Erbrechen (Brechreiz)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 4. April 2017
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Beim Erbrechen (Vomitus) wird der Mageninhalt reflexartig durch die Speiseröhre und über den Mund aus dem Körper befördert. Erbrechen kündigt sich meist durch Übelkeit und dem Gefühl sich übergeben zu müssen - dem so genannten Brechreiz - an. Betroffene verspüren häufig ein Brennen in der Speiseröhre (Sodbrennen). Die Ursachen von Vomitus können vielfältig sein. Magen-Darm-Erkrankungen, Alkohol oder Reisekrankheit sind häufige Auslöser für Erbrechen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Erbrechen?

Beim Erbrechen (Vomitus) werden halbverdaute Lebensmittelreste aus dem Magen über die Mundöffnung hinausbefördert, die dem Körper andernfalls schaden könnten; es handelt sich also um eine reaktive Erscheinung. Betroffene klagen häufig zunächst über starke Übelkeit und einen Brechreiz, der das Erbrechen schießlich auslöst.

Bei einigen Erkrankungen soll jedoch nicht der ungesunde Mageninhalt hinausbefördert werden, sodass es sich um eine störende Begleiterscheinung ohne Zweck handelt. Dabei wird vor allem Magensäure erbrochen, da der Magen außer ihr keine Stoffe beinhaltet, die er erbrechen könnte. Erbrechen und Brechreiz sind bei wiederholtem Auftreten Fälle für den Hausarzt.

Ursachen

Übelkeit und Erbrechen können durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Gründen hervorgerufen werden. Häufig ist Erbrechen aber auf eine bakterielle bzw. virale Infektion des Magen-Darm-Traktes (Magen-Darm-Infekt) zurückzuführen.

Insbesondere bei Kindern ist die Ansteckung mit dem Rotavirus häufig die Ursache für Erbrechen.

Zum Erbrechen kommt es auch, wenn man etwas verdorbenes gegessen hat. Die giftigen Substanzen können im Körper (Magen-Darm) erheblichen Schaden hinterlassen.

Das Erbrechen kann aber auch bei Infektionskrankheiten wie der Grippe als Symptom auftreten, manchmal begleitet es auch eine Migräne oder ist die Folge eines Sonnenstichs.

Frauen, die unter dem prämenstruellen Symptom leiden, müssen in schweren Fällen ebenfalls erbrechen, was an den Hormonen in ihrem Körper liegt, die nicht nur Positives bewirken. Auch Störungen im Essverhalten (Magersucht, Bulimie) können Erbrechen auslösen.

Wenn keines dieser Probleme vorliegt und man trotzdem erbrechen muss, kann es sein, dass der Verdauungstrakt eine ernsthafte Erkrankung hat. Mögliche Ursachen sind Erscheinungen von Krebs, wenn im Erbrochenen Blut zu sehen ist, Gastritis, gutartige Geschwüre oder Verletzungen.

Auch ein Reizmagen oder Reizdarm können für Erbrechen verantwortlich sein. Nimmt man hingegen gerade Medikamente ein, sollte man einen Blick auf deren Nebenwirkungen werfen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Bei einem anhaltenden Brechreiz über mehrere Tage ist ein Arzt zu konsultieren. Es können verschiedene Ursachen vorliegen, die untersucht und abgeklärt werden müssen. Häufig handelt es sich um eine Infektion oder Entzündung. Beide Erkrankungen werden durch Viren oder Bakterien ausgelöst, die sich schnell vermehren und eine Verschlechterung des Zustandes bewirken. Darüber hinaus besteht eine hohe Ansteckungsgefahr für nahestehende Personen.

Regelmäßiges Erbrechen kann ein Hinweis auf eine vorliegende Essstörung sein. Da diese langfristig zu einem lebensbedrohlichen Zustand führt, ist rechtzeitig ein Arzt aufzusuchen. Ein einmaliges Erbrechen kann stressbedingt verursacht werden. Schafft es der Betroffene nicht aus eigener Kraft eine Verbesserung im Umgang mit der stressauslösenden Situation zu erzielen, ist ein Arzt um Rat zu fragen. Eine Lebensmittelunverträglichkeit kann das Erbrechen oder den Brechreiz auslösen. Bei einem Arzt wird ein Allergietest durchgeführt, der Aufschluss und nähere Hinweise über die Ursache der Unverträglichkeit gibt.

Das Erbrechen tritt häufig bei Menschen mit einer Migräne auf. In diesem Fall ist individuell zu entscheiden, ob der Betroffene einen Arzt aufsuchen möchte. Die meisten Menschen sind bereits durch die Migräne bei einem Arzt in Behandlung. Wird innerhalb weniger Stunden nach der Einnahme von Medikamenten der Brechreiz ausgelöst, ist unverzüglich Rücksprache mit einem Arzt zu halten.

Diagnose und Verlauf

Bei häufigem oder über längeren Zeitraum anhaltenden Brechreiz sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden, um die Gründe dafür abzuklären. In einem ersten Patientengespräch verschafft sich der Mediziner einen genauen Eindruck über das Beschwerdebild. Dazu fragt er z.B., wie häufig sich der Patient übergeben muss, wie lange die Beschwerden schon anhalten, nach der Konsistenz des Erbrochenen oder nach möglichen Begleitsymptomen (z.B. Durchfall). Hierbei ist auch die Frage nach den zurückliegenden Mahlzeiten oder den allgemeinen Essgewohnheiten naheliegend.

Nach der ausführlichen Befragung wird der Betroffene ärztlich untersucht und gegebenenfalls einer weiteren Diagnostik zugeführt. Wenn erforderlich, kann eine Analyse des Bluts, sowie eine Ultraschall- oder Röntgendiagnostik erfolgen. In einigen Fällen werden auch endoskopische Untersuchungen (Magen-Darmspiegelung) eingesetzt, um die Ursache für die Beschwerden zu finden.

Leichtes Erbrechen, z.B. infolge eines Magen-Darm-Infekts, klingt in der Regel nach einigen Tagen Schonkost von alleine wieder ab. Halten die Beschwerden längere Zeit unvermindert stark an oder werden von weiteren Symptomen begleitet (Erbrechen von Blut) sollte unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Bei häufigem Erbrechen ist es notwendig den Flüssigkeits- und Mineralienthaushalt entsprechend auszugleichen. Wird das getrunkene sofort wieder erbrochen, müssen Flüssigkeit und Elektrolyte über eine intravenöse Injektion (Zugang über die Vene durch den Arzt) verabreicht werden.

Diagnosedaten und Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: R11 Übelkeit und Erbrechen) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Komplikationen

Erbrechen kann einige Komplikationen mit sich bringen. Zu dem häufigsten Problem gehört die Aspiration. Hierbei gelangt die aufgenommene Nahrung, Flüssigkeit oder Speichel durch das Erbrechen in den Nasen-Rachen-Raum. Der Betroffene verschluckt sich und wird mit einem reflexhaften Husten überwältigt. Durch den Husten sollen die Elemente, die in die Luftröhre gelangt sind, wieder zurück in den Mund befördert werden. Gelingt dies nicht, so drohen Atembeschwerden oder Infektionen. In den schlimmsten Fällen kommt es zu einer Lungenentzündung oder dem Tod durch Ersticken. Das Ringen nach Luft löst bei den meisten Menschen Angst aus. Dies hat zur Folge, dass in seltenen Fällen ein wiederholtes Erbrechen auch zu einer Angststörung führen kann.

Je nach der Häufigkeit und Intensität des Erbrechens kann es zu einer Mangelversorgung des Organismus kommen. Lebensnotwendige Mineralien und Nährstoffe fehlen dem Körper. Als Folge können Funktionsstörungen oder Ausfälle der Organe oder Systeme auftreten. In schlimmen Fällen droht eine Dehydration des Betroffenen. Findet ein regelmäßiges Erbrechen statt, werden die Schleimhäute im Mund, Rachen und Magen angegriffen. Darüber hinaus kommt es zu einem Abbau des Zahnschmelzes. Langfristig droht der Verlust der Zähne. Darüber hinaus kann die Magenwand einreißen und weitere Beschwerden verursachen. Ist das Erbrechen chronisch, kann eine krankhafte Unterernährung mit Lebensgefahr entstehen.

Behandlung und Therapie

Bei der Behandlung des Brechreizes geht es darum, das Erbrechen zu unterbinden. Es gibt frei erhältliche Medikamente (Dimenhydrinat), die einen Brechreiz von vornherein ausschalten können. Sie richten sich beispielsweise an Reisende, die aufgrund des Gleichgewichtssinns während einer langen Reise erbrechen müssen - die entsprechenden Medikamente wirken sich direkt aufs Brechzentrum im Gehirn aus.

Ist eine Erkrankung der Grund für den Brechreiz, zielt die Therapie auf die Behandlung der Grunderkrankung ab. So wird zum Beispiel eine Infektion mit Rota- oder Noroviren mit entsprechenden Medikamenten behandelt, da mit deren Ende auch das Erbrechen aufhört.

Wer hingegen aufgrund einer Krebserkrankung oder der Behandlung erbrechen muss, erhält so genannte Antiemetika, die den Brechreiz unterbinden.

Allerdings kann nicht bei jeder Medikation das Erbrechen sinnvoll unterdrückt werden - das ist beispielsweise der Fall, wenn die Behandlung mit dem auslösenden Medikament nur von kurzer Dauer ist. Dann kann der Brechreiz auch unbehandelt bleiben, ohne Schaden anzurichten.

Brechreiz oder Erbrechen kann durch die Einnahme sogenannter Antiemetika (Antiemetikum) eingedämmt werden. Bei einer Magenunverträglichkeit ist auch die Therapie mit Zäpfchen möglich. Bei langanhaltendem Erbrechen ist es wichtig, für eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytezufuhr zu sorgen. In schlimmeren Fällen muss permanent Flüssigkeit per Infusion verabreicht werden.

Als Hausmittel gegen leichtere Beschwerden von Brechreiz und Erbrechen eignen sich Medikamente oder Tees auf Basis pflanzlicher Inhaltsstoffe (z.B. Kamille, Fenchel, Kümmel).



Vorbeugung

Mikrobiell (u.a. durch Bakterien verursacht) bedingtes Erbrechen entsteht meist durch unhygienische Bedingungen. Verdorbene Lebensmittel oder Infektionen des Magen-Darm-Traktes kann man durch genaue Untersuchung, richtige Zubereitung und zeitige Verarbeitung der Lebensmittel verhindern; Infektionen durch die richtige Handhygiene. Wer auf bestimmte Lebensmittel empfindlich reagiert und sie nicht verträgt, sollte selbstverständlich auf diese verzichten, um nicht erbrechen zu müssen. Den ernsthafteren Erkrankungen dagegen kann man kaum effektiv vorbeugen.

Bücher über Erbrechen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Rollmops kommentierte am 30.03.2016 um 09:55 Uhr

Erbreche mich seit ca. 3 Wochen in unbestimmten Abständen. Vorher wird mir schwindlig. Dann muss ich mich beeilen um es auf die Toilette zu schaffen. Manchmal sind größere Abstände dazwischen von 8 - 10 Tagen. Ich kann es mir nicht erklären und werde wohl doch mal einen Arzt aufsuchen müssen.