Müdigkeit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. Juli 2017
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Müdigkeit ist eigentlich ein ganz normaler Zustand, der jedem vertraut ist, wenn er zum Beispiel die Nacht durchgefeiert hat und am nächsten Morgen nicht aus dem Bett findet. Müdigkeit kann durch eine Vielzahl von Ursachen ausgelöst werden. So ist zum Beispiel chronischer Schlafmangel häufig ein Grund für Antriebsschwäche, Abgeschlagenheit, Erschöfpung und Müdigkeit am Tage.

Inhaltsverzeichnis

Wann ist Müdigkeit krankhaft?

Den Begriff Müdigkeit verwendet man auch bei fehlender Energie, bei Lustlosigkeit und auch bei physischer und psychischer Überforderung. Aber auch diese Symptome sind nicht besorgniserregend, wenn sie nur hin und wieder zu beobachten sind.

Als krankhaft gilt die Müdigkeit dann, wenn sie zum Dauerzustand wird, ohne dass Schlafmangel vorliegt. Ebenfalls sind ständige Erschöpfung und das Bedürfnis, jederzeit ins Bett kriechen zu müssen, ein Hinweis auf krankhafte Müdigkeit.

Müdigkeit wird zum Problem, wenn sie ein Dauerzustand ist. Liegt kein Schlafmangel vor, können die Ursachen sehr vielfältig sein.

Ursachen

Die Ursachen der Müdigkeit sind sehr vielseitig. Wenn wir unzureichenden Nachtschlaf, starke berufliche Überforderung oder hohe sportliche Belastung ausklammern, treffen wir auf eine ganze Palette von Müdigkeitssyndromen, die einer ärztlichen Diagnose und einer entsprechenden Behandlung bedürfen.

Müdigkeit kann vorliegen, wenn der Mensch an bestimmten Krankheiten leidet. So verursachen krankhafte Schlafstörungen wie die Schlafapnoe, bei der während des Schlafes kurzfristig die Atmung aussetzt, chronische Müdigkeit während des Tages.

Ernsthafte Erkrankungen wie die Schilddrüsenunterfunktion, bei der der Organismus auf Sparflamme arbeitet, die chronische Krankheit Diabetes mellitus oder Hepatitis und Herzerkrankungen können die Ursache von Müdigkeit sein.

Auch psychische Erkrankungen wie Depressionen oder auch übermäßiger Alkoholkonsum können zu einem unnatürlichen Schlafbedürfnis führen. Schädliche Umwelteinflüsse werden ebenfalls hierfür verantwortlich gemacht. Aber auch bestimmte Medikamente wie zum Beispiel Antidepressiva oder Antihistaminika, die bei Allergien eingenommen werden, können eine ungewöhnliche Müdigkeit hervorrufen.

Niemand sollte außergewöhnliche Ermüdungserscheinungen, krankhafte Erschöpfungszustände auf die leichte Schulter nehmen. Bei chronischer Müdigkeit sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Eine Müdigkeit tritt häufig bei nicht ausreichendem oder einem unterbrochenen Nachtschlaf auf. In den meisten Fällen muss dafür kein Arzt konsultiert werden. Die Schlafbedingungen sind zu überprüfen und notwendige Veränderungen vorzunehmen. Je nach Alter sollte es mindestens 6-8 Stunden Schlaf pro Nacht geben. Hilfreich sind darüber hinaus über den Tag verteilt kleine Pausen, bei denen sich der Betroffene für einigen Minuten hinlegen kann. In vielen Fällen ist die Müdigkeit auf Unregelmäßigkeiten der Schlafbedingungen zurückzuführen. Eine falsche Matratze, die Zimmertemperatur oder ein Sauerstoffmangel können zu einer Müdigkeit führen.

Hält die Müdigkeit über eine längere Zeit von mehreren Wochen oder Monaten an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Im Organismus kann es eine Mangelerscheinung geben, die näher untersucht und ausgeglichen werden muss. Bei Menschen mit einem niedrigen Blutdruck kommt es häufig zu einer Müdigkeit. Treten weitere Beschwerden wie eine verringerte Reaktionsfähigkeit oder Aufmerksamkeitsdefizite auf, kann der Betroffene mit koffeinhaltigen Substanzen und zusätzlicher Bewegung, den Blutdruck anregen. Genügen die Maßnahmen nicht, ist ein Arzt zu konsultieren.

In Zeiten der emotionalen Anspannung kommt es oft zu einer Müdigkeit. Stress, beruflicher Druck und ein Gefühl der Überforderung tragen zu den Beschwerden bei. Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn dieser Zustand länger anhält oder der Betroffene Unterstützung benötigt.

Diagnose und Verlauf

Nahezu jede Krankheit kann müde machen. Der Körper signalisiert hiermit, dass er spezielle Unterstützung und vor allem Ruhe braucht. Bei verschiedenen Krankheiten ist das Begleitsymptom Müdigkeit jedoch besonders häufig zu beobachten.

In erster Linie zeigt Müdigkeit an, dass irgendetwas im Körper nicht stimmt und dass er sich gegen eine Unregelmäßigkeit wehrt. Dies kann beispielsweise eine beginnende Infektion sein. Jedoch begleiten Müdigkeitsgefühle als allgemeines Krankheitssymptom ganz verschiedene gesundheitliche Probleme. Besonders häufig klagen Betroffene bei bestimmten Krankheiten über Müdigkeit. Entzündungen, akute und chronische Infektionen sowie Blutarmut gehen vielfach mit großer Müdigkeit einher.

Dasselbe gilt für Personen, die häufig unter niedrigem Blutdruck oder Lungenerkrankungen leiden. Müdigkeit ist der Schmerz der Leber, so heißt ein Leitsatz in der Medizin. Entsprechend häufig klagen Personen unter Müdigkeit, deren Leber oder Nieren in Mitleidenschaft gezogen sind. Auch bestimmte Autoimmunerkrankungen, Stoffwechsel- und Hormonstörungen können Müdigkeit als Begleitsymptom mit sich bringen. Ebenso können auch psychische Erkrankungen, wie beispielsweise Burnout oder Depressionen, Grund für große Müdigkeit sein.

Hält Müdigkeit über einen längeren Zeitraum hinweg an, sollte in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Ursachenforschung ist bei Müdigkeit der Schlüssel zur Genesung. Vielfach bleibt hierbei nichts anderes übrig, als den Betroffenen auf verschiedene mögliche Erkrankungen zu untersuchen. Nach dem Ausschlussverfahren kann diagnostiziert werden, welche Ursache hinter der Müdigkeit steckt.

Komplikationen

Die Komplikationen sind bei Müdigkeit sehr unterschiedlich und hängen sehr stark von der Person ab, die von der Müdigkeit betroffen ist. Außerdem beeinflusst auch der Lebensstil die Auswirkungen der Müdigkeit auf den eigenen Körper. In den meisten Fällen wirkt sich das Symptom negativ auf die Psyche aus. Viele Menschen werden durch die Müdigkeit auch träge im Alltag und wirken lustlos. Dies kann zu sozialen Problemen und zu sozialer Ausgrenzung führen. Eine andauernde Müdigkeit kann ebenso in Ehen stark belastend sein und zu Eheprobleme führen. Sie führt ebenso dazu, dass Menschen weniger Sex haben. Bei der Arbeit kann die Müdigkeit dazu führen, dass die Konzentration sinkt und dabei Fehler entstehen. In solchen Fällen kann eine Gefährdung der Arbeit vorliegen. Aus medizinischer Sicht stellt die Müdigkeit nur eine beschränkte Gefahr für den Körper dar. Oft treiben die betroffenen Personen aufgrund des Symptoms keinen Sport, was sich negativ auf den Lebenswandel auswirkt. Die Müdigkeit an sich ist ungesund, da sich der Körper nicht genügend erholen kann. Eine Behandlung beim Arzt ist kaum möglich und wird auch nicht durchgeführt.

Behandlung und Therapie

Unangenehme Müdigkeit während des Tages ist oft die Ursache eines unnormalen Schlafverhaltens. Jeder Mensch unterliegt einem individuellen Biorhythmus. Nicht jeder benötigt eine nächtliche Schlafdauer von sieben bis acht Stunden.

Besonders ältere Menschen kommen mit weniger Schlaf aus. Ihnen genügen oft fünf Stunden oder weniger, um tagsüber fit zu sein. Jeder sollte für sich sein gesundes Schlafpensum herausfinden. Auch zu viel Schlaf – das ist das Paradoxe – kann zur Müdigkeit am Tage führen.

Es gibt nun aber eine Vielzahl von Schlafstörungen, die behandelt werden sollten. Der Aufenthalt in einem Schlaflabor ist in diesem Falle sinnvoll. Hier werden die Ursachen für die chronische Müdigkeit ermittelt. Der Mediziner kann dann eine entsprechende Behandlung in die Wege leiten.

Liegt eine chronische Erkrankung vor, die ursächlich für die Müdigkeit ist, wird der Arzt diese natürlich therapieren. Nach erfolgreicher Behandlung wird auch die unnatürliche Müdigkeit verschwinden.

Bei chronischen Erschöpfungszuständen wirkt eine Kur Wunder. Umfassende Erholung, aber auch sportliche Belastungen wie Joggen oder Radfahren und entspannende Anwendungen zaubern oftmals die Müdigkeit fort.



Vorbeugung

Einfache und wirksame Verhaltensweisen beugen gegen die Müdigkeit vor. Die erste Bedingung ist ausreichender aber nicht zu langer Schlaf. Das Einnehmen von Mahlzeiten vor dem Schlafengehen sollte unterbleiben. Der Aufenthalt in frischer Luft, sportliche Betätigung und ein Abendspaziergang verhilft zum gesunden Schlaf. Die Wechseldusche am Morgen regt den Kreislauf an und man fühlt sich danach fit. Der Konsum von Alkohol, starkem Kaffee, schwarzem Tee vor dem Zubettgehen – all das sind Schlafkiller. Die chronische Müdigkeit, die durch eine Krankheit hervorgerufen wird, kann jedoch kaum vorbeugend behandelt werden. Hier ist der Arzt gefragt.

Bücher über Müdigkeit

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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