Akuter Durchfall

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 16. März 2017
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Akuter Durchfall bezeichnet flüssigen Stuhl, der sich nach einigen Tagen wieder normalisiert. Er ist das Symptom verschiedenster Erkrankungen und wird durch Infektionen oder Lebensmittelvergiftungen ausgelöst. Gerade bei Kindern ist eine schnelle Behandlung lebenswichtig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist akuter Durchfall?

Akuter Durchfall ist flüssiger Stuhl, der meist mit anderen Symptomen wie Magenschmerzen einhergeht. Er kann viele Ursachen haben und lässt sich im Normalfall mit einfachen Mitteln behandeln. Auch vorbeugende Maßnahmen können angewendet werden.

Ursachen

Akuter Durchfall kann viele Ursachen haben. Häufig liegen ihm Entzündungen der Darmschleimhaut, die Einnahme falscher Arzneimittel, Verdauungsstörungen oder der Verzehr verdorbener Nahrung zugrunde. Darüber hinaus können auch infektiöse Durchfallerkrankungen die Ursache sein. So etwa der Noro-Virus (Norovirus-Infektion), Rotavirus, Enteritis, Protozen oder anderweitige Bakterien und Viren. Vor allem in den Entwicklungsländern kommt es in Folge von Erkrankungen wie Ruhr, Typhus oder Cholera häufig zu Durchfall. Touristen sind durch kontaminierte Lebensmittel und verunreinigtes Wasser ebenfalls gefährdet.

Darmtumore sind eine häufige Ursachen von akutem Durchfall und Verstopfung. Dasselbe gilt für hormonelle Veränderungen durch eine Schilddrüsenüberfunktion oder durch ein so genanntes Karzinoid. Auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie die Crohn-Krankheit oder Colitis ulcerosa sowie Verdauungsstörungen wie Sprue oder Laktoseintoleranz können zu akutem Durchfall führen.

Daneben sind es vor allem Arzneimittel, die als Nebenwirkungen unter anderem Durchfall verursachen. Insbesondere Antibiotika, Abführmittel und Chemotherapeutika sind dafür bekannt. Zuletzt können auch Nahrungsmittelallergien Durchfall auslösen. Zu den Symptomen kommt es immer dann, wenn das Nahrungsmittel, gegen welches eine Allergie besteht, in größeren Mengen verzehrt wird.

Noroviren schädigen die fingerförmigen Aufwerfungen der Magenschleimhaut (Zotten). Starker (akuter) Durchfall ist ein typisches Symptom einer Norovirus-Infektion.

Wann zum Arzt?

Grundsätzlich ist Durchfall noch kein Grund für einen Arztbesuch, wenn er nur vorübergehend auftritt. Sollte akuter Durchfall jedoch länger als drei Tage anhalten oder mit starkem Erbrechen einhergehen, sollte ein Arzt aufgesucht werden, da der Körper durch den hohen Flüssigkeitsverlust dehydrieren könnte. Kleinkinder und ältere Menschen mit akutem Durchfall sollten besonders beobachtet werden, da diese empfindlicher auf den Flüssigkeitsverlust reagieren als andere Menschen.

Zudem werden bei Durchfall viele Nährstoffe und Elektrolyte ausgeschwemmt, wodurch akute Mangelerscheinungen hervorgerufen werden können. Auch wenn der Durchfall von sehr starken Bauchschmerzen bis hin zu Krämpfen begleitet wird oder Blut im Stuhl auftritt sollte umgehend ein Mediziner konsultiert werden, da eine schwerwiegende Erkrankung oder Vergiftung Ursache der Symptome sein könnte.

Durch gezielte Fragen zu den Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten und mit Hilfe bestimmter Tests kann ein Mediziner meist schnell eine Diagnose treffen und falls nötig eine passende Therapie einleiten, um die Beschwerden schnellstmöglich zu lindern.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von akutem Durchfall:

Akuter Durchfall lässt sich an eindeutigen Symptomen festmachen. So spricht man davon, wenn man dreimal täglich oder öfter zur Toilette muss, wenn der Stuhl insgesamt flüssiger ist oder wenn die Stuhlmenge ungewöhnlich hoch ist. Auch eine verkürzte Darmpassagezeit der Nahrung deutet auf Durchfall hin. Je nachdem, welche Punkte auftreten, kann sicher von akutem Durchfall gesprochen werden.

Gerade bei einem hohen Flüssigkeitsgehalt des Stuhls können Betroffene davon ausgehen, dass Durchfall und damit auch eine Grunderkrankung besteht. Schwierig ist es dagegen, die Stuhlmenge abzuschätzen. Hier muss deshalb ein Arzt aufgesucht werden, welcher die Diagnose stellt. Akuter Durchfall kann ganz unterschiedlich verlaufen. In den meisten Fällen verschwinden die Symptome nach einigen Tagen wieder und müssen nicht behandelt werden.

Schwerer Durchfall dagegen kann mit schwerwiegenden Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen einhergehen. Je nach Grunderkrankung kann es auch zu Austrocknung, Kreislaufversagen und einem Schock kommen. Gefährdet sind überwiegend Kinder, da deren Immunsystem einem schweren Durchfall nur mit Hilfe einer begleitenden Therapie standhalten kann. Jährlich sterben etwa 7,5 Millionen Menschen an Durchfall, was für einen negativen Verlauf spricht. In westlichen Ländern ist die Sterberate jedoch sehr gering.

Diagnose

Akuter Durchfall kann nur durch einen Arzt eindeutig einer Grunderkrankung zugeordnet werden. Dieser führt eine umfassende Anamnese durch, in welcher er Häufigkeit und Aussehen des Durchfalls sowie das erstmalige Auftreten des Durchfalls erfragt. Im Anschluss daran untersucht er je nach Verdacht die Stuhlkultur und nimmt Laboruntersuchungen vor. Ist der Durchfall bereits chronisch, müssen weitere Schritte eingeleitet werden. Nachdem der Stuhl untersucht wurde und die Diagnose vorliegt, leitet der Arzt direkt die Behandlung ein.

Komplikationen

Akuter Durchfall kann dem Körper mitunter sehr viel Flüssigkeit entziehen. Selbst, wenn die eigentliche Ursache des Durchfalls harmloser Natur ist, können sich aus dem Flüssigkeitsverlust Komplikationen ergeben. Wenn der Körper innerhalb kurzer Zeit sehr viel an Flüssigkeit verliert, werden neben Wasser auch Salze und wichtige Elektrolyte verloren. Sofern der Flüssigkeitsverlust nicht schnell kompensiert werden kann, drohen Kreislaufprobleme und Austrocknungserscheinungen. Von diesen Komplikationen sind insbesondere Babys und ältere Menschen betroffen, da diese häufig nicht genug trinken.

Anzeichen für Austrocknung sind neben Hautfalten, die stehenbleiben und nicht sofort zurückgehen, Trübung des Bewusstseins, Apathie und starke Schwindelgefühle. Eine Austrocknung des Körpers ist ein medizinischer Notfall, der rasche Therapie dringlich macht. Dies gilt umso mehr dann, wenn der akute Durchfall nicht aufhört. Auch bei kleinsten Hinweisen auf eine Austrocknung im Zusammenhang mit akutem Durchfall sollte zum einen sofort Flüssigkeit zugeführt werden. Wenn dies nicht gelingt und die Durchfallerkrankung nicht zum Stillstand kommt, muss der Patient einem Arzt umgehend vorgestellt werden. Neben einer möglichen Therapie der Grunderkrankung steht im Vordergrund die rasche Versorgung mit Wasser und Elektrolytlösungen. Über die Vene zugeführt, kann der Körper den Flüssigkeitsverlust ausgleichen und die Austrocknungserscheinungen sollten rasch zurückgehen.

Behandlung und Therapie

Akuter Durchfall wird von Ursache zu Ursache unterschiedlich behandelt. Die Erstmaßnahmen bestehen jedoch immer darin, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, indem spezielle Glukose- und Elektrolytlösungen verabreicht werden. Bei schweren Verläufen sind Infusionen notwendig. Auch die Verschreibung von stopfenden Arzneimitteln wie etwa Loperamid kommt in Frage.

Liegt dem akuten Durchfall eine Infektion zugrunde, wird meist eine antibiotische Therapie durchgeführt. Dies hängt allerdings davon ab, welcher Erreger vorliegt und wie die Erkrankung im Allgemeinen verläuft. Durchfall bei Kindern muss möglichst zeitnah behandelt werden, da es ansonsten innerhalb weniger Stunden zum Koma und dann zum Tod des Kindes kommen kann. Gerade Säuglinge müssen häufig mit Hilfe von Infusionen behandelt werden, da der Flüssigkeitsverlust durch die normale Flüssigkeitsaufnahme nicht mehr ausgeglichen werden kann.

Liegt dem Durchfall eine Nahrungsmittelallergie zugrunde, erfolgt die Behandlung ebenfalls durch ein Zuführung von Flüssigkeit und einer geeigneten Ernährung. Darüber hinaus ist es anzuraten, die jeweiligen Nahrungsmittel aus dem Haushalt zu entfernen und die genaue Art der Allergie noch einmal von einem Arzt überprüfen zu lassen.



Aussicht und Prognose

Ein akuter Durchfall führt, wenn er sehr massiv oder über mehrere Tage hintereinander auftritt, zu einer Dehydrierung des Körpers, weil große Mengen an Flüssigkeit (Wasser) und damit auch an Mineralstoffen dem Organismus verloren gehen. Besonders für ältere Menschen, kleine Kinder und alle, die ein geschwächtes Immunsystem haben, kann es aufgrund dessen zu einem lebensbedrohlichen Zustand kommen.

Die Dehydrierung führt dazu, dass der Nährstofftransport, die Beseitigung der Abfallstoffe und die Aktivitäten im Körper nicht mehr richtig funktionieren. Kommt es zu einer Austrocknung, ist diese häufig begleitet von Apathie, Schwindel und Kreislaufproblemen bis hin zum Kreislaufkollaps. Ohnmachtsanfälle können unter Umständen auftreten. Werden die Folgen einer Dehydrierung nicht umgehend behandelt, ist ein Nierenversagen nicht auszuschließen.

Eine Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhoe (CDAD) ist nach § 6 Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Die Schwere des Verlaufs muss im Krankenhaus therapiert werden. Nicht selten ist eine Intensivtherapie inklusive einer operativen Versorgung erforderlich. Erfolgt die Behandlung mit zeitlicher Verzögerung oder gar nicht kann der Verlauf tödlich enden.

Vorbeugung

Akutem Durchfall lässt sich bereits durch eine gute Hygiene vorbeugen. So gilt es, gefährdete Lebensmittel von vornherein zu vermeiden und durch die richtige Lagerung zu verhindern, dass sich Salmonellen oder Keime bilden. Gefährlich sind vor allem Lebensmittel wie Fisch, Weich- und Schalentiere, Krustentiere, Geflügel und Wild. Auch Speisen mit rohen Eiern wie etwa Tiramisu sollten sorgsam gelagert und möglichst schnell verzehrt werden. Dasselbe gilt für Hackfleisch und diverse andere Lebensmittel. Wer Kinder im Haus hat, sollte besonders sorgsam mit den genannten Lebensmitteln umgehen.

Darüber hinaus gilt es, allgemeine Dinge zu beachten. Wer ins Ausland reist, sollte alle notwendigen Impfungen durchführen und die Hygienebestimmungen beachten. Menschen, die viel mit anderen Menschen in Kontakt sind, sollten die Hände regelmäßig desinfizieren. Zuletzt sollte bei den ersten Symptomen direkt ein Arzt aufgesucht werden. So lässt sich der akute Durchfall oft noch verhindern.

Bücher über Durchfall

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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