Antiemetika

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 29. Mai 2016
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Antiemetika unterbinden medikamentös das Erbrechen. Sie werden eingesetzt, wenn der Patient als Nebenwirkung eines anderen Medikaments oder einer Grunderkrankung ohne Entgiftungsfunktion erbricht.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Antiemetika?

Antiemetika bezeichnet die Gruppe der Medikamente, die das Erbrechen des Patienten verhindern. Sie werden nur dann eingesetzt, wenn das Erbrechen nicht funktionell ist. Der Mensch ist eines der Säugetiere, das dazu in der Lage ist, seinen Mageninhalt wieder zu erbrechen, um Giftstoffe schneller aus dem Körper zu befördern. Befände sich ein Toxin im Darm, wäre es nicht mehr möglich, ihn auf direktem Wege aus dem Körper zu schaffen, sodass er über lange Zeit giftig wirken könnte. Gesteuert wird dieser Prozess vom Brechzentrum des Gehirns: dieser löst Übelkeit und in der Folge Erbrechen aus.

Als Nebenwirkung medikamentöser Behandlung, bei Schwangerschaft, Verletzungen oder Erkrankungen mit Betroffenheit des Gehirns sowie bei psychischen Störungen wie der Anorexie kommt es in der Folge zu ungewolltem Erbrechen. In einigen Fällen bietet sich die Behandlung mit einem Antiemetikum an, um das Erbrechen zu stoppen und die schädlichen Auswirkungen für den Patienten gering zu halten.

Wirkung und medizinische Anwendung

Antiemetika werden grundsätzlich nicht bei Erbrechen durch Lebensmittelvergiftung oder Magen-Darm-Infektion verschrieben. Das Erbrechen befördert Toxine aus dem Körper und darf daher nicht unterbrochen werden. Zudem sind Antiemetika bei Erbrechen aufgrund von Magen-Darm-Verschlüssen unwirksam, da diese Art des Erbrechens nicht ausschließlich durch das Brechzentrum im Gehirn gesteuert wird. Auf dieses wirken sich Antiemetika aus und verhindern, dass es durch diverse Einflüsse zum Erbrechen angeregt wird.

Häufig finden Antiemetika in der Onkologie Einsatz, da etliche Chemotherapien zu starker Übelkeit und Erbrechen über Tage und Wochen nach einer Behandlung führen. Die Schwangerschaftsübelkeit kann ebenfalls mit Antiemetika behandelt werden, wenn sie zu gesundheitsgefährdendem Erbrechen führt oder der Leidensdruck für die Schwangere hoch ist. Erkrankungen des Gehirns wie der Sonnenstich, Verletzungen, Gehirntumore oder eine einfache Gleichgewichtsstörungen bei Schiffsreisen (Seeübelkeit) können ebenfalls zum Erbrechen ohne entgiftenden Sinn für den Körper führen. Antiemetika leisten auch in diesen Fällen gute Dienste.

Formen und Gruppen

Als Antiemetikum bieten sich synthetisch hergestellte und natürliche Wirkstoffe an. Der Ingwerwurzelstock enthält etwa Wirkstoffe der Gruppe der Antivertiginosa, die gut bei Schwindel und Übelkeit helfen. Antihistaminika, Neuroleptika oder Benzodiazepine erweisen sich ebenfalls als potente Antiemetika. Gelegentlich kann schon konzentrierter Sauerstoff gegen die Übelkeit und das Erbrechen helfen. Innerhalb dieser Gruppen gibt es mehrere Medikamente, die abhängig vom Auslöser des Erbrechens eingesetzt werden können.

Dosierung

Antiemetika werden nach Bedarf und dabei so niedrig wie möglich dosiert. Bei der ersten Behandlung wird eine sehr niedrige Dosis eingenommen und ausprobiert, wie das Antiemetikum sich auf die Übelkeit und das Erbrechen auswirkt. Sollte es zu schwach oder gar nicht wirken, kann es in höherer Dosis oder öfter eingenommen werden. Manche Antiemetika dürfen nicht zu häufig eingenommen werden, darunter Diazepam (Valium), das aber auch nicht hauptsächlich als Antiemetikum eingesetzt wird. Hier ist ärztliche Kontrolle notwendig, zumal der Patient von dieser Gruppe der Antiemetika auch abhängig werden kann.

Bei bestehender Erkrankung sollte der behandelnde Arzt gefragt werden, welche Mengen des Antiemetikums sicher eingenommen werden können. Wirkt es in dieser Dosierung nicht, kann ein anderes Präparat ausprobiert werden. Bei Antiemetika ist zu beachten, dass die stärkeren Wirkstoffe auch entsprechend starke Nebenwirkungen auslösen können. Daher sollte zunächst mit kleinen Dosierungen und eher schwachen Wirkstoffen begonnen werden, um dem Patienten größtmögliche Beschwerdefreiheit zu verschaffen.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

Innerhalb der Gruppe der Antiemetika gibt es eine Reihe verschiedener Wirkstoffe. Schlägt ein Antiemetikum schlecht an, kann somit ein anderes ausprobiert werden, bis der Patient Linderung verspürt. Zur Selbstbehandlung kommen natürliche Antiemetika in Frage, beispielsweise Ingwer. Als Tee oder zu scharfen Speisen kann sich dieser förderlich bei leichter Übelkeit auswirken und hilft besonders schwangeren Frauen, da sie sich gern auf Natürliches verlassen.

Hierzu bieten sich auch andere pflanzliche Alternativen an, etwa Pfefferminztee bei leichten Bauchschmerzen. Da sie aber nur schwach wirken, gelten sie nicht als Antiemetika und erweisen sich in der Behandlung bei Krebspatienten, Hirnverletzungen oder starker Schwangerschaftsübelkeit oft als wenig hilfreich. Besser sollte auf ein wirksames Antiemetikum gesetzt werden, da das Erbrechen für den Patienten gesundheitlich belastend werden kann, wenn es sich langfristig nicht bessert.



Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Antiemetika verschaffen Abhilfe bei unkontrolliertem, für den Patienten gesundheitsschädlichem Erbrechen ohne entgiftende Funktion. Somit leisten sie einen wertvollen Dienst: sie schützen vor Dehydration, Unterernährung und Verletzung von Magen, Speiseröhre und Zähnen durch ständiges Erbrechen. Allerdings haben auch manche Antiemetika Nebenwirkungen. Mundtrockenheit wird vom Patienten nicht sofort bemerkt, da er diese auch durch das Erbrechen haben könnte.

Spürbarer sind allerdings Herzklopfen, Müdigkeit oder gar psychotische Zustände (nur bei Scopolamin). Weitere psychische Nebenwirkungen sind Angstzustände mit Schweißausbrüchen und gesteigerte Nervosität sowie innere Unruhe. Stärkere Antiemetika führen in der Regel auch zu stärkeren Nebenwirkungen. Da sie meist bei ohnehin schlechtem Gesundheitszustand verschrieben werden, sollte jede Veränderung des körperlichen und seelischen Zustands unter Antiemetika mit dem Arzt abgeklärt werden, da diese auch auf die Grunderkrankung oder andere Medikamente zurückzuführen sein können.

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