Antiepileptika

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Als Antiepileptika werden Medikamente bezeichnet, die bei der Therapie von epileptischen Anfällen zum Einsatz kommen.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Antiepileptika?

Antiepileptika (bzw. Antikonvulsiva) werden verwendet, um epileptische Anfälle zu therapieren. Darüber hinaus werden sie auch in der Schmerztherapie bzw. als Migränetherapeutikum verwendet. Kommt es zu einem epileptischen Anfall, so brechen die Betroffenen zusammen, leiden unter Muskelzucken und Darm und Blase werden entleert. Treten mehrere epileptische Anfälle hintereinander auf, so wird dies als "Grand-Mal"-Anfall bezeichnet, der sogar zum Tode führen kann.

Wirkung und medizinische Anwendung

Epilepsie entsteht durch eine Überlastung der elektrischen Nervenbahnen im Gehirn, wodurch die Gehirnfunktion stark eingeschränkt und auch geschädigt wird. Aus diesem Grund müssen epileptische Anfälle unbedingt konstant behandelt werden.

Grundsätzlich unterdrücken Antiepileptika epileptische Anfälle, das Krampfleiden wird dadurch aber nicht geheilt. Die einzelnen Medikamente unterscheiden sich dadurch, welche Art von epileptischer Anfall durch sie verhindert wird bzw. wie die Anfälle unterdrückt werden.

So gibt es beispielsweise Antiepileptika, die nur für fokale Anfälle eingesetzt werden. Einige Antiepileptika können bestimmte Formen sogar verschlechtern. Um das richtige Medikament auswählen zu können, ist es daher notwendig, dass der Arzt weiß, unter welcher Art von Anfällen der Patient leidet. Des Weiteren kommen Antiepileptika auch prophylaktisch bei Operationen an Wirbelsäule, Rückenmark bzw. Gehirn zum Einsatz, um auf diese Weise einem möglichen Krampfanfall vorzubeugen.

In Kombination mit Schmerzmitteln können sie außerdem zur Behandlung von neuralgischen Schmerzen verwendet werden. Antiepileptika haben eine direkte Wirkung auf die Nervenzellen bzw. das Nervensystem. Sie hemmen die Weiterleitung von Nervenreizen und vermindern im Gehirn die Erregbarkeit von Nervenzellen. Insgesamt verfügen Antiepileptika über drei wichtige Wirkmechanismen. Sie beeinflussen die Neurotransmitter und haben auch eine Wirkung auf Kalzium bzw. Natrium, durch die die Weiterleitung von Reizen erhöht wird. Außerdem können Antiepileptika die Mineralstoffaufnahme verringern, wodurch es zu einer Blockierung der Reizweiterleitung kommt. Zusätzlich dazu hemmen Antiepileptika im Gehirn unterschiedliche Enzyme, durch die die Reizleitung erhöht wird.

Formen und Gruppen

Antiepileptika sind so genannte heterogene Arzneimittel, die in Carboxamide, Suximide, Benzodiazepine, Barbiturate sowie neue Antiepileptika eingeteilt werden. Für eine Dauerbehandlung werden Barbiturate wie zum Beispiel Primodon oder Phenobarbitol verwendet, wobei die Behandlung in Form von Tabletten erfolgt. Auch Benzodiazepine wie beispielsweise Triazolam, Chlordiazepoxid, Lorazepam bzw. Diazepam eignen sich zur Dauerbehandlung und können in Form von Injektionslösungen, Kapseln oder Tabletten verabreicht werden.

Benzodiazepine und Barbiturate werden aber vor allem auch für die Therapie von Angststörungen, Schmerzen, Depressionen oder psychosomatischen Beschwerden verwendet. Suximide wie beispielsweise Phenytoin stehen ebenfalls zur Dauerbehandlung von epileptischen Anfällen zur Verfügung. Da Phenytoin einen sehr breiten Wirkungsgrad hat, ist es sowohl für leichte Formen als auch schwere epileptische Anfälle geeignet.

Phenytoin kann in Form von Injektionen oder in Form von Tabletten verabreicht werden. Carboxamide wie zum Beispiel Oxcarbazepin bzw. Carbamazepin können sowohl in der Schmerztherapie als auch zur Therapie von Epilepsie verwendet werden. Diese Gruppe gibt es als Injektionslösungen, Retard-Tabletten bzw. Tabletten. Die neuen Antiepileptika dienen in Kombination mit anderen Antiepileptika als zusätzliches Therapeutikum. Dazu zählen Vigabatrin, Topiramat, Tiagabin, Lamotrigin sowie Gabapentin.

Dosierung

Zu Behandlungsbeginn werden Antiepileptika in einer niedrigen Dosis verschrieben, die dann Schritt für Schritt erhöht wird. Das Ziel dabei ist, dass die epileptischen Anfälle verschwinden, ohne dass es dabei zu Nebenwirkungen kommt. Die Dosis sollte grundsätzlich immer sehr langsam erhöht bzw. gesenkt werden, damit sich der Patient daran gewöhnen kann. Eine Ausnahme stellen allergische Reaktionen dar, bei denen eine sofortige Absetzung des Medikaments notwendig ist. Um die richtige Dosierung ermitteln zu können, ist es wichtig, dass die ausgewählten Antiepileptika regelmäßig eingenommen werden, da es sonst zu schwerwiegenden Folgen, wie zum Beispiel einem Daueranfall, kommen kann.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

Ergänzend zur herkömmlichen Therapie ist vor allem bei Kindern die Einnahme von Vitamin E empfehlenswert, da sehr viele Epileptiker ziemlich niedrige Vitamin-E-Werte aufweisen. Auch Vitamin B6 kann sich bei epileptischen Anfällen günstig auswirken, da es die Produktion von Gamma-Aminosäuren anregt. Natürliche antiepileptische Eigenschaften haben auch Zink, Mangan bzw. Magnesium.


Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Durch die Einnahme von Antiepileptika können akute Nebenwirkungen wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Doppelsehen, Schwindel, Benommenheit oder Müdigkeit auftreten, es kann aber auch zu chronischen Nebenwirkungen kommen, die davon abhängig sind, wie lange das Medikament eingenommen wurde. Dazu gehören beispielsweise Zahnfleischwucherungen, Haarausfall, Osteoporose bzw. Gewichtsab- oder -zunahme. Da viele Antiepileptika einen sedierenden Effekt haben, sollten bei Einnahme keine Maschinen bedient oder Fahrzeuge geführt werden. Darüber hinaus sollte keine Einnahme während einer Schwangerschaft erfolgen, da dies zu einer Schädigung des Embryos führen kann. Antiepileptika setzen auch die Wirkung von verschiedenen Verhütungsmitteln wie zum Beispiel Pille, Implanon oder Drei-Monats-Spritze herab, sodass zusätzliche Methoden verwendet werden sollten.

Des Weiteren haben Antiepileptika auch eine intensive Wirkung auf die Herzfunktion. Daher dürfen sie beim Vorliegen von Herzerkrankungen, Nierenerkrankungen sowie Leberfunktionsstörungen nicht verschrieben werden. Weitere Nebenwirkungen von Antiepileptika sind Juckreiz, Hautausschläge, Schlaflosigkeit, Erbrechen, Übelkeit bzw. Sprachstörungen. Auf Grund von Antiepileptika wird auch der Abbau von Neuroleptika, Cyclosparin, Valproinsäure bzw. von Antidepressiva beschleunigt.

Der Abbau von Antiepileptika wird hingegen durch Antibiotika bzw. Proteasehemmer gehemmt, wodurch Vergiftungen auftreten können. Auch durch Grapefruitsaft werden Antiepileptika nur langsam abgebaut, sodass dieser ebenfalls nicht in Kombination mit dem Medikament getrunken werden sollte. Herabgesetzt wird die Wirkung durch verschiedene Mineralstoffe wie Magnesium oder Kalzium.

Quellen

  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 12. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017
  • E. Burgis: Allgemeine und spezielle Pharmakologie. 3. Auflage, Elsevier GmbH, München 2005
  • Lüllmann, H. et al.: Pharmakologie und Toxikologie: Arzneimittelwirkungen verstehen - Medikamente gezielt einsetzen. 18. Auflage, Thieme Verlag, Stuttgart 2016

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der aktuellen medizinischen Fachliteratur und fundierter wissenschaftlicher Quellen verfasst.
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Letzte Aktualisierung am: 16. November 2021

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