Schwindel

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 11. Mai 2017
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Schwindel (Vertigo) bezeichnet eine Störung des Gleichgewichtsempfindens. Schwindel kann alleine oder als Begleiterscheinung verschiedener Krankheiten auftreten. Erkrankungen, die vom Nervensystem ausgehen, zu niedriger Blutdruck oder eine nicht ausreichende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff führen oft zu Schwindel.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schwindel?

Die Welt um einen herum schwankt und dreht sich. Man selbst hat das Gefühl zu wanken oder jeden Moment umzukippen. Menschen die unter Schwindel (Vertigo) leiden, berichten darüber, dass man das Gleichgewicht verliert, die Orientierung und Koordination gestört ist und Bewegungen verzerrt wahrgenommen werden.

Betroffene Personen haben eine erhöhte Fallneigung und verspüren manchmal auch starke Übelkeit und müssen sich übergeben. Die Symptome und Ursachen von Schwindel sind vielfältig. Schwindel kann plötzlich und vorübergehend auftreten oder aber auch zu einer chronischen Belastung werden. Generell gibt es drei Grundtypen von Schwindel.

Schwankschwindel führt zu Problemen beim Gehen oder beim Stehen. Drehschwindel ist durch ein starkes Drehgefühl und Übelkeit charakterisiert und Lagerungsschwindel ist eine Form von Schwindel, die auftritt, wenn man den Kopf zur Seite neigt.

Ursachen

Es gibt viele verschiedene Ursachen für das Auftreten von Schwindel. Der normale Schwindel entsteht meist durch eine unbekannte oder ungewohnte Sinnesreizung und ist somit eine Art Schutzmaßnahme des Körpers - z.B. in Höhe, oder bei schnellen Richtungsänderungen (Achterbahn).

Schwindel kann auch als ein Symptom einer komplexeren Erkrankung auftreten. So kann Schwindel ein Begleitsymptom für Kreislauferkrankungen, Vergiftungen, Halswirbelsäulenfehlstellungen, Hörstürzen, Diabetes, Innenohrentzündung und anderen Erkrankungen sein. Auch Sauerstoffmangel, das Rauchen oder eine Brille mit falscher Sehstärke können Schwindel auslösen.

Schwindel kann jedoch auch ein Zeichen für krankhafte Störungen des Gleichgewichtssinns und der dafür zuständigen Systeme, wie Ohren, Augen und Gehirn, sein. Weitere Ursachen sind unter anderem eine nicht ausreichende Nahrungs- bzw. Flüssigkeitszufuhr und Blutdruckveränderungen.

Schwindelanfälle können auch während einer Schwangerschaft oder als eine Folge eines Sonnenstichs auftreten. Darüber hinaus kann Schwindel jedoch auch von der Psyche (seelischer Stress, Angststörungen, Depression) ausgehen oder durch Medikamente (z.B. Blutdrucksenker) ausgelöst werden.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, wenn der Betroffene die Ursache des Schwindels nicht selbst erkennt, der Schwindel ohne konkreten Grund neu auftritt oder Schwindelattacken sehr plötzlich auftreten. Schwindel kann gerade bei älteren Menschen Vorbote eines Schlaganfalls sein. Schwindel sollte auch ärztlich untersucht werden, wenn die Beschwerden besonders stark sind, nicht vorübergehen oder Betroffenen bei bestimmten (Kopf-)Bewegungen schwindelig wird.

Ein Arztbesuch ist auch empfehlenswert, wenn andere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Hörstörungen, Sehstörungen, Benommenheit, Ohnmacht, Übelkeit, Müdigkeit, Fieber, Herzstolpern oder Atemnot hinzukommen. Wenn Personen das Gefühl haben, auf festem Grund zu schwanken, ohne dass sich die Umgebung bewegt, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Tritt Schwindel während einer Ohrerkrankung, einer Grippe, einer Infektionskrankheit wie Masern oder Scharlach oder einer Herpes-Zoster-Infektion auf, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. Wenn Personen regelmäßig und in bestimmten Situationen oder in einer speziellen Umgebung, beispielsweise auf einem großen Platz, im Fahrstuhl, in einer Menschenmenge oder vor wichtigen Terminen, schwindelig wird, ist ein Arztbesuch zu empfehlen. Auch wenn Schwindel durch Stress erzeugt wird, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Diagnose und Verlauf

Bei anhaltenden Gleichgewichtsstörungen bzw. Schwindel sollten sie sich bei ihrem Hausarzt vorstellen. Der Arzt fragt zunächst, wann und in welcher Situation die Beschwerden aufgetreten sind und um welche Form des Schwindels es sich handelt.

Kommen die Schwindelattacken plötzlich, meist grundlos und äußern sich als intensiver Drehschwindel? Halten die Beschwerden nur kurze Zeit an und sind anschließend weitestgehend verschwunden? Werden die Schwindelattacken von weiteren Symptomen, wie z.B. einer verminderten Hörfähigkeit, Kopfschmerzen (Migräne) oder Übelkeit begleitet? Sind diese Kriterien zutreffend muss der Arzt von der sogenannten Menière-Erkrankung ausgehen. Auch Migräne oder Durchblutungsstörungen können typische Schwindelattacken auslösen.

Halten die Schwindelgefühle über mehrere Tage oder Wochen an und wechseln in ihrer Intensität, dann spricht man von einem Dauer-Drehschwindel. Diese Form des Schwindels kann u.a. auf eine Mittelohrentzündung, Innenohrentzündung, aber auch Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hindeuten.

Eine weitere Form des Schwindels tritt meist bei bestimmten Lageveränderungen des Kopfes auf. Hier tritt der Schwindel nur kurzzeitig z.B. während des morgendlichen Aufstehens auf.

Geht der Schwindel mit Gleichgewichtsproblemen beim Gehen und Stehen (Gangunsicherheit) einher, sie fühlen sich benommen und haben den Eindruck die Umgebung schwankt, dann handelt es sich um einen Schwank- bzw. Benommenheitsschwindel. Hierfür können Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z.B. Gefäßveränderungen), aber sehr häufig auch psychische Störungen (Angst, Depressionen) als Auslöser in Frage kommen.

Je nach vermuteter Ursache kann der Arzt verschiede Untersuchungsmethoden einsetzen. Neben einer Kontrolle der Sinnesorgane (Augen, Hörvermögen) und einer Überprüfung der Gleichgewichtsfähigkeit, können auch Hirn-Aktivitätsmessungen (EEG) oder bildgebende Verfahren (Ultraschall) zur weitergehenden Diagnose herangezogen werden.

Komplikationen

Der Schwindel wirkt sich in der Regel negativ auf die Lebensqualität der betroffenen Person aus. Es ist nicht mehr möglich, sich ohne Weiteres zu konzentrieren oder aktiv zu arbeiten. Dies schränkt den Betroffenen im Alltag ein und kann dadurch zu Schwierigkeiten in der Schule oder in der Arbeit Führen. Auch ist das Führen und Bedienen von Maschinen nicht mehr möglich. Der Schwindel kann über einen langen Zeitraum anhalten und führt dabei zu Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen. Oft zieht sich der Betroffene zurück und nimmt nicht mehr aktiv am Leben teil. Falls der Schwindel nach einem Sonnenstich oder einem Unfall auftritt, treten in der Regel weitere Symptome wie Kopfschmerzen oder Übelkeit auf. Diese verschwinden mit der Zeit von alleine und führen zu keinen Komplikationen. Allerdings sollte bei Schwindelgefühlen nach einem Unfall ein Arzt aufgesucht werden, da es sich hierbei um eine Gehirnerschütterung handeln kann. Durch den Schwindel kann sich der Patient oft nicht gewöhnlich fortbewegen. Hier besteht eine erhöhte Unfallgefahr, welche vor allem bei älteren Menschen auftritt.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung von Schwindel richtet sich immer nach den auslösenden Faktoren. Bei Bestehen einer Grunderkrankung, muss vorrangig diese behandelt werden, weil erst dann auch alle Begleitsymptome verschwinden können. Es gibt einige Behandlungsmethoden für Schwindel, die jedoch immer von der Ursache abhängig sind – Medikamente, Gymnastik, Physiotherapie, Psychotherapie oder selten auch Operationen.

Geht der Schwindel zum Beispiel von Fehlstellungen der Wirbelsäule aus oder ist die Ursache des Schwindels ein Hörsturz, können Massage und physiotherapeutische Maßnahmen wie Krankengymnastik sehr hilfreich sein. Physiotherapie hilft außerdem dabei, den Gleichgewichtssinn zu verbessern.

Bei Schwindel, der durch ungewohnte Situationen, wie Höhenschwindel, Flugangst oder Reisekrankheit, ausgelöst wird, kann es von Nutzen sein, wenn man sich den selben Reizen, die auch zum Beispiel in einem Auto auf einer kurvigen Straße ausgelöst werden, aussetzt, um diese Situation gewohnt zu werden. Sollte diese Methode erfolglos bleiben, gibt es zusätzlich unterschiedliche Medikamente, die Schwindel verhindern oder zumindest eindämmen können.

Je nach zugrunde liegender Ursache kann es hiebei um sogenannte Antihistaminika oder Antivertiginosa handeln. In Ausnahmefällen (z.B. Tumore, Gefäßverengungen) kann Schwindel auch operativ behandelt werden.



Vorbeugung

Schwindel kann man grundsätzlich kaum vorbeugen, vor allem nicht, wenn dem Schwindel eine bestimmte Erkrankung zugrunde liegt. Die Grunderkrankung muss in jedem Fall behandelt werden, damit der Schwindel nicht mehr auftritt.

Normalem Schwindel, der durch Blutdruckveränderungen entsteht, kann man vorbeugen, indem man ausreichend isst und trinkt, keine ruckartigen Bewegungen macht, vor allem nicht dann wenn es sehr heiß ist. Darüber hinaus sollte man, wenn man an einem niedrigen Blutdruck leidet, niemals zu schnell aufstehen und sich nicht plötzlich drehen.

Schwindel, der im Zuge einer Schwangerschaft auftritt, kann in vielen Fällen vermieden werden, wenn der Blutzuckerspiegel immer auf einem gesunden Niveau bleibt. Dies kann man erreichen, wenn man regelmäßig Nahrung aufnimmt und sich zusätzlich nicht überanstrengt und zwischendurch Ruhepausen einlegt.

Bücher über Schwindel

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Scholsbi kommentierte am 28.08.2016 um 11:07 Uhr

Schwindel nach anstrengung