Herzmuskelentzündung (Myokarditis)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. Februar 2015
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Bei der Herzmuskelentzündung (Myokarditis) handelt es sich um eine entzündliche Herzmuskelerkrankung, die die Herzmuskelzellen und die Herzgefäße betreffen kann. Die Endzündungsprozesse des Herzmuskels können akut oder chronisch auftreten. Die akute Herzmuskelentzündung nimmt meist einen positiven Verlauf, wohingegen die chronische Variante zu lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen (Herzversagen) führen kann.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis)?

Eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) bezeichnet immer eine entzündliche Erkrankung des Herzens. Diese Erkrankung kann akut oder permanent aufreten. Die Ursachen für eine Herzmuskelentzündung können vielfältig sein.

Da eine einwandfreie Funktion des Herzmuskels zu jeder Sekunde des Lebens von immenser Bedeutung ist, kann eine Entzündung an dieser Stelle innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich werden.

In den meisten Fällen verläuft die Herzmuskelentzündung jedoch als mildere Variante, manchmal wird sie auch erst als abgelaufene Myokarditis viele Jahre später zufällig entdeckt. Die hohe Dunkelziffer ist dafür verantwortlich, das genaue Zahlen über die Häufigkeit der Erkrankung in der Bevölkerung nicht vorliegen.

Grundsätzlich betrifft sie aber vor allem junge, sonst kerngesunde Menschen. Bei Autopsien plötzlicher Todesfälle junger Erwachsener findet sich in ungefähr jedem zehnten Fall eine Herzmuskelentzündung als Ursache.

Ursachen

Die eine infektiöse Herzmuskelentzündung (Myokarditis) auslösenden Erreger sind meistens sogenannte kardiotrope, also das Herz anfallende Viren, seltener Bakterien (z.B. Borrelien) oder Pilze (bei Abwehrschwäche).

Nichtinfektiöse Myokardititen gibt es bei Rheumatoider Arthritis, diversen Autoimmunerkrankungen oder nach therapeutischer Bestrahlung des Brustraumes z.B. im Rahmen einer Krebstherapie.

Der typische Fall einer viralen Myokarditis hat normalerweise einen simplen Atemwegsinfekt in der Vorgeschichte. Die virale Infektion der Atemwege wurde nicht richtig auskuriert, die Viren hatten so Gelegenheit, sich über den Blutkreislauf im Körper auszubreiten und haben sich in der Herzwand festgesetzt.

Wochen oder Monate später kommt es dann zur Symptomatik des langsamen Leistungsverfalls. Der typische Patient mit Herzmuskelentzündung ist somit ein junger Sportler, der trotz Hustensymptomatik trainiert hat.

Eine nicht auskurierte virale Erkältung mit Fieber (Virusinfekt) in Verbindung mit Sport kann eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) begünstigen.

Symptome und Verlauf

Mögliche Symptome von Herzmuskelentzündung:

Der Verlauf einer Herzmuskelentzündung ist sehr unterschiedlich und reicht vom kompletten Fehlen jeglicher Symptome bis hin zum plötzlichen Herztod (selten). Oftmals findet sich eine über längere Zeit fortschreitende Leistungsschwäche, fehlende subjektive Belastbarkeit, Herzstolpern, Herzrasen, Herzrhythmusstörungen oder Luftnot.

Die Symptome rühren erstens daher, dass entzündete Areale des Herzmuskels nicht mehr adäquat an der Pumptätigkeit teilnehmen können und das Volumen des ausgeworfenen Blutes nachlässt.

Dadurch wird der gesamte Körper schlechter versorgt, es resultiert der genannte Leistungsknick und die Luftnot durch einen Blutrückstau in die Lunge. Zweitens nehmen entzündete Zellen nicht mehr am normalen Reizleitungssystem des Herzens teil, sodass sich Rhythmusstörungen bilden, welche in Form eines Kammerflimmerns auch für die akute Lebensgefahr sorgen können, die von der Myokarditis jederzeit ausgeht.

Diagnose

Die Myokarditis oder Herzmuskelentzündung lässt sich meist schwierig diagnostizieren. Während des akuten Auftretens kann die Entzündung durch eine körperliche Untersuchung und mithilfe technischer Geräte diagnostiziert werden. Ist die Myokarditis chronisch, empfiehlt sich eine Gewebsentnahme aus dem Herzmuskel, die Myokard-Biopsie.

Zunächst erkundigt sich der Arzt nach den Beschwerden. Dabei spielen aktuelle oder kurz zurückliegende Infekte eine Rolle, wie z. B. Grippe, Erkältung oder eine Durchfallerkrankung. Anschließend werden vom Arzt Herz und Lunge abgehört und der Blutdruck gemessen.

Zur Labor-Diagnostik wird Blut entnommen. Anhand dieser Blutprobe können die Entzündungswerte, die Blutsenkungsgeschwindigkeit, die Anzahl der weißen Blutkörperchen sowie das C-reaktive Protein ermittelt werden. Spezielle Herzenzyme, wie Troponin T oder Kreatininkinase werden ebenfalls gemessen. Sämtliche Werte deuten in bestimmter Konzentration auf eine Myokarditis hin.

Vorhergehende Erkrankungen in der Vergangenheit sind wichtig, um bestimmte Erkrankungen als Ursache der Herzmuskelentzündung herauszufinden.

Mittels Elektrokardiogramm (EKG) und Herzultraschall wird das Herz gründlich untersucht. So können erhöhte Herzfrequenz und eventuelle Herzrhythmusstörungen oder herzinfarktähnliche Veränderungen erkannt werden. Mit dem Herzultraschall werden Herzgröße und Pumpleistung erfasst.

Die Magnetresonanztomographie (MRT, Kernspin) kann Hinweise darüber geben, welche Risiken die Herzmuskelentzündung für den Betroffenen birgt. Manchmal wird die Diagnostik durch eine Röntgenaufnahme von Herz und Lunge (in zwei Ebenen) komplettiert, weil sich auch hierbei die Herzgröße und mögliche Schwächezeichen erkennen lassen.

Behandlung und Therapie

Die Therapie einer Herzmuskelentzündung besteht in konsequenter körperlicher Schonung, oftmals unter EKG-Überwachung im Krankenhaus, und der medikamentösen Behandlung von Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen oder Herzinsuffizienz.

Eine ursächliche Therapie ist meist zwecklos, antivirale Mittel sind nicht besonders wirkungsvoll und Antibiotika bieten sich nur an, wenn eine bakterielle Infektion nachgewiesen werden kann.

Als "Ultima Ratio" bei fortschreitender Myokarditis und Entwicklung eines akuten Pumpversagens kann auch eine Herztransplantation stattfinden.

Die Mehrzahl der Fälle zeigt jedoch eine folgenlose Ausheilung, es bleiben jedoch Narben im Herzmuskel zurück, die eventuell in späteren Lebensjahren noch einmal Probleme bereiten können. In einigen Fällen behalten die Patienten zeitweise Rhythmusstörungen, die im Allgemeinen jedoch als harmlos einzustufen sind.

Relativ selten kommt es zum Tod an akuten Komplikationen wie Kammerflimmern oder Pumpversagen. Rund 15 Prozent der Fälle nehmen jedoch einen chronischen Verlauf mit Entwicklung einer dauerhaften Herzschwäche (Herzinsuffizienz).

Um eine Herzmuskelentzündung von vornherein zu vermeiden, kann jedem nur die konsequente körperliche Schonung bei harmlosen viralen Infekten der oberen Atemwege (Erkältungskrankheiten, Bronchitis) ans Herz gelegt werden.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Himbärin kommentierte am 25.10.2014 um 15:15 Uhr

Ich hatte vor vier Jahren Perimyokarditis. Nach einer Nasennebenhöhlenentzündung, Polypen und einer Lungenentzündung wurde die Herzmuskelentzündung diagnostiziert. Ich habe noch heute massive Probleme. Schwindelgefühl, sowie Muskel- und Gelenkschmerzen, das Gefühl gleich in Ohnmacht zu fallen, Müdigkeit etc. Bei jeder Nachuntersuchung wird mir versichert, ich sei gesund. Obwohl es zahlreiche Hinweise gibt die dagegen sprechen: EF 49%, NYHA 2-3, späte Kontrastmittelanreicherung im MRT, Narben. Mir glaubt niemand, dass ich noch Beschwerden habe!

Hinweiser kommentierte am 17.11.2014 um 15:30 Uhr

Ich bin selbst Arzt und habe seit 8 Wochen eine Myokarditis. Die Symptome waren bei mir zunächst Schwindel über 3 Wochen, dann Luftnot/Atemnot, Beklemmungen, Brustschmerz und Leistungsminderung. Im Nachhinein hätte ich gleich eine Myokardbiopsie machen sollen, dann wäre ich jetzt schlauer. Bei mir hat lediglich das Kardio-MRT die Diagnose gesichert, Echo war ok, im Langzeit-EKG höhergradige AV-Blockierungen. Im Vordergrund steht weiterhin Luftnot. In 30% der Fälle geht ene Myokarditis mit normalen Laborwerten einher. Eine spezialisierte Abteilung ist z.B. die Charité in Berlin, die haben bislang über 10000 Myokardbiopsien gemacht.