Verstopfung in der Schwangerschaft

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 26. Mai 2017
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Im Rahmen einer Schwangerschaft treten immer wieder "klassische Schwangerschaftsbeschwerden" auf. Dazu zählt unter anderem die Verstopfung in der Schwangerschaft. Jede zweite Frau klagt in der Schwangerschaft über einen seltenen Stuhlgang. Jedoch stellt eine Verstopfung kein Risiko für das ungeborene Kind oder die Mutter dar; es ist einfach nur unangenehm.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Verstopfung in der Schwangerschaft?

Die Verstopfung in der Schwangerschaft zählt - neben der Übelkeit - zu den häufigsten Beschwerden einer Schwangeren. Auch wenn die Verstopfung keine Auswirkungen auf die Gesundheit der Mutter oder die des Kindes hat, ist es dennoch unangenehm. Schlussendlich leidet die Schwangere unter relativ starken Unterbauchkrämpfen, welche vorwiegend - je länger die Verstopfung anhält - stärker werden können. Durch das starke Pressen kann auch eine Hämorrhoidenbildung begünstigt werden. In einigen Fällen wird auch die Darmschleimhaut verletzt, sodass Blutbeimengungen im Stuhl vorzufinden sind.

Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig. Vor allem in der Schwangerschaft gibt es mehrere Gründe, welche eine Verstopfung auslösen können. Vorwiegend ist die Hormonumstellung dafür verantwortlich, dass die Muskeln und das Bindegewebe "schlaffer" werden. Das bedeutet, dass der Nahrungsbrei deutlich langsamer im Darm transportiert wird. Somit dauert es deutlich länger, bis der nächste Stuhlgang einsetzt. Weitere Ursachen sind etwa Ernährungsumstellungen in der Schwangerschaft, Stress, Eisenpräparate sowie auch zu wenig Bewegung.

Wann zum Arzt?

Verstopfungen in der Schwangerschaft sind ein häufiges Phänomen und in den meisten Fällen wenig problematisch oder besorgniserregend. Die hormonelle Umstellung im Organismus kann zu den Beschwerden führen. Der Körper passt sich an die veränderte Versorgungsnotwendigkeit des Körpers an und löst damit Änderungen der Stoffwechseltätigkeit aus.

Schwangere achten insbesondere zu Beginn der Schwangerschaft auf eine besonders gesunde Ernährung. Dies kann zu Anpassungsproblemen bei der Verarbeitung der aufgenommen Lebensmittel im Organismus führen und vorübergehend Verstopfungen bewirken. Ein ärztliche Konsultation muss nur vorgenommen werden, wenn der Stuhlgang über mehr als 3-4 Tage bei ausreichender Nahrungszufuhr nicht erfolgen kann. Neben den Verstopfungen sind auch Blähungen oder bei fortschreitender Schwangerschaft Druckgefühle im Unterleib im Normalfall wenig besorgniserregend. Das Wachstum des Fötus löst die Beschwerden aus. Ein Arztbesuch ist nicht notwendig.

Treten Schmerzen im Unterleib, Blutungen oder ein allgemeines Unwohlsein auf, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Kommt es zu einer Verringerung der Nahrungsaufnahme über mehrere Tage, muss ein Arzt konsultiert werden. Bei einem ungewöhnlichen Körpererleben oder einer starken Verhärtung im Unterleib, ist es ratsam, die Beschwerden von einem Arzt abklären zu lassen. Führt die Verstopfung bei der Schwangeren zu emotionalen Problemen, starken Sorgen oder einem Angsterleben, ist ein Arzt zu konsultieren.

Diagnose und Verlauf

Im Endeffekt ist keine medizinische Behandlung erforderlich. Die Verstopfung verschwindet im Regelfall von selbst. Treten jedoch starke Bauchschmerzen auf bzw. presst die Frau derart stark, dass Blutbeimengungen im Stuhl sichtbar sind, sollte der Arzt konsultiert werden. Im weiteren Verlauf wird darauf geachtet, dass die Ernährung umgestellt wird bzw. werden Präparate verordnet, die mitunter - auf natürlicher Basis - den Stuhlgang fördern bzw. beschleunigen.

Komplikationen

Verstopfung in der Schwangerschaft kann in jedem Trimester vorkommen und betrifft manche Frauen gar nicht, andere dafür die ganze Schwangerschaft hindurch. Komplikationen treten bei Verstopfungen in der Regel aber nicht auf. Die Verstopfung an sich ist unangenehm, verschwindet aber in den meisten Fällen nach einigen Stunden oder schlimmstenfalls Tagen wieder von alleine. Bis es so weit ist, kann es jedoch zu den üblichen begleitenden Symptomen kommen, die die Frau auch ohne eine begleitende Schwangerschaft bei Verstopfung hätte. Diese sind Bauchschmerzen erst im Ober- und dann im Unterbauch, Blähungen, sowie eine Verschlimmerung bereits bestehender Probleme mit den Hämorrhoiden.

Ernste Komplikationen können sich dagegen aus der dauerhaften Einnahme leichter Medikamente gegen die Verstopfung in der Schwangerschaft entwickeln. Schwangere dürfen sich grundsätzlich nicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt selbst Medikamente verschreiben, das gilt auch für Abführmittel. Diese können gerade in der Schwangerschaft den Magen-Darm-Trakt bei dauerhafter Einnahme schädigen und dafür sorgen, dass Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen werden. Das schadet bei einer Schwangerschaft nicht nur der Frau, sondern ruft auch beim Baby schwere Komplikationen durch mangelnde Versorgung mit lebenswichtigen Mikronährstoffen hervor. In seltenen Fällen kommt das Baby dadurch mit vermeidbaren Miss- und Fehlbildungen zur Welt, die sich nicht ohne weiteres behandeln lassen.

Behandlung und Therapie

Selbstverständlich sollte man auf Medikamente verzichten. Jedoch besteht immer wieder die Gefahr, dass gewöhnliche Hausmittel nicht helfen. Aus diesem Grund kann der Arzt diverse Wirkstoffe verordnen, welche die Verstopfung bekämpfen sollen. Darunter zählen etwa Macrogol oder Lactulose. Helfen beide Wirkstoffe ebenfalls nicht, kann der Mediziner Bisacodyl, Glaubersalz, Natriumpicosulfat, Glyercol oder auch Sorbitol sowie Mannitol verabreichen. Mannitol und Sorbitol werden jedoch rektal verabreicht. Diese Wirkstoffe werden aber nur dann verordnet, wenn keine anderen Hausmittel helfen bzw. auch eine Ernährungsumstellung keine Veränderung der Situation mit sich gebracht hat.

Vorwiegend versucht der Mediziner der Schwangeren Tipps und Tricks zu verraten, wie die Verstopfung auch ohne Vergabe von Medikamenten und Wirkstoffen verschwindet. Schlussendlich sollte die Schwangere ihre Ernährung nämlich umstellen und auf Weißmehlprodukte sowie Zucker verzichten. Ratsam sind hingegen Vollkornprodukte oder auch Müslis. Wichtig ist, dass Joghurts mit Quell- oder sogenannten Füllstoffen gegessen werden. Dazu zählen etwa Flohsamenschalen, Weizenkleie oder auch Leinsamen.

Natürlich ist auch hier Vorsicht geboten; zu viel würde das genaue Gegenteil mit sich bringen, sodass die Patientin nicht mehr unter Verstopfung, sondern unter Durchfall leiden würde. Hier sollte die Schwangere langsam testen, inwiefern die Füll- und Quellstoffe ihrer Verdauung helfen. Eine zu große Menge könnte dafür sorgen, dass Hausmittel gegen Durchfall benötigt werden.

Eine weitere Möglichkeit sind Trockenpflaumen. Jene sollten über Nacht in Wasser eingelegt werden und am nächsten Morgen zum Frühstück gegessen werden. Mitunter sollten aber nicht mehr als zwei bis vier Trockenpflaumen gegessen werden; auch hier besteht die Gefahr, dass die Schwangere sodann unter Durchfall leidet. Auch Sauerkrautsaft (rund 2 bis 3 Gläser pro Tag) sollten dabei helfen, dass die Verstopfung bald der Vergangenheit angehört. Jedoch kann der Sauerkrautsaft zu Blähungen führen oder bereits bestehende Blähungen deutlich verstärken. Auch Blähungen zählen zu den häufigsten Beschwerden einer Schwangeren und können relativ unangenehm werden.

Natürlich sollte auch genügend Flüssigkeit konsumiert werden. 2 bis 3 Liter Früchte- oder Kräutertees, Mineralwasser oder auch Fruchtsaftschorlen helfen dabei, dass die Verstopfung bekämpft wird. Die Flüssigkeit sorgt dafür, dass der Stuhl "weich" bleibt bzw. nicht das gesamte Wasser entzogen wird und sodann zum harten Kot verkommt, welcher mitunter den Stuhlgang deutlich erschwert. Jedoch hilft auch Bewegung. Schwangerschaftsgymnastik, Schwimmen, Spazierengehen sind klassische Sportarten, die auch während der Schwangerschaft ausgeübt werden können.

Wichtig ist, dass sich die Schwangere nicht überanstrengt bzw. nur jene sportliche Aktivitäten ausübt, die sie auch gerne machen möchte bzw. die sie auch machen kann. Im letzten Trimester können etwaige sportliche Aktivitäten - auf Grund der Gewichtszunahme oder des Allgemeinzustandes - nur mehr selten oder gar nicht mehr ausgeübt werden. Eine Überanstrengung muss auf jeden Fall vermieden werden. Wichtig ist, dass kein Abführmittel - ohne ärztliche Konsultation - eingenommen wird. Schlussendlich fördert ein Abführmittel den Wasser- und auch Elektrolytverlust, sodass sich diese Faktoren negativ auf das im Mutterleib befindliche Kind auswirken können. Auch Ärzte raten von einem Abführmittel ab.



Vorbeugung

Es gibt genügend vorbeugende Maßnahmen. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und genügend Flüssigkeit sind die wohl effektivsten Maßnahmen, die eine Schwangere treffen kann, damit sie von der Verstopfung verschont bleibt.

Bücher über Verstopfung

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Ludwig, M.: Gynäkologische Endokrinologie. Ein Handbuch für die Praxis, 2.Auflage, optimist Fachbuchverlag, 2011
  • Kuhl, H.: Sexualhormone und Psyche: Grundlagen, Symptomatik, Erkrankungen, Therapie,1. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2002
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Weyerstahl, T., Stauber, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Kirschbaum, M., et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

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