Entwicklungsstörungen bei Kindern

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 4. Januar 2015
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Entwicklungsstörungen bei Kindern entstehen entgegen einer weitverbreiteten Meinung, nicht durch Komplikationen oder Risikofaktoren in der Schwangerschaft. Die Belastung, die die Erziehung eines Kindes, dessen Entwicklung abweichend von der Norm verläuft, muss also nicht durch Selbstvorwürfe zusätzlich erschwert werden. Aber was versteht die Wissenschaft überhaupt unter dem Begriff "Entwicklungsstörungen bei Kindern" und wie viel können Eltern zur Lebensqualität und zur Verbesserung beitragen?

Inhaltsverzeichnis

Was sind Entwicklungsstörungen bei Kindern?

Unter dem Begriff Entwicklungsstörungen bei Kindern versteht die Medizin eine deutliche Abweichung von der normalen Entwicklung eines Kindes, die entweder die Motorik oder die geistigen Fähigkeiten des Kindes betreffen. Diese können motorische Störungen sein, die entweder nur phasenweise in verschiedenen Altersstufen auftreten oder lebenslang bestehen bleiben.

Sprachentwicklungsstörungen oder Intelligenzdefizite zählen ebenfalls zu den Störungen wie auch die tiefgreifenden Entwicklungsstörungen bei Kindern, die verschiedenen Formen des Autismus.

Ursachen

Entwicklungsstörungen bei Kindern, gerade die schweren geistigen oder körperlichen Funktionsstörungen, beruhen nicht selten auf genetischen Abweichungen. Beim Edwards-Syndrom, das sich in körperlichen Fehlbildungen und Organschäden zeigt, hat jede Körperzelle drei Stück des 18er Chromosoms, das normalerweise paarweise besteht. Wie dieser Fehler in der Zellteilung entsteht, kann die Wissenschaft nicht mit Sicherheit sagen.

Ein weiterer Gendefekt, bei dem die Nervenzellen während der Schwangerschaft an die Oberfläche des Gehirns wandern, ist ausschlaggebend dafür, dass die Zellen es nicht bis zur Großhirnrinde schaffen. In Folge fehlen die Gehirnwindungen und es kommt zu schweren Organschäden. Diese Störung ist unter dem Namen Lissenzephalie bekannt.

Bei den wohl bekanntesten Entwicklungsstörungen bei Kindern, den verschiedenen Arten des Autismus sind die Ursachen noch breit gefächerter und kann die Medizin nur an Hand von Erfahrungswerten und Langzeitstudien vermuten, was zu den risikoerhöhende Faktoren zählen könnte.

Ob und mit welcher Sicherheit nun ein reiferes Alter des Vaters bei der Zeugung ausschlaggebend ist oder eine Rötelinfektion der Mutter in der Schwangerschaft, ist Spekulation. Beim Autismus dürften vielmehr gehäufte Chromosomenveränderungen ursächlich sein diese Art der Entwicklungsstörungen bei Kindern auslösen.

Symptome und Verlauf

Genetisch bedingte Entwicklungsstörungen bei Kindern äußern sich vorwiegend in Fehlbildungen von Organen und Körperteilen, die dazu führen, dass die Fähigkeiten auf dem Stand von Säuglingen stehenbleiben. Eine intensive Betreuung dieser Kinder wird dadurch nötig, falls sie die ersten Monate überhaupt überleben. Eine Heilung ist, überhaupt wenn es sich um Fehlbildungen der Organe handelt, nahezu ausgeschlossen.

Bei Autismuserkrankungen sind in erster Linie die Fähigkeiten beeinträchtigt, zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen. Verzögerte Sprachentwicklung ist eine weitere Ausprägung dieser Entwicklungsstörung bei Kindern. Verminderte Intelligenz geht nicht zwangsläufig mit Autismus einher und können die Symptome allenfalls gemildert, aber nicht geheilt werden. Erkennbar ist dieser Krankheit am ausweichenden Blickkontakt, der sehr häufig vorkommt und dem Desinteresse an anderen Kindern und Menschen generell. Die sprachliche Entwicklung ist außerdem stark vermindert bzw. findet gar nicht statt, weil das Gehörte nicht verarbeitet werden kann.

Motorische Entwicklungsstörungen bei Kindern zeigen sich in ungeschicktem Verhalten und dem späten Erlernen von selbstständigem Gehen oder Essen. Sind Abläufe des Bewegungsapparates beeinträchtigt, spricht die Medizin von Störungen in der Grobmotorik. Funktionieren kleinere Bewegungsabläufe, wie beispielsweise das Führen der Gabel zum Mund nicht richtig, bezeichnet man diese als Störungen der Feinmotorik. Diese Art der Entwicklungsstörungen bei Kindern, sowie auch Lern- und Leseschwächen können bis ins Erwachsenenalter so weit gemindert werden, dass keine Auffälligkeiten mehr sichtbar sind.

Der Maßstab, was ein Kind in einem bestimmten Alter erlernt haben soll, darf nicht zu streng genommen werden und ein geringfügiges Abweichen als Entwicklungsstörung bei Kindern qualifiziert werden. Lernt ein Kind lediglich langsamer als andere Kinder, liegt nur eine Entwicklungsverzögerung vor, die jedoch als normal erachtet wird.

Behandlung

Entwicklungsstörungen bei Kindern, die eine genetische Ursache haben, können meist nicht behandelt werden. Meist besteht bei schweren Organschädigungen nur eine geringe Lebenserwartung von wenigen Monaten. Überleben Kinder diese Phase, bleibt ihre Entwicklungsstufe auf der von Säuglingen stehen, was eine Intensivbetreuung nötig macht.

Bei der Behandlung von Autismus spielt ein individueller Behandlungsplan eine große Rolle und je früher damit begonnen wird, desto besser können sich sowohl die Kinder in der Welt zurechtfinden, als auch die Eltern möglichst früh zur Therapie beitragen. Liegen besonders aggressive Verhaltensweisen vor, ist neben der psychologischen Therapie auch eine Medikation sinnvoll, da es oft zu selbstverletzenden Verhaltensweisen kommt.

Entwicklungsstörungen bei Kindern, die die motorischen Lernfähigkeiten beeinträchtigen, können mit Krankengymnastik gut behandelt und nahezu geheilt werden. Oft wird eine Kombination mit der Ergotherapie empfohlen, bei der gezielt an der Erlernung einzelner Tätigkeiten gearbeitet wird.

Betreffen die Entwicklungsstörungen die sprachlichen Fähigkeiten, wird mithilfe der Logopädie therapiert. Das Sprachverständnis soll dabei verbessert werden. Von der Leseschwäche sind in Deutschland ca. 15% betroffen und nur selten wird diese als Entwicklungsstörung bei Kindern diagnostiziert, was eine frühzeitig nötige, gezielte Therapie lange verhindert.

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Vorbeugung

Genetisch bedingten Entwicklungsstörungen bei Kindern kann nicht vorgebeugt werden. Lediglich der Verzicht auf den Kinderwunsch bei risikobehafteten Elternteilen schließt diese Erkrankungen aus.

Beruhen hingegen die Störungen auf Ursachen, die die Entwicklung nach der Geburt beeinflussten, kann bei Risikobabys mit gezielter Beobachtung und sofortiger Therapie entgegengewirkt werden.

Verschiedene Impfungen gegen hirnschädigende Infekte sollen so schnell als möglich durchgeführt werden wie auch eine Überwachung der Neugeborenen, wenn davon auszugehen ist, dass es eventuell zu einem Sauerstoffmangel kommen könnte.

Wenn auch die Wissenschaft nicht davon ausgeht, dass eine ungesunde Lebensweise der Mutter für die meisten Entwicklungsstörungen bei Kindern ausschlaggebend ist – Vergiftungserscheinungen durch Alkoholkonsum erhöhen das Risiko erheblich.

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