Schüttelfrost

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 20. April 2017
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Als Schüttelfrost bezeichnet man das Muskelzittern bei Unterkühlungen ähnlich dem Zittern (Tremor) der Skelettmuskulatur dar. Diese Muskelkontraktion und die anschließende Relaxation sind nicht beeinflussbar und mit einem signifikanten inneren und äußeren Kältegefühl verbunden. Das Zittern betrifft vorrangig die große Oberschenkel- oder Rückenmuskulatur und die Kaumuskeln.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Schüttelfrost?

Sehr niedrige Außentemperaturen lassen uns reflexartig zittern. So erzeugt der Organismus Wärmeenergie, um der Absenkung der Körpertemperatur entgegen zu treten.

Gegen Schüttelfrost infolge von Krankheiten und Entzug reagiert der Körper mit einer Aktivierung des Immunsystems, um Wärme zu erzeugen.

Während in der Regel sowohl die normale Muskeltätigkeit als auch die Stoffwechselvorgänge der Leber die Körpertemperatur auf zirka 37°C stabilisieren, verschieben Pyrogene infolge von Infektionen mit Krankheitserregern diesen Wert.

Die Muskeln reagieren mit den beschriebenen Kontraktionen und Relaxationen, um so Wärme zu generieren. Der Stoffwechsel wird geändert und die Gliedmaßen werden stärker durchblutet.

Schüttelfrost tritt in kurzen Schüben von etwa einer Minute auf, oft führen die Attacken der erhöhten Anstrengungen für den Organismus wegen direkt in den Schlaf.

Ursachen

Die Ursachen von Schüttelfrost können sehr vielschichtig sein. Zahlreiche Erkrankungen werden durch den Schüttelfrost begleitet.

Zeitweilig vorhandene Bakterien im Blut, die in Körperorganen nicht metastasieren sowie auch die Erreger- und Entzündungsdiagnostik zum Auffinden des Entzündungsherds machen die entsprechenden Blutuntersuchungen zur Erstellung eines Befunds notwendig.

Meist können fieberhafte Erkrankungen, Influenza und auch Malaria, Scharlach, Lungenentzündung, Wundstarrkrampf (Tetanus), Wundrose, Entzündung des Nierenbeckens, der Nebenhoden oder der Prostata diagnostiziert werden. Schüttelfrost ist auch ein Begleitsymptom von Blutvergiftungen, Lebensmittelvergiftungen (Pilze) und des Sonnenstichs bzw. Hitzeschlags.

Seltene, akute Glaukome (Grüner Star) treten ebenfalls in Verbindung mit dem Schüttelfrost auf. Dieser dramatische Abfall des Augeninnendrucks muss sofort behandelt werden, um Sehschädigungen entgegen zu treten. Gelbfieber, Windpocken, Milzbrand, Pest oder Malaria sind Auslöser des Schüttelfrosts. Hauptsächlich nach Reisen in tropische Länder sollte auch daran gedacht werden.

Zudem sind Entzugssyndrome oft mit Schüttelfrost verbunden. Entzugserscheinungen wie Schüttelfrost treten beispielsweise beim Entzug von Alkohol, Opioiden, Benzodiazepinen sowie GHB/GBL (Liquid Ecstasy) auf.

Schüttelfrost tritt von Fall zu Fall auch als Begleiter verschiedener psychischer Erregungszustände auf.

Die krankhafte Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyrose) geht mit der Überproduktion von Schilddrüsenhormonen einher. Neben Gewichtsverlust, Herzrasen, starkem Schwitzen und Nervosität äußert sie sich in Form des Schüttelfrostes.

Wann zum Arzt?

Bei Schüttelfrost muss in der Regel kein Arzt aufgesucht werden. In den meisten Fällen handelt es sich bei Schüttelfrost um eine Begleiterscheinung bei einer Erkältung, einer Grippe oder einem anderen Infekt. Der Schüttelfrost wird vor allem mit Wärme und Bettruhe für den Körper behandelt. In den meisten Fällen verschwindet dieser schon nach wenigen Stunden und stellt nur ein erstes Anzeichen für eine Grippe dar.

Sollte der Schüttelfrost allerdings über mehrere Tage anhalten und nicht von alleine verschwinden, kann ein Arzt aufgesucht werden. Hierbei kann es sich um eine schwerwiegende grippale Infektion handeln, die mit Antibiotika und anderen Medikamenten bekämpft werden muss. Eine Behandlung mit häuslichen Mitteln reicht in diesem Fall nicht aus.

Schüttelfrost tritt auch bei anderen schweren Infekten auf, wie zum Beispiel bei Malaria oder bei Cholera. In diesen Fällen muss dringend ein Arzt aufgesucht werden, der das Symptom bekämpfen kann. Falls der Schüttelfrost sehr häufig auftritt, ist dies ein Zeichen für ein sehr schwaches Immunsystem, welches ebenso von einem Arzt genauer untersucht werden muss. In den meisten Fällen ist der Schüttelfrost allerdings harmlos und muss nicht von einem Doktor behandelt werden.

Diagnose und Verlauf

Dauert der Schüttelrost über einen längeren Zeitraum an, sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden, um die genaue Ursache der Beschwerden abzuklären.

Nach dem ausführlichen Patientengespräch über dessen Krankengeschichte (Anamnese) folgt die medizinische Untersuchung durch den Arzt. Das Abtasten der Lymphknoten, die Untersuchung auf eine bakterielle oder virale Infektion, das Abhören der Lungen, der Blick in den Rachen und die Blutdruckmessung gehören zu den Standarduntersuchungen bei einer entsprechenden Symptomatik.

Ist die Diagnose unklar können im Bedarfsfall weitere diagnostische Schritte und ggf. eine Überweisung zu einem Facharzt erfolgen. Weitergehende Untersuchungen sind u.a.: Blutanalyse, Urintest, Ultraschalluntersuchung der Nieren, Bronchoskopie, Messung des Augeninnendrucks oder Röntgen des Brustkorbes.

Behandlung und Therapie

Die Therapie von Schüttelfrost richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Gegen grippale Infekte und kleinere Erkältungen gibt es bewährte Hausmittel. Werden sie von Schüttelfrost begleitet, kann man dem sehr gut mit heißem Tee und Schwitzpackungen begegnen. Derart in viele Decken eingepackt, schwitzt man das Fieber aus. Die Therapie schließt sich an.

Bestimmten Infektionskrankheiten wird mit der gezielten Medikation mit Antibiotika begegnet.

Sonnenstich oder Hitzschlag wird mit kalten Wadenwickeln, kalten Bädern oder kühlenden Handtüchern begegnet. Wichtig ist es, viel zu trinken. Mineralhaltige Getränke regulieren den körpereigenen Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt. Sie stabilisieren den Kreislauf.

Akut auftretende Anfälle von Schüttelfrost können durch die ärztliche Verabreichung eines Opioides oder eines Opiates beendet werden (Tramadol).



Bücher über Schüttelfrost

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Zenner, H.P.: Praktische Therapie von Hals-Nasen-Ohren-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2008 3
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Georg Thieme Verlag, 3. Auflage, 2013
  • Suttorp, N. et al.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2003
  • Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2008
  • Trautmann, A.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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