Zittern am ganzen Körper

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. Mai 2017
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Zittern am ganzen Körper kann bei jedem Menschen einmal vorkommen. Dazu muss er nicht unbedingt ernsthaft erkrankt sein. Meist ist die unkontrollierbare Muskelbewegung, die den ganzen Körper in Mitleidenschaft zieht, jedoch Anzeichen einer Erkrankung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Zittern am ganzen Körper?

Das Zittern am ganzen Körper wird auch als Schüttelfrost (Febris undularis) bezeichnet. Es taucht schlagartig auf, lässt sich nicht kontrollieren und dauert meist mehrere Minuten. Die Zitter-Anfälle können allein auftreten oder von Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit und Kopfschmerzen begleitet sein. Ist das Muskel-Zittern vorüber, ist der Betroffene müde und schläfrig. Die unwillkürlichen Kontraktionen der Skelettmuskulatur sind meist harmlos. Allerdings empfiehlt es sich, schnellstmöglich einen Arzt aufzusuchen, wenn das Zittern am ganzen Körper unverhältnismäßig lange oder sehr heftig auftritt oder aber in Verbindung zu bestimmten Ereignissen stehen könnte. Eine ärztliche Abklärung wird auch dann empfohlen, wenn sich das Zittern scheinbar ohne Grund und ohne weitere Symptome zeigt.

Ursachen

Schüttelfrost entsteht, wenn der Körper Kälte ausgesetzt ist und die Körpertemperatur sinkt. Um sie wieder zu erhöhen, ziehen sich die Skelettmuskeln zusammen und erschlaffen danach wieder. Dadurch erzeugen sie Wärme. Hat der Betroffene eine Infektion, sorgt die Wärme dafür, dass sein Immunsystem die Erreger besser bekämpfen kann. Schüttelfrost ist meist Symptom einer sich ankündigenden Erkältung oder eines grippalen Infekts. Außerdem können noch eine Unterkühlung, Nierenbeckenentzündung, Hirnhautentzündung, Magen-Darm-Infektion, Lungenentzündung, Entzündung der Nebenhoden, eine Wundrose, Scharlach, Vergiftungen, allergische Reaktionen und ein akutes Glaukom (Grüner Star) das plötzlich auftretende Zittern am ganzen Körper auslösen.

Menschen, die nicht gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) geimpft sind, bekommen nach einer Infektion mit dem Bakterium ebenfalls Schüttelfrost. Menschen, die in tropischen Ländern Urlaub machen und dort das Zittern verspüren, sollten schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen, da das Symptom auf einen eventuellen Kontakt mit Gelbfieber, Pest, Milzbrand, Malaria, Fleckfieber und Pocken-Erreger hinweist. Hat sich die zitternde Person hierzulande zu lange in der Sonne aufgehalten, kann es zu einem Hitzschlag kommen. Er wird von Schüttelfrost und weiteren Krankheitsanzeichen begleitet und muss umgehend medizinisch behandelt werden.

Bei Jugendlichen in der Pubertät kann das Zittern ohne Kältegefühl auftreten und weist dann auf einen kurzzeitigen Blutdruckabfall hin. Weitere Ursachen für einen Schüttelfrost sind eine Schilddrüsenüberfunktion, Entzugserscheinungen nach Absetzen einer Droge, Anämie (Mangel an roten Blutkörperchen), Vitamin-B-Mangel, Unterzuckerung, zu niedriger Blutdruck und Untergewicht. Tritt das unwillkürliche Muskel-Zittern während oder nach einer Operation auf, verträgt der Patient das verabreichte Narkosemittel oder ein anderes Medikament nicht.

Außerdem können Angststörungen und hyperkinetische Erkrankungen wie ADHS zum Auftreten von Schüttelfrost führen. Die schnellen Verkrampfungen der Muskeln können auch auf einen Tremor hinweisen: Das Erregungszittern tritt ohne weitere Symptome auf und ist kein Anzeichen einer zugrunde liegenden Krankheit. Schüttelfrost beginnt meist mit einem starken Kältegefühl, das sich innerhalb kurzer Zeit im ganzen Körper ausbreitet. Anschließend kommt es zu den nicht beeinflussbaren Muskelkontraktionen. Davon betroffen sind vor allem die großen Muskeln des Rückens, der Oberschenkel und manchmal auch die Kaumuskulatur (Zähneklappern). Der Betroffene wird kurze Zeit später sehr müde und muss sich ausruhen. Oft wird der Schüttelfrost von anderen Symptomen begleitet.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Zittern am ganzen Körper kann durch eine leichte Unterkühlung auftreten. Ein langer Aufenthalt im Freien ohne eine ausreichend warme Kleidung oder ein Aufenthalt im Schwimmbad bei unzureichender Bewegung kann das Zittern auslösen. Ein Arztbesuch ist in diesen Fällen nicht notwendig. Es genügt im Normalfall, wenn der Betroffene wärmende Kleidung trägt oder ein warmes Bad nimmt. Die Beschwerden verschwinden innerhalb weniger Minuten.

Hält das Zittern am ganzen Körper über eine längere Zeit trotz ausreichender Wärme an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Es liegen weitere Erkrankungen oder eine schwere Unterkühlung vor, die behandelt werden müssen. Treten Symptome wie Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit, Erbrechen oder Halsschmerzen auf, leidet der Betroffene häufig unter einem grippalen Infekt oder einer Erkältung. Zu den Anzeichen der Erkrankungen zählt ebenfalls das Zittern. Ein Arzt ist aufzusuchen, da die auslösenden Viren oder Bakterien sich in kurzer Zeit vermehren und zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes beitragen.

In seltenen Fällen ist das Zittern am ganzen Körper auf eine allergische Reaktion zurückzuführen. Ein Arzt muss konsultiert werden, um herauszufinden, welche Substanz ursächlich für die Überempfindlichkeit verantwortlich ist. Treten zu dem Zittern Beschwerden der Atmung oder Brustschmerzen auf, kann eine Lungenerkrankung vorliegen. Ein Arzt ist aufzusuchen, damit weitere Untersuchungen durchgeführt werden können.

Diagnose und Verlauf

Um herauszufinden, welche Erkrankung zum Auftreten von Schüttelfrost führt, muss der Arzt den Patienten gründlich untersuchen. Nach der umfangreichen Befragung (Anamnese) tastet er die Lymphdrüsen auf mögliche Schwellungen ab. Dann hört er die Lunge ab. Meist weiß der Mediziner dann, welche Ursache das Zittern hat. Manchmal lässt er noch eine Blutuntersuchung im Labor machen.

Lassen sich Erreger nachweisen, wird eine Bakterienkultur angelegt. So findet er heraus, welcher Erreger Verursacher ist und kann die folgende Behandlung darauf abstimmen. Mitunter muss der Patient noch eine Urinprobe abgeben. Außerdem können eine Ultraschalluntersuchung der Nieren, eine Überprüfung der Bronchien-Funktion (Bronchoskopie) und ein Röntgen des Brustkorbs erforderlich sein. Bei Verdacht auf ein Glaukom muss eine Prüfung des Augeninnendrucks erfolgen.

Komplikationen

Ein Zittern am ganzen Körper kann auf sehr unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein. Entsprechend heterogen sind die möglichen Komplikationen. Zittern am ganzen Körper als Ausdruck eines Kältegefühls bei einer Infektionskrankheit ist in der Regel harmlos. Es kann sich aber auch um das erste Anzeichen eines beginnenden Schüttelfrosts handeln. Beim Schüttelfrost kommt es zu schnellen Kontraktionen großer Skelettmuskeln. Auf diese Weise wird die Körpertemperatur schnell nach oben gefahren, um Eindringlinge wie Bakterien, Viren oder Pilze abzuwehren.

Das schnelle Ansteigen der Körpertemperatur kann für den Betroffenen mit einer Reihe von Komplikationen einhergehen. Insbesondere droht bei längerem hohem Fieber von mehr als 39 Grad Celsius ein Kreislaufzusammenbruch. Bei Fieber von 41 Grad Celsius oder mehr besteht akute Lebensgefahr. Die hohe Temperatur macht die Wände kleiner Blutgefäße (Kapillaren) durchlässiger. Die Endothelzellen, die den Stoffaustausch zwischen Blut und Gewebe regulieren, ziehen sich zusammen. Es kommt zu Lücken, die Flüssigkeiten aus den Blutgefäßen ins Gehirn austreten lassen, was ein lebensgefährliches Hirnödem zur Folge haben kann. Zittern ist außerdem regelmäßig Anzeichen eines Schocks. Ein Schock, egal welcher Art, ist immer ernst zu nehmen und kann im schlimmsten Fall tödlich enden. Beim anaphylaktischen Schock zum Beispiel, also einer extrem starken allergischen Reaktion, kann es zu Blutdruckabfall und Übelkeit und in der nächsten Stufe zu Atem- und Kreislaufstillstand kommen.

Behandlung und Therapie

Ist das plötzlich auftretende Zittern am ganzen Körper durch eine Erkältung oder einen grippalen Infekt bedingt, ist es nicht unbedingt notwendig, eine Arztpraxis aufzusuchen. Ist eine bakterielle Infektion Auslöser des Schüttelfrosts, erhält der Erkrankte ein Antibiotikum. Wird das Zittern von Fieber begleitet, kann es sinnvoll sein, ihm noch ein fiebersenkendes Medikament zu verschreiben. Außerdem sollte der Patient im Bett bleiben und sich schonen. Heilpraktiker verordnen gegen Schüttelfrost meist Aconitum napelles (Blauen Eisenhut) in der Potenz D200 oder Belladonna in derselben Potenz.

Patienten, die an durch Erkältung hervorgerufenem Zittern leiden, nehmen am besten ein warmes Vollbad und hüllen sich in eine wärmende Decke ein. Da die Muskeln dann zur Erhöhung der Körpertemperatur nicht mehr kontrahieren müssen, verschwindet der Schüttelfrost meist schnell wieder. Das Trinken von Lindenblütentee wärmt von innen und hat schweißtreibende Wirkung. Patienten, die Schüttelfrost und Fieber haben, sollten außerdem mehr Flüssigkeit als üblich zu sich nehmen. Personen, bei denen ein akutes Glaukom vorliegt, bedürfen einer speziellen Behandlung beim Augenarzt: Der erhöhte Augeninnendruck muss sofort gesenkt werden.

Wurde der Schüttelfrost durch einen Hitzschlag verursacht, sollte der Betroffene sofort an einen kühlen schattigen Ort gebracht werden. Er benötigt dann schnellstmöglich feuchte kühle Umschläge auf Nacken und Stirn sowie kalte Wadenwickel. Außerdem sollte er viel Flüssigkeit zu sich nehmen, um den möglichen Elektrolyt-Verlust wieder auszugleichen. Mitunter ist es auch erforderlich, seinen Kreislauf zu stabilisieren. Ist die Ursache nicht klar, sollte der Kranke unter keinen Umständen versuchen, sich selbst zu behandeln, sondern sich schnellstmöglich ärztlich untersuchen und behandeln lassen.



Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist bei Schüttelfrost nicht möglich, da es sich dabei um keine eigenständige Krankheit handelt. Allerdings kann der Patient versuchen, dem durch eine beginnende Erkältung hervorgerufenen Zittern durch eine Stärkung seines Abwehrsystems und Abhärtung vorzubeugen.

Auch ausreichend Schlaf und die Reduzierung von Stress kann in diesem Zusammenhang hilfreich sein. Gegen andere Erkrankungen, die von einem Schüttelfrost begleitet werden, gibt es Schutzimpfungen (Grippe, Tropenkrankheiten).

Bücher über Grippe (Influenza)

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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