Hyperventilation

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 7. Oktober 2016
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Hyperventilation bezeichnet den gesteigerten Bedarf der Lungen nach Luft. Das lateinische ventilare bedeutet in etwa fächeln, und hypo stammt aus dem Griechischen und ist ein Wort der Steigerung im Sinne von "über". Gemeint ist ein deutlich gesteigerter (wenn auch unnötiger) Bedarf, seine Lungen zu belüften.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hyperventilation?

Bei der Hyperventilation müssen die Lungen verstärkt mit Sauerstoff versorgt werden. In dieser Situation passieren chemisch im Körper bestimmte Abläufe: der pH-Wert des Blutes steigt etwas an (das Blut wird alkalischer) als Folge der Abnahme des CO2-Gehalts (Kohlenstoffdioxid-Partialdruck).

Verursacht werden kann eine solche Störung der Aremregulation nicht nur durch körperliche Dysfunktion, sondern in vielen Fällen kann sie auch psychisch bzw. psychosomatisch begründet sein. Hyperventilation hat aber nichts zu tun mit einem erhöhten Atmungsbedarf bei körperlicher Anstrengung (Arbeit, Sport).

Ursachen

Die Ursache einer Hyperventilation ist eine sehr oft psychisch bedingte Störung der Atemregulation, ausgelöst z. B. durch Panik, Erregung, Schmerz, Angst, oder manchmal auch durch eine Depression.

Im Fall einer körperlichen Ursache kann diese oft im Kopfbereich lokalisiert werden, z. B. bei Hirntumor, Schlaganfall, Schädel-Hirn-Trauma, Hirnentzündung, aber es kommen auch Störungen im Elektrolythaushalt, Infektionen oder Vergiftungen in Frage. Ein vermehrter Bedarf an Sauerstoff, der durch hochfrequente Atmung versucht wird zu erzielen, kann auch bei Erkrankungen der Lunge oder bei Herzinsuffizienz auftreten.

Das quantitative Maß für die Versorgung des Körpers mit Sauerstoff bezeichnen die Mediziner als "Atemminutenvolumen". Dieser Wert erhöht sich immer dann, wenn sich die CO2-Konzentration in den Arterien erhöht. Zur Messung dieser Gaskonzentration verfügt unser Körper extra über Chemorezeptoren z. B. im Hirnstamm. Bereits bei normaler (flacher) Atmung ist unser Blut schon fast mit Sauerstoff gesättigt (Sättigungsgrad ca. 97%), insofern bedeutet eine Hyperventilation nicht unbedingt eine deutliche Steigerung des Sauerstoffgehalts.

Stattdessen führt das ebenfalls beschleunigte Ausatmen zu einer erhöhten Abgabe von CO2, dessen Konzentration sich nun im Blut verringert mit der Folge einer respiratorischen Alkalose, also einem Anstieg des pH-Wertes des Blutes. Dies löst wiederum eine Störung des Elektrolythaushaltes aus, was insbesondere eine (relative) Abnahme des im Blut gelösten Calciums nach sich zieht. Die Wirkung dessen betrifft besonders das Nervensystem, in dem sich daraus ein Zustand der Übererregbarkeit auch mit Auswirkungen auf die Muskulatur ergibt (Verkrampfungen).

Es sind nun insbesondere die Gefäße im Gehirn, die leider etwas paradox auf diese Situation reagieren. Die CO2-Abnahme wird so interpretiert, dass eine Sauerstoffübersättigung vorliegt (was aber nicht der Fall ist). Die Hirngefäße steuern dem mit einer Verengung (Konstriktion) entgegen und bewirken damit genau eine Unterversorgung des Gehirns mit Sauerstoff.

Krankheiten

Symptome und Verlauf

Was also hinsichtlich der Symptomatik von Hypervenilation zu beobachten ist, das ist die schnelle Atemfrequenz (Tachypnoe), wobei der Betroffene aber gleichzeitig Luftnot und den Drang nach tiefen Atemzügen und Gähnen hat. Hinzu kann ein Gefühl der Beengtheit in der Brustregion kommen gepaart mit Herzklopfen und Herzstechen, was oftmals einen Herzinfarkt vermuten lässt. Parallel dazu kann auch ein Reizhusten entstehen.

Die oben erwähnte Beeinträchtigung des Nervensystems beschert dem Betroffenen darüber hinaus auch noch Missempfindungen wie Ameisenkribbeln, Zittern, Muskelkater, die Hände verkrampfen zur so genannten Pfötchenstellung, auch die Lippen können sich zu einem "Karpfenmaul" verformen. Die zusätzlich möglichen Erscheinungen wie Schwindel, Sehstörungen oder Kopfschmerzen muten dabei eher als harmloser Nebenkriegsschauplatz an.

Lebenssituationen mit psychischer Belastung sind leider häufig langfristig angelegt, so dass Hyperventilation im Sinne einer psychosomatischen Erkrankung auch dauerhaft vorliegen und in ein chronisches Krankheitsbild übergehen kann, ggf. auch mit der Folge von Verdauungsstörungen (Reizdarmsyndrom). Der Entzug an Lebensenergie durch diese Erkrankung führt natürlich zu ständiger Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit und insgesamt zu einer ziemlich hohen Reizbarkeit einschließlich eines hohen Maßes an Wetterfühligkeit.

Behandlung und Therapie

Kommen wir hinsichtlich Behandlung und Therapie zurück zur akuten Hyperventilation: als erste Maßnahme steht im Vordergrund, die Atmungsaktivität beim Betroffenen zu reduzieren, zu beruhigen, zu verlangsamen. Das ist leichter gesagt als getan, denn der Patient ist extrem erregt und voller Angst.

An dieser Stelle kommt die Papier- oder Plastiktüte zum Einsatz, ein einfacher Trick, mit dem man sich als Betroffener ggf. auch schnell selbst helfen kann. Die so genannte Rückatmung ohne Sauerstoffzufuhr bewirkt einen raschen Anstieg der CO2-Konzentration im Blut, wodurch sich nun die Gefäße im Gehirn langsam wieder weiten können.

Zusätzlich helfen kann eine Sedierung des Patienten, also die Verabreichung eines Beruhigungsmittels (z. B. Benzodiazepin). Eine intravenöse Gabe von Calcium ist dann in der Regel nicht mehr erforderlich, aber im Prinzip auch möglich.



Vorbeugung

Die längerfristige Behandlung bzw. die Therapie im Falle des chronischen Hyperventilationssyndroms zielt dann ab auf die Einregelung des psychosomatischen Anteils dieser Erkrankung in Begleitung von Atemtherapien und Physiotherapien.

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