt also anfangs kaum etwas von seiner Krankheit - außer manchmal einem eher diffusen Völlegefühl im Oberbauch. Die ersten, meist jedoch unspezifischen Anzeichen, welche auf Leberkrebs hindeuten können, machen sich normalerweise erst im fortgeschrittenen Stadium dieser Krankheit bemerkbar. Zu diesem Zeitpunkt kann es nicht selten für eine vollständige Heilung bereits zu spät sein.

Patienten berichten dann von einem eher allgemeinen Krankheitsgefühl - von vergleichsweise schneller Müdigkeit und abnehmender Leistungsfähigkeit. Außerdem kann ein ungewollter Gewichtsverlust Indikator für Leberkrebs sein. Ist der Leberkrebs weiter fortgeschritten, nimmt die Beeinträchtigung der Leberfunktionen immer weiter zu. In der Folge kann es zu Gelbsucht kommen.

Eine eingeschränkte Eiweißproduktion der Leber führt nicht selten zu Wasseransammlungen in den Beinen sowie im Bauch. Auch eine Beeinträchtigung der Blutgerinnung ist nicht ausgeschlossen. Auch kann es vermehrt zu Krampfadern in Speiseröhre und auch im Magen sowie Bauchbereich kommen. Am Ende sind es die Schmerzen im rechten Oberbauch, die mehr oder weniger eindeutig auf Leberkrebs in einem fortgeschrittenen Stadium hindeuten.

Wann zum Arzt?

Richtiger Ansprechpartner bei Leberkrebs beziehungsweise dessen Verdacht sind der Hausarzt und/oder der Facharzt für Innere Medizin. Schon die Schilderung der Beschwerden liefert dem Arzt wichtige Erkenntnisse zum aktuellen Gesundheitszustand des Patienten. Mögliche Fragen können sich beziehen auf eine potentielle chronische Entzündung der Leber oder aber eine möglicherweise vorliegende Leberzirrhose. Auch können Auslandsreisen in asiatische oder afrikanische Länder ein Thema sein. Darüber hinaus ist auch die Frage des Alkoholkonsums von evidenter Bedeutung. Und zu guter Letzt spielen selbstverständlich häufig wechselnde Sexualpartner wegen eines erhöhten Risikos für Hepatitis B/C eine gewichtige Rolle bei der Erforschung möglicher Ursachen für Leberkrebs.

Diagnose

Bei Verdacht auf Leberkrebs nimmt der Arzt verschiedene Untersuchungen vor: Er versucht erst einmal zu eruieren, ob ein bösartiger Tumor überhaupt vorliegt. Wenn ja, versucht er zu klären, um welche Tumorart es sich handelt und in welchem Stadium sich die Krankheit befindet. Elementare Untersuchungsschritte hierbei sind - neben der Anamnese (Krankengeschichte) - eine gründliche körperliche Untersuchung genauso wie die Ultraschalluntersuchung der Leber sowie diverse Blutuntersuchungen.

Deutet das Ergebnis auf Leberkrebs hin, folgen weitere Untersuchungen, um sowohl die Art als auch die Ausbreitung des Tumors zu ermitteln. Hier kommen verschiedene Untersuchungsmethoden zum Einsatz wie Kernspintomographie (Magnetresonanztomografie (MRT)) der betroffenen Leber, Entnahme von Gewebe aus dem Tumor (Biopsie), feingewebliche Untersuchung der entnommenen Gewebes sowie Computertomographie(CT) des Brustraums. Nicht selten erscheint es angezeigt, noch eine Magen- beziehungsweise Darmspiegelung vorzunehmen. Letztere Untersuchungsmethoden kommen insbesondere bei Verdacht auf einen „sekundären“ Lebertumor zum Einsatz. Erst nach Vorliegen aller Untersuchungsergebnisse können die notwendigen Behandlungsschritte gewählt werden.

Komplikationen

Sind die Leberzellen erst einmal entartet, sind sie nicht mehr in der Lage, ihre Entgiftungs- und Stoffwechselfunktion zu erfüllen. Die via Eiweißstoffwechsel generierten Giftstoffe (Amoniak, Phenole, Amine) können nicht mehr in ausreichendem Maße abgebaut werden - sie gelangen nicht selten ins Gehirn und schädigen dort die Hirnzellen.

In der Folge kann es neben Depressionen und Antriebslosigkeit mit entsprechenden Persönlichkeitsveränderungen sogar zu Bewusstseinsstörungen und Leberkoma kommen. Letzteres endet mitunter tödlich. Der schleichende Vergiftung des Körpers folgt das Nierenversagen. Im Spätstadium kann es zur Ausbreitung des Leberkrebses im gesamten Körper kommen. Tochtergeschwüre beziehungsweise Metastasen können sich dann nicht nur in den benachbarten Lymphknoten, sondern auch in Lunge, Knochen, Nebennieren sowie Bauch- und Brustfell bilden. Eine solche Komplikation ist allerdings nicht allzu häufig.

Behandlung und Thearpie

Steht die Diagnose Leberkrebs fest und sind Art des Tumors sowie Ausmaß seiner Verbreitung bekannt, schlägt der Arzt dem Patienten die entsprechende Behandlung/Therapie vor. Hier können verschiedene Behandlungsmethoden zum Einsatz kommen. Eine Operation mit Leberteilentfernung oder Lebertransplantation wird vor allem davon abhängig gemacht, ob über die Tumorerkrankung hinaus noch eine Leberzirrhose besteht oder nicht. Hierzulande sind Leberkrebse ohne zugrunde liegende Leberzirrhose vergleichsweise selten. Deren Entfernung via Operation erscheint als die „beste“ Therapie, wenn es gelingt, das Tumorgewebe gänzlich zu eliminieren und auf diese Weise eine dauerhafte Heilung sicherzustellen.

In der überwiegenden Anzahl der Fälle (>75 Prozent) ist es zum Zeitpunkt der Diagnose jedoch bereits nicht mehr möglich, den Leberkrebs chirurgisch zu entfernen. Als Alternative zur Operation genauso wie als überbrückende Maßnahme bis zur späteren Lebertransplantation kommen örtliche, den Tumor zerstörende sogenannte lokal-ablative Verfahren zum Einsatz. In diesem Kontext sind insbesondere die Mikrowellenablation (MWA) sowie die Radiofrequenz-Ablation (RFA) zu erwähnen. Ist es weder operativ noch lokal-ablativ möglich, den Leberkrebs vollständig zu zerstören, wird von der transarteriellen Chemo- oder auch Radio-Embolisation und/oder der medikamentösen Therapie Gebrauch gemacht.

Aussicht und Prognose

Wie gut die Heilungschancen bei Leberkrebs sind, hängt ganz maßgeblich vom Stadium ab, in welchem der Leberkrebs erstmals entdeckt wird. Entscheidende Faktoren für eine seriöse Prognose sind neben Größe und Lage auch die Anzahl der Tumore. Es gilt: Je früher eine exakte Diagnose gestellt wird, desto besser die Heilungschancen. Da Leberkrebs jedoch in den meisten Fällen erst relativ spät bei den Betroffenen in Erscheinung tritt, wird demzufolge auch die Mehrzahl der Leberkrebserkrankungen erst in einem bereits fortgeschrittenen Stadium entdeckt.

Die Heilungschancen werden weiterhin von der Frage „Primärer oder sekundärer Leberkrebs“ beeinflusst. Bei sekundärem Leberkrebs ist die Lebenserwartung ganz wesentlich durch die ursprüngliche Krebserkrankung und deren Verlauf determiniert. Bei Vorliegen eines primären Leberkrebses, welcher via Operation eliminiert werden kann, ist bei mehr als fünfzig Prozent der Patienten von mindestens fünf Jahren Lebenserwartung auszugehen. Bei nicht wenigen Betroffenen hat der Leberkrebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits ein Stadium erreicht, welches nur noch geringe Heilungschancen bietet. Dies gilt umso mehr, wenn es schon zur Bildung von Metastasen gekommen ist. Eine sogenannte palliative Therapie unter diesen Bedingungen führt zu einer durchschnittlichen Lebenserwartung von sechs bis zwölf Monaten.

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Vorbeugung

Um die Belastung der Leber auf ein Minimum zu reduzieren, erscheint eine ausgewogene, fettarme Ernährung unumgänglich. Der Alkoholgenuss sollte weitgehend eingeschränkt werden, dasselbe gilt für den Tabakkonsum. In puncto Deckung des Vitaminbedarfs sind frisches Obst und Gemüse äußerst wichtig. Daneben sollen auch Getreide und Vollwertprodukte auf dem täglichen Speiseplan stehen - liefern diese doch die notwendigen Ballaststoffe. Regelmäßige körperliche Betätigung - etwa dreißig Minuten täglich - beugt nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor, sondern verringert auch das Krebsrisiko.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013


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