Verwirrtheit

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 26. April 2017
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Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dem Zustand der Verwirrtheit. Dieser ist insbesondere in der Gerontologie und der Psychiatrie von Relevanz. Zum besseren Verständnis soll die spezielle Form der Bewusstseinsstörung zunächst definiert und häufige Ursachen benannt werden, ehe weiterhin auf Diagnosemöglichkeiten, typische Verläufe sowie Behandlungs- und Präventionsmaßnahmen eingegangen wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Verwirrtheit?

Der Begriff Verwirrtheit bezeichnet einen Zustand, der durch qualitative Bewusstseinsstörungen gekennzeichnet ist. Hierunter fallen Fehl- oder Desorientierungen und verwirrtes Denken. Häufig gehen derartige Zustände mit körperlicher und seelischer Erregung einher.

Von einigen Autoren wird die Verwirrtheit dem Delir untergeordnet, andere verwenden den Begriff als Synonym für das amentielle Syndrom. Ein Delir umfasst verschiedene Störungen im Bereich der Kognition, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung; das amentielle Syndrom ist durch eine ratlose und ängstliche Grundstimmung gekennzeichnet.

Ursachen

Die Ursachen für derartige Bewusstseinsstörungen sind vielfältig, in der Regel aber organisch begründet. So können verschiedene Insuffizienzen (z. B. Herz-, Nieren- oder Leber-), Hypertonie oder eine Sepsis ebenso verantwortlich für Verwirrtheitszustände sein wie Hirntumore und verschiedene degenerative Erkrankungen (z. B. Alzheimer). Besonders häufig führen Intoxikationen (verursacht durch Psychopharmaka, anderweitige Medikamente oder Alkohol) oder der Entzug von ebensolchen Substanzen zum Delir bzw. zum amentiellen Syndrom.

Neben diesen gesundheitlich ernst zu nehmenden Faktoren, können auch solche Ursachen zu Verwirrtheit führen, die als eher harmlos einzustufen sind. Denkbar ist an dieser Stelle unter anderem akuter Schlafmangel, ein zu niedriger Flüssigkeitshaushalt oder diverse Ausnahmesituationen (z. B. Unfälle, das Erwachen nach einer Operation, häufige Ortswechsel bei Senioren etc.).

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Bei einer Verwirrtheit muss nicht zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Ob eine ärztliche Behandlung wirklich notwendig ist, hängt stark vom Grad der Verwirrtheit ab. Sie kann auch bei gesunden Menschen auftreten und ein temporäres Symptom darstellen. Falls die Verwirrtheit nur kurzzeitig auftritt, kann sie mit Bettruhe und Erholung behandelt werden. In der Regel verschwindet das Symptom schon nach wenigen Stunden und tritt häufig als Begleiterscheinung bei Krankheiten aller Art auf.

Vor allem Kinder können bei einer Grippe von einer Verwirrtheit betroffen sein. In diesem Fall muss kein Arzt aufgesucht werden. Sollte die Verwirrtheit allerdings länger anhalten und nicht von alleine verschwinden, ist es ratsam, einen Arzt zu besuchen. Ältere Menschen sind oft von Verwirrtheit geplagt und können ihren Alltag nicht mehr alleine meistern. Eine ärztliche Behandlung kann oft nicht stattfinden.

Der Patient ist dann auf die Hilfe der Familie oder auf die von Pflegern angewiesen, falls der Alltag durch die Verwirrtheit stark eingeschränkt wird. Sie tritt häufig bei Demenz und Parkinson auf und kann nicht behandelt werden. Falls die Verwirrtheit nach einem Unfall auftritt, sollte ebenso ein Arzt aufgesucht werden. Hierbei kann es sich um ein Trauma handeln, welches untersucht werden muss.

Diagnose und Verlauf

Zur Feststellung, ob qualitative Bewusstseinsstörungen vorliegen oder nicht, sollte das Verhalten des Betroffenen aufmerksam beobachtet werden. Außerdem ist zur Diagnosestellung eine ausführliche Befragung des Patienten bzw. dessen Angehörigen unerlässlich. Hieraus können mögliche Ursachen abgeleitet werden, deren Existenz durch weiterführende Untersuchungen nachgewiesen bzw. widerlegt werden muss.

Verwirrtheit aufgrund organischer Ursachen ist in der Regel akut-reversibel. Das bedeutet, dass die typischen Symptome plötzlich auftreten und nach angemessener Behandlung nach wenigen Stunden oder Tagen abklingen, ohne Schäden zu hinterlassen. Auch das amentielle Syndrom in Folge einer Intoxikation kann schnell behoben werden. Insbesondere im Falle eines Alkoholentzug-Delirs ist rasche Behandlung auf einer Intensivstation wichtig - unbehandelt führt der Zustand in 25 Prozent aller Fälle zum Tod.

Liegt hingegen eine Demenz zugrunde, kann die Bewusstseinsstörung kaum geheilt, sondern deren Fortschreiten allenfalls eingedämmt werden. Verwirrtheitszustände, die im Rahmen von schwerwiegenden Grunderkrankungen auftreten (z. B. Herzinsuffizienz, Lungenentzündung oder Tumore), sind zumeist Indikatoren dafür, dass die Krankheit weit fortgeschritten ist und der Patient sich in einem kritischen Zustand befindet.

Behandlung und Therapie

Ebenso, wie für eine angemessene Diagnose und Prognose, ist für die Planung der Behandlung und die Auswahl geeigneter Therapiemethoden die Ursache der Verwirrtheit von entscheidender Bedeutung. Unterschiedliche Faktoren bedingen verschiedene Verläufe der Störung, weshalb je andere Interventionsmaßnahmen ergriffen werden müssen, um den Symptomen adäquat begegnen zu können. Im Falle der bereits erwähnten Intoxikation beispielsweise, kann die Verwirrtheit sehr effektiv durch Absetzen der verantwortlichen Medikamente oder eine Dosierungsoptimierung beseitigt werden.

Ähnliches gilt, wenn die Störung des Bewusstseins auf Schlaf- oder Flüssigkeitsmangel zurückgeführt werden kann oder auf klar bestimmbare organische Ursachen, denen mit diversen medizinischen oder chirurgischen Eingriffen begegnet werden kann. Sind die Ursachen psychischen Ursprungs, kann versucht werden, den Verwirrtheitszustand durch entsprechende Therapien und begleitende Trainingseinheiten bzw. Übungen zu regulieren. Am resistentesten gegen Behandlung sind jene Bewusstseinsstörungen, die im Rahmen degenerativer Erkrankungen auftreten. Hierbei können die Ursachen in der Regel kaum beseitigt werden, weshalb auch das Fortschreiten der Verwirrtheit durch entsprechende Maßnahmen nicht verhindert werden kann.

Im Zuge der Therapie gilt daher, den Betroffenen trotz auftretender Symptome zu ermöglichen, ihren Alltag so gut wie möglich bewältigen zu können und noch vorhandene Fähigkeiten zu bewahren. Darüber hinaus gilt es, für geregelte Strukturen zu sorgen, die weder eine Reizüberflutung noch geistige Unterforderung hervorrufen. Von besonderer Bedeutung ist, verwirrten Personen das Gefühl zu vermitteln, dass sie in Sicherheit sind sowie geduldig und wertschätzend auf Fragen einzugehen, die sich infolge ihres Zustandes ergeben (z. B. zum derzeitigen Aufenthaltsort, zum Verbleib Angehöriger, zum Datum etc.).



Vorbeugung

Wie bereits deutlich geworden ist, können die Ursachen für Verwirrtheit sehr unterschiedlich sein. Entsprechend ist es nur schwer möglich, konkrete Präventionsmaßnahmen zu benennen. Allgemein sollte darauf geachtet werden, sich körperlich und geistig fit zu halten. Dies passiert am besten durch gesunde und ausgewogene Ernährung sowie durch die Zufuhr von genügend Flüssigkeit. Ausreichend Sport zu treiben und sich so oft wie möglich in der Natur zu bewegen, kann ebenso vorbeugend wirken.

Da Verwirrtheit häufig mit kognitiven Einbußen verbunden ist, kann deren Auftreten durch vielfältige geistige Anregung eingedämmt werden. Aufgrund der Tatsache, dass Intoxikationen und Entzug von Alkohol oder Drogen klar als Ursache für Verwirrtheitszustände ausgemacht werden können, sollte insbesondere auf den Konsum derartiger gesundheitsschädigender Substanzen verzichtet werden.

Bücher über Verwirrtheit

Quellen

  • Payk, T.: Checkliste Psychiatrie und Psychotherapie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Dilling, H. & Freyberger, H.J.: Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störungen, Huber Verlag, 6. Auflage 2012
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bergner, T. M. H.: Burnout-Prävention. Schattauer, Stuttgart 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2012
  • Tölle, R., Windgassen, K.: Psychiatrie. Springer, Berlin 2014

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