Alzheimer

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. Mai 2017
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Die Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer) gehört zu den häufigsten Demenzerkrankungen weltweit. Charakteristisch für dieses neurodegenerative Krankheitsbild ist der schleichende Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit (Gedächtnisfähigkeit).

Inhaltsverzeichnis

Was ist Alzheimer?

Die Krankheit Alzheimer (lat. Morbus Alzheimer) ist eine neurodegenerative Krankheit, die ab dem 50. Lebensjahr beim Menschen auftreten kann.

Die Wahrscheinlichkeit an Alzheimer zu erkranken steigt mit höherem Lebensalter stark an und tritt vor allem bei Menschen über dem 65 Lebensjahr auf.

Die Demenz durch Alzheimer ist für 60-70 % aller Demenzerkrankungen verantwortlich. Vor allem in den hoch-technisierten Ländern der Welt ist aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung in den letzten Jahren ein starker Anstieg von Alzheimer Patienten zu verzeichnen.

Ursachen

Die Gründe für eine Alzheimer-Erkrankung sind bisher nicht vollständig geklärt. Wissenschaftler vermuten, dass sowohl die Veranlagung (Erbanlagen) als auch erworbene Faktoren, wie Übergewicht, Arteriosklerose oder hoher Blutdruck eine Erkrankung begünstigen können.

Experten sind sich weitgehend einig, dass für die Alzheimer-Krankheit so genannte Plaques im Gehirn der Betroffenen (die sich bereits Jahre vor dem Auftreten von Symptomen bilden) verantwortlich sind. Diese Plaques bestehen aus dem fehlgefaltetem Protein Beta-Amyloid.

Neben den Plaques bilden sich Fibrillen in den Nervenzellen von Alzheimer-Erkrankten, die zusammen letztendlich zum Absterben der Nervenzellen führen. Auf Grund des Sterbens der Zellen kann das Gehirn bei Menschen mit Alzheimer um bis zu 20 % schrumpfen.

Auf genetischer Ebene ist vermutlich das Protein ApoE, welches am Cholesterin-Transport im Blut beteiligt ist der größte Alzheimer-Risikofaktor. Das ApoE-Protein kommt in drei Varianten im menschlichen Körper vor, wobei die Variante ApoE4 das Alzheimer-Risiko um das bis zu dreifache erhöhen kann.

Wann zum Arzt?

Stellen sich nicht nachvollziehbare Störungen des Gedächtnisses ein, ist ein Arzt unverzüglich zu konsultieren. Der Verlust des Erinnerungsvermögens sowie Orientierungsschwierigkeiten im Alltag geben Anlass zur Besorgnis, wenn sie wiederholt auftreten und einen zunehmenden Charakter haben. Ist es nicht mehr möglich, die Uhrzeit einer analogen Uhr zu lesen, sind ärztliche Untersuchungen einzuleiten.

Nimmt die Vergesslichkeit ungewöhnlich stark zu oder können lebensentscheidende Ereignisse der eigenen Biografie nicht mehr erinnert werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Gibt es ohne einen nachvollziehbaren Grund keine Erinnerungen mehr an die eigene Hochzeit, die Geburt des eigenen Kindes oder die letzte Reise, muss ein Arzt die Symptome abklären. Können erlernte Fertigkeiten nicht mehr wie gewohnt umgesetzt werden, muss ebenfalls mit einem Arzt gesprochen werden. Liegen Unterbrechungen beim Binden der Schnürsenkel, Fahrrad fahren oder gewohnten handwerklichen Tätigkeiten vor, ist es ratsam, bei einem Arzt vorstellig zu werden.

Bei Zuständen der geistigen Verwirrtheit sowie dem Fehlen an Erinnerungen von Personen des nahen Umfeldes, muss ein Arzt konsultiert werden. Treten unvermittelt Sprachstörungen oder auffallende Stimmungsschwankungen auf, sollten die Symptome abgeklärt werden. Nimmt die Denkleistung im Alltag ab und fällt es dem Betroffenen schwer, sich neues Wissen anzueignen, muss die Ursache ermittelt werden, damit eine Behandlung eingeleitet werden kann.

Symptome

Typische Symptome von Alzheimer:

Die Symptome von Alzheimer sind vielfältig und abhängig vom Stadium der Erkrankung. Meist tritt eine Störung des Kurzzeitgedächtnis und eine Abnahme der Denkleistung, sowie Sprachstörungen und Müdigkeit auf.

Weitere Symptome sind Orientierungslosigkeit, Schwierigkeiten bei der Bewältigung von Alltagsaktivitäten wie das Einkaufen und Erkennen von bekannten Menschen. Die Symptome von Alzheimer können auch Veränderungen der Persönlichkeit und des Verhaltens sein.

Diagnose und Verlauf

Die Diagnose Alzheimer kann relativ einfach ermittelt werden. Die erste Diagnose beginnt mit dem Arztgespräch (Anamnese). Es ist ratsam eine vertraute Person zu dem Gespräch mitzunehmen, um eventuelle Missverständnisse zu vermeiden. Das Ziel des Arztgespräches ist die lückenlose Darstellung der aktuellen Leiden um ein Bild des Ausmaßes der Probleme zu erhalten. Dabei interessiert dem Arzt besonders:

  • Seit wann treten die Beschwerden auf?
  • Welche Probleme haben Sie in der Bewältigung von alltäglichen Aufgaben (Einkaufen, Anziehen)?
  • Sind Ihnen Störungen im Kurzzeitgedächtnis bekannt (Worüber haben wir uns unterhalten, was gab es zum Essen)?
  • Verlegen Sie ständig Dinge (Buch in den Kühlschrank, Telefon in den Wandschrank)?
  • Sind Ihnen Sprachschwierigkeiten aufgefallen (Wortfindungsprobleme, Anwendung von Füllwörtern)?
  • Haben Sie Orientierungsprobleme (Welches Datum ist heute, wo befinde ich mich)?

Verstärkt sich in dem Arztgespräch der Hinweis auf Alzheimer, folgen radiologische Untersuchungen, wie die Magnetresonanztomographie (MRT) und die Computertomographie (CT). Ebenso werden neuropsychologische Tests durchgeführt, wie der Demenz-Detektions-Test oder der Minimal-Mental-Status-Test. Diese geben bei dem Patienten Aufschluss, inwieweit Sprache, Wahrnehmung, Gedächtnis, Konzentration und Denken von der Krankheit betroffen sind.

Der Verlauf von Alzheimer lässt sich in drei Stadien einteilen, die durch jeweils verschiedene Symptome gekennzeichnet sind. Im ersten Alzheimer-Stadium lässt das Kurzzeitgedächtnis nach und der Erkrankte wiederholt sich häufig. Alzheimer-Erkrankte zeigen zudem ein verringertes Interesse an gesellschaftlichen Aktivitäten und ihren Hobbys.

Im zweiten Alzheimer-Stadium wirken die Betroffenen häufig unruhig und haben einen ausgeprägten Bewegungsdrang. Sie kommen an unbekannten Orten und mit ungewohnten Bedingungen nicht mehr selbst zurecht. Komplexe Tätigkeiten können nicht mehr selbst ausgeführt werden und meist wird die Ausübung des Berufes unmöglich.

Im letzten Stadium von Alzheimer kommt es meist zu Persönlichkeitsveränderungen. Die Patienten erkennen Bekannte nicht mehr, können kaum noch sprechen und sind komplett Orientierungslos. Im letzten Alzheimer-Stadium geht zudem die Kontrolle über Körperfunktionen verloren und der Patient wird zum Pflegefall.

Komplikationen

In Folge von Alzheimer treten mitunter schwere Komplikationen auf. Je nach Begleiterkrankung kann es im Verlauf der Erkrankung etwa zu Durchblutungsstörungen, Schlaganfällen und Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen. Alzheimerpatienten entwickeln häufig auch schwere Entzündungserkrankungen wie etwa eine lebensbedrohliche Lungenentzündung oder Infektionen der inneren Organe. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für Arteriosklerose und schwere Nervenschädigungen. Der geistige Verfall, der von den Betroffenen zu Beginn noch bewusst wahrgenommen wird, kann zu Depressionen, Schizophrenie, Angstzuständen und anderen psychischen Erkrankungen führen.

Durch die Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit erhöht sich außerdem das Risiko für Unfälle und Stürze. Betroffene Personen können sich meist nicht mehr selbst versorgen, wodurch es zu Mangelernährung und Gewichtsverlust kommt. Je nach Schwere der Erkrankung können im Alltag oder bei der Versorgung im Krankenhaus weitere Probleme auftreten. Mögliche Komplikationen einer stationären Behandlung sind zum Beispiel Inkontinenz und Durchliegegeschwüre (Dekubitus) in Folge der Bettlägerigkeit. Mögliche Schluck- und Atemprobleme führen häufig dazu, dass der Patient an der Nahrung oder an seinem Speichel erstickt. Allergische Reaktionen auf medizinische Präparate sind ebenfalls nicht auszuschließen.

Behandlung und Therapie

Zur Behandlung von Alzheimer wird sowohl medikamentös, als auch nicht-medikamentös angegangen. Eine Heilung von Alzheimer ist nach gegenwertigen medizinischen Erkenntnissen allerdings noch nicht möglich.

Jedoch sollten Betroffene auf gar keinen Fall nach einer Alzheimer-Diagnose resignieren und ins Nichtstun verfallen. Gezielte Behandlungsmethoden können helfen, das Fortschreiten der Krankheit entscheidend zu verlangsamen.

Medikamentös wird bei Alzheimer vor allem auf Memantine und Acetylcholinesterase-Hemmer gesetzt. Memantine verhindert die Schädigung eines menschlichen Rezeptors durch den Botenstoff Glutamat und schützt somit die Nervenzellen vor dem nicht-reversiblen Zelltod.

Der Acetylcholinesterase-Hemmer verhindert den zu schnellen Abbau des Botenstoffes Acetylcholin im Gehirn, wodurch die Weiterleitung von Informationen im Gehirn verbessert wird. Durch die Medikamente können unter anderem die Verhaltensstörungen behandelt werden und die geistige Aktivität der Alzheimer-Patienten erhöht werden.

Bei der nicht-medikamentösen Alzheimer-Therapie wird versucht den Patienten geistig und körperlich zu fördern. Dabei wird auf Bewegungstherapie mittels Physiotherapie oder zum Beispiel Schwimmen und Aqua-Gymnastik gesetzt. Das Gedächtnis wird durch Lernspiele und der Arbeit mit Psychologen und Sozialarbeitern gestärkt.



Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Alzheimer wird empfohlen bereits vor dem Auftreten von Symptomen das Gehirn ständig zu trainieren. Geistige Aktivität in Form von Gedächtnistraining (Gehirnjogging) kann helfen dem kognitiven Verfall entgegenwirken.

Zudem kann ein reges soziales und kommunikatives Engagement im Alter (z.B. Ehrenamt) positive Auswirkungen auf die Gedächtnisleistung haben.

Außerdem sollte man auf Dinge verzichten, die das Gehirn schädigen (z.B. übertriebener Alkoholgenuss) und den Cholesterinspiegel erhöhen. Die Einnahme von Folsäure, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E und Omega 3 Fettsäuren können ebenfalls das Risiko an Alzheimer zu erkranken verringern.

Bücher über Alzheimer

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011

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