Antriebslosigkeit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 16. Juni 2016
Gesundpedia.deSymptome Antriebslosigkeit

Antriebslosigkeit ist ein unspezifisches Symptom, das bei vielen verschiedenen Krankheiten auftritt. Ihr kann eine psychische oder somatische Störung zugrunde liegen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Antriebslosigkeit?

Antriebslosigkeit beschreibt einen psychophysischen Zustand der Lethargie. Betroffene zeigen kaum zielgerichtetes Verhalten und verlieren im Extremfall jede Initiative. Antriebslose Menschen können sich für nichts begeistern oder motivieren. Sie fühlen sich lustlos, abgestumpft, müde oder energielos.

Bereits banale Anforderungen des Alltags (persönliche Hygiene, Nahrungszubereitung, o. ä.) überfordern sie. Synonyme bzw. Vorstufen der Antriebslosigkeit sind Antriebsschwäche, Antriebsmangel oder Antriebsarmut. Das Gegenteil der Antriebslosigkeit ist ein Antriebsüberschuss - ein Symptom, das häufig bei manischen Patienten auftritt. Antriebslosigkeit ist keine eigenständige Erkrankung, sondern Ausdruck anderer Grunderkrankungen.

Ursachen

Antriebslosigkeit kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Häufig tritt sie im Rahmen von depressiven Erkrankungen auf. Außerdem ist sie ein klassisches Negativsymptom der Schizophrenie. Viele Menschen entwickeln im Alter eine gewisse Antriebslosigkeit, insbesondere Personen, die an Demenz erkrankt sind.

In jedem Lebensalter kann Antriebslosigkeit ein Zeichen von Fehlernährung sein, z. B. bei zu geringer Aufnahme von Eisen, Folsäure oder Vitamin B12. Die Mangelernährung löst eine Blutarmut (Anämie) aus, sodass nicht ausreichend Sauerstoff durch den Körper transportiert wird und die Leistungsfähigkeit sinkt.

Neben mangelnder Nährstoffzufuhr kommen Malabsorptionssydrome als Ursache der Antriebslosigkeit in Frage, beispielsweise ein Bandwurmbefall. Auch Stoffwechselstörungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion können der Antriebslosigkeit zugrunde liegen. Schließlich kann eine Antriebslosigkeit auch auf ein Tumorleiden hindeuten.

Diagnose und Verlauf

Antriebslosigkeit kann wie bei einem Burnout plötzlich einsetzen, sich aber auch schleichend über Wochen oder Monate entwickeln. Letztlich ist immer ein deutlicher Leistungsabfall im Vergleich zum früheren Leistungsniveau des Betroffenen feststellbar. Manche Patienten leiden selbst unter ihrer Antriebslosigkeit und suchen von allein ärztlichen Rat, weil sie ihren Alltag nicht mehr wie gewohnt bewältigen können.

Es kann jedoch auch sein, dass nur Angehörige oder Pfleger sich Sorgen um den fehlenden Tatendrang einer Person machen, der Betroffene selbst hingegen keinen Leidensdruck verspürt. Genauso variabel wie die Entstehung der Antriebslosigkeit ist ihr Verlauf: Somatisch bedingte Antriebslosigkeit verschwindet nicht von allein, sondern hält solange an, bis der Hormon- oder Nährstoffhaushalt wieder im Lot ist.

Psychogene Antriebslosigkeit ist unberechenbarer: Sie kann sich von ganz allein ohne Therapie wieder verbessern oder aber trotz Therapie über Jahre hinweg anhalten. Gefährlich wird Antriebslosigkeit, wenn sie so stark ausgeprägt ist, dass der Betroffene seine Grundbedürfnisse vernachlässigt. Ohne fremde Hilfe kann die Antriebslosigkeit dann sogar lebensgefährlich werden, weil der Patient z. B. nicht ausreichend isst und trinkt.

Die Diagnose Antriebslosigkeit stützt sich hauptsächlich auf eine ausführliche Anamnese. Diese sollte Fragen zum vegetativen Zustand, zur ökonomischen und sozialen Situation sowie zu Drogen- oder Medikamentenkonsum beinhalten. Auch die Beobachtung des Patienten liefert wertvolle Hinweise: Oft sind Mimik, Gestik und verbaler Ausdruck vermindert. Angehörige oder Pfleger schildern typischerweise, dass der Betroffene stundenlang passiv und ohne Beschäftigung herumsitzt.

Für die Differentialdiagnose ist neben der Anamnese eine ausführliche körperliche Untersuchung wichtig. Ein Abtasten der Lymphknoten liefert Hinweise auf Infektionen oder Tumorerkrankungen. Der Ernährungszustand lässt sich über Statur, Hautturgor und ein Blutbild genauer untersuchen.

Genau hinschauen sollte man besonders bei Antriebslosigkeit im Alter: Diese wird leicht als psychogen abgetan, obwohl häufig eine einseitige Ernährung mit unzulänglicher Vitamin B12-Zufuhr dahinter steckt. Lassen sich keine somatischen Ursachen finden, sollte eine ausführliche neurologisch-psychiatrische Diagnostik mit Gesprächen und standardisierten Tests stattfinden.

Behandlung und Therapie

Es gibt bei Antriebslosigkeit keine Standardbehandlung, da sich die Therapie nicht gegen die Antriebslosigkeit selbst, sondern gegen die Grunderkrankung richtet. Am leichtesten ist Antriebslosigkeit bei Fehlernährung zu kurieren: Hier wird zunächst der akute Mangel durch hochdosierte Gaben z. B. von Eisen oder Vitamin B12 behoben. Zusätzlich sollte der Patient auf Dauer seine Ernährung umgestalten.

Stoffwechselstörungen lassen sich häufig mit Hormonpräparaten behandeln. Bei der Therapie von Schizophrenie stehen Antipsychotika im Vordergrund. Depressionen können je nach Ausmaß mit Antidepressiva, Psychotherapie, Schlafentzug, Stromtherapie oder Lichtherapie bekämpft werden.

Bei leichten Formen von Antriebslosigkeit helfen eventuell Sport oder Entspannungstechniken. Auch mit der besten Therapie verschwindet jedoch nicht jede Antriebslosigkeit. Sofern Patienten keinen Leidensdruck verspüren und ihre Lebenssituation mit der Antriebslosigkeit vereinbar ist (z. B. im Pflegeheim), können Therapieversuche dann unter Umständen aufgegeben werden.

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Vorbeugung

Vorbeugen kann man Antriebslosigkeit zum einen mit ausgewogener Ernährung: Insbesondere Vegetarier, Veganer und Schwangere sollten auf eine ausreichende Versorgung mit Eisen, Vitamin B12 und Folsäure achten.

Für die Bildung der Schilddrüsenhormone ist außerdem Jod wichtig. Zum anderen helfen nachweislich Sport und Sonnenlicht gegen leichte depressive Verstimmungen. Besonders während der Wintermonate beugt regelmäßige Bewegung bei Tageslicht Antriebslosigkeit im Rahmen einer Winterdepression vor.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Jule kommentierte am 11.12.2015 um 17:08 Uhr

Ich bin weiblich und 42 Jahre, habe 3 Kinder und bin Alleinerziehende. Bin seit fast 2 Jahren ständig müde und habe zu gar nichts Lust. Für meine Kinder kann ich mich manchmal zu Freizeitaktivitäten zwingen, ist aber eher selten. Ich kann stundenlang in der Küche sitzen und Nichtstun, was mich am Abend sehr traurig macht. Was könnte mir helfen? Ich gehe sogar schon um 20 Uhr ins Bett und schlafe gegen 22 Uhr ein, so kann das doch nicht weiter gehen!