Demenz

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 2. Juli 2017
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Als Demenz wird der fortschreitende Verfall der geistigen Leistungsfähigkeit bezeichnet. Charakteristisch für eine Demenz ist die Abnahme der Gedächtnisleistung (Kurzzeitgedächtnis) sowie des Denkvermögens und damit einhergehend eine Veränderung der Persönlichkeit.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Demenz?

Demenz betrifft in der Regel Menschen im fortgeschrittenen Alter und umfasst eine Reihe von Erkrankungen. Die häufigste und bekannteste Form der Demenz ist die Alzheimer-Erkrankung.

Charakteristisch für eine Demenz sind Störungen der Hirnleistung, die die geistigen und verstandesmäßigen Bereiche betreffen.

Sie führen zu einer Abnahme des Gedächtnisses und der Denkfähigkeit. Diese Gedächtnisstörungen wirken sich zunehmend auch auf die Motorik und die Sprache der Betroffenen aus. So werden lebenslang ausgeübte Fertigkeiten und Fähigkeiten mit fortschreitendem Krankheitsvelauf nach und nach wieder verlernt.

Demenz geht einher mit Veränderungen des Sozialverhaltens, der Motivation sowie der Persönlichkeit des Patienten.

Ursachen

Für eine Erkrankung an Demenz können sehr unterschiedliche Ursachen verantwortlich sein. Am häufigsten tritt die nach der gleichnamigen Krankheit benannte Alzheimer-Demenz auf. In weitaus geringerer Anzahl ist eine Demenz auf gefäßbedingte Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Schlaganfall zurückzuführen.

Zu Demenz kann auch die Pick-Krankheit führen, die durch das Zugrundegehen von Nervenzellen im Stirn- und Schläfenlappenbereich des Gehirns gekennzeichnet ist. Demenz kann mit anderen Erkrankungen wie Parkinson oder Depressionen zusammenhängen.

In sehr seltenen Fällen tritt sie im Zusammenhang mit Infektionen (z.B. AIDS, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit), Drogenvergiftungen, Sauerstoffmangel im Gehirn sowie Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Störungen der Schilddrüsenfunktion auf. In diesen Fällen handelt es sich um reversible Formen der Demenz.

Wann zum Arzt?

Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und Antriebslosigkeit können normale Schwankungen sein. Sie treten bei jedermann im alltäglichen Leben hin und wieder auf. Dies gilt vor allem mit zunehmendem Alter. Sollten sich aber bestimmte Symptome, die mit Demenz in Verbindung gebracht werden, häufen und verdichten, ist eine medizinische Abklärung ratsam. Eine Demenz-Erkrankung beginnt schleichend. Dies ist das Tückische an dieser Krankheit. Dabei ist es weder sinnvoll, Betroffene vorschnell als dement abzustempeln noch ernste Anzeichen zu ignorieren.

Sollte es sich häufen, dass ältere Menschen in Besorgnis erregendem Maße vergesslich werden, ihre Schlüssel ständig verlegen, ihnen alltägliches Wissen abhanden kommt, sie reizbar werden und Anzeichen von Orientierungslosigkeit aufweisen, ist es sinnvoll, einen Neurologen aufzusuchen. Dieser klärt mithilfe von Tests ab, ob eine Demenz vorhanden ist. Das wiederum verleiht den Betroffenen und der Umwelt Sicherheit über die Fakten.

Im Idealfall suchen Betroffene selbst Hilfe. Jedoch ist es selten der Fall, dass Demenzkranke ihren eigenen Zustand erkennen. Vielmehr liegt es an der Umwelt, Anzeichen, die sich häufen, ernst zu nehmen und medizinischen Rat einzuholen. Es existieren bestimmte Medikamente, die den Zerfallsprozess der kognitiven, sozialen und emotionalen Fähigkeiten bei einer Demenzerkrankungen deutlich verlangsamen können. Je eher eine Demenzerkrankung erkannt wird, umso besser sind die Chancen, diese zu behandeln.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Demenz:

Die Symptome einer Demenz können entsprechend Krankheitsverlauf und Krankheitsfortschritt sehr vielfältig sein. Sie äußern sich immer durch eine Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten (von lat. cognoscere = erkennen, kennen lernen, erfahren) des Patienten.

Es kommt zum Nachlassen des Erinnerungsvermögens, der Konzentrationsfähigkeit, wobei das Kurzzeitgedächtnis bereits in einem frühen Stadium der Demenz betroffen ist. Weiterhin kommen Störungen der Sprache, Afehlende Orientierung und Auffassunggabe hinzu. sowie eine hinzu.

Häufig leiden leiden Betroffene unter ständiger Müdigkeit, Antriebsschwäche und Niedergeschlagenheit - Symptome, die eher mit einer depressiven Verstimmung einhergehen. Im weiteren Verlauf können Schwierigkeiten bei alltäglichen Abläufen (Anziehen, Waschen etc.) und Persönlichkeitsveränderungen (diffuse Denkmuster) auftreten.

Diagnose

Was zur Beurteilung der Frage, ob jemand an Demenz leidet oder nicht, festzustellen ist, geht auf den Terminus der Krankheit selbst zurück. Demenz setzt sich aus den lateinischen Wörtern de und mens zusammen. De bedeutet meist von...weg und mens bezeichnet den Verstand. Es handelt sich also um eine Erkrankung, die von einem normalen Verstand weg führt und somit mit einer Minderung der Intelligenz einhergeht.

Wie Demenz diagnostisch erfasst werden kann, ist immer von einer Verknüpfung von Befunden zu einem feststellbaren Krankheitsbegriff abhängig. Als Wahrnehmungshorizont bieten sich primäre Beobachtungen der betreffenden Person selbst und der näheren Umwelt im Alltag an.

Gemeinhin führen Zerstreutheit, Verlust der Merkfähigkeit, Nachlassen der sprachlichen Ausdrucksfähigkeit und räumlich sowie zeitliche Orientierungsschwierigkeiten schnell zum Verdacht einer Demenz. Dieses können dabei starke Indizien für ein Vorliegen sein, müssen es aber nicht. Um Klarheit zu erhalten, ist es sinnvoll, einen Mediziner hinzuzuziehen. Dieser kann durch technisches Equipment und damit über den Wahrnehmungshorizont der Umwelt hinaus, Untersuchungen anstellen.

Hierbei helfen die Kernspintomografie oder die Computertomografie gleichermaßen, um einen Verdacht verifizieren oder falsifizieren zu können. Aber auch ein Blutbild kann Aufschluss über den körperlichen Stoffwechsel liefern.

Vielfach kommt ergänzend auch ein Uhrentest zum Einsatz, bei dem ein Patient das Ziffernfeld einer Uhr zeichnen soll und auf Veranlassung verschiedene Zeiten einzutragen hat. Aufgrund vorliegender Abweichungen von einer zu erwartenden Normalleistung, ergibt sich dann ein Hinweis auf eine Demenz. Damit ergibt sich insgesamt der Weg für die Feststellung einer Demenz: Ein Urteil benötigt vielfältige Befunde.

Komplikationen

Viele Demenzkranke leiden unter einer Depression. Bei der Entstehung der Depression spielen verschiedene Prozesse eine Rolle. Zum einen stellt die Diagnose eine große psychische Belastung dar, die zu Depression und anderen psychischen Erkrankungen führen kann. Zum anderen stören die fortschreitenden Schädigungen des Gehirns den Hirnstoffwechsel und tragen dadurch auf biologischer Ebene zur Depression bei. Darüber hinaus ist eine Depression nicht nur eine mögliche Komplikation, sondern auch ein Risikofaktor für die Entwicklung von Demenz (z. B. Hummel et al., 2012). In der Praxis ist die Abgrenzung von Depression und Demenz eine Herausforderung. Insbesondere zu Beginn der Demenz, wenn MRT- oder CT- Befunde noch unauffällig sind, ist eine Verwechslung möglich. Depression kann sehr ähnliche Symptome auslösen. Fachleute sprechen hier von einer Pseudodemenz.

Die Depression kann zu weiteren Komplikationen wie Suizidalität führen. Sowohl Demenz als auch Depression bilden Komplikationen für die zuverlässige Einnahme von Medikamenten, was ein mögliches Problem für die Behandlung darstellt. Umgekehrt kann die Demenz auch als Komplikation der Depression betrachtet werden, welche die psychotherapeutische Behandlung erschwert und depressive Gedanken verstärken kann. Schluckstörungen können zum Einatmen von Fremdkörpern (z. B. Nahrung) führen, was Infektionen begünstigt oder Lungengewebe zerstören kann. Dehydration oder Mangel- und Unterernährung können ebenfalls auftreten. Unsicherheit beim Gehen erhöht das Risiko für Stürze und damit verbundene Verletzungen. Auch Schmerzstörungen und Delirien sind potenzielle Komplikationen der Demenz. Hinzu kommen zahlreiche internistische Komorbiditäten.

Behandlung und Therapie

Demenz ist in den meisten Fällen nicht heilbar und verläuft in Abhängigkeit von der jeweiligen Form der Erkrankung.

Eine Alzheimer-Demenz setzt meist erst im fortgeschrittenen Alter ein und schreitet langsam fort. Andere Formen der Demenz verlaufen in Schüben und wesentlich aggressiver. Dabei wechseln sich Zustände eines relativ klaren Denkens mit denen von deutlichem Nachlassen der geistigen Fähigkeiten und Stimmungsschwankungen ab.

Demenz bringt sowohl den Patienten als auch seine Angehörigen oftmals an die Grenze der Belastungsfähigkeit. Trotz verschiedener Methoden, die Erkrankung zu verlangsamen, führt Demenz meist zu einer Pflegebedürftigkeit und verminderten Lebenserwartung.

Um den Verlauf einer Demenz weitestgehend zu verzögern und die Lebensqualität des Patienten so lange und so hoch wie möglich zu gestalten, ist es wichtig, sie schon ein einem frühen Stadium zu erkennen. Dabei ist die Diagnostik anhand der spezifischen Verhaltensmuster der Patienten sowie gezielter Tests und Untersuchungen mit relativ einfachen Mitteln möglich. Im Falle einer Alzheimer-Demenz erfolgt die Diagnose nach Ausschluss anderer in Frage kommender Ursachen.

Die Behandlung der Demenz zielt darauf ab, das Abnehmen der Hirnleistung so lange wie möglich zu verzögern und dem Patienten zu ermögliche, seinen Allttag selbst bewältigen zu können. Es werden sowohl Medikamente, die den Signalaustausch zwischen den Nervenzellen verbessern, als auch therapeutische Maßnahmen zum Training der Hirnleistung eingesetzt. Das Spektrum der soziotherapeutischen Maßnahmen ist breit gefächert. Eine feste Tagesstruktur hilf dem Patienten, sich leichter im Alltag zu orientieren.



Vorbeugung

Eine Demenz lässt sich nach den bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen noch nicht gezielt vorbeugen. Bekannt sind allerdings einige Risikofaktoren, die eine begünstigende Wirkung auf die Entstehung von Demenz ausüben. Dazu gehören unter anderem Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, Vorhofflimmern, Schilddrüsenunterfunktion sowie Kopfverletzungen. Empfohlen wird allgemein ein gesunder Lebensstil. Hier sind vor allem eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Bewegung zu nennen.

Bücher über Demenz

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Payk, T., Brüne, M.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011

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