Degenerative Erkrankungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 7. Oktober 2017
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Degenerative Erkrankungen werden in der Umgangssprache häufig auch als „Verschleißerkrankungen“ bezeichnet. Es handelt sich bei diesen Erkrankungen um Erscheinungen, die durch die Abnutzung oder Alterung von Zellen entstehen. Hierbei kann es sowohl zu formalen als auch zu strukturellen Abweichungen kommen. Der betroffene Teil des Körpers bildet sich im Rahmen einer degenerativen Erkrankung zurück und verliert im Laufe dieser Entwicklung seine Funktion. Gewisse Abnutzungserscheinungen sind im Alter normal.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Degenerative Erkrankungen?

Degenerative Erkrankungen unterscheiden sich vor allem durch ein verfrühtes Auftreten von normalen Abnutzungserscheinungen. Darüber hinaus sind degenerative Erkrankung hinsichtlich der Einschränkung der Funktionsfähigkeit und der weiteren Erscheinungen wesentlich stärker als normale Alterungserscheinungen. Während die Funktion der betroffenen Körperstruktur auch im Alter weitgehend erhalten bleibt, geht sie bei degenerativen Veränderungen häufig komplett verloren.

Weiterhin kann es bei degenerativen Erkrankungen auch zum Abbau der betroffenen Körperstruktur kommen. Hierbei kommt es zu einer regelrechten Verkümmerung des betroffenen Organs. Schmerzen, Einschränkungen und Funktionsverlus te sind die Folgen einer derartigen degenerativen Entwicklung.

Ursachen

Die Ursachen degenerativer Erkrankungen unterscheiden sich mitunter erheblich. Es ist zu beachten, dass degenerative Entwicklungen an den verschiedensten Organen des Körpers auftreten können.

Im Zusammenhang mit der Entstehung degenerativer Erkrankungen sind zumeist Alterungsvorgänge an den Zellen zu beobachten, die gemeinsam mit Schäden an ebendiesen auftreten. Diese Schäden können sowohl auf eine Überlastung als auch auf eine falsche Belastung oder eine Nichtverwendung der betroffenen Struktur zurückgeführt werden. Zudem ist meist eine Reduktion bzw. Störung des Stoffwechsels zu beobachten.

Der jeweilige Auslöser muss individuell von einem Arzt festgestellt werden. Die Lebenssituation des Patienten und die betroffene Körperstruktur geben Aufschluss über die Ursache der degenerativen Erkrankung. Bei degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule sind beispielsweise häufig falsche Belastungen, Überbelastungen oder Bewegungsmangel in der Anamnese festzustellen. Diese Faktoren geben ersten Aufschluss über die Entstehung der degenerativen Erkrankung. Generell ist jedoch darauf hinzuweisen, dass zumeist mehrere Faktoren zusammenwirken. Somit kann nicht eindeutig ausgemacht werden, welcher Faktor letztendlich entscheidend war.

Es ist jedoch zu beachten, dass es sich per definitionem um eine Verschleißerkrankung handelt – die betroffene Struktur ist „verschlissen“ bzw. abgenutzt. Ein derartiger Verschleiß wird vor allem durch Überbelastungen und/oder falsche Belastungen ausgelöst. Auch die Nichtbelastung einer Struktur, die regelmäßig belastet werden sollte, ist in diesem Sinne als Fehlbelastung zu verstehen.

Symptome und Verlauf

Die Symptome einer degenerativen Erkrankung sind ebenfalls von der Lokalisation der Erkrankung abhängig. In den meisten Fällen führt die degenerative Veränderung zu einer Einschränkung der Funktionsfähigkeit und zu Schmerzen. Unter Umständen ergeben sich durch die degenerative Erkrankung weitreichende Einschränkungen der Lebensqualität. Dies ist vor allem der Fall, wenn zentrale Strukturen des Körpers betroffen sind, die im Alltag häufig beansprucht werden müssen.

Eine degenerative Erkrankung ist nicht reversibel. Ist sie einmal aufgetreten, lässt die Veränderung sich nicht mehr rückgängig machen. Der Verlauf der Erkrankung ist stark von der Lokalisation abhängig. Prinzipiell führt eine degenerative Veränderung unbehandelt im Laufe der Zeit zum nahezu vollständigen Funktionsverlust der betroffenen Struktur. Wird jedoch rechtzeitig eine Behandlung begonnen, lässt das Fortschreiten des Verschleißes sich in den meisten Fällen aufhalten oder verlangsamen.

Typen und Formen

Theoretisch kann jedes Organ, jede Gewebestruktur von einer degenerativen Erkrankung betroffen sein. Aus diesem Grund ist eine Unterteilung in verschiedene „Formen“ nötig, die sich primär an der Beschaffenheit und der Lokalisation des betroffenen Organs bzw. Gewebes orientiert.

Unter diesen Gesichtspunkten erfolgt eine Einteilung in:

  • Degenerative Erkrankungen der Knochen

Besonders häufig ist die Wirbelsäule von degenerativen Erkrankungen betroffen. An diesem Ort führen die Verschleißerscheinungen häufig zu Bandscheibenvorfällen, was schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Prinzipiell kann jedoch jeder Knochen von einer degenerativen Erkrankung betroffen sein. Weitere häufig betroffene Strukturen sind stark belastete Gelenke.

Degenerative Erkrankungen der Gelenke: Knieathrose
  • Degenerative Erkrankungen der Muskulatur

Degenerative Erkrankungen der Muskulatur treten weitaus seltener auf. Sie können entweder in der Folge anderer Erkrankungen oder als primäres Erkrankungsbild auftreten. Hervorzuheben sind die Muskeldystrophien – es handelt sich um Erbkrankheiten, die zu Muskelschwund führen.

  • Neurodegenerative Erkrankungen

Die bekannteste neurodegenerative Erkrankung ist die Demenz. Bei derartigen Erkrankungen sind Teile des Nervensystems betroffen. Auch Morbus Parkinson und multiple Sklerose sind den neurodegenerativen Krankheiten zuzuordnen.

Neurodegenerative Erkrankung: Multiple Sklerose (MS)
  • Sonstige degenerative Erkrankungen und Prozesse

Zahlreiche weitere Strukturen können von degenerativen Prozessen bzw. Erkrankungen betroffen sein. So stellt auch die Arteriosklerose, die „Verkalkung“ der Arterien, eine degenerative Veränderung dar.

Degenerative Veränderung: Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Diagnose

Die diagnostischen Maßnahmen sind von der jeweiligen Erkrankung abhängig. Bei degenerativen Veränderungen des Bewegungsapparates müssen beispielsweise andere diagnostische Maßnahmen durchgeführt werden als bei neurodegenerativen Erkrankung. Sind knöcherne Strukturen betroffen, wird in der Regel eine Röntgenaufnahme angefertigt. Ist hingegen Weichteilgewebe betroffen, führt der Arzt eine Ultraschalluntersuchung durch. Eine Reihe degenerativer Erkrankungen kann mittels Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT) effektiv diagnostiziert werden.

Das Ziel der bildgebenden Diagnostik besteht darin, die degenerativen Erkrankungen auf dem jeweiligen Bild klar erkennen zu können. Darüber hinaus wird eine Funktionsdiagnostik durchgeführt. Diese dient dem Abschätzen der Einschränkungen, die sich durch die degenerativen Veränderungen ergeben. Ist die Muskulatur betroffen, muss eine Muskelfunktionsdiagnostik durchgeführt werden – beispielsweise eine Elektromyographie.

Bei neurodegenerativen (z.B. Morbus Alzheimer) und sonstigen degenerativen Erkrankungen werden auch kombinierte bildgebende Verfahren (Positronen-Emissions-Tomographie und Computertomographie) eingesetzt.

Behandlung und Therapie

Degenerative Prozesse lassen sich nicht rückgängig machen. Hat ein solcher Prozess eingesetzt, ist es dem Arzt also nicht möglich, den ursprünglichen Zustand des betroffenen Organs wiederherzustellen. Die Therapie zielt stattdessen darauf ab, das weitere Fortschreiten der Veränderungen aufzuhalten bzw. zu verlangsamen. Einige degenerative Erkrankungen lassen sich besser behandeln als andere. Die eingesetzten Maßnahmen und Methoden unterscheiden sich je nach betroffener Körperregion.

Neben einer medikamentösen Therapie, die bei den meisten degenerativen Veränderungen sinnvoll ist, kommen verschiedene unterstützende Maßnahmen in Betracht, die jeweils vom Arzt verordnet werden. Bei degenerativen Veränderungen des Bewegungsapparates wird häufig Physiotherapie verordnet, um die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit der betroffenen Körperregion weitestgehend erhalten zu können. Auch ergotherapeutische Maßnahmen sind bei derartigen Erkrankungen denkbar. Einige Verschleißerscheinungen erfordern eine operative Therapie.

Bei einigen Erkrankungen, vor allem bei neurodegenerativen, wird den Patienten empfohlen, gewisse Verhaltensrichtlinien einzuhalten, um den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen.



Prognose

Degenerative Veränderungen sind nicht reversibel. Die Patienten müssen somit mit einer gewissen Einschränkung der Funktion leben. Während sich einige Erkrankung recht gut behandeln lassen, ist das Fortschreiten anderer, vor allem neurodegenerativer Erkrankungen, nicht aufzuhalten.

Ein möglichst frühzeitiger Beginn der Therapie kann zu einem besseren Verlauf führen. Je eher notwendige Maßnahmen eingeleitet werden, desto länger kann eine gewisse Funktionsfähigkeit der betroffenen Struktur erhalten werden. Bei vielen Erkrankungen ist es bei frühzeitigem Therapiebeginn möglich, das Fortschreiten zum Stillstand zu bringen und die bestehenden Symptome zu lindern.

Bücher über Degenerative Erkrankungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Masuhr K., Masuhr, F., Neumann, M.: Duale Reihe Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Mattle, H., Mumenthaler, M.: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Bewermeyer, H.: Neurologische Differenzialdiagnostik, Schattauer Verlag, 2011

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