Blähungen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 30. März 2017
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Als Blähungen (Flatulenz) werden übermäßige Gasansammlungen innerhalb des Verdauungstraktes, also Magen und Darm des Menschen bezeichnet. Ihren Fachbegriff Flatulenz erhalten Blähungen von der Art der Entweichung dieser Gase aus dem Darm, die als Flatus (lat. "Wind", "Windstoß") bezeichnet wird.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Blähungen (Flatulenz)?

Die Gasansammlungen sind meist Faulgase, welche im Zuge der Verdauung entstehen. Dazu gehören Methan, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff. Aber auch gewöhnliche Luft, die – beispielsweise durch zu hastiges Essen – in den Magen und den Darm gelangt ist, kann Teil dieser Gase sein.

Kommt es zu keiner Entweichung der Gase aus dem After, sodass diese (temporär) festsitzen, können Schmerzen im Magen- und Darmbereich die Folgen sein. Entweichen diese Gase auf längere Zeit nicht, wird nicht mehr von Blähungen, sondern einem "Meteorismus" gesprochen, der andere Ursachen und Auswirkungen hat.

Ursachen

Während bei der Verdauung der meiste Teil der dadurch entstehenden Gase in den Blutkreislauf gelangt und ausgeatmet wird, können Überschüsse entstehen, die zu Blähungen führen.

Gründe dafür können Verdauungsprobleme oder Ernährungsgewohnheiten sein. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht jede rektale Entweichung von Verdauungsgasen auf Ernährungsprobleme oder Verdauungsstörungen hinweist.

Bestimmte Lebensmittel und auch Allergien können Blähungen begünstigen: Dazu zählen nahezu alle Hülsenfrüchte (im Volksmund gelten besonders Bohnen als Auslöser für Blähungen), aber auch Kohl Zwiebeln und Eier.

Grund dafür ist die Unfähigkeit der menschlichen Verdauung, diverse Zuckermoleküle zu zersetzen, was dann nachträglich durch Bakterien im Dickdarm geschieht, was wiederum Gase erzeugt. Beim Verzehren von laktosehaltigen Lebensmitteln in Kombination mit einer Laktoseintoleranz kann es zu verstärkten Blähungen und auch Durchfall kommen.

Krankheiten

Wann zum Arzt?

Beim Auftreten von Blähungen muss in den meisten Fällen kein Arzt konsultiert werden. Oftmals handelt es sich um eine Unverträglichkeit bei der Lebensmittelzufuhr, die Blähungen auslöst. Mit einer fortschreitenden Verdauung gehen die Blähungen automatisch zurück. Werden die Blähungen als unangenehm und lästig empfunden, kann auf die Zufuhr bestimmter Lebensmittel verzichtet werden. Es empfiehlt sich einen Allergietest durchzuführen.

Wird beispielsweise eine Laktoseintoleranz festgestellt, sollte auf Produkte mit Kuhmilch verzichtet werden. Damit treten künftig weniger unerwünschter Blähungen auf. Sind die Blähungen verbunden mit anderen Beschwerden, wie einem Blutaustritt oder Schmerzen im Darm, so sollte ein Arzt konsultiert werden. Ein dauerhaftes Völlegefühl oder Krämpfe sollten ebenfalls näher untersucht werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Beschwerden grundsätzlich über mehrere Tage auftreten und ein körperliches Unwohlsein auslösen.

Sind die Blähungen nicht auf die Nahrungsaufnahme zurückzuführen und werden sie als stark belastend für den Betroffenen wahrgenommen, so empfiehlt sich ein Kontrollbesuch beim Arzt. Ein dauerhaftes Unterdrücken der Blähungen aufgrund sozialer Konventionen oder Scham kann für den Organismus als belastend erlebt werden. Der gesamte Körper steht unter Anspannung und Druck. Dies kann eine seelische Bedrücktheit auslösen. Bevor ein sozialer Rückzug erfolgt oder sich unkontrollierte Stimmungsschwankungen einstellen, sollte ein Arzt die Gründe der Blähungen näher untersuchen.

Diagnose und Verlauf

In den allermeisten Fällen sind Blähungen nur zeitweilig und völlig harmlos. Oft geht die Flatulenz mit Bauchkrämpfen und Völlegefühl einher. Treten die Beschwerden außergewöhnlich häufig und ohne erkennbare Auslöser auf oder kommen weitere Symptome hinzu (Verstopfung, Durchfall, ungewollter Austritt von Stuhl) sollte besser ein Arzt zur Ablkärung der Ursachen konsultiert werden.

Bei der ärztlichen Vorstellung werden zunächst die genauen Lebens- und Essgewohnheiten des Betroffnenen erfragt. Weiterhin erkundigt sich der Arzt nach eventuellen Vorerkrankungen und der Einnahme von Medikamenten. Anschließend erfolgt die körperliche Untersuchung durch den Arzt. Dazu gehört das Abtasten und Abhorchen des Bauches sowie im Zweifel auch die rektale Untersuchung. Je nach Resultat können weitere Untersuchungsmethoden, wie z.B. Ultraschall und/oder Magen-Darmspiegelung eingesetzt werden. Auch Blut-, Urin- und Stuhlanalysen sowie ein Unverträglichkeitstest auf bestimmte Lebensmittel können zur Diagnose herangezogen werden.

Komplikationen

Blähungen verlaufen in der Regel ohne größere Komplikationen für den Betroffenen. Bei Personen mit Blähungen treten eher psychische Komplikationen auf, da ihnen die Winden oftmals unangenehm sind. Befinden sich Personen mit Blähungen in Gesellschaft, können sie die Gase nicht ablassen und die Blähungen werden dadurch möglicherweise noch verstärkt. Zudem können Bauch- und Unterleibsschmerzen auftreten. Treten die Blähungen sehr oft oder täglich auf, fühlt sich der Betroffene in seiner Lebensqualität oftmals eingeschränkt. Er zieht sich zurück oder vermeidet gesellschaftliche Ereignisse.

Oftmals sind bestimmte Lebensmittel Auslöser für Blähungen. Daher schränken Patienten ihre Mahlzeiten oftmals sehr ein. Folglich besteht die Gefahr von Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen. Möglicherweise tritt auch eine Minderversorgung mit wichtigen Vitaminen und Nährstoffen auf. Eine Mangelernährung kann in schlimmen Fällen Nervenfunktionsstörungen und Hauterkrankungen auslösen. Auch die Gelenke können sich entzünden. Blähungen treten oftmals auch bei kleinen Kindern auf. Folglich kann es zu Darmkrämpfen und Koliken kommen. Eine Mangelernährung bei Kindern kann zudem Entwicklungsschäden hervorrufen.

Behandlung und Therapie

Da Blähungen für gewöhnlich weniger gefährlich als für Betroffene wie Umstehende sehr unangenehm sind, gibt es hauptsächlich Hausmittel und Techniken zur Behandlung von Blähungen. Dennoch sind auch ärztliche Mittel erhältlich, falls Verdauungsprobleme vorliegen oder aus bestimmten Gründen Vorbeugungen wie etwa eine Essensumstellung nicht möglich sind.

Zur körperlichen Behandlung eignet sich – besonders bei Kleinkindern, die häufig unter Blähungen leiden – eine Bauchmassage. Durch Dreh- und leichte Druckbewegungen können festsitzende Gase „losgelöst“ und ausgeschieden werden. Darüber hinaus kann man Patienten abwechselnd beide Seitenlagen einnehmen lassen, um Gase zu lösen oder durch die Bewegung von anderen Darminhalten fortzudrücken, sodass die ausgeschieden werden können.

Zum Einnehmen eignen sich muskelentspannende und der Verdauung zuträgliche Kräuter und Gewürze wie Kümmel oder Fenchel. Dadurch wird einerseits die Darmmuskulatur entspannt, andererseits die Produktion von Faulgasen im Dickdarm gehemmt.

Künstliche Arzneimittel sind zum Beispiel Dimeticon und Simeticon, welche in jeder Apotheke erhältlich sind.



Vorbeugung

Um Blähungen vorzubeugen, bedarf es eventuell des Verzichts auf einige Nahrungsmittel. Menschen mit Laktoseintoleranz sollten auf Milch und andere Produkte, in denen Milchzucker enthalten ist, verzichten.

Liegen keine Allergien vor, ist es jedoch nicht ratsam, auf gesunde Lebensmittel wie Kohl oder Bohnen zu verzichten, wenn keine zu starken mit Schmerzen verbundenen Blähungen auftreten.

Eine geregelte Verdauung, die durch genug und regelmäßige Bewegung gestützt wird und ein ausreichender Konsum von Ballaststoffen sind wichtig, um beschwerdefrei zu bleiben.

Was ebenfalls helfen kann, ist sich ein langsameres Tempo beim Essen anzugewöhnen. Bei zu schnellem Essen gerät Luft mit in den Magen, die zwar zum Großteil durch den Mund ausgeschieden werden, jedoch auch zumindest förderlich für Blähungen sein kann.

Bücher über Blähungen

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Siegenthaler, W. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2005
  • Koop, I.: Gastroenterologie compact. Thieme, Stuttgart 2013
  • Siewert, J., Rothmund, M., Schumpelick, V.: Praxis der Viszeralchirurgie: Gastroenterologische Chirurgie. Springer, Berlin 2011

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