Magersucht

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 17. November 2014
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Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine psychosomatische Krankheit, die auf einer Wechselwirkung von psychischen und physischen Prozessen beruht. Ursachen für die Erkrankung können beispielsweise in familiären Strukturen oder hohem Leistungsdruck liegen. Die Magersucht stellt für die Kranken eine Möglichkeit der Selbstkontrolle dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Magersucht?

Die irreführende lateinische Bezeichnung "Anorexia" bedeutet Appetitlosigkeit, Magersucht geht jedoch weit über dieses Phänomen hinaus und bezeichnet im Allgemeinen einen selbst herbeigeführten und kontrollierten starken Gewichtsverlust und die zwanghafte Kontrolle des Körpergewichts, das extrem reduziert wird.

Mitunter ist die Figurbesessenheit jedoch auch nur ein sekundäres Ziel für die an Magersucht Erkrankten. Magersucht bietet für Betroffene den Gewinn der Selbstkontrolle, mittels ihres Essverhaltens vermögen sie etwas in ihrem Umfeld zu beherrschen und kontrollieren.

Im Regelfall liegt bei den Magersucht-Erkrankten eine Störung der Selbstwahrnehmung vor, da sie sich trotz des meist gesundheitsgefährdenden Untergewichts für zu dick halten. Die zwanghafte Kontrolle über das Körpergewicht und der Versuch, dieses zu reduzieren, führt im Fall der Magersucht zu typischen Verhaltensweisen bei den Erkrankten. Diese reichen von extremen sportlichen Exzessen, über den Gebrauch von Abführmitteln, ritualsierten und ungewöhnlichen Essmaßnahmen bis hin zur vollständigen Nahrungsverweigerung. Dies kann im schlimmsten Fall sogar bis zum Tod führen.

Mit Medikamenten (Antidepressiva) und einer Psychotherapie behandeln Ärzte und Therapeuten die Magersucht.

Ursachen

Magersucht wird von einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers verursacht. Ein geringes Selbstwertgefühl steht damit in direktem Zusammenhang. Grund dafür wiederum sind hauptsächlich krankhafte Umgangsformen innerhalb der Familie.

Doch auch kulturelle Leitbilder wie untergewichtige Modells können die Magersucht mit auslösen. Oft spielen auch Gewalterfahrungen, besonders sexueller Missbrauch eine Rolle. Die Empfänglichkeit für die Krankheit soll allerdings eine genetische Veranlagung sein.

Die größte Risikogruppe für die Erkrankung an Magersucht stellen weibliche Teenager und junge Frauen dar, im Allgemeinen gelten Mädchen und Frauen im Alter zwischen 15 und 25 Jahren als besonders gefährdet.

Der für Jugendliche ohnehin problematische Beginn der Pubertät ruft große Veränderungen sowohl im seelischen als auch im körperlichen Bereich hervor, der Verlust kindlicher Formen und die sich heranbildenden weiblichen Kurven und Rundungen bewirken Angst und Scham und führen mitunter zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung, die zum Ausbruch von Magersucht führen kann.

Einstieg in die Krankheit Magersucht kann auch eine normale Diät sein, die außer Kontrolle gerät und zu dem krankhaften Wahn führt, das Gewicht müsse mehr und mehr reduziert werden.

Symptome und Verlauf

Magersucht ist eine Essstörung, die vor allem junge Mädchen im Teenager- und jungen Erwachsenenalter betrifft. Mit einer gestörten Selbstwahrnehmung und der Idealisierung bestimmter, sehr dünner Stars geht ein Verhalten einher, bei dem die Betroffenen möglichst wenig und möglichst energiearme Nahrung zu sich nehmen. Magersüchtige essen an einem durchschnittlichen Tag oft nicht mehr als 200-500 Kalorien und versuchen auch diese bestmöglich wieder abzutrainieren, indem sie beispielsweise stundenlange Spaziergänge machen oder sich weigern, sich hinzusetzen oder hinzulegen.

In Foren motivieren sich Betroffene gegenseitig und geben sich Tipps, wie sie den quälenden Hunger am besten ignorieren können und welche Ausreden helfen, wenn Freunde oder Verwandte sie zum Essen bewegen möchten (sogenannte Pro-Ana-Foren). Die Betroffenen nehmen innerhalb relativ kurzer Zeit eine große Menge Gewicht ab, verlieren Muskelmasse, leiden unter unzureichender Versorgung mit Vitaminen und Mineralien. Die Menstruation bleibt aus, Haut und Haar werden brüchig, die Thermoregulation wird gestört, so dass Magersüchtige stark frieren. Schmerzhafte Wassereinlagerungen und Konzentrationsstörungen bei der Magersuchttreten ebenfalls häufig auf.

Die Magersucht ist eine schleichende Krankheit. Ihren Ausgangspunkt hat sie in dem Gefühl, zu dick zu sein, so dass die Betroffenen anfangs sehr auf das Essen und auf ihr Gewicht achten, bis es dann zur Obsession geworden ist und ihre Gedanken nur noch von der Abnahme und der Angst vor Zunahme gefesselt sind. Magersüchtige nehmen im Verlauf der Krankheit mehr und mehr ab, und ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich massiv. Der Körper versucht sich durch die sogenannte "Lanugobehaarung" zu wärmen. Die Menge der zugeführten Kalorien kann sich noch weiter verringern. Nicht wenige Magersüchtige sterben, weil ihr geschwächter Körper eine Infektion nicht besiegen oder ihr Herz-Kreislauf-System mit dem durcheinander gebrachten Mineralstoffhaushalt nicht mehr arbeiten kann. Die Magersucht ist als eine sehr gefährliche Krankheit zu bezeichnen.

Diagnose

Magersucht zählt zu den psychisch bedingten Essstörungen. Extremes Untergewicht ist für den Arzt das erste Kriterium, um eine Magersucht zu erkennen. Ein Körpergewicht, das 15% unterhalb des Durchschnitts (Normalgewicht) liegt und ein Body-Mass-Index unter 17,5 sind Symptome, die auf eine Magersucht hindeuten. Im Patientengespräch geht der Arzt weiteren Symptomen wie erzwungenes Erbrechen nach. Auch psychische Erkrankungen in der Familie des Patienten sind für die Erfassung der Magersucht von Bedeutung. Pubertierende Mädchen erkranken am häufigsten an der Magersucht.

Behandlung und Therapie

Da Magersucht eine psychosomatische Krankheit ist, deren Ursachen vor allem im Persönlichkeitsbild des Erkrankten und in psychischen Bestimmungen zu suchen ist, muss auch hier die Therapie ansetzen. Eine erzwungene Gewichtszunahme, beispielsweise durch Zwangsernährung, ist dringend zu vermeiden, da dadurch temporär die Gewichtsreduktion gestoppt wird, es jedoch zu tiefen seelischen Verletzungen, Depressionen oder schlimmstenfalls zu Suizid kommen kann. Zu empfehlen sind dagegen Therapien, welche die Magersucht mittels der Behandlung der erkrankten Psyche zu heilen versuchen. Diesbezüglich gibt es verschiedene Modelle, wie Magersucht behandelt werden kann.

So gibt es die ambulante Psychotherapie mit wöchentlichen Sitzungen, die es sich zum Ziel genommen hat, die Probleme und Hintergründe der Magersucht zu besprechen und Lösungswege aufzuzeigen. Dieses Therapiemodell wird entweder in Einzelgesprächen oder aber durch Gruppensitzungen, die den Austausch mit ebenfalls unter Magersucht Leidenden ermöglichen, angewendet.

Eine andere Möglichkeit, die bei akuten Fällen von Magersucht und extremer Gesundheitsgefährdung besteht, ist der stationäre Klinikaufenthalt, der eine ständige Beaufsichtigung des an Magersucht erkrankten Patienten gewährleisten und organischen Schädigungen vorbeugen kann. Diesbezüglich gibt es ein reichhaltiges Angebot an spezialisierten Kliniken, die sich gezielt psychosomatischen Suchtkrankheiten wie der Magersucht widmen.

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Vorbeugung

Maßnahmen zur Vorbeugung der Erkrankung an Magersucht bestehen vor allem darin, das Selbstbewusstsein und das Körpergefühl und -bild vor allem junger Menschen zu stärken und diese frühzeitig an ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper und zur Nahrungsaufnahme zu gewöhnen.

Dabei soll vor allem die Vermittlung von Werten im Vordergrund stehen und das im Zeitgeist liegende Schönheitsideal kritisch reflektiert werden, was eine wichtige Präventionsmaßnahme der Magersucht darstellt.

Vorbeugende Interventionen gegen Magersucht stellen auch Sportarten da, die das Selbstwertgefühl steigern und gezielt das Körpergefühl schulen, wodurch das Selbstbild und die Beziehung zum eigenen Körper gestärkt werden, um das Risiko einer aufkommenden Magersucht zu verringern.

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