Abführmittel

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. Mai 2016
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Abführmittel regen den Darm zur Entleerung an. Beliebte Mittel sind zum Beispiel Senna, Rizinusöl, Glaubersalz und Dulcolax®. Bei falschem Gebrauch können Abführmittel zu Elektrolytmangel, Dehydration und Abhängigkeit führen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Abführmittel?

Abführmittel oder Laxantien sind Medikamente, Medizinprodukte oder Hausmittel, die gegen Verstopfungen und unregelmäßigen Stuhlgang wirken. Eine Verstopfung liegt im Allgemeinen dann vor, wenn Betroffene mehr als drei Tage lang keinen Stuhlgang hatten. In der Regel stimulieren die Abführmittel Darmbewegungen, die zur schnelleren Entleerung führen. Die Wirkdauer kann sehr unterschiedlich sein. Ohne ausdrückliche Abklärung durch den behandelnden Arzt sollte die Anwendung nicht über zwei Wochen hinaus gehen. Wenn die Beschwerden länger anhalten, zusätzliche Symptome wie Blut im Stuhl auftreten oder die empfohlene Dosis des Abführmittels nicht wirkt, müssen Betroffene einen Arzt aufsuchen.

Wirkung und medizinische Anwendung

Abführmittel können mehrere Stunden benötigen, um ihre Wirkung zu entfalten. Nutzer können in der Regel bei korrekter Anwendung mit bis zu acht Stunden rechnen. Einzelne Präparate oder Dosierungen können davon abweichen. Auch bei Personen, die sehr sensibel auf Abführmittel reagieren, tritt die Wirkung unter Umständen schneller oder stärker ein. Die individuelle Reaktion auf stuhltreibende Mittel hängt sowohl von körperlichen Voraussetzungen ab als auch von der Dauer der Verstopfung sowie der Stuhlmenge und Zusammensetzung der zuvor verspeisten Nahrung, die sich im Verdauungstrakt befindet. Auch Bewegung beeinflusst die Wirkungsweise von Abführmitteln. Die Medizin setzt Abführmittel nicht nur zur Behandlung von Verstopfungen ein. Auch vor Untersuchungen, die den Darm betreffen, ist eine vollständige Entleerung oft notwendig. Nur so ist zum Beispiel eine Endoskopie möglich.

Formen und Gruppen

Ein schnell wirkendes Abführmittel ist Glaubersalz: Es benötigt nur 30–90 Minuten, um seine Wirkung zu entfalten. Vor allem beim Heilfasten ist es sehr beliebt. Bei Überdosierung kann Glaubersalz zu Wassereinlagerungen und Ödemen führen. Ein natürliches Abführmittel ist Senna, auch Sennes genannt. Der lateinische Name für das Gewächs lautet Cassia angustifolia. Bei Senna handelt es sich um eine Pflanze, deren Blätter abführende Wirkung auf den Menschen haben.

Personen mit Verstopfungen können die Blätter getrocknet als Tee zu sich nehmen. Fertig abgefüllte Teebeutel erlauben eine leichte Dosierung. Senna kann nicht nur als Ausgangsstoff für Tees dienen, sondern auch als Granulat, Pulver, Tabletten oder Kapseln Verwendung finden. Ein starkes Abführmittel, das nur in Apotheken erhältlich ist, ist zum Beispiel Dulcolax®. Das Abführmittel ist als Dragees, Tropfen, Zäpfchen, Pulver und fertige Lösung erhältlich.

Dosierung

Abführmittel können je nach Bedarf und Präparat sehr unterschiedlich dosiert sein. Aus diesem Grund müssen Patienten sich stets an die für sie geltenden Empfehlungen halten. Vor allem Produkte aus der Drogerie sind oft schwach dosiert oder greifen auf einen Wirkstoff zurück, der einen milden Effekt hervorruft. Ein Beispiel dafür ist Rizinusöl. Das traditionelle Abführmittel ist heute noch im Handel, zum Beispiel in Form von Gelatine-Kapseln.

Entscheidend ist hierfür immer die Angabe auf der Verpackung bzw. auf dem beiliegenden Informationsblatt. Nutzer sollten die Empfehlung, die für jedes Produkt individuell gilt, auf keinen Fall überschreiten. Abführmittel aus der Apotheke sind häufig stärker dosiert. Vor allem Medikamente, die nur mit gültigem Rezept erhältlich sind, erfordern eine sehr sorgfältige Anwendung. Dementsprechend sind weniger Kapseln oder Tabletten des Abführmittels notwendig.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

Abführmittel sind grundsätzlich nicht dauerhaft anwendbar und können zu Situationen führen, die auf sozialer Ebene als problematisch oder peinlich empfunden werden. Menschen, die regelmäßig unter Verstopfungen leiden, sollten deshalb vorbeugende Maßnahmen ergreifen, um erst gar nicht auf Abführmittel zurückgreifen zu müssen. Allgemeine Maßnahmen sind Bewegung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Die „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“ (DGE) empfiehlt, dass Personen jeden Tag 30 g Ballaststoffe über die Nahrung zu sich nehmen. Nahrungsmittel, die reich an diesen Fasern sind, sind zum Beispiel Leinsamen, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Obst und Gemüse.

Wenn eine ausreichende Ballaststoff-Aufnahme über die Nahrung nicht möglich ist, können spezielle Quellmittel helfen. Häufig handelt es sich dabei um Kapseln, die pflanzliche Ballaststoffe enthalten und im Darm aufquellen. Sowohl bei natürlichen Ballaststoffen als auch bei solchen Quellmitteln ist es wichtig, dass Anwender ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen – sonst können erneut Verstopfungen entstehen.



Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Abführmittel können bei falschen Gebrauch zu gravierenden Nebenwirkungen führen. Bei Überdosierung kann ein Elektrolytmangel auftreten. Das Nervensystem ist auf die Elektrolyte ebenso angewiesen wie das Herz. Elektrolytmangel durch eine Überdosis Abführmittel kann deshalb unter anderem zu Herz-Kreislaufbeschwerden und letztlich zum Herzstillstand führen.

Die Anwendung von Abführmitteln kann zum übermäßigen Verlust von Flüssigkeit führen. In diesem Fall trocknet der Körper regelrecht aus; Mediziner sprechen von Dehydration. Typische Symptome für den Flüssigkeitsmangel im Körper reichen von starkem Durstgefühl, Schwindel, Zittern (vor allem in den Händen), Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Eine starke Dehydration kann darüber hinaus neurologische Symptome hervorrufen, zum Beispiel den vorübergehenden Verlust der Sehfähigkeit oder Synkopen.

Personen, die Abführmittel benutzen, sollten deshalb darauf achten ausreichend zu trinken. Vor allem stilles Wasser ist dazu geeignet.Darüber hinaus können Abführmittel die Aufnahme von Wirkstoffen aus anderen Medikamenten verschlechtern. Patienten sollten in diesem Fall die Einnahme von Laxantien in jedem Fall mit ihrem Arzt absprechen und Medikamente und Abführmittel nicht zeitgleich einnehmen. Weitere Neben- und Wechselwirkungen sind vom jeweiligen Abführmittel bzw. Wirkstoff abhängig.

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