Nervenentzündung

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 24. Oktober 2016
Gesundpedia.deKrankheiten Nervenentzündung

Bei einer Nervenentzündung (Neuritis) handelt es sich um eine Entzündung einer oder mehrerer Nerven beziehungsweise Nervenwurzeln. Abhängig vom Entzündungsausmaß kann es zu Gefühlsstörungen bis hin zu Taubheits- und Lähmungserscheinungen in verschiedenen Körperregionen kommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nervenentzündung (Neuritis)?

Ist bei einer Nervenentzündung ein einzelner Nerv betroffen, spricht man von einer Neuritis, bei mehreren Nerven von einer Polyneuritis. Da die Nervenbahnen im gesamten Körper verlaufen, kann je nach Ursache, auch jeder Bereich betroffen sein. So z.B. der Gesichtsnerv (Neuritis facialis), der Augennerv, der Hörnerv oder Nervenbahnen der Arme und Beine.

Wird eine Nervenentzüdung z.B. durch giftige Substanzen hervorgerufen spricht man von einer toxischen Neuritis. Bei der infektiösen Neuritis sind Mikroorganismen (Viren, Bakterien, Pilze) der Grund für die Entzündung. Eine traumatische Neuritis kann beispielsweise als Folge von mechanischen Verletzungen (z.B Quetschungen) auftreten.

Ursachen

Eine Nervenentzündung kann verschiedene Ursachen haben. Im Wesentlichen gibt es sechs verschiedene Grunderkrankungen, welche eine Nervenentzündung auslösen können.

Häufig ist eine Druckeinwirkung auf den entsprechenden Nerv verantwortlich für eine Entzündung. Typische Beispiele sind hier der Bandscheibenvorfall, bei dem ein Nerv abgedrückt wird, ebenso wie bei dem sogenannten Karpaltunnelsyndrom. Seltener verursachen auch Druckeinwirkungen eines Tumors eine Nervenentzündung.

Auch Stoffwechselgifte, wie sie bei einer Diabetes oder bei Alkoholmissbrauch entstehen, aber auch Medikamente können für eine Entzündung der Nerven ursächlich sein.

Von einer traumatischen Nervenentzündung ist die Rede, wenn es sich um Verletzungen durch Unfälle oder Schnittverletzungen handelt, bei dem Nerven durchtrennt werden. Ein typisches Beispiel sind hier Phantomschmerzen nach einer Amputation.

Eine weitere häufige Ursache von Nervenentzündungen sind Infektionen wie beispielsweise die Gürtelrose, bei welcher ein Virus die Entzündung auslöst. Die so genannte infektiöse Neuritis ist im Gegensatz zu anderen Ursachen ansteckend.

Ebenso kann aber auch eine Mangel- oder Fehlernährung eine Nervenentzündung auslösen. Hier spielt insbesondere Folsäure eine wichtige Rolle. In einigen Fällen gibt es jedoch keine erkennbare Ursache für eine Nervenentzündung. In diesen Fällen spricht man von einer idiopathischen Neuritis.

Symptome und Verlauf

Kribbeln, Schmerzen, taube Finger - eine Nervenentzündung kann der Grund für Gefühlstörungen und Missempfindungen der Hand sein (Karpaltunnelsyndrom).

Typische Symptome von Nervenentzündung:

  • elektrisierende Schmerzempfindungen
  • Einschränkungen in der Feinmotorik (z.B. Zugreifen)

Abhängig davon, welche Nerven von der Entzündung betroffen sind, können verschiedene Symptome auftreten. Diese reichen von leichten Missempfindungen bis hin zum Ausfall ganzer Körperfunktionen.

Typische Symptome einer Nervenentzündung sind u.a. Gefühlsstörungen wie Kribbeln, ein gestörtes Warm/Kalt-Empfinden, Druck- und Beklemmungsgefühle sowie Taubheit in den betroffenen Regionen. Häufig berichten Betroffene über ein Gefühl, als würden viele Tausend Ameisen auf- und ablaufen (Ameisenkribbeln). Nicht selten äußert sich eine Nervenentzündung auch durch ein elektrisierendes Gefühl der betroffenen Stellen. Meist geht eine Nervenentzündung mit mäßigen bis sehr starken Schmerzen sowie einem Gefühl des Brennens, Stechens und Reißens einher.

Zudem können motorische Bewegungsstörungen wie Muskelschwäche, Muskelkrämpfe, Muskelzuckungen bis hin zu Lähmungserscheinungen auftreten. Außerdem sind Durchblutungsstörungen bzw. Störungen der Schweißbildung und Schwindel keine Seltenheit.

Diagnose

Die Behandlung einer Nervenentzündung richtet sich nach der Ursache und der speziellen Art der Erkrankung. Die Diagnostik richtet sich nach den jeweiligen Symptomen. Um die Ursache zu klären sind verschiedene Untersuchungen notwendig. Maßgebend ist vor allem das Ausmaß der Entzündung. Um die betroffenen Nervenbahnen zu lokalisieren stehen verschiedene neurologische bzw. physiologische Analyseverfahren im Vordergrund. Neben Blutuntersuchungen, MRT, Neurosonographie kann hierbei vor allem das EMG - eine Methode zur Messung der elektrischen Muskelaktivität - bei der Ursachenforschung helfen.

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: M79.2 Neuralgie und Neuritis) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Behandlung und Therapie

Je nach Ursache und Form der Nervenentzündung werden entsprechende Therapieansätze angewendet.

Handelt es sich um eine infektiöse Nervenentzündung werden vor allem Antibiotika und verschiedene Schmerzmittel verabreicht. Eine Ernährungsberatung und -umstellung ist dann sinnvoll, wenn es sich um eine Nerventzündung handelt, die aus einer Mangelerscheinung resultiert. Der Mangel kann durch hochdosierte Medikation der fehlenden Stoffe ausgeglichen werden.

Operative Eingriffe können notwendig werden, wenn zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall oder ein Karpaltunnelsyndrom ursächlich für die Nervenentzündung ist. Anschließend ist in manchen Fällen eine Rehabilitationsmaßnahme sinnvoll.

Je nachdem, wie stark die Schmerzen bei einer Nervenentzündung sind, reicht eine Schmerzmedikation allein nicht aus. Mit einer Lokalanästhesie kann Linderung erreicht werden.

Auch physikalische Anwendungen wie Wärme oder Kälte, Massage und Physiotherapie können helfen, die Symptome zu lindern. Ebenfalls findet die Akupunktur als alternative Therapiemethode Anwendung bei einer Nervenentzündung.

Ist die Symptomatik stark ausgeprägt, kann die Behandlung in einer entsprechenden Schmerzklinik helfen. Meist ist es jedoch eine Kombination aus verschiedenen Therapieansätzen, die bei einer Nervenentzündung Anwendung findet.



Vorbeugung

Einer Nerventzündung kann in erster Linie durch eine achtsame Lebensweise vorgebeugt werden.

Eine Umstellung der Essgewohnheiten hin zu einer ausgewogenen und gesunden Ernährung sowie ausreichend körperliche Aktivitäten (Sport) sind erste Ansätze.

Gerade Nervenentzündungen, die auf Druckeinwirkungen wie oben beschrieben zurückzuführen sind, können durch Bewegung sowie gelenkschonender Bewegungsabläufe vorgebeugt werden.

Aber nicht immer kann einer Nervenentzündung vorgebeugt werden, da gerade eine infektiöse oder traumatische Entzündung spontan und unvorhergesehen auftritt.

Bücher über Nervenentzündung

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Nervenentzündung?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?

Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

hakunamatata kommentierte am 25.09.2014 um 16:05 Uhr

Ich bin 15 und leide, meistens während ich in der Schule bin und beim Hausaufgaben schreiben, unter Nervenentzündungen. Schmerzen empfinde ich rechts im Nacken, sowie ein Ziehen und Brennen vom Ohr bis fast seitlich zur Schulter. Von Tag zu Tag tut es mehr weh. Ich habe auch schon Yoga-Übungen aus dem Internet probiert. Diese konnten mir aber nicht helfen.

homo neandertalensis kommentierte am 14.09.2015 um 22:08 Uhr

Ich bin 58 Jahre alt und durchaus fit. Vor einem Monat wurde beim Radfahren mein vom Schweiß feuchter Rücken vom Fahrtwind ausgekühlt. Seitdem erlebe ich Beschwerden die mir bislang völlig fremd waren. Zuerst waren es mittelstarken Schmerzen im unteren Rücken mit deutlich eingeschränkter Beugefähigkeit. Es folgten dann starke Schmerzen im oberen Gesäßmuskel und in den zwei Muskeln im Oberbein, als Folge von starker Anspannung im Teil des Querschnitts dieser Muskeln. Dann Taubheit im Muskel am Schienenbein, verbunden mit der teilweisen Lähmung des Muskels und Unfähigkeit den Fuß beim Gehen richtig stellen zu können. Wärme und Kälte beim Baden haben die Beschwerden etwas gelindert. Eine Nadel im Holzstöckchen gefasst kann leicht an die Haut gesetzt werden; der Reiz ist dem von Akupunktur verursachten sehr ähnlich. Massagen, ich bin ziemlich sicher, hätten den Krankheitsverlauf weiter positiv beeinflusst. (Eine römische Therme gehört in jede grössere Stadt!) In den nächsten Tagen will ich den Hausarzt noch mal aufsuchen.

Dirk kommentierte am 18.10.2015 um 15:36 Uhr

Ich brauche Hilfe bei der Diagnose meiner Beschwerden. Ich bin, als ich mein Fahrrad die Treppe hoch trug über den Fußspann nach vorn gestolpert, mit dem Po auf der Ferse aufgekommen und dem Oberkörper etwas nach vorne gefallen. Danach war mein gesamtes Bein stark angeschwollen, der Knöchel und der Fuß sind taub bzw. wie eingeschlafen. Als Knöchel und Fuß mit der Zeit mehr und mehr aufwachten kamen damit auch Schmerzen. Vom Kreuz her ist alles okay, aber die Achillessehne ist versteift und die Wade in sich zusammengezogen. Ich habe Schmerzen rund um den Fuß mit Symptomen die über den Ischias hinausgehen. Der Fuß ist auch seither rot verfärbt - wird wohl nicht mehr richtig durchblutet. Das war vor 3 Monaten. Laut Arzt sollte nach einer Kortisonkur jetzt alles besser sein. Fazit - keine Besserung. Der Termin beim Neurologen ist leider erst Anfang November. Ich wäre dankbar für jeden guten Rat! Ich habe nur Ibu 800 als Schmerzmittel.

trixi kommentierte am 25.12.2015 um 20:17 Uhr

Bei mir wurde ein Verschleiß der Bandscheibe festgestellt, in dessen Verlauf sich der Abstand zwischen der 5. und 6. Bandscheibe verringert. Die Folge ist eine Nervenentzündung, die über den Arm bis in die Fingerspitzen zieht. Ich habe starke Schmerzen und manchmal das Gefühl, als würden Ameisen vom Ellenbogen bis in die Finger laufen. Ich bekam 2 Infiltrationen (letzte vor 3 Tagen) und nehme einen ganzen Berg Schmerzmittel und Muskelentspanner. Außerdem habe ich mit Physiotherapie begonnen. Die Schmerzen begannen vor 3 Wochen. Vor 2 Wochen kam ich ins Spital. Nun bin ich seit 3 Tagen zu Hause. Ich bin müde von den Schmerzen und von den Schmerzmitteln. Und sehr mürbe. Wie lange muss ich ungefähr noch aushalten? Kann ich selbst noch etwas tun, damit die Schmerzen erträglicher werden?

Ungeholfener kommentierte am 29.01.2016 um 17:08 Uhr

Ich habe seit Jahren Zuckungen in den Muskeln. Ich wurde nie untersucht, es wurde immer gesagt alles ist in Ordnung. Heute hab ich mehrere taube Stellen am Körper, die brennen und jucken und trotzdem wollen mich die Ärzte nicht untersuchen. Es wurde eine Lumbalpunktion gemacht und mehr nicht. Dabei kam nichts heraus. Ich warte jetzt schon seit 1 1/2 Jahren auf eine simple Nervenleitgeschwindigkeitsmessung und renne von Neurologe zu Neurologe, aber keiner hält es für notwendig. Was soll ich machen?

Yvonne kommentierte am 26.08.2016 um 16:43 Uhr

Ich brauche dringend Ratschläge wie ich meine Nervenstörung am linken Bein behebe. Ich hab seit einem Sturz rechts eine Bandscheibenvorwölbung, was die Ärzte nicht als schlimm empfinden. Das Bein ist auch 1 cm kürzer. Zudem kommt, dass ich rechts keinen Gegenbiss habe seit einer Extrahierung bei der mein Kiefergelenkknochen abgebrochen ist. Da konnte mir bislang auch keiner helfen. Aber das eigentliche Problem ist nun, dass mir links Nerven eingeklemmt wurden. Zumindest vermutlich, da ich mein linkes Bein nicht mehr abstützen kann und eine totale Schwäche habe und ständig auf mein kürzeres rechtes Bein trete, welches mir weh tut, Das linke kann ich nicht mehr normal benutzen. Ich mache sehr viel Sport (Fitnessstudio und zu Hause, alles Rückenübungen) und habe die Schwäche links jetzt fast 8 Monate lang und es tut sich nichts. Ich nehme Magnesium, Vitamin B, Kalzium, bin schlank und habe keinerlei Übergewicht. Zudem tut auch der Rücken oben auf der linken Seite weh.