Nervenleiden

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 31. März 2015
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Die Medizin fasst unter dem Oberbegriff des Nervenleidens eine Vielzahl von psychischen Erkrankungen zusammen. Dabei handelt es sich um Störungen der Psyche, denen meist keine körperliche Ursache zugrunde liegt. Allerdings können Nervenleiden auch im Zusammenhang mit physischen Erkrankungen auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Nervenleiden?

Umgangssprachlich werden Nervenleiden auch als „Geisteskrankheit“ bezeichnet. Neben unspezifizierten psychischen Erkrankungen fallen auch speziellere Formen wie Neurosen oder Psychosen darunter. Während bei Neurosen in den meisten Fällen keine körperliche Ursache zu finden ist, sind Psychosen oftmals an physische Erkrankungen gekoppelt.

Neurotiker plagen Angst- und Zwangsstörungen, die dem Betroffenen in der Regel als solche bewusst sind. Psychotiker hingegen leiden unter einer gestörten Realitätswahrnehmung. Sie streiten die Krankheit ab und nehmen ihr Verhalten nicht als krankhaft wahr.

Ursachen

Die Ursachen für Nervenleiden sind meist psychischer Natur. Häufig sind Missverhältnisse von Anforderung und Leistungsfähigkeit des Betroffenen auslösend. Andere Gründe sind unterdrückte Ängste, Entwicklungsstörungen oder Traumata. In vielen Fällen ist Betroffenen die Ursache für ihre Angst nicht klar, da sie im Unterbewusstsein liegt.

Lange Phasen der Trauer können zu Nervenleiden führen. Während Genussmittel wie Nikotin oder Alkohol die Symptome im ersten Moment überdecken, führen sie auf Dauer jedoch zu deren Verschlimmerung. Eine falsche Lebensweise mit Stress und Schlafmangel hat den gleichen negativen Effekt auf die Psyche, ist aber oftmals direkte Konsequenz psychischer Erkrankungen.

Liegt dem Leiden eine körperliche Ursache zugrunde, hängt die Erkrankung in vielen Fällen mit Viren und Giftstoffen zusammen. Die Fremdkörper greifen Nervenzellen an und schädigen sie. Auch geschädigte Nervenzellen können der Grund für Nervenleiden sein.

Krankheiten

Symptome und Verlauf

Da es sich bei dem Begriff des Nervenleidens nur um eine allgemeine Zusammenfassung verschiedener psychischer Erkrankungen handelt, können unterschiedlichste Symptome auftreten. Je nach Erkrankung differiert die Intensität der Anzeichen. In leichten Fällen treten innere Unruhe und Nervosität auf. Jeder weiß, was es heißt, Stress zu haben. Wird Stress allerdings krankhaft, kann er zu Reizbarkeit und Erschöpfung führen.

Die Folge ist insbesondere in Industrieländern häufig das sogenannte Burnout-Syndrom („Ausgebranntsein“). Dabei handelt es sich um einen Zustand äußerster Erschöpfung. Die Betroffenen sind nicht mehr dazu in der Lage, ihren Alltag zu meistern und bedürfen psychologischer Hilfe. Auch Angst- und Zwangsstörungen sind typische Symptome eines Nervenleidens. Unerklärliche, plötzlich auftretende Panikattacken sind ein ernstzunehmendes Zeichen.

Betroffene mit Zwangsstörungen gewöhnen sich eine meist banale Handlung oder einen Handlungsablauf an, der für sie zum Zwang wird. Dazu gehört beispielsweise das Zurechtrücken von Gegenständen auf dem Schreibtisch oder mehrmalige Kontrolle bereits geschlossener Fenster oder ausgeschalteter Elektrogeräte. Ein anderes Symptom ist die sogenannte Hypochondrie, die krankhafte Angst vor Krankheiten. Hypochonder reden sich die unterschiedlichsten Symptome schlimmer Krankheiten ein. In Extremfällen führt dies zu Nervenzusammenbrüchen und einer stark verminderten Lebensqualität.

Diagnose

In den meisten Fällen sind Nervenleiden behandlungsbedürftig. Das zählt auch für die, die nicht auf körperliche Erkrankungen zurückzuführen sind, da sie die Betroffenen stark belasten können. Hoher Leistungsdruck führt zu Leistungsabfall und im schlimmsten Fall zur Arbeitslosigkeit. Sind Freunde und Familie nicht eingeweiht, ist soziale Abgeschiedenheit oftmals die Folge. Daher wird ein Mediziner zunächst Fragen zu Lebensumständen stellen. In einigen Fällen zeigt sich bereits bei diesem Gespräch ein erster Anhaltspunkt für die Ursache des Leidens.

Behandlung

Sollte ein Allgemeinmediziner keine körperliche Ursache finden, wird er den Patienten an einen Psychotherapeuten verweisen. Häufig ist dies auch der Fall, wenn eine physische Erkrankung vorliegt. Dabei wird die Psychotherapie ergänzend eingesetzt.

Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung sind oft das erste Mittel der Wahl. Sie helfen den Betroffenen, ihren eigenen Körper besser kennenzulernen. Zudem lernen sie, mit ihm umzugehen.

Bei den Entspannungsübungen sehen die Patienten, dass sie ihrer Erkrankung nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern auch etwas dagegen tun können. Aufgrund dessen sind diese Methoden meist erfolgreich. Voraussetzung hierfür ist allerdings die Mitarbeit des Betroffenen. Hält derjenige sich nicht für krank, ist eine Therapie schwierig bis unmöglich. Zudem muss der Patient selbst daran glauben, dass ihm geholfen werden kann. Er muss sich auf die Behandlung einlassen. Daher ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Therapeut und Erkranktem unerlässlich.

Hinzu kommt, dass viele Leidende empfindlich auf den Begriff „Krankheit“ reagieren. Sie wollen nicht als „geistesgestört“ angesehen werden. Hintergrund hierfür sind gesellschaftliche Normen und der Glaube, von Ärzten und Therapeuten nicht ernst genommen zu werden. In der Regel verschreiben Mediziner zunächst keine Medikamente. Das erste Mittel der Wahl sind pflanzliche Mittel wie Baldrian, Hopfen, Johanniskraut oder Kamille.

Erst, wenn diese keine Wirkung zeigen, verordnet ein Arzt Psychopharmaka. Dazu zählen Antidepressiva und Neuroleptika. Allerdings haben die Medikamente oftmals bedenkliche Nebenwirkungen. In vielen Fällen machen sie müde, abgeschlagen und fördern das Desinteresse. Je nach Leiden sollte der Betroffene daher selbst entscheiden, für wie sinnvoll er diese Art der Behandlung hält.

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Vorbeugung

Allgemeine, vorbeugende Maßnahmen für Nervenleiden gibt es nicht. Aufgrund der unterschiedlichen Auslöser psychischer Erkrankungen ist es schwer, diese zu verallgemeinern.

Verschiedene körperlichen Erkrankungen, die psychische Symptome mit sich führen, treten in 90 Prozent der Fälle durch eigene Unvorsichtigkeit auf. Dazu gehört in diesem Zusammenhang beispielsweise HIV.

Liegt dem Nervenleiden jedoch eine Trauerzeit oder ein traumatisches Erlebnis zugrunde, ist eine Vorbeugung nicht möglich. Hingegen kann es helfen, Alltagsstress mit regelmäßigen Ruhephasen und ausreichend Schlaf entgegenzuwirken.

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