Reizdarm

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. Januar 2015
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Die Diagnose Reizdarm (Reizdarmsyndrom, Colon irritable) ist eigentlich eine Ausschlussdiagnose, die gestellt wird, wenn ein Patient über lang andauernden Durchfall und Bauchschmerzen klagt und trotz umfangreicher Diagnostik keine zugrundeliegende Krankheit gefunden werden kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das Reizdarmsyndrom?

Unter dem Begriff Reizdarm (Reizdarmsydrom) werden verschiedene Beschwerden des Verdauungstaktes zusammengefasst, ohne das eine organische Ursache vorliegt. Bauchkrämpfe, Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden sind typische Symptome für einen Reizdarm. Häufig treten die Beschwerden in Belastungs- oder Stresssituationen auf.

Meist stellt der Arzt die Diagnose Reizdarm, wenn alle ursächlichen Krankheiten abgeklärt und ausgeschlossen wurden. In der Regel sind die Beschwerden lästig, aber unbedenklich. Reizdarm ist ein relativ häufiges Krankheitszeichen, von dem vor allem Frauen und jüngere Menschen betroffen sind.

Ursachen

Ursachen des Reizdarmsyndroms (Reizdarm) sind, wie sich schon anhand seiner Eigenart als Ausschlussdiagnose ergibt, nicht klar zu nennen. Man weiß nur, dass der Dickdarm aus unbekannten Gründen hyperreagibel ist, also ohne klar zu erkennende Ursache mehr Peristaltik betreibt und somit "unruhiger" ist als der Darm eines gesunden Menschen ohne Reizdarmsyndrom.

Meistens wird das Reizdarmsyndrom den psychosomatischen Krankheitsbildern zugeordnet, also solchen Syndromen, bei denen psychische Prozesse zu körperlichen Symptomen führen. Ein Zusammenhang mit unverarbeitetem psychischem Stress wird im Rahmen dieser Theorie angenommen.

Des Weiteren werden genetische Faktoren diskutiert, klare Zusammenhänge sind hier aber bislang nicht gefunden.

In manchen Fällen kann ein Reizdarmsyndrom durch einen Magen-Darm-Infekt ausgelöst werden. Wer über solche Beschwerden klagt und über längere Zeit darunter leidet, sollte durchaus den Weg zum Arzt wagen. Zunächst geht es darum, schlimmere Ursachen oder Krankheitsbilder auszuschließen. Am unteren Ende der Kette stehen hier vergleichsweise harmlose Ursachen wie Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Wurmerkrankungen oder länger dauernde bakterielle oder virale Infektionen.

Aber auch schwerwiegendere Krankheiten in Form von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Darmtumoren müssen ausgeschlossen werden. Insbesondere Blutbeimengung im Stuhl passt nicht in das Krankheitsbild Reizdarmsyndrom und sollte unbedingt abgeklärt werden!

Darüber hinaus können die Beschwerden auch, je nach genauer Lokalisation, von Leber, Milz, Magen, Niere, Harnwegen sowie weiblichen oder männlichen Geschlechtsorganen herrühren. Die Liste der anderen Ursachen ist dementsprechend lang und bedarf eines umsichtigen, erfahrenen Mediziners.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Reizdarm:

Symptome des Reizdarms sind Bauchschmerzen von krampfartigem, brennendem oder stechendem Charakter, oftmals im Unterbauch, manchmal aber auch rechts oder links unter dem Rippenbogen.

Durchfälle und Blähungen gehören ebenso dazu, manchmal steht auch zeitweilige Verstopfung im Vordergrund. Je nach Ausprägung kann ein Symptom führend sein. Einige Betroffene haben auch Symptome eines Reizmagens in Form von Schmerzen im Oberbauch und Völlegefühl nach dem Essen.

Typisch für das Reizdarmsyndrom ist die Tatsache, dass die Beschwerden, insbesondere der Durchfall, nur tagsüber, nicht aber nachts bestehen. Oftmals verstärken sich die Symptome nach Ärger oder psychischem Stress.

Diagnose

Bei der Diagnose des Reizdarmsyndroms handelt es sich um eine so genannte Ausschlussdiagnose. Es ist wichtig, dass der Patient zuvor ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt führt und alle seine Beschwerden schildert, sodass ein Gesamtbild der Krankheit entsteht.

Der Facharzt wird zur Diagnose auf jeden Fall den Bauch abtasten, eine Stuhlprobe auf Blut überprüfen lassen, um andere Darmerkrankungen auszuschließen sowie mit der Fingermethode den Enddarm auf Veränderungen untersuchen. Zur Sicherheit wird vor Diagnosestellung oftmals eine Koloskopie, also eine Darmspiegelung, durchgeführt und der Bauch mittels Ultraschall komplett untersucht. Manchmal kommt zusätzlich eine Magenspiegelung in Frage, dies ist aber anhand der unterschiedlichen Symptome des Reizdarmsyndroms vom Einzelfall abhängig.

Blutproben geben Aufschluss über mögliche Entzündungsprozesse oder die ordnungsgemäße Funktion der anderen Verdauungsorgane, hauptsächlich der Leber und der Nieren, da diese mit Darmerkrankungen im Zusammenhang stehen können. Auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten sollen durch einen Test ausgeschlossen werden. Lässt sich keine Darmerkrankung feststellen, ist die Diagnose des Reizdarmsyndroms schlüssig.

Behandlung und Therapie

Naturgemäß ist ein Reizdarm harmlos, kann aber sehr hartnäckig und belastend für den Betroffenen sein. Nichtsdestotrotz ist es eine häufige Diagnose: 50% aller Patienten mit Magen-Darm-Beschwerden haben ein Reizdarmsyndrom, Frauen dabei doppelt so häufig wie Männer.

Die Therapie des Reizdarmsyndroms besteht zunächst einmal in einer Ernährungsumstellung hin zu ballaststoffreicher Kost, welche den Stuhl verfestigen soll.

Ballaststoffe finden sich vor allem in pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Salaten und Getreiden und sind für den Körper nicht brauchbar ("Ballast"), passieren den Darm also, ohne mit den anderen Nährstoffen ins Blut aufgenommen zu werden.

Der Vorteil ist, dass sie auf diese Weise Wasser binden und den Stuhl verfestigen können. Man kann sich das so vorstellen, als würde der Ballaststoffbrei den Darm einmal "durchputzen". Zudem wurde für eine ballaststoffreiche Ernährung ein Zusammenhang mit seltenerem Auftreten von Darmkrebs beobachtet.

Reicht eine Ernährungsumstellung nicht aus, so kann ärztlicherseits ein Therapieversuch mit Flohsamenpräparaten unternommen werden. Sind die Schmerzen sehr stark, kann man auch kurzfristig sogenannte Spasmolytika, also muskellösende Medikamente einsetzen.

Insgesamt ist die Therapie des Reizdarms aber schwierig und bedarf oft eines langen Atems. Am wichtigsten ist die Einsicht des Patienten, dass der Befund im Grunde harmlos ist.

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