Psychopharmaka

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 14. Juni 2016
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Psychopharmaka sind Medikamente, die unmittelbaren Einfluss auf Gehirnfunktionen nehmen. Damit sollen psychische Störungen chemisch korrigiert oder zumindest gelindert werden. Während die ersten Wirkstoffe in den 1950er Jahren entwickelt wurden, stehen heute etwa 120 verschiedene Substanzen zur Verfügung.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Psychopharmaka?

Bei Psychopharmaka handelt es sich um psychoaktive Arzneistoffe, die neuronale Prozesse im Gehirn beeinflussen. Ziel ist es, die psychische Verfassung des Patienten zu verbessern. Mediziner sprechen hierbei von einem psychoaktiven oder psychotropen Effekt. Psychopharmaka sind mittlerweile ein wichtiger Pfeiler bei der Behandlung psychischer Störungen und häufig die Grundlage für darauf aufbauende Psychotherapien. Dies gilt insbesondere für sehr ernste Krankheitsbilder wie Schizophrenien, bipolare Erkrankungen oder schwere Depressionen.

Vor allem in diesen Fällen gelten Psychopharmaka als unverzichtbar, doch auch ausgeprägte Angststörungen, Zwangserkrankungen oder Persönlichkeitsstörungen können Psychopharmaka notwendig machen. Neben Psychiatern und Neurologen werden sie praktisch von allen medizinischen Fachrichtungen verschrieben. Da die Dosen individuell angepasst werden müssen und die Nebenwirkungen erheblich sein können, müssen Psychopharmaka ausschließlich von Medizinern verschrieben werden. Auch kann es Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten geben, so dass ein Arzt die Einnahme kontrollieren sollte.

Wirkung und medizinische Anwendung

Die Einflussnahme von Psychopharmaka auf neurologische Prozesse im Gehirn unterscheidet sich je nach gewähltem Medikament. Allerdings beeinflussen sie in der Regel den Dopamin-Stoffwechsel, den Serotonin-Spiegel oder den Noradrenalin-Spiegel, indem sie die Konzentration dieser Botenstoffe in den synaptischen Spalten regulieren. Die genannten Botenstoffe sind verantwortlich für die Informationsübermittlung zwischen den Nervenzellen.

Ein gestörtes Gleichgewicht (beispielsweise beim Serotonin) kann zu Depressionen führen, gerät der Dopamin-Stoffwechsel aus der Balance, können psychotische Schübe mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen die Folge sein. Die Wirkstoffe von Psychopharmaka docken an den Rezeptoren der Synapsen an und können auf diese Weise ein Ungleichgewicht der Botenstoffe wieder korrigieren. Welches Psychopharmakon verordnet wird, hängt demnach vom Krankheitsbild des Patienten ab. Es gelingt jedoch nicht immer, Symptome zu beseitigen. Die derzeit erhältlichen Psychopharmaka sind bei Weitem noch nicht vollständig erforscht. Sie finden ausschließlich im psychiatrischen Bereich Anwendung, wenn es sich um die Behandlung von psychischen Störungen handelt. Anzumerken ist ferner, dass Psychopharmaka nicht heilen, sondern nur Symptome unterdrücken.

Formen und Gruppen

Man unterscheidet vier grundlegende Gruppen von Psychopharmaka: die Antidepressiva, die antriebssteigernd und stimmungsaufhellend wirken (zum Beispiel Sertralin®, Mirtazapin® oder Amitriptylin®), die Neuroleptika (zum Beispiel Risperdal®, Zyprexa® oder Seroquel®), die eine antipsychotische Wirkung haben, die Anxiolytika (wirken entspannend, Schlaf anstoßend und Angst lösend, zum Beispiel Diazepam® oder Lyrica®) und die Phasenprophylaktika, die Stimmungsumschwünge dämpfen sollen (zum Beispiel Quilonum® oder Ergenyl®).

Daneben existieren noch Psychostimulanzien wie Ritalin®, die bei ADHS Anwendung finden, oder Antidementiva zur Behandlung von Demenzen. Oft werden bei komplizierteren Krankheitsbildern auch Medikamenten-Kombinationen verschrieben, zum Beispiel ein Neuroleptikum und ein Antidepressivum. Psychiatrische Patienten werden im Durchschnitt mit 2,7 Medikamenten aus der stationären Behandlung entlassen. Insbesondere bei Medikamenten-Kombinationen ist eine ärztliche Kontrolle notwendig, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.

Dosierung

Je nach Medikament und je nach Einzelfall ist die Dosierung eines Psychopharmakons völlig unterschiedlich. Grundsätzlich gibt es potentere und weniger potente Psychopharmaka. Bei potenten Psychopharmaka genügen häufig einige Milligramm des Wirkstoffes, um eine Wirkung zu erzielen. Bei niederpotenten Psychopharmaka hingegen werden oftmals einige hundert Milligramm benötigt. Zudem unterscheidet man zwischen Akutdosis und Erhaltungsdosis. Die Dosis, die in einer akuten Krise verabreicht wird, um die Symptome einzudämmen, liegt in aller Regel deutlich höher als die Erhaltungsdosis.

Außerdem reagieren Patienten unterschiedlich sensibel auf Medikamente. Während bei einigen eine minimale Menge genügt, brauchen andere höhere Dosen. Dies ist zum Beispiel vom Alter, Geschlecht und Gewicht abhängig, aber auch von anderen Faktoren. Ob eine Dosis noch angemessen ist, sollte regelmäßig von einem Fachmann kontrolliert werden, um die gewünschte Wirkung einerseits zu garantieren und um andererseits unerwünschte Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

Manche Psychopharmaka können tatsächlich durch pflanzliche Wirkstoffe ersetzt werden. Hinreichend belegt ist zum Beispiel die Wirksamkeit von Johanniskraut gegen Depressionen. Es existiert außerdem eine Vielzahl von Phytostoffen, die beruhigend und ausgleichend wirken. Jedoch gibt es keine natürlichen Alternativen gegen Krankheitsbilder wie Schizophrenien oder bipolare Störungen.

Es ist aber erwiesen, dass Sport auf Dauer dem Gehirn wieder ins Gleichgewicht verhelfen kann, so dass Medikamente reduziert oder sogar abgesetzt werden können. Als ideal gilt Bewegung an der frischen Luft, möglichst bei Sonnenschein. Ein geregeltes Leben, gute Sozialkontakte und eine gesunde, ausgewogene Ernährung etc. wirken ebenfalls unterstützend. Dies sind jedoch langfristige Maßnahmen, die in der Regel nicht sofort greifen. In akuten Krisen lässt sich eine Pharmakotherapie deswegen häufig nicht vermeiden.



Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Psychopharmaka können zahlreiche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen. Je nach Medikamentengruppe stehen dabei verschiedene Nebenwirkungen im Vordergrund: Gewichtszunahme, Bewegungsstörungen, Mundtrockenheit, Verstopfung, psychische oder physische Abhängigkeit, Auswirkungen auf Herz, Leber und Niere, Gedächtnisstörungen, Einschränkung der Fahrtüchtigkeit, Müdigkeit, Beeinträchtigung der Sexualfunktion oder Atemdepression.

Der gleichzeitige Konsum von Alkohol sollte auf jeden Fall vermieden werden, da sich die Wirkung des Psychopharmakons unkontrolliert verstärken kann. Häufig klingen Nebenwirkungen nach einiger Zeit der Einnahme wieder ab. Das Abwägen zwischen Nutzen und Risiko für den Patienten sollte ein verantwortungsvoller Mediziner vornehmen. Gleiches gilt für den Umstand, wenn mehrere Psychopharmaka miteinander kombiniert werden, da sie sich gegenseitig verstärken können.

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