Flugangst

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. Juni 2017
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Flugangst wird in der Fachsprache auch als Aviophobie. Von einer Flugangst spricht man, wenn die Angst vor dem Fliegen so groß ist, dass es das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigt. Vermeidungsverhalten verstärkt die Angst vor dem Fliegen. Jede Therapie von Flugangst beinhaltet eine Konfrontation mit der angstauslösenden Situation.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Flugangst (Aviophobie)?

Personen mit Flugangst (Aviophobie) haben Angst vor einem Absturz oder malen sich ganz andere Horrorszenarien aus - Eine Flugzeugentführung, Feuer an Board, Triebwerksausfall, Unwetter, ein Herzinfarkt während des Fluges, man muss sich übergeben, man gerät in Panik und blamiert sich vor den anderen Fluggästen etc.

Viele Flugangst-Betroffene geben an, vorherrschend sei die Angst davor diesen Umständen bedingungslos ausgeliefert zu sein. Unter Flugangst leiden in Deutschland rund 20 Prozent aller Menschen. Laut anonymen Umfragen soll sogar ein Viertel der Flugbegleiter unter Flugangst leiden.

Ursachen

In sehr vielen Fällen entwickeln die betroffenen Personen die Flugangst während eines ganz normalen Flugs. Die Folge einer solchen Angstattacke ist eine Angststörung, die sich immer weiter entwickeln kann.

Rund ein Drittel aller Menschen mit Flugangst entwickelten die Angst aufgrund von Flugturbulenzen. Es gibt aber auch Personen, die noch nie geflogen sind und dennoch Flugangst haben. Stress, mangelnde Erfahrung und eine ängstliche Grundhaltung können ausschlaggebend sein.

In vielen Fällen fühlen sich die Betroffenen ausgeliefert. Sie sitzen im Flugzeug regelrecht fest und sind darauf angewiesen, dass der Pilot alles richtig macht. Für Menschen mit Flugangst ist dies eine sehr bedrohliche Situation. Dazu kommen Phantasien, welche die Flugangst verstärken. Wer sich vorstellt, wie das Flugzeug abstürzt, die Motoren versagen oder eine Tragfläche abbricht, der verstärkt die Flugangst nur noch mehr.

Wann zum Arzt?

In der Regel stellt die Flugangst selbst kein gesundheitsgefährdendes Symptom dar, welches zwingend von einem Arzt behandelt werden muss. Falls der Patient daher an der Flugangst leidet, auf das Fliegen allerdings verzichten kann, so muss auch keine Behandlung erfolgen. Eine Behandlung der Flugangst muss daher nur in dem Fall erfolgen, wenn der Betroffene auf das Fliegen angewiesen ist. Dies kann sowohl aus privaten als auch aus geschäftlichen Gründen der Fall sein, sodass der Patient gezwungen ist, mit dem Flugzeug zu fliegen.

Es ist nicht ratsam, mit einer ausgeprägten Flugangst zu fliegen, da es hierbei zu unangenehmen Situationen kommen kann. Sollte die Flugangst bekannt sein, so muss bei häufigen Flügen ein Mediziner aufgesucht werden. Die ist vor allem dann der Fall, wenn sich die Flugangst in Panikattacken und Schweißausbrüchen äußert. Im Flugzeug kann es dabei zu schwerwiegenden Situationen kommen, da der Patient beim Fliegen der Situation nicht entkommen kann. Mit einer Behandlung können die Risiken minimiert werden.

Symptome und Verlauf

Flugangst ist häufig mit heftigen Körpersymtomen verbunden.

Bei der Flugangst handelt es sich um eine spezifische Phobie. Die Angst beschränkt sich auf bestimmte Situationen, bzw. ein bestimmtes Objekt.

Vor und während des Fliegens kommt es zu unangenehmen Gefühlen, negativen Körperreaktionen und verändertem Verhalten. Symptome sind u.a.:

Ein unwohles Gefühl beim Fliegen kann sich fließend zu einer Angstreaktion oder sogar Panikattacke entwickeln.

Behandlung und Therapie

Wie bei allen Phobien ist es auch bei der Flugangst wichtig, dass diese therapiert wird, da sie sich ansonsten verstärkt. Im Verlauf verzichten sehr viele Betroffene völlig auf das Fliegen. Damit die Flugangst nicht dauerhaft bestehen bleibt und das Leben der betroffenen Person einschränkt, sollte sie so früh wie möglich behandelt werden.

Je nachdem, wie stark die Flugangst ausgeprägt ist, empfehlen sich unterschiedliche Therapiemaßnahmen. Im Grunde eignen sich Entspannungstechniken und kognitive Therapien.

Wer die Flugangst mit Entspannungstechniken loswerden möchte, oder wenigstens die Symptome mindern will, der muss die Technik vorher bereits trainieren, damit sie dann während des Fluges angewendet werden kann. Sehr häufig werden autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Atemübungen bei Flugangst angewendet.

Um die Angstauslösenden Denkabläufe bei Flugangst umzustrukturieren, eignet sich die kognitive Therapie. Zusammen mit einem Therapeuten werden die Denkmuster analysiert und können nach einer gewissen Zeit vom Angstpatienten gezielt umgewandelt werden.



Vorbeugung

Spezifischen Phobien, wie Flugangst, kann man nicht gezielt vorbeugen. Es ist allerdings wichtig, bei den ersten Symptomen zu reagieren.

Damit sich die anfängliche Angst nicht manifestiert, darf man auf keinen Fall das Fliegen meiden. Das typische Vermeidungsverhalten von Betroffenen, die dann häufig Alternativen zum Fliegen suchen, kann die Flugangst noch weiter verstärken. Deshalb muss man sich sobald wie möglich der Flugangst stellen.

Wer schon länger unter Flugangst leidet, sollte professionelle Hilfe bzw. Therapien (spezielle Flugangst Seminare) in Anspruch nehmen.

Bei einer beginnenden Flugangst hilft es unter Umständen auch, sich ausführlich über das Flugwesen und die Flugzeugtechnik zu informieren. Denn Betroffene, die wissen, woher gewisse Fluggeräusche kommen, was bei Start und Landung geschieht und wie die Abläufe beim Fliegen sind, kann sich evtl. selbst beruhigen und verhindert so eine Flugangst.

Bücher über Flugangst

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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