Taubheitsgefühle

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 19. März 2015
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Als Taubheitsgefühl, in der Fachsprache auch unter dem Begriff Hypästhesie bekannt, werden verschiedene Arten einer verminderten Hautsensibilität, Gefühlsstörung bzw. Reizempfindlichkeit bezeichnet. Somit wird das Taubheitsgefühl den Sensibilitätsstörungen zugeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Taubheitsgefühle?

Das Taubheitsgefühl (Hypästhesie) bezeichnet eine vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigte Reizempfindlichkeit der Haut. Diese ist meist auf einen bestimmten Körperbereich beschränkt. Die Ursache der geminderten Empfindlichkeit der Haut ist im Zusammenspiel der Rezeptoren in der Haut, welche die Reize aufnehmen, und dem zentralen Nervensystem, das die Reize verarbeitet, zu suchen.

Das Ergebnis einer dadurch eingeschränkten Fähigkeit, Reize wahrzunehmen und zu prozessieren, wird von dem Betroffenen als Taubheitsgefühl empfunden. Während die Reize auf die Haut einwirken, werden die resultierenden Empfindungen wie Schmerz, Druck, oder Temperaturempfindungen nicht mehr oder nur vermindert in Form eines entsprechend stark ausgeprägten Taubheitsgefühls wahrgenommen. Dieses betrifft meist die Extremitäten und das Gesicht.

Ursachen

Störungen im zentralen Nervensystem oder in den Rezeptoren der Haut sind für das Taubheitsgefühl verantwortlich. Treten Störungen im Nervensystem auf, wird die Reizweiterleitung zwischen Rezeptoren, Nervenbahnen und Gehirn unterbrochen. Obwohl weiterhin Einflüsse auf die Rezeptoren einwirken, werden die entsprechenden Empfindungen nicht mehr wahrgenommen, was allgemein als Taubheitsgefühl beschrieben wird.

Ein erhöhter Druck auf eine Nervenbahn oder eine Durchblutungsstörung können solche Fehlfunktionen im Nervensystem auslösen und damit ursächlich für das Taubheitsgefühl sein.

Auch Erkrankungen des Nervensystems können für ein Taubheitsgefühl verantwortlich sein. Hierzu zählen unter anderem die Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, sowie eine krankhafte Beeinträchtigung des Ischiasnervs und durch Unfälle bedingte Nervenverletzungen.

Infektionen, Verbrennungen und Verletzungen der Haut können ebenfalls ein Taubheitsgefühl verursachen. Darüber hinaus kann eine solche Sensibilitätsstörung infolge einer chronischen Erkrankung wie einem Diabetes und Multiple Sklerose auftreten. Schließlich kann das Taubheitsgefühl auch ein Alarmsignal für einen Tumor, einen Schlaganfall oder für eine akute Vergiftung sein.

Diagnose und Verlauf

Für die Diagnose des Taubheitsgefühls sind zum einen die Dauer seines Auftretens und zum anderen das betroffene Hautareal entscheidend. Hierfür sollte dem Arzt der Zeitpunkt, zu dem das Taubheitsgefühl aufgetreten ist, genannt werden. Diese Information kann besonders relevant sein, da in diesem Zusammenhang auch eventuelle Auslöser wie ein Unfall oder eine bestimmte Bewegung ermittelt werden können.

Zudem ist für die Diagnose des Taubheitsgefühls relevant, ob es seit seinem Auftreten permanent wahrgenommen wurde oder zwischenzeitlich nachgelassen hatte. Um diese Faktoren zu ermitteln, führt der behandelnde Arzt eine körperliche Untersuchung durch, die eine Prüfung der Reflexe, sowie des Hör-, Seh- und Gleichgewichtssinns einschließt. So können neurologische Beeinträchtigungen schnell erkannt und spezifiziert werden. Überdies bindet der Arzt in seine Diagnose auch eine Überprüfung des Bewusstseinszustands des Patienten ein. Weiterführende Untersuchungen wie eine Tomographie, Röntgenuntersuchungen und Blutuntersuchungen können die Diagnose des Taubheitsgefühls ergänzen und das Krankheitsbild spezifizieren.

Behandlung und Therapie

Im Anschluss an die ausführliche Diagnose des Taubheitsgefühls steht die entsprechende ursachenabhängige Behandlung. Tritt es über einen längeren Zeitraum infolge einer Krankheit auf, sollte seine Therapie immer auf diese Erkrankung ausgerichtet sein. Ist zum Beispiel eine Infektion die Ursache für das Taubheitsgefühl, sollten die Auslöser der Infektion ermittelt und entsprechend mit Antibiotika oder virenhemmenden Mitteln (Virostatika) therapiert werden.

Ist das Taubheitsgefühl hingegen die Folge eines Bandscheibenvorfalls, schließt seine Behandlung neben Schmerzmitteln und Medikamenten zur Muskelentspannung auch eine Physiotherapie ein. Diese trägt zu einer Verbesserung der Körperhaltung und einer Stärkung der Rückenmuskulatur bei und vermindert so eine Beeinträchtigung der Nervenbahnen. Ein Taubheitsgefühl aufgrund einer bandscheibenbedingten Fehlhaltung kann so therapiert werden. Da eine Polyneuropathie verschieden ausgeprägt sein kann, gilt es bei der Behandlung eines durch sie verursachten Taubheitsgefühls, ihren spezifischen Typ zu identifizieren.

Bei der diabetischen Polyneuropathie gilt der Diabetes als Hauptursache für die beeinträchtigte Sensibilität, sodass diese durch eine Einstellung des Blutzuckerspiegels behandelt werden kann. Ist die Polyneuropathie angeboren, gestaltet sich die Therapie des Taubheitsgefühls schwieriger, da die Ursachen hierfür noch nicht hinlänglich erforscht und behandelbar sind. Hingegen verschwindet ein durch eine ungünstige Haltung oder eine verminderte Durchblutung ausgelöstes Taubheitsgefühl meist nach kurzer Zeit durch Bewegung von selbst.

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Vorbeugung

Da ein Taubheitsgefühl entweder temporär durch eine fehlerhafte Körperhaltung ausgelöst werden oder langfristig als Begleitsyndrom verschiedener Erkrankungen auftreten kann, sollte zu seiner Vorbeugung auf eine ausgewogene Lebensweise geachtet werden.

So kann eine bewusste Ernährung einem Diabetes entgegenwirken und dem Körper wichtige Nährstoffe und Vitamine zuführen. Diese fördern indirekt auch den Reiztransport.

Durch eine regelmäßige sportliche Betätigung können die Körperhaltung optimiert und ein Taubheitsgefühl aufgrund eines permanenten Drucks auf bestimmte Nervenbahnen verhindert werden. Außerdem wir die Durchblutung angeregt, wovon auch das Nervensystem profitiert und einem Taubheitsgefühl vorgebeugt wird.

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