Bronchiektasen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 17. Juni 2017
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Zu den gefürchteten Erkrankungen der Bronchien zählen Bronchiektasen. Als irreversible Erkrankung, bilden sich Bronchiektasen nie wieder zurück. Quälender Husten und eitriger Auswurf sind ein typisches Symptom insbesondere im Anfangsstadium der Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Bronchiektasen?

Bronchiektasen stellen eine Erweiterung der Bronchien dar. Die Bronchien können entweder eine zylindrische oder zystenartige Veränderung des Gewebes erfahren, die sich nicht wieder zurück bildet. Die Gewebsveränderungen können die gesamte Lunge erfassen oder sich auf bestimmte Lungenbezirke begrenzen.

Charakteristisch ist die Stauung des Bronchialsekretes in diesen Ausstülpungen. Im gestauten Bronchialsekret sammeln sich Bakterien, die Entzündungsherde verursachen können. Eine gesteigerte Anfälligkeit der Atemwege für Infektionen ist die Folge der Bronchiektasen.

Schematischer Aufbau (Anatomie) von Lunge und Bronchien.

Ursachen

Bronchiektasen können ererbt oder im Verlaufe des Lebens durch den Patienten erworben werden. Im Kindes- und Jugendalter häufig auftretende bronchiale Infekte, Tuberkulose, durchgemachte Lungenentzündungen und Keuchhusten, aber auch Kinderkrankheiten, so beispielsweise Masern, gelten als auslösende oder begünstigende Faktoren für Bronchiektasen.

Weitere Ursachen für das Auftreten von Bronchiektasen bilden ständige Reizungen oder entzündliche Vorgänge in den Atemwegen, wie sie oft durch Fremdkörper, Tumoren der Bronchien oder vergrößerte Lymphknoten hervorgerufen werden. Die folgende Verlegung oder Verengung der Bronchien mündet dann meist in Bronchiektasen.

Sind die Bronchiektasen ererbt, so ist eine nicht ausreichende Entwicklung der Lunge während der Phase im Mutterleib die Ursache. Hierbei bilden sich größere Kavernen und Hohlräume von sackartiger Struktur in der Lunge. Diese Hohlräume füllen sich dann mit einem Sekret, stehen für den Gasaustausch der Lunge nicht zur Verfügung und verursachen die charakteristischen Beschwerden. Auch als Folge zahlreicher Erkrankungen, so bei Mukoviszidose, können Bronchiektasen auftreten.

Wann zum Arzt?

Werden zunehmend größere Mengen von eitrigem und süßlich riechendem Auswurf (Sputum) als typisches Merkmal einer Bronchiektase bemerkt, sollte ein Arzt konsultiert werden. Dass sich diese übermäßige Bildung von Sputum eventuell nur in den Morgenstunden ergibt, darf nicht dazu führen, die Ernsthaftigkeit herunterzuspielen. Wenn dem Sputum kleine oder größere Mengen Blut beigemischt sind, muss der Arzt direkt aufgesucht werden. Eine ärztliche Untersuchung ist auch dann erforderlich, wenn tagsüber ein chronischer Husten mit größeren oder kleineren Mengen an Auswurf bemerkt wird.

Bei bestehender Atemnot im Zusammenhang mit psychischer Belastung, physischer Anstrengung oder auch in Ruhe ist eine fachärztliche Untersuchung durch einen Facharzt für Lungen- und Bronchialerkrankungen dringend zu empfehlen. Vielfach klagen Betroffene auch über ständig wiederkehrende Lungeninfekte. Diese müssen ebenfalls auf ihre Ursache hin fachärztlich untersucht werden. Es gibt aber noch weitere Symptome im Zusammenhang mit einer Bronchiektase. Etwa die Hälfte der Betroffenen klagt über Schmerzen im Brustraum.

Begleitsymptome, die viele als lapidar bezeichnen, sind Müdigkeit, ständige Abgeschlagenheit sowie Gewichtsverlust. Nicht selten sind diese begleitenden Symptomatiken auch von Fieber begleitet. Zeigen die Fingernägel eine starke Wölbung oder sind die Fingerendglieder aufgetrieben, ist die Rücksprache mit dem Hausarzt erforderlich. Nur das frühzeitige Gespräch mit einem Arzt und die symptomatische Behandlung schützen vor einer Verschlimmerung der Bronchiektase und damit vor einer Verschlechterung der Lebenssituation.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Bronchiektasen:

Das für Bronchiektasen typische Symptom ist ein chronischer quälender Husten, der einen übel riechenden und eitrigen Auswurf zutage fördert. Auch das Aushusten von Blut, die sogenannte Hämoptoe, gilt als eines der charakteristischen Leitsymptome der Bronchiektasen. Hinzu kommen meist chronische Atemnot, Gewichtsverlust und Fieberschübe. Typisch sind auch Müdigkeit und Leistungsschwäche.

Der fortgeschrittene Sauerstoffmangel im Organismus fördert das Auftreten der sogenannten Trommelschlegelfinger mit Uhrglasnägeln. Der Verlauf der Bronchiektasen-Erkrankung ist schwer abschätzbar. Das Auftreten der häufig anzutreffenden Komplikationen, so von Lungenentzündungen, Lungenblutungen, Lungenflügelkollaps oder Lungenabszessen sowie von Überbelastungen des Herzens, von Bakterienstreuung im Blut und Pilzbesiedlung der erweiterten Bronchialgefäße oder Rechtsherzschwäche, lassen einen ungünstigen Verlauf erwarten.

Fehlen die Komplikationen jedoch, so ist eine gezielte Behandlung der Bronchiektasen möglich und Folgeschäden für den Organismus, so beispielsweise das gefürchtete Rechtsherzversagen, können dadurch oft noch durch Therapie der Bronchiektasen vermieden werden.

Diagnose

Das Auftreten der bereits genannten Symptome, besonders jedoch der quälende chronische Husten mit dem eitrigen Auswurf, erleichtert die Diagnostik der Bronchiektasen erheblich. Die körperliche Untersuchung, insbesondere jedoch das Abhören der Lunge, stellen den nächsten Schritt im Rahmen der ärztlichen Diagnose dar. Zeigen sich hierbei ein Rasseln oder ein Pfeifen, so deutet dies auf Bronchiektasen hin.

Abgesichert wird die Diagnose der körperlichen Untersuchung schließlich durch die mikroskopische Untersuchung des Blutes und des Auswurfs im Labor. Unter dem Mikroskop lassen sich hierbei, besonders im Auswurf, die typischen Krankheitserreger (Bakterien) nachweisen, die sich im aufgestauten Bronchialsekret der krankhaft erweiterten Bronchien angesammelt haben und dort Entzündungen verursachen.

Lungenspiegelung und Röntgenaufnahmen der Lunge, vervollständigen schließlich das diagnostische Vorgehen des Arztes. Als zuverlässigstes diagnostisches Verfahren, gilt gegenwärtig jedoch die Computertomographie der befallenen Lunge (HRCT) zur Feststellung der Bronchiektasen.

Komplikationen

Durch die Bronchiektasen kommt es zu verschiedenen Beschwerden an den Atemwegen und den Bronchien. Die Lebensqualität des Patienten wird dabei stark eingeschränkt und der Betroffene ist nicht mehr in der Lage, körperliche Arbeiten oder sportliche Aktivitäten durchzuführen. Es kommt dabei zu einem stark ausgeprägten Husten, bei welchem auch Blut austreten kann. Oft führt ein Bluthusten bei Patienten zu einer Panikattacke. Der Betroffene ist oft müde und leidet an Fieber und an einem allgemeinen Gefühl der Schwäche. Auch der Alltag wird stark eingeschränkt und die Konzentrationsfähigkeit sinkt ab.

Nachts kann es zu lauten Atemgeräuschen kommen, die sich in der Regel negativ auf Beziehungen mit anderen Menschen auswirken. Durch die Bronchiektasen werden die Bronchialwände mit der Zeit geschädigt und es treten verschiedene Infektionen auf. Im schlimmsten Falle kann es dabei zu einer Bronchitis und weiterhin zu Beschwerden am Herzen kommen. Der Betroffene kann ein Herzversagen erleiden und an diesem sterben. Bei einer Behandlung können mit Hilfe von Antibiotika die meisten Beschwerden gelindert und bekämpft werden, sodass es zu keinen weiteren Komplikationen kommt. Nach der Behandlung sind auch wieder gewöhnliche Belastungen und Aktivitäten für den Patienten möglich.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung der Bronchiektasen stützt sich heute auf insgesamt 3 Säulen. Diese beinhalten die medikamentöse Therapie, die Physiotherapie und gegebenenfalls auch die Anwendung chirurgischer Verfahren. Im Rahmen der medikamentösen Therapie der Bronchiektasen, wird der behandelnde Arzt zunächst eine sogenannte Auswurfkultur erstellen lassen, um anhand dieser zu ermitteln, auf welche Art von Antibiotika die Bakterienkulturen im aufgestauten Sekret der Bronchiektasen jeweils am besten ansprechen.

Antibiotika werden dann gezielt eingesetzt, um die Infektionsherde in den Bronchiektasen zu bekämpfen. Neben der Gabe von Kortison, empfiehlt sich jedoch immer wieder auch die Applikation von schleimlösenden Mitteln zur Entlastung der Bronchiektasen und zur Ermöglichung des Abhustens von Bronchialschleim und –sekret. Die Dauer einer Antibiotikatherapie bei Bronchiektasen beträgt in der Regel mindestens 2 Wochen. In schweren Fällen kann es jedoch erforderlich sein, die Gabe von Antibiotika über einen längeren Zeitraum hinweg fortzusetzen.

Die Physiotherapie unterstützt durch Stimulation der Atmung und des Abhustens den Prozess der Selbstheilung der krankhaft erweiterten Bronchien. Die Bronchien werden durch gymnastische Übungen und durch Atemübungen gezielt durchlüftet. Dies ist der Bekämpfung der Infektionsherde zuträglich, stabilisiert das Lungenvolumen und stärkt die Atemmuskulatur der betroffenen Patienten.

In schweren Fällen kann es jedoch auch bereits angezeigt sein, krankhaft verändertes Bronchialgewebe durch geeignete operative Maßnahmen zu entfernen. Müssen dabei größere Teile der Bronchialstruktur entfernt werden, so kann dies zu einer Einschränkung des Lungenvolumens und damit zu Abstrichen in Bezug auf die körperliche Leistungsfähigkeit der an Bronchiektasen leidenden Patienten kommen.



Vorbeugung

Die Vorbeugung der Bronchiektasen kann durch eine gesunde Lebensführung ermöglicht werden. Dazu gehören ausreichend Bewegung und eine gesunde Ernährung.

Bücher über Atemwegserkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Nina kommentierte am 07.01.2017 um 13:32 Uhr

Ich habe die Diagnose Bronchiektasen vor 4 Jahren erhalten. Ich hatte im Kindesalter immer wieder Lungenentzündungen. Erst als ich Blut im Sputum hatte wurde ich von einem Lungenfacharzt untersucht. Ich leide immer wieder an Bronchitis und Lungenentzündungen und ebenso manchmal auch Blut im Sputum. Es ist schon sehr anstrengend diese Krankheit zu haben, am schlimmsten diese Auswürfe und die Atemnot. Antibiotika ist ein ständiger Begleiter geworden.