Flugangst

Letzte Aktualisierung am 18. August 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Flugangst wird in der Fachsprache auch als Aviophobie. Von einer Flugangst spricht man, wenn die Angst vor dem Fliegen so groß ist, dass es das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigt. Vermeidungsverhalten verstärkt die Angst vor dem Fliegen. Jede Therapie von Flugangst beinhaltet eine Konfrontation mit der angstauslösenden Situation.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Flugangst (Aviophobie)?

Flugangst ist häufig mit heftigen Körpersymtomen verbunden.

Personen mit Flugangst (Aviophobie) haben Angst vor einem Absturz oder malen sich ganz andere Horrorszenarien aus - Eine Flugzeugentführung, Feuer an Board, Triebwerksausfall, Unwetter, ein Herzinfarkt während des Fluges, man muss sich übergeben, man gerät in Panik und blamiert sich vor den anderen Fluggästen etc.

Viele Flugangst-Betroffene geben an, vorherrschend sei die Angst davor diesen Umständen bedingungslos ausgeliefert zu sein. Unter Flugangst leiden in Deutschland rund 20 Prozent aller Menschen. Laut anonymen Umfragen soll sogar ein Viertel der Flugbegleiter unter Flugangst leiden.

Ursachen

In sehr vielen Fällen entwickeln die betroffenen Personen die Flugangst während eines ganz normalen Flugs. Die Folge einer solchen Angstattacke ist eine Angststörung, die sich immer weiter entwickeln kann.

Rund ein Drittel aller Menschen mit Flugangst entwickelten die Angst aufgrund von Flugturbulenzen. Es gibt aber auch Personen, die noch nie geflogen sind und dennoch Flugangst haben. Stress, mangelnde Erfahrung und eine ängstliche Grundhaltung können ausschlaggebend sein.

In vielen Fällen fühlen sich die Betroffenen ausgeliefert. Sie sitzen im Flugzeug regelrecht fest und sind darauf angewiesen, dass der Pilot alles richtig macht. Für Menschen mit Flugangst ist dies eine sehr bedrohliche Situation. Dazu kommen Phantasien, welche die Flugangst verstärken. Wer sich vorstellt, wie das Flugzeug abstürzt, die Motoren versagen oder eine Tragfläche abbricht, der verstärkt die Flugangst nur noch mehr.

Wann zum Arzt?

In der Regel stellt die Flugangst selbst kein gesundheitsgefährdendes Symptom dar, welches zwingend von einem Arzt behandelt werden muss. Falls der Patient daher an der Flugangst leidet, auf das Fliegen allerdings verzichten kann, so muss auch keine Behandlung erfolgen. Eine Behandlung der Flugangst muss daher nur in dem Fall erfolgen, wenn der Betroffene auf das Fliegen angewiesen ist. Dies kann sowohl aus privaten als auch aus geschäftlichen Gründen der Fall sein, sodass der Patient gezwungen ist, mit dem Flugzeug zu fliegen.

Es ist nicht ratsam, mit einer ausgeprägten Flugangst zu fliegen, da es hierbei zu unangenehmen Situationen kommen kann. Sollte die Flugangst bekannt sein, so muss bei häufigen Flügen ein Mediziner aufgesucht werden. Die ist vor allem dann der Fall, wenn sich die Flugangst in Panikattacken und Schweißausbrüchen äußert. Im Flugzeug kann es dabei zu schwerwiegenden Situationen kommen, da der Patient beim Fliegen der Situation nicht entkommen kann. Mit einer Behandlung können die Risiken minimiert werden.

Symptome und Verlauf

Bei der Flugangst handelt es sich um eine spezifische Phobie. Die Angst beschränkt sich auf bestimmte Situationen, bzw. ein bestimmtes Objekt.

Vor und während des Fliegens kommt es zu unangenehmen Gefühlen, negativen Körperreaktionen und verändertem Verhalten. Symptome sind u.a.:

Ein unwohles Gefühl beim Fliegen kann sich fließend zu einer Angstreaktion oder sogar Panikattacke entwickeln.

Komplikationen

In der Regel führt die Flugangst selbst nicht zu besonderen Komplikationen oder zu einem lebensgefährlichen Zustand für den Patienten. Sie tritt natürlich nur dann auf, wenn der Betroffene wirklich in ein Flugzeug steigt. Sollten Flugzeuge als Transportmittel vermieden werden, so kommt es in der Regel nicht zu besonderen Komplikationen. Der Betroffene ist in seinem Alltag möglicherweise eingeschränkt und kann in einigen Fällen auch bestimmte Berufe nicht ausführen. Ebenso können Freunde oder Verwandte nicht besucht werden, sodass es dadurch zu psychischen und sozialen Beschwerden kommen kann. Ebenso kann die Flugangst zu Depressionen und anderen psychischen Verstimmungen führen. Die Lebensqualität wird durch die Flugangst deutlich verringert.

Sollte der Betroffene trotz Flugangst fliegen, so kommt es oft zu Panikattacken oder zu Schweißausbrüchen. Weiterhin kann es auch zu einem Bewusstseinsverlust kommen. Ob die Flugangst behandelt werden kann, hängt dabei von der Ausprägung dieser Angst ab, sodass es nicht in jedem Fall zu einem positiven Krankheitsverlauf kommt. Allerdings treten bei der Behandlung der Flugangst keine besonderen Komplikationen auf. Mit Hilfe von verschiedenen Therapien können die Angstzustände überwunden werden.

Behandlung und Therapie

Wie bei allen Phobien ist es auch bei der Flugangst wichtig, dass diese therapiert wird, da sie sich ansonsten verstärkt. Im Verlauf verzichten sehr viele Betroffene völlig auf das Fliegen. Damit die Flugangst nicht dauerhaft bestehen bleibt und das Leben der betroffenen Person einschränkt, sollte sie so früh wie möglich behandelt werden.

Je nachdem, wie stark die Flugangst ausgeprägt ist, empfehlen sich unterschiedliche Therapiemaßnahmen. Im Grunde eignen sich Entspannungstechniken und kognitive Therapien.

Wer die Flugangst mit Entspannungstechniken loswerden möchte, oder wenigstens die Symptome mindern will, der muss die Technik vorher bereits trainieren, damit sie dann während des Fluges angewendet werden kann. Sehr häufig werden autogenes Training, progressive Muskelentspannung und Atemübungen bei Flugangst angewendet.

Um die Angstauslösenden Denkabläufe bei Flugangst umzustrukturieren, eignet sich die kognitive Therapie. Zusammen mit einem Therapeuten werden die Denkmuster analysiert und können nach einer gewissen Zeit vom Angstpatienten gezielt umgewandelt werden.

Flugangst mit Hypnose überwinden

Hypnose hat einen schlechten Ruf in unserer modernen Gesellschaft. Als Hokuspokus wird sie zumeist belächelt. Dabei kann sie, ebenso wie eine Konfrontations- oder Verhaltenstherapie die Angst vor dem Fliegen lindern.

Wie funktioniert die Therapie?

Damit die Hypnose-Therapie überhaupt funktioniert, braucht der Patient Vertrauen zum Therapeuten. Denn nur dann kann sich sein Körper und sein Geist wirklich entspannen und auf die Hypnose einlassen.

Der Therapeut lenkt nun die Aufmerksamkeit des Patienten weg von der Umwelt und ihren äußeren Reizen hin zum inneren Empfinden des Patienten. Er ruft in ihm bestimmte Vorstellungen, Emotionen und Bilder hervor, etwa eine positive Erfahrung mit dem Fliegen.

Es werden Abhängigkeits- und Angstgefühle durch solche der Selbstbestimmung und Sicherheit ausgetauscht. Mithilfe der Hypnose können Aspekte im Inneren des Patienten angesprochen werden, die sonst nicht über den Verstand erreicht werden können.

Gibt es eine Erfolgsgarantie?

Eine Erfolgsgarantie kann man bei der Hypnose jedoch nicht geben. Der Glaube ist wichtig. Erst recht beim Thema Flugangst, denn es geht hier nicht um ein körperliches Leiden, sondern um ein psychisches. Zudem handelt es sich meist um ein Trauma, ausgelöst durch bestimmte Ereignisse. Dieses aufzulösen braucht jede Menge Zeit und Geduld, aber auch den Willen der betroffenen Person tatsächlich etwas ändern zu wollen.

Was kostet eine Hypnose-Therapie?

Die Kosten für eine professionelle Hypnose-Therapie belaufen sie auf 100 bis 200 Euro pro Sitzung. Diese können von der gesetzlichen Kasse übernommen werden, allerdings nur wenn man parallel noch an einer Verhaltenstherapie teilnimmt.

Kombination mit Verhaltens- oder Konfrontationstherapie

Die Kombination aus beiden Therapien kann sinnvoll sein, wobei die Verhaltenstherapie eine anderen Ansatz hat. Ziel ist es sich schrittweise seinen Ängsten zu stellen. Im Falle der Flugangst bedeutet das, ein Flugzeug zunächst nur zu betrachten. In den nächsten Schritten ginge man dann immer näher an das Flugzeug heran, steigt irgendwann ein, setzt sich etc.

Der Verhaltenstherapie steht die Konfrontationstherapie gegenüber. Statt sich der Angst schrittweise zu nähern, fällt sie sozusagen mit der Tür ins Haus. Man wird direkt mit seiner Angst konfrontiert, soll einen Testflug absolvieren oder bei einem Flugsimulator einsteigen. Viele Fluggesellschaften bieten diese Therapie in einem speziellen Seminar zur Flugangst an.

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Vorbeugung

Spezifischen Phobien, wie Flugangst, kann man nicht gezielt vorbeugen. Es ist allerdings wichtig, bei den ersten Symptomen zu reagieren.

Damit sich die anfängliche Angst nicht manifestiert, darf man auf keinen Fall das Fliegen meiden. Das typische Vermeidungsverhalten von Betroffenen, die dann häufig Alternativen zum Fliegen suchen, kann die Flugangst noch weiter verstärken. Deshalb muss man sich sobald wie möglich der Flugangst stellen.

Wer schon länger unter Flugangst leidet, sollte professionelle Hilfe bzw. Therapien (spezielle Flugangst Seminare) in Anspruch nehmen.

Bei einer beginnenden Flugangst hilft es unter Umständen auch, sich ausführlich über das Flugwesen und die Flugzeugtechnik zu informieren. Denn Betroffene, die wissen, woher gewisse Fluggeräusche kommen, was bei Start und Landung geschieht und wie die Abläufe beim Fliegen sind, kann sich evtl. selbst beruhigen und verhindert so eine Flugangst.

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014


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