Appetitanreger

Letzte Aktualisierung am 5. Januar 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Als Appetitanreger werden synthetische oder natürliche Stoffe bezeichnet, die sich steigernd auf das Hungergefühl des Menschen auswirken. Sie kommen gegen Appetitlosigkeit zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Appetitanreger?

Bei Appetitanregern handelt es sich um Hilfsmittel, die den Appetit steigern. Dazu zählen bestimmte Speisen, Zubereitungen oder auch Medikamente. In den meisten Fällen stellt sich der Appetit beim Menschen von selbst ein. Ist dies jedoch nicht der Fall, sind Appetitanreger eine Option, Lust auf Essen zu erzeugen.

In der Regel reichen zu diesem Zweck schon bestimmte Lebensmittel aus, die der Betroffene vor dem Essen zu sich nimmt, wodurch sich sein Hungergefühl steigert. So erhöhen diese Speisen oder Hausmittel zum Beispiel das Entstehen der Magensaft- Darm- und Speichelsekretion, was sich positiv auf den Appetit auswirkt. Bei einigen Menschen kann zu diesem Zweck auch die Einnahme von appetitanregenden Medikamenten erforderlich sein.

Medizinische Anwendung

Die Medizin greift auf Appetitanreger zurück, um Appetitlosigkeit zu behandeln, die wiederum eine erhöhte Einbuße von Gewicht zur Folge hat. Unter einem Mangel an Appetit wird ein unzureichendes Bedürfnis nach fester oder flüssiger Nahrung bezeichnet. Nicht selten kommt es zu unangenehmen Begleiterscheinungen wie Geschmacksveränderungen, Sättigung, Veränderungen des Geruchssinns, Übelkeit oder Erbrechen. Nimmt die betroffene Person längere Zeit nicht mehr ausreichend Nahrung zu sich, drohen Folgeerscheinungen wie Schwächegefühle, der Verlust von Gewicht und Muskelmasse sowie Müdigkeit.

Des Weiteren sind eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte oder Blutarmut (Anämie) im Bereich des Möglichen. Mitunter sind auch Infektionen oder ein Reizdarm die Ursache für Appetitlosigkeit. Wenn die Beschwerden länger als drei oder vier Tage anhalten, empfiehlt sich ein Besuch beim Arzt. Dieser kann feststellen, ob es sich um eine behandlungsbedürftige Erkrankung handelt oder ob die Anwendung von Appetitanregern sinnvoll ist.

Wirkungsweise

Die Steuerung des Appetits im menschlichen Körper findet auf verschiedene Weise statt. Eine bedeutende Rolle, Lust auf Essen zu erzeugen, spielen die Verdauungssäfte. Gleiches gilt für den Hypothalamus innerhalb des Gehirns. So schüttet der Hypothalamus Botenstoffe aus, die für die Entstehung von Hunger- oder Sättigungsgefühlen zuständig sind. Appetit und Verdauung beginnen also schon frühzeitig. So setzen die ersten Abläufe bereits ein, wenn der Mensch eine leckere Mahlzeit riecht oder zu Gesicht bekommt. Probiert er die Speise, hat dies das Aktivieren des Speichelflusses sowie das Ankurbeln der Magensaftherstellung zur Folge. Dadurch ist der Organismus bereit, Nahrung aufzunehmen und verlangt nach mehr. Bei der Anregung dieser Prozesse kommen die Appetitanreger ins Spiel.

Bei den meisten Appetitanregern handelt es sich um pflanzliche Mittel, die zumeist ihre positive Wirkung entfalten. Dauert die Appetitlosigkeit jedoch länger an, ist ein Arzt zu Rate zu ziehen, weil sich krankhafte Ursachen dahinter verbergen können. Bei zusätzlichen Beschwerden besteht zudem die Gefahr, dass sich Appetitanreger negativ auswirken. In manchen Fällen kann der Arzt auch appetitanregende Medikamente oder Mittel verordnen, die der Esslust wieder auf die Sprünge helfen.

Dosierung und Einnahme

Um bei einem ausgeprägten Appetitmangel lebenswichtige Nahrungsbestandteile wie Eiweiße, Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate und Fette zu substituieren, kann Trinknahrung wie Resource® oder Fresubin® zur Anwendung gelangen. Dabei wird eine Mahlzeit durch eine Portion ersetzt. Alternativ eignen sich auch hochkonzentrierte Suppen oder Energieriegel. In Multivitaminpräparaten ist ebenfalls ein breites Spektrum an wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen vorhanden. Im Falle eines bereits bestehenden Mangels werden zumeist Monopräparate für eine gezielte Therapie verabreicht. Mitunter gelten auch homöopathische Arzneimittel wie Amara-Tropfen® als sinnvoll, um Appetit anzuregen.

Formen, Gruppen und Wirkstoffe

Die Medizin greift auf unterschiedliche Appetitanreger zurück, deren Anwendung oft von der Ursache der Appetitlosigkeit abhängt. Dazu gehören zum Beispiel Prokinetika wie die Wirkstoffe Domperidon und Metoclopramid, die in Präparaten wie Motilium® und Paspertin® enthalten sind. Sie besitzen die Eigenschaft, die aktive Bewegung der Verdauungsregion anzuregen. Gleichzeitig gehen sie gegen Übelkeit und Erbrechen vor. Appetitanregend wirken sich auch bestimmte Antidepressiva aus, zu denen u. a. Mirtazepin zählt. Allerdings können manche antidepressive Mittel auch Appetitlosigkeit erst hervorrufen, wie beispielsweise Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

Zur Therapie von Appetitlosigkeit, die mit der Einbuße von Gewicht einhergeht, eignet sich Dronabinol aus der Wirkstoffgruppe der Cannabinoide. Allerdings kommt das Arzneimittel vorwiegend in den USA zur Anwendung. Als appetitanregend gelten außerdem Antihistaminika und Anticholinergika. Dazu gehören Wirkstoffe wie Pizotifen in Mosegor® und Cyproheptadin.

Ebenfalls zu den appetitanregenden Arzneimitteln zählen Gestagene wie Megastroacetat oder Medroxyprogesteron, deren Wirkmechanismus sich bislang jedoch nicht komplett klären ließ. Auch Glukokortikoide wie Prednisolon, Methylprenisolon und Dexamethason werden zu den Appetitanregern gerechnet. Allerdings unterliegen die meisten dieser Mittel der Rezeptpflicht.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

In den meisten Fällen werden anstelle von Medikamenten eher pflanzliche oder natürliche Appetitanreger verwendet. Dazu gehören u. a. Bitterstoffe wie Enzian, Angelika, Wermut, Chinarinde, die bittere Schleifenblume, Schafgarbe oder Wermut. Sie kommen in Form von Tee oder einer Tinktur zum Einsatz und werden ungefähr 15 Minuten vor den Mahlzeiten eingenommen. Nicht geeignet sind diese Mittel jedoch bei Personen, die unter Magengeschwüren leiden.

Die Wurzel des Ingwer besitzt neben einer appetitanregenden Wirkung viele gesunde Eigenschaften.

Aber auch verschiedene Kräuter und Gewürze können den Appetit anregen. Dabei handelt es sich in erster Linie um Petersilie, Dill, Sauerampfer, Salbei, Schnittlauch, Kresse, Kümmel, Koriander oder Ingwer. Weitere natürliche Appetitanreger sind Pfefferminze, Pfeffer, Kerbel, Beifuß, Basilikum, Rucola, Rosmarin, Majoran, Curry, Chili, Paprika, Pimpinelle, Piment und Oregano.

Als sinnvolle appetitanregende Alternative gilt das Trinken von bestimmten Teesorten. Diese nimmt der Betroffene 30 bis 60 Minuten vor dem Essen zu sich. Besonders zu empfehlen sind Salbeitee und Ingwertee.

Eine appetitanregende Wirkung entfalten zudem spezielle Drinks, die in der Apotheke angeboten werden. Zu den bewährten Mitteln zählt Fresubin Original Drink Vanille®. Diese Trinknahrung ist rezeptfrei erhältlich und eignet sich zur Behandlung von Appetitmangel und Mangelernährung. Neben Vanille gibt es auch andere Geschmacksrichtungen wie Schokolade, Waldbeere, Pfirsich, Erdbeere, Waldbeere, Capuccino und Multifrucht.

Sinnvoll kann zudem die Einnahme von Hefe-Tabletten sein. Sie enthalten wertvolle Mineralstoffe wie B-Vitamine, Kalzium, Zink und Eiweiß. Zum Anregen des Appetits werden die Tabletten im Rahmen einer Kur, die vier Wochen dauert, eingenommen. Die Darreichung der Tabletten findet vor dem Essen statt.

Manchmal entpuppt sich eine Vorspeise mit kräftigen Salat als Appetitanreger. Als ideal gelten Löwenzahn und Chicoree, die mit ihrer bitteren Note den Magen öffnen. Außerdem lässt sich der Appetit durch Sport oder Bewegung an der frischen Luft fördern.



Risiken und Nebenwirkungen

Nebenwirkungen können bei synthetischen Appetitanregern durch bestimmte Medikamente hervorgerufen werden. Dabei treten mitunter Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Blutdruckabfall oder Herzrasen auf. Bei natürlichen appetitanregenden Mitteln ist diese Gefahr dagegen gering. Mitunter wird jedoch durch den gesteigerten Appetit mehr an Gewicht zugelegt als ursprünglich geplant.

Bücher über Gesunde Ernährung

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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