Bulimie

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 28. November 2016
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Bulimie (Bulimia nervosa) - manchmal auch als Ess-Brech-Sucht bekannt - kennzeichnet ein Krankheitsbild der Essstörung. Typisch für die Bulimie sind einerseits anfallsartige Nahrungszuführung, andererseits eine massive gewollte Nahrungsabgabe (erzwungenes Erbrechen).

Inhaltsverzeichnis

Was ist Bulimie?

Menschen die unter der Essstörung Bulimie leiden haben das Verlangen große Mengen Nahrung zu sich zu nehmen und diese anschließend wieder zu erbrechen. Als Mittel, die kurz vorher aufgenommene Nahrung möglichst rasch wieder abgeben zu können, werden von den an Bulimie Erkrankten („Purging-Typ“) üblicherweise künstlich verursachtes Erbrechen, Abführmedikamente oder harntreibende Wirkstoffe eingesetzt.

Menschen, die unter der selteneren „Non-Purging“-Variante der Bulimie leiden, fasten zwischen den Essanfällen und betreiben extrem viel Sport, um die aufgenommenen Kalorien möglichst schnell zu verbrauchen.

Ursachen

Durch den massiven Energieverlust bei dieser Form der gewillkürten Nahrungsabgabe, werden bei der Bulimie im Körper Defizite aufgebaut, die wiederum zu den für die Bulimie typischen Essattacken führen.

Die Ursache für Bulimie ist selten an einem einzigen Sachverhalt festzumachen. In der Regel spielen mehrere Faktoren für die Erkrankung einer Bulimie eine Rolle. Die Vorstellung, dass Bulimie immer ausschließlich psychologische Gründe hat, gilt als widerlegt.

In der Regel wird Bulimie im Zusammenhang mit dem Wunsch begründet, dem von der Gesellschaft angeblich vorgegebenen Schönheitsideal des Schlankseins zu entsprechen. Oft geht einer Bulimie eine kindliche oder frühjugendliche Magersucht-Phase voraus. Fast immer leiden die an Bulimie Erkrankten an einem gestörten Selbstwertgefühl, Versagensängsten und selbstzerstörerischem Verhalten.

Als psychologischer Auslöser für Bulimie als extremer Versuch, das angestrebte Schönheitsideal zu erreichen, wirken oft traumatische Erlebnisse wie sexueller Missbrauch, berufliche Überforderung oder Familienkonflikte. Auch kann Bulimie zum Teil erblich bedingt sein. Ferner kann auch genetisch vorgegebener besonders niedriger Energieverbrauch verantwortlich dafür sein, dass höheres Körpergewicht trotz normalen Essverhaltens aufgebaut wird und in Kombination mit anderen Faktoren zum Auslöser für Bulimie wird.

Teufelskreis Bulimie: Heißhungerattacken und Brechanfälle wechseln sich ab.

Symptome und Verlauf

Bei der Bulimie handelt es sich um eine massive Essstörung, die von Außenstehenden nur sehr schwer erkannt werden kann. Dabei wird der oder die Betroffene von einer unbändigen Esssucht befallen, wobei alles wahllos auf einmal gegessen wird. Danach wird heimlich auf der Toilette ein Erbrechen herbeigeführt, indem der Finger in den Hals gesteckt wird. Auf diese Weise kommt der Mageninhalt wieder zutage, bevor er verdaut werden konnte.

Durch dieses Verhalten entsteht eine ernste Magersucht mit zahlreichen Mangelerscheinungen. Von einem derartigen Essverhalten sind sehr häufig junge Mädchen aufgrund von falschen Vorbildern betroffen. Aber auch unter dem älteren Personenkreis, wozu auch Männer zählen, können unter dieser Krankheit leiden, die schließlich bis zum Tod führen kann.

Um aus diesem Teufelskreis wieder herauszukommen, benötigt der Magersüchtige unbedingt die Hilfe von Außen. Die Krankheit zu erkennen, ist selbst für nahestehende Angehörige sehr schwierig, denn es findet ja in der Öffentlichkeit eine Nahrungsaufnahme statt. Dass diese wieder heimlich entsorgt wird, bekommt in den seltensten Fällen jemand mit. Es ist ein sehr langer Weg, wieder in die normale Essgewohnheit einzutreten. Der Magersüchtige fühlt sich selbst zu dick, auch wenn er schon sehr abgemagert ist. Deshalb sollten sich ernsthaft kranke Personen mit Bulimie für eine gewisse Zeit in die Obhut von Fachpersonal begeben.

Diagnose

Während sich andere Essstörungen wie Magersucht durch ein anormales Körpergewicht auszeichnen, ist Bulimie äußerlich nicht zwangsläufig erkennbar. Die Diagnose einer Bulimie-Erkrankung erfolgt durch das Gespräch mit Ärzten oder Psychologen.

Die Diagnose gilt als gesichert, wenn folgende Kriterien erfüllt sind: Zum einen kommen mindestens zwei Essattacken pro Woche über eine Zeitspanne von mindestens drei Monaten vor, bei denen jeweils mehrere tausend Kalorien verzehrt werden. Zum anderen müssen diese Episoden mit einem Gefühl der Scham und des Kontrollverlustes verbunden. Es ist also ein Leidensdruck vorhanden.

Ein weiteres Kriterium ist die Tatsache, dass versucht wird sich der aufgenommenen Kalorienmenge wieder zu entledigen. Dies geschieht meist über selbstinduziertes Erbrechen, die Einnahme von Abführmittel, stark kalorienreduzierte Diäten oder übermäßige sportliche Aktivität. Wobei Erbrechen die am häufigsten durchgeführte Variante darstellt.

Im Zuge der Differentialdiagnose werden weitere mögliche Gründe für die vorliegenden Symptome ausgeschlossen. Dies sind unter anderem die Einnahme bestimmter Medikamente, die Heißhungerattacken auslösen können, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder psychische Erkrankungen wie Borderline-Syndrom und Depressionen.

Behandlung und Therapie

Der Therapie zur Heilung von Bulimie muss eine differenzierte Diagnose vorausgehen. Den Ursachen der Erkrankung kann oft über Gesprächsanalysen auf die Spur gekommen werden. Wichtig ist es für den behandelnden Arzt, sich ein genaues Bild über Essverhalten und Persönlichkeitsstruktur des Patienten machen zu können. Körperlich erkennbare Hinweise auf eine Bulimie sind u.a.: geschwollene Speicheldrüsen, durch Magensäure hervorgerufene Zahnschäden und durch Kaliummangel verursachte Herzprobleme.

Normalerweise umfasst die Bulimie-Therapie einerseits die Beseitigung der durch die Bulimie verursachten körperlichen Beschwerden, etwa durch Elektrolyt-Beigaben, andererseits zielt die Therapie auf eine Behebung der Ursachen ab. Arzneimittel spielen in diesem Zusammenhang lediglich eine zweitrangige Rolle. Von zentraler Bedeutung sind dagegen die Unterstützung beim Ändern des Essverhaltens und der psychologischer Aufbau des Selbstwertgefühls. Entsprechende verhaltenstherapeutische Strategien haben bei der Behandlung von Bulimie oft nachhaltigen Erfolg.



Vorbeugung

Zwar kann Bulimie nicht in dem Sinn vorgebeugt werden, dass eine Immunisierung gegen diese Krankheit zwingend möglich ist, aber es gibt durchaus eine Reihe von nützlichen vorbeugenden Verhaltensvorgaben.

Bei ersten Anzeichen von Bulimie, ist es wichtig, fachliche Beratung einzuholen. Techniken, das eigene Selbstwertgefühl oder das Selbstbewusstsein von Betroffenen zu stärken, können Bulimie ebenso verhindern wie das Vermitteln eines entspannten, sich nicht an fremdbestimmten Schönheitsidealen orientierenden Körperbewusstseins und Ernährungsverhaltens.

Wichtig für die Verringerung des Risikos, an Bulimie zu erkranken, kann aber auch der fachlich überwachte Abbau von Übergewicht sein. Besonders förderlich ist aber vor allem das offene, individuelle Eigenarten respektierende Gespräch, um Bulimie vorzubeugen.

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