Keimlinge

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Keimlinge sind die jungen Austriebe von Pflanzen oder auch die gekeimten Samenkörper junger Pflanzen. Die meisten Keimlinge können verzehrt werden. Sie sind reich an Vitaminen und Mineralstoffen.

Inhaltsverzeichnis

Wissenswertes über Keimlinge

Keimlinge werden auch als Sprossen, Keimsprossen oder Sprossengemüse bezeichnet. Im Samenkorn ist der Keim als Anlage für die spätere Pflanze enthalten. Im übertragenen Sinne könnte der Keim als Embryo der Pflanze bezeichnet werden. Der Keim enthält die Wurzeln, den Stängel und die Vorstufen der Keimblätter.

Im Samenkorn befindet sich neben dem Keim auch der Mehlkörper. Er enthält alle Nährstoffe, die der Keim für seine Entwicklung benötigt. Als Keimling wird das junge Pflänzchen bezeichnet, das aus dem Samenkorn hervorbricht. Der Keimling besteht aus den jungen Wurzeln und den oberirdischen Teilen der Pflanze. Essbare Keimlinge können aus vielen verschiedenen Pflanzensorten gezogen werden.

Schmackhaft und nährstoffreich sind die Keimlinge von Amarant, Bockshornklee, Erbsen, Kichererbsen, Kürbis, Linsen, Leinsamen, Quinoa, Rauke, Rettich, Sesam, Senf, Sonnenblumen, Weizen oder Gerste. Samen von Nachtschattengewächsen dürfen nicht zum Keimen genutzt werden. Sie enthalten für den Menschen giftige Solanine und bringen dementsprechend giftige Keimlinge hervor.

Bedeutung für die Gesundheit

Keimlinge sind Vitalkost. Sie werden frisch geerntet und landen direkt auf dem Teller. Die kleinen Pflänzchen sind reich an bioverfügbaren Mineralien, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen. Die enthaltenen Enzyme unterstützen die Verdauung, aktivieren den Stoffwechsel und fördern die Energieproduktion in den Zellen.

Besonders gesund sind die Keimlinge des Brokkolis. Sie enthalten den sekundären Pflanzenstoff Sulforaphan. Sulforaphan wirkt stark antioxidativ. Der sekundäre Pflanzenstoff aktiviert die sogenannten Phase-II-Entgiftungsenzyme. Diese Enzyme können krebserregende freie Radikale neutralisieren und somit Zellschäden verhindern.

Doch Sulforaphan wird nicht nur indirekt, sondern auch direkt in der Krebsbekämpfung aktiv. Der Stoff zerstört die Mikrotubuli der Krebszellen und verhindert somit die Zellteilung der entarteten Zellen. Studien zeigen, dass Sulforaphan die Apoptose von bösartig entarteten Hautzellen bei Melanomen fördert. Ein hemmender Effekt auf die Entwicklung von Prostatakrebs konnte in einer großen Ernährungsstudie belegt werden.

Sulforaphan aus Brokkolikeimlingen erwies sich in Studien zudem als wirksam gegen das Bakterium Helicobacter pylori. Helicobacter pylori gilt als Verursacher von chronischen Magenschleimhautentzündungen, Magengeschwüren und Magenkrebs.

Der hohe Chlorophyllgehalt der Keimlinge wirkt entzündungshemmend und entgiftend. Chlorophyll wirkt in bestimmten Dosierungen zudem regulierend auf den Blutzucker und fördert die Blutbildung.

Inhaltsstoffe & Nährwerte

Keimlinge sind reich an Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Zudem sind die kleinen Pflanzenkeimlinge kalorienarm. So enthalten die Keimlinge Vitamin A, zahlreiche Vitamine aus der B-Gruppe, Vitamin C, Kalzium, Magnesium, Phosphor und Kalium.

Je nach Sorte sind verschiedene verdauungsfördernde ätherische Öle und Scharfstoffe enthalten. Viele Keimlinge beinhalten zudem Senföle. In den Schalen der Samen stecken Ballaststoffe, die die Verdauung anregen können.

Kalorien und Nährstoffe (pro 100g)
Kilokalorien/ Kilojoule 90 kcal/ 378 kj
Eiweiß 7,45 g
Kohlenhydrate 9,05 g
Fett 2,50 g
Wasser 65,91 g
Ballaststoffe 4,53 g
Vitamin E 4905 µg

Unverträglichkeiten

Gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe der Samen wie Phytine werden beim Keimen langsam abgebaut. Der giftige Eiweißstoff Phasin, der in einigen Hülsenfrüchten enthalten ist, zerfällt hingegen erst beim Kochen. Keimlinge aus Hülsenfrüchten sollten deshalb vor dem Verzehr kurz blanchiert werden. Sonst sind Keimlinge im Allgemeinen gut verträglich. Allergische Reaktionen treten nach dem Verzehr nur in äußerst seltenen Fällen auf.


Einkaufs- und Küchentipps

Keimlinge können einfach zuhause gezogen werden. Beim Kauf der Samen sollte darauf geachtet werden, dass die Samen für die Aufzucht von Keimlingen geeignet sind. Samen, die für die Feldaussaat bestimmt sind, sind in der Regel chemisch behandelt und sollten nicht genutzt werden.

Als Standort für die Keimlingszucht eignen sich warme Fensterbänke. Direkter Sonne sollten die Keimlinge allerdings nicht ausgesetzt sein. Die Samen müssen täglich mehrmals gewässert werden. Dies ist wichtig um Bakterien- und Schimmelbefall zu verhindern. Nach sieben bis acht Tagen können die kleinen Pflanzensprösslinge dann geerntet werden.

Die Keimlinge von Mungbohnen und Sonnenblumen oder Getreidekeimlinge können schon nach 24 Stunden geerntet und verzehrt werden. Wünschenswert ist ein hoher Grün- und Blattanteil bei der Ernte. Die geernteten Keimlinge können im Kühlschrank eine Woche lagern. Vor dem Verzehr sollten sie gründlich abgespült werden. Da die Keimlinge mit der Lagerung an Nährstoffen verlieren, sollten sie möglichst bald nach der Ernte verzehrt werden.

Zubereitungstipps

Keimlinge lassen sich recht vielfältig verwenden. Sie können direkt nach der Ernte pur verspeist werden. Auch als Brotbelag auf Quark oder Butter schmecken sie sehr gut. Die Sprossen können mit einem einfachen Dressing zu einem Sprossensalat verarbeitet oder einem anderen Salat beigemischt werden.

In Gemüsebrühe blanchiert wird aus den Keimlingen schnell eine Suppe. Die Keimlinge können auch mit Früchten oder Gemüse zu einem grünen Smoothie gemixt werden. Gedünstet eignen sich die Keimlinge als Beilage zu Fleisch oder Fisch. Keimlinge können auch entsaftet werden. Gemischt mit anderen Säften liefern sie in dieser konzentrierten Form besonders viele Nährstoffe.

Quellen

  • Hans Konrad Biesalski, Matthias Pirlich, Stephan C. Bischoff, Arved Weimann: Ernährungsmedizin. Thieme, 5. Auflage 2017.
  • Millan, N. (u.a.): Das große Buch der Lebensmittel: auswählen – aufbewahren – zubereiten – haltbar machen – genießen. DK-Verlag. 2011.
  • Vukovic, L.: 1001 natürliche Hausmittel: für Haus und Garten, Gesundheit und Körperpflege. Dorling Kindersley Deutschland GmbH, 2017.
  • Rimbach, G. (u.a.): Lebensmittel-Warenkunde für Einsteiger. Springer Spektrum. 2. Auflage 2015.

Dieser Artikel wurde unter Maßgabe der naturwissenschaftlichen Fachliteratur und fundierter empirischer Quellen verfasst.
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Letzte Aktualisierung am: 15. November 2021

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