Vergesslichkeit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. Mai 2017
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Unter Vergesslichkeit versteht man die Charaktereigenschaft, im Alltag Details zu vergessen. Es kann sich dabei um Aufgaben und Verpflichtungen handeln, aber auch um Feinheiten, die weniger bedeutsam sind. Vergesslichkeit kann aber auch auf eine ernste Grunderkrankung (u.a. Alzheimer) hindeuten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Vergesslichkeit?

Von Vergesslichkeit ist die Rede, wenn ein Betroffener wiederholt Dinge vergisst, die er sich hätte merken müssen. Es kann sich dabei um den Zahnarzttermin handeln, aber auch um die Farbe der Jacke des Freundes, mit dem sich der Betroffene gerade getroffen hat. Durch die Vergesslichkeit können Betroffene schlimmstenfalls ihren alltäglichen Aufgaben nicht mehr gerecht werden.

Bei Vergesslichkeit ist die reine Charaktereigenschaft von der Vergesslichkeit zu unterscheiden, die durch eine körperliche Erkrankung hervorgerufen hat. Die sicherlich häufig von Familie und Freunden bemängelte Vergesslichkeit bezüglich ihrer Geburtstage, Gesichter oder Namen ist ebenfalls eine Form der Vergesslichkeit; allerdings ist sie pathologisch nicht relevant und lediglich eine Eigenschaft mancher Menschen.

Ursachen

Vergesslichkeit kann als Charaktereigenschaft angeboren sein oder sich den äußeren Umständen entsprechend entwickeln. Manche Menschen reagieren auf psychischen Stress mit gesteigerter Vergesslichkeit und sind dann nicht mehr dazu in der Lage, so klar wie vorher zu denken.

Die Vergesslichkeit kann aber auch auf körperliche Grunderkrankungen hindeuten. Als Symptom der Alkoholsucht ist Vergesslichkeit eine mögliche Erscheinung; mit erkennbarem Verlauf und Verschlechterung tritt die Vergesslichkeit auch bei Alzheimer auf.

Die unterschiedlichen Arten der Vergesslichkeit unterscheiden sich je nach Ursache stark genug voneinander, um eine Differenzierung vornehmen zu können. Schnell eingetretene Vergesslichkeit deutet auf eine psychische Ursache hin; ist der Verlauf dagegen sehr langsam und schleichend, liegt vermutlich eine körperliche Ursache zugrunde und die Vergesslichkeit entwickelt sich aus einer Erkrankung oder ungesunden Verhalten heraus, das den Körper langfristig zu schädigen beginnt.

Die Ursachen selektiver Vergesslichkeit, bei der sich der Betroffene beispielsweise keine Gesichter merken kann, sind dagegen nicht krankhaft und deuten lediglich auf eine Charaktereigenschaft des Betroffenen hin.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Eine Vergesslichkeit kann bei vielen Menschen auftreten und muss nicht zwingend vom Arzt untersucht werden. Sie tritt vor allem bei älteren Menschen auf und gehört zu den gewöhnlichen Symptomen, die im Alter auftreten. Leider kann die Vergesslichkeit nicht direkt behandelt werden, da es sich dabei um eine Alterserscheinung handelt. Sollte die Vergesslichkeit allerdings schon in den frühen Jahren oder sogar bei Kindern auftreten, muss ein Arzt aufgesucht werden. Tritt die Vergesslichkeit aufgrund von stressigen Situationen auf, dann muss kein Besuch beim Arzt stattfinden, es sollte zunächst der Stress reduziert werden.

Vor allem Kinder sollten keine Probleme mit Erinnerungen haben. Daher kann die Vergesslichkeit auf eine andere Krankheit hindeuten, die auf jeden Fall untersucht werden muss. Auch Erwachsene müssen dann einen Arzt aufsuchen, falls die Vergesslichkeit den Alltag erschwert oder bestimmte Dinge nicht mehr ausgeführt werden können.

Eine häusliche Behandlung findet nicht statt. Falls der betroffene Mensch an einer sehr starken Vergesslichkeit leidet, ist er oft auf die Hilfe der Familie oder die von Pflegern angewiesen, um den Alltag meistern zu können. Ein Arzt sollte nur dann aufgesucht werden, wenn die Vergesslichkeit plötzlich oder schon im Kindesalter eintritt. Auch ist der Besuch dann ratsam, wenn die Vergesslichkeit nach einem Unfall oder nach einem Schlag auf den Kopf auftaucht und weitere Beschwerden wie starke Kopfschmerzen und ein Druck hinter den Augen vorhanden sind.

Diagnose und Verlauf

Psychisch bedingte Vergesslichkeit ist oft schon das ganze Leben über vorhanden gewesen und verschlechtert sich mit der Zeit nicht merklich. Kommt es vermehrt zu Vergesslichkeit, kann sie meistens auf eine Ursache wie Stress im neuen Job oder eine Beziehungskrise zurückgeführt werden. Körperlich bedingte Vergesslichkeit entsteht dagegen über einen langen Zeitraum und wird vom Umfeld dadurch oft nicht erkannt, da sich die Mitmenschen an den Zustand schlichtweg gewöhnen. Diese Art der Vergesslichkeit verschlimmert sich laufend, in den meisten Fällen aber kaum merklich.

Eine Diagnose von Vergesslichkeit fällt hingegen schwer, da der Zustand meistens nur Anzeichen einer zugrunde liegenden Erkrankung ist und daher eher diese diagnostiziert wird. Um Vergesslichkeit zu erkennen, wird meistens aber auf die Aussagen des Umfelds gesetzt. Wenn die vertrauten Mitmenschen die Vermutung äußern, dass ein Betroffener vergesslich ist oder wird, sollte er sich sicherheitshalber ärztlich untersuchen lassen, um die potenzielle Grunderkrankung zu diagnostizieren.

Komplikationen

Die Vergesslichkeit wirkt sich negativ auf das Leben des Patienten aus. Somit ist es nur erschwert möglich, an Konversationen teilzunehmen und den Alltag alleine ohne Weiteres zu meistern. Durch die Vergesslichkeit können auch weitere psychische Erkrankungen gebildet werden, die den Alltag und das Leben des Patienten weiterhin negativ beeinflussen. Durch die Vergesslichkeit kann es durchaus zu gefährlichen Situationen kommen, in welchen sich der Patient selbst unabsichtlich verletzen kann. In diesem Fall ist eine Betreuung des Patienten notwendig, damit es zu keinen weiteren Schäden und Komplikationen kommt. Oft kommt es auch zu psychischen Problemen und Depressionen. Darunter leidet ebenso der Kontakt zu anderen Menschen und der Betroffene fühlt sich niedergeschlagen.

Ebenso kann sich die Vergesslichkeit negativ auf die physische Gesundheit auswirken. So kann eine Inkontinent auftreten oder der Patient vergisst seine täglichen Medikamente. Eine gezielte Behandlung kann nicht durchgeführt werden. Allerdings ist die Betreuung der Patienten möglich, sodass diese trotz Vergesslichkeit ein gutes Leben führen können. Sollte die Vergesslichkeit durch bestimmte Medikamente verstärkt werden, so müssen diese abgesetzt werden. Auch Alkohol und andere Drogen führen zur Vergesslichkeit und sollten im Zuge einer Behandlung nicht eingenommen werden.

Behandlung und Therapie

Vergesslichkeit selbst wird meistens im Rahmen der Heilung oder Linderung einer Grunderkrankung behandelt. Körperliche Ursachen wie Alzheimer sind bis heute unheilbar und können höchstens in ihrem Krankheitsverlauf beeinflusst werden; die Vergesslichkeit tritt dadurch langsamer als ohne Behandlung ein.

Entsteht die Vergesslichkeit dagegen durch Drogenmissbrauch wie bei der Alkoholabhängigkeit, wird sie sich mit deren Behandlung auch selbst mit der Zeit bessern. Einfacher ist die Behandlung der psychisch bedingten Vergesslichkeit; ist die Ursache erkannt, kann daran gearbeitet werden, diese besser zu verarbeiten.

Hat der Betroffene das einmal erlernt, wird sich auch die Vergesslichkeit geben. Sie entsteht gerne durch gesteigerten Stress; das Erlernen effektiver Stressmanagement-Maßnahmen oder schlimmstenfalls ein Entzug aus der stressigen Situation können langfristig Abhilfe schaffen und dafür sorgen, dass die Vergesslichkeit abnimmt.

Auch klare Zeit- und Aufgabenpläne können helfen, die Ursache der Vergesslichkeit zu bannen. Vor allem aber sorgen sie dafür, dass der Betroffene sich seine alltäglichen Aufgaben leichter und effektiver merken und sie jederzeit wieder abrufen kann, wenn er einen klaren Überblick über sie braucht.



Vorbeugung

Körperlichen Erkrankungen, die Vergesslichkeit nach sich ziehen, kann man nur sehr schwer vorbeugen. Alzheimer beispielsweise ist in seiner Entstehung noch nicht vollständig erforscht; die Verringerung des Fleischkonsums kann allerdings helfen, das Risiko zu senken. Psychisch bedingte Vergesslichkeit kann man verhindern, indem man lernt, rechtzeitig zu erkennen, wann man eine Pause braucht.

Am ehesten ist Betroffenen geholfen, indem sie lernen, wann es zu Vergesslichkeit kommen kann; dann können sie in einer ruhigen Minute mit entsprechenden Plänen gegensteuern und dafür sorgen, dass sie sich auf einen Plan beziehen können, wenn sie selbst unter Vergesslichkeit leiden.

Bücher über Vergesslichkeit

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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