Colitis ulcerosa

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 15. Mai 2017
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Auch viele Jahre nach ihrer erstmaligen Beschreibung stellt die Darmerkrankung Colitis ulcerosa für die Medizin ein Rätsel dar. Sowohl Ursachen als auch Heilungsmöglichkeiten sind bis heute unerforscht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Colitis ulcerosa?

Mit der Colitis ulcerosa wird eine entzündliche Darmerkrankung bezeichnet, bei der Teile des Darms chronisch entzündet sind. Daher rührt auch der Name her: "Colon/Kolon" stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wurst bzw. (Grimm-)Darm, "-itis" ist eine medizinische Fremdsprachensilbe und bedeutet Entzündung und "Ulcus" bedeutet aus dem Lateinischem übersetzt "Geschwür".

Mithin handelt es sich um eine geschwürartige Entzündungserkrankung des Dickdarms. Das Besondere an der Colitis ulcerosa ist, dass sie kontinuierlich verläuft. Das heißt, die ersten entzündeten Stellen tauchen am Ende des Dickdarms, dem Rektum, auf, von dort verbreiten sie sich ohne Unterbrechung in die oberen Abschnitte des Darms. Eine Colitis ulcerosa, die schon so fortgeschritten ist, dass alle Teile des Dickdarms befallen sind, wird als Pankolitis bezeichnet.

In dem Punkt, dass die Entzündungen am Schnittpunkt des Dickdarms zum Dünndarm enden, unterscheidet sich die Colitis ulcerosa von der ihr ähnlichen Morbus Crohn. Beim Crohn handelt es sich ebenfalls um eine chronische Entzündungserkrankung des Darms, die aber im Gegensatz zur Colitis ulcerosa auch den Dünndarm und sogar die Speiseröhre befallen kann.

Ursachen

Auch viele Jahrzehnte nach der Entdeckung der Colitis ulcerosa ist bis heute noch nicht geklärt, was zu dieser Erkrankung führt. Fest steht nur, dass es sich um keinen Erreger handelt. Vielmehr spielt das körpereigene Immunsystem eine tragende Rolle. Die Entzündungen werden nämlich durch das Immunsystem selbst verursacht, das die Zellen des Darms irrig als Fremdkörper identifiziert und diese angreift, was zur Entzündung führt.

Doch die Frage, was das Immunsystem plötzlich zu dieser Fehlfunktion geführt hat, ist unklar. Führende Gastroenterologen glauben an einer vorausgegangenen Infektion mit einem Virus, die das Immunsystem dergestalt überfordert hat, dass diese aggressiv geworden ist, das heißt, auch ungefährliche (Darm-)Zellen angreift. Ein Beweis, dass dies eindeutig der Auslöser einer Colitis ulcerosa ist, steht aber auch nach diversen Studien noch aus.

Wann zum Arzt?

Anhaltender Durchfall, Blut im Stuhl oder sehr flüssiger Stuhlgang sollten von einem Arzt untersucht werden, sobald sie über mehrere Tage anhalten. Schmerzen im Unterleib oder in der Magenregion sind ebenfalls von einem Arzt abzuklären. Treten die Beschwerden im Zusammenhang mit seelischen oder emotionalen Problemen auf, liegt eine psychosomatische Erkrankung vor. Es empfiehlt sich, einen Arzt sowie einen Therapeuten aufzusuchen, wenn die Probleme seit mehreren Wochen oder Monaten unvermindert fortbestehen. Die Ursachen sind abzuklären und zu behandeln. Häufig bestehen Lebenskrisen, anhaltender Stress oder unverarbeitete Traumas, die aufgespürt und therapiert werden müssen, damit eine Linderung der Beschwerden eintritt.

Nehmen die Beschwerden zu oder treten weitere Symptome auf, ist ein Arztbesuch notwendig. Eine allgemeine Schwäche, innere Unruhe oder eine erhöhte Körpertemperatur gehören zu den Beschwerden, die kontrolliert werden sollten. Bei Übelkeit oder Erbrechen ist ebenfalls ein Arztbesuch notwendig, da das allgemeine Wohlbefinden deutlich reduziert ist.

Treten Schlafstörungen auf oder kann aufgrund der Colitis ulcerosa die Teilnahme am beruflichen wie gesellschaftlichen Leben nicht mehr stattfinden, wird ein Arzt benötigt. Vor der Einnahme von schmerzlindernden Medikamenten ist grundsätzlich die Rücksprache mit einem Mediziner erforderlich. Es besteht das Risiko, dass weitere Beschwerden auftreten, die besprochen und abgeklärt werden müssen.

Symptome und Verlauf

Entzündete Darmregion einer Colitis ulcerosa.

Charakteristisch für die Beschwerden der Colitis ulcerosa ist, dass sie schubartig auftreten. Das heißt, der Betroffene leidet nicht etwa kontinuierlich an den Symptomen; vielmehr erscheinen diese regelmäßig nur für eine bestimmte Zeit, ehe sie sich wieder zurückbilden, die sogenannte beschwerdefreie Remission eintritt.

Als möglicher Auslöser eines Schubes kommen unterschiedliche Gründe infrage, wie beispielsweise Stresssituationen oder falsche Ernährung. Kennzeichnend für einen aktiven Schub sind Abdominalschmerzen, also Bauchschmerzen, die vom Patienten nicht genauer lokalisiert werden können.

Aufgrund der Entzündungen im Darm sind beim Patienten Blut im Stuhl als auch Schleimspuren nachweisbar; in den meisten Fällen kommt noch Diarrhoe (Durchfall) hinzu. Schließlich gehört der Vitaminmangel zu den typischen Folgeerscheinungen der Colitis ulcerosa, wenn auch in deutlich geringem Ausmaße, als es bei der Schwestererkrankung, dem Morbus Crohn, der Fall ist.

Das ist darauf zurückzuführen, dass der Darm aufgrund der anhaltenden Entzündungen nicht in der Lage ist, Vitamine aus der Nahrung zu absorbieren, sodass langfristig ein Mangel an Vitaminen als Folge der Colitis ulcerosa entsteht.

Diagnose

Bei Vorliegen der oben genannten Symptome kann nicht gleich von einer Colitis ulcerosa ausgegangen werden, da diese auch bei vielen anderen Erkrankungen vorkommen können. Die einzige Methode, eine Colitis ulcerosa mit hoher Wahrscheinlichkeit festzustellen, ist die Koloskopie, die Darmspieglung.

Hierzu wird dem Patienten eine schlauchartige Sonde in den After geschoben, an dessen oberen Ende eine Kamera installiert ist, mit der der behandelnde Arzt den Darm nach Entzündungen untersuchen kann. Von verdächtigen Stellen werden anschließend Gewebeproben entnommen, die im Labor auf ihre Beschaffenheit untersucht werden. Spätestens hier lässt sich der Verdacht auf eine Colitis ulcerosa mit hoher Sicherheit bestätigen oder eben verneinen.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Colitis ulcerosa erfolgt stufenweise. Zunächst wird versucht, mit den nebenwirkungsärmsten Präparaten die Entzündungen abklingen zu lassen, damit die Remission eintreten kann. Das Mittel der ersten Wahl ist dabei der Wirkstoff Mesalazin. Erst wenn dieses nicht wie gewünscht wirkt, werden Cortisonpräparate verabreicht.

Sollten selbst diese die Entzündungen nicht hemmen können, muss das Immunsystem als solches geschwächt werden - und zwar mit Immunsuppressiva. Diese Medikamente schwächen das gesamte Immunsystem und damit auch dessen fehlgesteuerte Reaktion, die eigenen Darmzellen anzugreifen. Als Ultima Ratio bietet sich ferner an, den Dickdarm komplett zu entfernen.

Damit wäre die Colitis ulcerosa geheilt, da sie sich bekanntlich nur auf den Dickdarm und nicht auf den Dünndarm ausbreiten kann. Aus dem letzten Ende des Dünndarms wird dann ein sogenannter Pouch geformt, der die Funktion des Dickdarms als Stuhlreservoir übernimmt.



Vorbeugung

Da die genauen Ursachen und Auslöser der Colitis ulcerosa nicht bekannt sind, kann die Erkrankung auch nicht vorgebeugt werden. Generell sollte auf eine stressfreie Lebensweise sowie eine gesunde Ernährung geachtet werden.

Bücher über Colitis ulcerosa

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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