Immunschwäche

Letzte Aktualisierung am 7. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Die Bezeichnungen Immunschwäche, Immundefekt oder Immundefizienz nutzt der Mediziner synonym für die Beschreibung einer allgemeinen Erkrankung des Immunsystems. Eine Erkrankung des Immunsystems äußert sich dahingehend, dass ein Mensch anfällig für Infektionskrankheiten ist oder die eigentlich harmlosen Infekte einen unnatürlich heftigen Verlauf nehmen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Immunschwäche?

Menschen mit einer Immunschwäche sind anfällig für Infektionskrankheiten. So leiden sie oft häufiger an einer Erkältung.

Eine Immunschwäche ist im strengen medizinischen Sinne keine Krankheit; vielmehr wird der Begriff verwendet, wenn ein Patient eine auffallend starke Neigung hat, sich mit Infekten anzustecken oder aber wenn harmlose Infekte einen ungewohnt schlimmen Verlauf nehmen. Eine Immunschwäche ist dadurch gekennzeichnet, dass ein Körper nicht genügend Abwehrkräfte entwickelt, um sich vor eindringenden Krankheitserregern ausreichend schützen zu können.

Dieser Zustand kann vorübergehend oder dauerhaft und irreversibel sein. Eine Immunschwäche wird eingeteilt in einen zellulären und einen humoralen Immundefekt. Bei einem zellulären Immundefekt sind die Abwehrzellen selbst, bei einem humoralen Immundefekt die Antikörper betroffen. Häufig liegt eine Kombination aus beidem vor; der Mediziner spricht dann von einer kombinierten Immunschwäche.

Eine Immunschwäche kann bereits seit Geburt bestehen, erworben oder medizinisch gewollt werden. Liegt eine Immunschwäche bereits ab Geburt vor, wird sie als primäre Immunschwäche bezeichnet, in allen anderen Fällen spricht der Mediziner von einem erworbenen Immundefekt. Bekannteste erworbene Immunschwäche ist eine Infektion mit dem Aids-Erreger HIV.

Ursachen

Die Ursachen für eine Immunschwäche können angeboren oder erworben sein. Der genaue Genort für einen primären Immundefekt konnte im Rahmen zahlreicher Forschungsarbeiten bereits identifiziert werden. Weit häufiger ist eine Immunschwäche erworben. Die wohl bekannteste erworbene Immunschwäche ist eine Infektion mit dem HI-Virus, dem Auslöser für die Immunschwächekrankheit AIDS.

Als weitere Ursachen für eine erworbene Immunschwäche gelten Erkrankungen des Rückenmarks. Liegt eine Rückenmarkserkrankung vor, so ist in der Regel die Blutbildung gestört - etwa bei einer Leukämie oder einer Neutropenie -, was im weiteren Verlauf zu einer Schwächung des Immunsystems führt.

Im Rahmen einiger umfangreicher medizinischer Therapien muss das körpereigene Immunsystem unterdrückt werden, etwa um nach einer Organtransplantation eine Abstoßung des neuen Organs zu vermeiden. Auch bei einer Krebstherapie ist mitunter das Abschalten des Immunsystems unabdingbar für den Erfolg der Therapie. In beiden Fällen spricht der Mediziner von einem iatrogenen Immundefekt.

Symptome und Verlauf

Typische Symptome von Immunschwäche:

Die Symptome einer Immunschwäche sind diffus und äußern sich zunächst darin, dass ein Patient häufiger an einer Infektion leidet als üblich ist. Eigentlich harmlose Infekte – z.B. eine Erkältung mit Husten- wachsen sich zu ernsthaften Erkrankungen aus, etwa zu einer Bronchitis oder gar einer Lungenentzündung.

Auch in Zeiten ohne Infekt - die im Anfangsstadium einer Immunschwäche noch relativ lang sein können - fühlt der Patient sich schlecht und ausgebrannt. Im späteren Verlauf werden die beschwerdefreien Phasen immer kürzer, der Patient leidet praktisch immer unter den für Infekte typischen Beschwerden wie Halsschmerzen und Ohrenschmerzen, Schnupfen, Husten oder Durchfall.

Medikamente schlagen nicht oder nur sehr gering an. Patienten, bei denen das Immunsystem komplett ausgeschaltet wurde, müssen vor Infektionen aller Art konsequent geschützt werden, z.B. durch das Tragen steriler Kleidung, da schon harmlose Infekte einen tödlichen Verlauf nehmen können.

Diagnose

Ein Arzt wird nach einer umfangreichen Anamnese und der Erfassung und Auswertung der Patientendaten einen Anfangsverdacht auf eine Immunschwäche entwickeln. Um seinen Verdacht zu erhärten, wird er einen Suchtest im Blut anregen.

Dazu wird dem Patienten Blut entnommen und im Anschluss labormedizinisch untersucht. Besteht bei einem Ungeborenen der Verdacht aufgrund einer familiären Häufung einen genetisch bedingten Immundefekt auszubilden, so kann über eine Fruchtwasseruntersuchung ebenfalls danach gesucht werden.

Komplikationen

Eine Immunschwäche kann verschiedene Komplikationen zur Folge haben. In manchen Fällen nehmen diese sogar lebensbedrohliche Ausmaße an. Zu den fatalen Auswirkungen einer Immunschwäche oder Abwehrschwäche zählt die Anfälligkeit für Infekte, die meist wiederholt auftreten. Im Unterschied zum Körper von gesunden Menschen ist der Organismus einer Person, die unter einem Immundefekt leidet, nicht in der Lage, sich ausreichend gegen eine Infektion zu wehren. Aus diesem Grund leidet der Patient häufiger unter Entzündungen oder Infektionen. Diese können sowohl von Viren als auch Bakterien verursacht werden.

Bei den gefährlichsten Folgen der Immunschwäche handelt es sich um generalisierte Infekte, die einen lebensbedrohlichen Krankheitsverlauf hervorrufen. Die wohl bekannteste Immunschwächekrankheit stellt AIDS (HIV) dar. Bei diesem Leiden werden oftmals die Schleimhäute der Betroffenen von dem Pilz Candida befallen. Darüber hinaus kommt es häufig zu Warzenbildung, Lymphomen, Lungenentzündungen und bösartigen Tumoren. Im Extremfall führt die Immunschwäche zu einer tödlichen Infektion des Patienten.

Nicht selten haben die ständigen physischen Erkrankungen durch die Immunschwäche auch negative Auswirkungen auf die Psyche und das Seelenleben der betroffenen Personen. So zeigt sich bei ihnen oftmals ein verringertes Selbstwertgefühl, was die Lebensqualität weiter einschränkt. Darüber hinaus besteht das Risiko einer geringeren Lebenserwartung. Um schwerwiegenden Komplikationen einer Immunschwäche entgegenzuwirken, erhalten die Patienten ihr ganzes Leben lang spezielle Medikamente und Antikörper. Gegen bereits vorhandene bakterielle Infektionen gelangen Antibiotika zum Einsatz.

Behandlung und Therapie

Zur Behandlung einer Immunschwäche stehen einige Therapien zur Verfügung. Zunächst ist es wichtig, Menschen mit einer Immunschwäche gegen opportunistische Krankheitserreger zu schützen. Opportunistische Krankheitserreger sind solche Erreger, mit denen Menschen tagtäglich in Berührung kommen und die im gesunden Körper keine Krankheit auslösen.

Dem Patienten werden demnach begleitend antibakterielle und antimykotische Medikamente gegeben. Außerdem kann mittels einer Stammzellentherapie ein gesundes Immunsystem auf den Patienten übertragen werden. Des Weiteren kann - liegt ein Mangel an Antikörpern vor - Antikörper, welche aus Fremdblut gewonnen wurden, dem Patienten gegeben werden.

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Vorbeugung

Vor einem genetisch bedingten und angeborenen Immunschwäche kann ein Neugeborenes nicht geschützt werden. Auch dem Ausbilden eines Immundefekts aufgrund einer Erkrankung des Knochenmarks (z.B. Leukämie) kann der Patient nicht prophylaktisch begegnen.

Vor einem erworbenen Immundefekt gibt es hingegen einige Schutzmöglichkeiten. Darunter zählt das Vermeiden von Risikosituationen, die auch heute noch als maßgeblich für eine Infektion mit dem HI-Virus gelten (ungeschützter Geschlechtsverkehr, das Benutzen verunreinigter Spritzen).

Eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, Vermeidung von Stress und der Verzicht auf Alkohol und Nikotin ist ebenfalls hilfreich, den Körper gesund zu halten und vor einer Immunschwäche zu schützen.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013


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