Lungenentzündung beim Kind

Letzte Aktualisierung am 19. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Lungenentzündung beim Kind ist die am meisten verbreitete Atemwegserkrankung bei Kindern. Bei unter Dreijährigen wird sie mehrheitlich durch Viren, bei älteren Kindern hauptsächlich durch Bakterien verursacht. Um schwere Komplikationen zu vermeiden, ist eine rasche Behandlung wichtig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Lungenentzündung beim Kind?

Eine Lungenentzündung beim Kind wird in der Regel stationär behandelt. Atemnot, Husten und Fieber sind typische Symptome.

Als Lungenentzündung oder Pneumonie wird eine Entzündung des Lungengewebes bezeichnet. Am häufigsten betrifft die Lungenentzündung die Lungenbläschen. Bei Kleinkindern ist meist die Umgebung der Bronchien befallen (Bronchopneumonie). Bei älteren Kindern kommt es eher zum Befall eines ganzen Lungenlappens (Lobärpneumonie). Selten ist das Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen und den Blutgefäßen entzündet (interstitielle Pneumonie).

Ursachen

Lungenentzündungen werden durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht. Weitere Ursachen sind Reizstoffe, in die Atemwege gelangte Fremdkörper oder allergische Reaktionen. Bei Kindern unter drei Jahren wird eine Pneumonie am häufigsten durch Viren, insbesondere das Respiratory-Syncytial-Virus (RSV), das Influenza- und das Adenovirus, verursacht. Da das Immunsystem durch den Virenbefall geschwächt ist, kommt es oft zusätzlich zu einer bakteriellen Infektion des Lungengewebes (bakterielle Superinfektion).

Bei über Dreijährigen Jahren sind Bakterieninfektionen die Hauptursache für Lungenentzündungen. Häufigste bakterielle Erreger sind Haemophilus influenzae, Pneumokokken, Streptokokken und Mykoplasmen. Die Übertragung der Erreger erfolgt in erster Linie durch Tröpfcheninfektion, beispielsweise durch Husten und Niesen. In vielen Fällen geht eine Pneumonie auf die Schwächung des Immunsystems durch eine Vorerkrankung wie Erkältung, Masern oder Asthma zurück. Kleinkinder sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem noch weniger effizient arbeitet als bei älteren Kindern und Erwachsenen.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome einer Lungenentzündung beim Kind:

Kinder mit Lungenentzündung wirken in der Regel blass und apathisch und schwitzen stark. Typische Symptome sind überdies Atemnot, schnelle und flache Atmung, Husten, Fieber, Schüttelfrost, hoher Puls und Bauchschmerzen. Atemnot ist äußerlich an den starken Bewegungen der Nasenflügel und den Einziehungen der Haut zwischen den Rippen erkennbar. In schweren Fällen laufen die Lippen blau an. Der Husten ist zunächst trocken, nach wenigen Tagen kommt es häufig zum Auswurf von gelblichem oder grünlichem Schleim.

Bakterielle Lungenentzündungen verursachen oft hohes Fieber. Bei viraler Pneumonie steigt die Fiebertemperatur selten über 38,5 °C. Allerdings sind die Symptome gerade bei Kleinkindern nicht immer typisch. In manchen Fällen äußert sich die Erkrankung nur durch erhöhte Temperatur, Appetitlosigkeit oder grippeähnliche Symptome. Normalerweise heilt eine Lungenentzündung nach ein bis zwei Wochen folgenlos ab. Danach besteht noch während mehrerer Wochen eine erhöhte Anfälligkeit für Atemwegsinfekte.

In einigen Fällen, insbesondere bei Verzicht auf Behandlung, treten Komplikationen auf. Dazu gehören Eiter- und Flüssigkeitsansammlungen in der Lunge und im Brustbereich. Es können sich weitere Entzündungen wie Brustfell-, Mittelohr- oder Hirnhautentzündung bilden. Darüber hinaus besteht die Gefahr einer Blutvergiftung, vor allem wenn die Lungenentzündung durch Pneumokokken verursacht wurde. Pneumonie ist die häufigste Todesursache bei Kindern.

Diagnose

Wichtig ist, im Verdachtsfall sofort einen Arzt aufzusuchen. Nach Erfragen der Beschwerden hört dieser die Lunge mit dem Stethoskop ab und klopft den Brustbereich ab. Pneumonie lässt sich an kleinblasigen Rasselgeräuschen beim Atmen erkennen. Bei kleineren Kindern, die nicht auf Aufforderung des Arztes husten oder einatmen können, wird ein Röntgenbild der Lunge angefertigt. Darauf sind die befallenen Bereiche als Verschattungen sichtbar.

Anhand einer Blutuntersuchung lassen sich erhöhte Entzündungswerte feststellen und Anhaltspunkte gewinnen, ob es sich um eine bakterielle oder virale Infektion handelt. In schweren Fällen wird der Erreger zur gezielten Medikation durch Rachen- oder Nasenabstrich bestimmt.

Komplikationen

In besonders schweren Fällen führt die Lungenentzündung beim Kind zu einem frühzeitigen Ableben. Wird die Entzündung sehr spät oder gar nicht bemerkt, tritt unvermittelt der Tod aufgrund des Organversagens ein. Je nach Ursache der Lungenentzündung kann es zu Beschädigungen des Lungengewebes kommen. Dieses gilt als irreparabel. Das Kind muss an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden, damit der Organismus mit ausreichend Sauerstoff versorgt ist. Dies lässt eine Teilhabe am sozialen und gesellschaftlichen Leben nur begrenzt möglich sein.

In vielen Fällen kommt es zum Schulausfall und einem langen Krankenhausaufenthalt. Psychische und emotionale Probleme treten auf, da sich das Kind nicht in dem eigenen Zuhause befindet. Wird ein Spenderorgan benötigt, vergehen häufig mehrere Monate, bis es zu einer Hilfe kommt. Die Operation stellt eine Herausforderung für den Körper dar und kann mit einem Abstoßen des Organs enden. Ist der operative Eingriff erfolgreich, muss sich das Kind an ein lebenslanges verändertes Leben gewöhnen.

Die Leistungsfähigkeit ist reduziert und in regelmäßigen Abständen müssen Kontrolluntersuchungen wahrgenommen werden. Sportliche Aktivitäten können nicht wie bei Gleichaltrigen stattfinden, was zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität führt. Die Lungenentzündung kann zu starken Atemproblemen führen. Diese sind für das Kind angstauslösend und können zu Panikattacken oder einer Angststörung führen.

Behandlung und Therapie

Bei Kleinkindern ist eine stationäre Behandlung indiziert. Ältere Kinder können – ausgenommen bei schweren Verläufen oder zusätzlichen Erkrankungen – ambulant behandelt werden. Bakterielle Pneumonien werden durch Verabreichung eines Antibiotikums behandelt. Dabei sollte so rasch wie möglich mit der Behandlung begonnen werden, auch wenn der Erreger noch nicht bestimmt ist. Der Arzt wählt das Antibiotikum nach dem in der Altersgruppe des Kindes am häufigsten vorkommenden Erreger.

Sobald der Erreger bekannt ist, kann der Arzt die Behandlung auf ein gezieltes Medikament umstellen. Die Antibiotika-Behandlung bewirkt, dass das Fieber in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen deutlich sinkt und sich der Allgemeinzustand des Kindes bessert. Danach ist noch während bis zu zwei Wochen eine erhöhte Temperatur möglich. Antibiotika nützen nur bei bakteriellen Erkrankungen. Dennoch werden sie in den meisten Fällen auch bei einer Virusinfektion abgegeben, um eine zusätzliche Infektion mit Bakterien zu verhindern.

Gegen die Virusinfektion selbst werden nur in schweren Fällen antivirale Mittel (Virostatika) verabreicht. Die Atemnot wird mittels schleimlösender Medikamente, atemwegserweiternder Inhalationen und eventuell einer Atemtherapie bekämpft. Gegen hohes Fieber helfen fiebersenkende Medikamente und Wadenwickel. Trockener Reizhusten kann durch hustenstillende Mittel bekämpft werden. Es ist darauf zu achten, dass das Kind genügend trinkt, um den fieberbedingten Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Wichtig sind außerdem Ruhe und Schlaf.

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Vorbeugung

Gegen Lungenentzündung bei Kindern ist nur bedingt Vorbeugung möglich. Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt Impfungen gegen Pneumokokken und Haemophilus influenzae ab dem zweiten Lebensmonat. Für spezielle Risikofälle wie Frühgeborene steht eine Impfung gegen RSV-Viren zur Verfügung. Die Grippeimpfung beugt einer Vorerkrankung der Pneumonie vor. Dasselbe gilt für Impfungen gegen Kinderkrankheiten wie Masern.

Quellen

  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013


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