Angststörungen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 30. November 2016
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Von Angststörungen spricht man, wenn die Angst in jedweder Form krankhafte bzw. unverhältnismäßige Ausmaße annimmt und so das alltägliche Leben der Betroffenen bestimmt. Angststörungen sind der Sammelbegriff für eine ganze Reihe von Angstbeschwerden ohne objektiv erkennbaren Anlass. Die Symptome einer Angsstörung reichen von einem leichten Unbehagen mit körperlichen und psychischen Reaktionen (z.B. Schwindel, Herzrasen, Schweißausbrüche) bis hin zu lebensbedrohlicher Angst.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Angststörungen?

Angststörungen zeigen sich durch übermäßige Furcht gegenüber einem Objekt oder einer Situation (Phobie) oder durch eine unspezifische Angst. Häufig kommen bei Angststörungen auch Panikattacken hinzu. Die Furcht bei Angststörungen ist situationsunangemessen und unverhältnismäßig groß. Typische Angstformen sind: Platzangst, Spinnenphobie oder Panikstörungen.

Oft werden die Angstzustände mit der Zeit häufiger und haben immer stärkere Ausprägungen. Meist sind sich die Betroffenen auch selbst darüber im Klaren, dass die Symptome der Angststörung in keinem Verhältnis zur Situation stehen. Betroffene sind in der Regel nicht in der Lage, sich aus eigener Kraft aus dem Zustand der Angst zu befreien.

Ursachen

Die Ursachen für Angststörungen können meist nicht auf nur einen auslösenden Faktor reduziert werden. Viel spricht aber für eine genetische Disposition (Anfälligkeit) der Betroffenen. So haben auch Familienangehörige von Erkrankten häufig ein übererregbares Nervensystem, das schon auf leichte Stimuli reagiert.

Aber auch Konditionierung kann die Ursache für Angststörungen sein. Der Betroffene hat in einer an sich harmlosen Situation eine Panikattacke erlebt. Diese verbindet er von nun an mit der Situation und meidet sie.

Der Psychoanalytiker Sigmund Freud hielt Angststörungen für die Folge eines vom Über-Ich unterdrückten sexuellen Triebs. Die psychoanalytische Schule sagt, dass angsterregende Bewusstseinsinhalte verdrängt und auf eine andere Situation übertragen werden. In einigen Fällen können auch körperliche Krankheiten wie Schilddrüsenerkrankungen für Angststörungen verantwortlich sein.

Symptome und Verlauf

Angststörungen drücken sich häufig durch körperliche Symptome aus. Häufig ist den Betroffenen gar nicht klar, dass sie an einer Angststörung leiden. Besonders bei Panikattacken denken sie zuerst an einen Herzanfall (Herzinfarkt), plötzliche Ohnmacht oder eine andere körperliche Reaktionen. Angststörungen zeigen sich häufig durch Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Zittern, Muskelanspannung, Herzrasen oder Übelkeit. Phobien (z.B. Spinnenphobie, Platzangst, Flugangst) äußern sich durch das typische Vermeidungsverhalten - d.h. Betroffene versuchen der angstauslösenden Situation aus dem Weg zu gehen.

Der Verlauf der Angststörung hängt stark davon ab, ob eine Behandlung durchgeführt wird. Bei einer frühen Therapie heilen generalisierte Angststörungen oder Phobien häufig problemlos aus. Besonders bei Phobien sollte man die Konfrontation mit der Situation suchen.

Die Vermeidungshaltung kann sonst zu einer massiven Einschränkung der Lebensqualität führen. Dies führt dann oftmals wiederum zu Vereinsamung oder depressiven Verstimmungen. Viele Betroffene von Angststörungen wollen sich dann selbst mit Alkohol oder Medikamenten helfen und verschlimmern so ihre Situation.

Diagnose

Um eine mögliche Angststörung diagnostizieren zu können muss zunächst einmal das Fachgespräch mit einem Arzt oder einem Psychotherapeuten aufgesucht werden. Bei diesem Gespräch werden vor allem Fragen nach der Entstehung, dem Auftreten und der Entwicklung der Angst geklärt und anhand der Symptome kann der Arzt eine erste Diagnose stellen. Bevor man jedoch von einer Angststörung ausgehen kann, muss man andere Ursachen für die Symptome ausschließen. Denn Symptome wie Herzrasen oder Atemnot können auch medizinische Ursachen haben oder durch Medikamente hervorgerufen werden. Hierbei wird meistens eine Blutuntersuchung und ein EKG durchgeführt.

Erst wenn alle Alternativerklärungen ausgeschlossen werden können, wird nach einer psychischen Ursache der Symptome gesucht. Um die Angststörung spezifizieren zu können, stellt der Arzt bei einem persönlichen Gespräch Fragen zur Lebensgeschichte und zu aktuellen oder vergangenen Problemen, welche die Angst hätten hervorrufen können. Weiterhin wird geklärt, ob die Angst das Hauptproblem ist oder eine Begleiterscheinung einer anderen psychischen Erkrankung. Um herauszufinden wann und wie häufig die Angst auftritt, werden öfters auch Fragebögen verwendet.

Behandlung und Therapie

Um Angststörungen zu heilen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Der Betroffene sollte frühestmöglich mit der Behandlung beginnen, denn im Laufe der Zeit wird die Erkrankung meist stärker und spricht schlechter auf Therapien an. In den seltensten Fällen, nämlich nur bei etwa 10 bis 30 Prozent, heilen Angststörungen von selbst aus.

Die erste Wahl für Betroffene von Angststörungen ist meist die Psychotherapie. Bei Phobien wird im Gegensatz zur generalisierten Angststörung nur selten die Psychoanalyse angewandt. Hier hilft meist eine Verhaltenstherapie. Der Erkrankte wird mit seiner Phobie konfrontiert und merkt, dass diese unbegründet sind.

Man unterscheidet bei der Verhaltenstherapie gegen Angststörungen zwischen der systematischen Desensibilisierung und dem Expositionsverfahren.

Bei der systematischen Desensibilisierung beginnt man bei der Konfrontation mit einer Situation, die nur leichte Angstgefühle auslöst, und arbeitet sich so immer weiter vor.

Beim Expositionsverfahren beginnt man mit der für den Patienten schlimmsten Situation. Wenn er diese durchgestanden hat, spürt er, dass alle Angst auslösenden Situationen harmlos sind.

Aber auch Entspannungsverfahren und Sport können die an Angststörungen Erkrankten unterstützen, ihre Angst zu besiegen. In schweren Fällen von Angststörungen werden auch Medikamenten, z.B. Antidepressiva, die in den Hirnstoffwechsel eingreifen, verabreicht.



Vorbeugung

Eine aktive Vorbeugung gegen Angststörungen ist kaum möglich.

Wenn man eine Erkrankung erfolgreich überwunden hat, kann man darauf achten, sich nicht zu vielen Stress- und Furchtauslösenden Situationen auszusetzen.

Diese steigern das Risiko für einen neuerlichen Ausbruch der Angststörungen. Allerdings ist von einer Vermeidungshaltung ebenfalls abzuraten.

Auch sportliche Aktivitäten (Bewegung) und gezielte Entspannungsmethoden können zur Vorbeugung von Angststörungen hilfreich sein.

Bei bevorstehenden angstauslösenden Situationen können verschiedene freiverkäufliche Heilpflanzen-Präparate eingenommen werden und so Unruhe- und Stresszustände lindern.

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