Fazialisparese (Gesichtslähmung)

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 14. Juli 2015
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Bei der Fazialisparese handelt es sich um eine Gesichtslähmung. Diese kann ihren Ursprung in der direkten Beeinträchtigung des Gesichtsnervs (periphere Fazialisparese) oder direkt im Gehirn (zentrale Fazialisparese) haben. Typisch für die Fazialisparese ist die halbseitige Lähmung des Gesichts mit Ausfall der Mimik.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Fazialisparese (Gesichtslähmung)?

Die periphere Fazialisparese ist auf eine Lähmung des Gesichtsnervs (Nervus facialis) zurückzuführen. Der Nervus facialis ist der siebte Hirnnerv und entspringt dem Gehirn. Er regt die Jochbogen-, Augen-, Wangen-, Schläfen-, Ohr-, Hinterkopf- und Unterkiefermuskulatur an.

Dabei leitet er Befehle zu den entsprechenden Muskeln weiter und empfängt auch Informationen von ihnen, die er an das Gehirn weiterleitet. Ist diese Funktion durch eine Infektion des Gesichtsnervs oder eine Läsion im Gehirn beeinträchtigt, spricht man von einer Fazialisparese.

Ursachen

Ursachen für eine direkte Schädigung des Gesichtsnervs (periphere Fazialisparese) können Infektionen mit verschiedenen Viren sein. Dazu zählen unter anderem Herpes-Simplex-Viren, Herpes-Zoster-Viren, die eine Gürtelrose auslösen, aber auch den Gesichtsnerv infizieren können sowie Borreliose-Erreger.

Weitere mögliche Ursachen können eine direkte Verletzung des Gesichtsnervs oder Entzündungen benachbarter Gesichtsareale wie eine Mittelohrentzündung sein. In der Mehrzahl der Fälle bleibt die Ursache für die Fazialisparese unklar und wird deshalb auch als idiopathische Fazialisparese bezeichnet.

Die Ursachen für eine zentrale Fazialisparese liegen direkt im Gehirn und beeinträchtigen indirekt die Funktion des Gesichtsnervs. Auslöser können ein Hirntumor, Schlaganfall oder ein Schädelbruch mit Hirnblutung nach einem Unfall sein. Während sich die periphere und idiopathische Fazialisparese nach einer gewissen Zeit meist von allein zurückbilden, hängt die Genesung der zentralen Gesichtslähmung von der Heilung der indirekten Auslöser im Gehirn ab.

Krankheiten

Symptome und Verlauf

Typische Symtome einer Fazialisparese (Gesichtslähmung):

Die typischen Symptome einer Fazialisparese sind der einseitige, unvollständige Lidschluss (Bell-Phänomen), beeinträchtigte Sprache und Wortbildung, da die Lippen und Wangenmuskulatur geschwächt sind, sowie ein einseitig herabhängender Mundwinkel.

Ebenfalls betroffen ist die gesamte Mimik, die Stirn kann nicht mehr gerunzelt und die Nase nicht mehr gerümpft werden. Selbst ein Lächeln ist für die Betroffenen unmöglich. Da ferner die Kaumuskulatur in Mitleidenschaft gezogen ist, fällt auch das Essen schwer. Oftmals ist überdies das Geschmacksempfinden beeinträchtigt, süß und salzig können nicht mehr unterschieden werden. Der Gesichtsnerv steuert auch den Speichel- und Tränenfluss.

Bei einer Lähmung des Gesichtsnervs kann aus dem herabhängenden Mundwinkel Speichel tropfen, ohne dass die Betroffenen dies merken. Auch das Auge der gelähmten Seite kann verstärkt tränen. Der Fazialis-Nerv verläuft direkt neben dem Hörnerv im inneren Gehörgang. Bei einer Fazialisparese kann es zu einem vorübergehenden Tinnitus kommen, bei dem die Betroffenen laute Töne und Geräusche aus dem Innenohr wahrnehmen.

Diagnose

Die Symptome der Gesichtslähmung sind offensichtlich. Ein Neurologe oder HNO-Arzt wird abklären, ob es sich um eine periphere oder zentrale Fazialisparese handelt. Dabei werden zunächst schwerwiegende Ursachen wie äußere Verletzungen nach einem Unfall, ein Schlaganfall, Hirnhautentzündungen oder ein Gehirntumor ausgeschlossen. Hilfreich sind dabei Computer- und Magnetresonanztomographien, bei denen man mögliche Veränderungen am Gesichtsnerv und im Gehirn erkennen kann. Scheidet eine Mittelohrentzündung als Ursache ebenfalls aus, können Bluttests Aufschluss über eine Borrelioseinfektion, FSME oder eine Infektion mit Herpesviren geben.

Mittels einer Elektromyographie und -neurographie kann der Arzt die elektrische Aktivität des Gesichtsnervs messen und die Geschwindigkeit bestimmen, mit der die Nervenimpulse an die entsprechenden Muskeln weitergeleitet werden. Bleiben bildgebende Verfahren und Bluttests ohne Befund, handelt es sich um eine idiopathische Fazialisparese, deren Ursache nicht zu ermitteln ist.

Behandlung

Die Therapie der Fazialisparese wird auf die Ursache ausgerichtet. Bei einer peripheren Fazialisparese durch eine Infektion mit dem Herpes-Simplex oder Herpes-Zoster-Virus wird das Virostatika Aciclovir verschrieben, das die Virusinfektion abklingen lässt. Bei einer Borreliose-Infektion, einer Mittelohrentzündung oder anderen Ohrerkrankungen, die den Gesichtsnerv in Mitleidenschaft ziehen, hilft ein Antibiotikum.

Bei unklarer Ursache, aber Ausschluss einer zentralen Fazialisparese kann auch eine Steroid-Stoßtherapie mit Kortison Linderung bringen. Steroide helfen beispielsweise bei Autoimmunreaktionen und entzündlichen Vorgängen mit unklarer Ursache.

Wichtig ist auch die symptomatische Behandlung des betroffenen Auges mit Augensalbe sowie das Training der Gesichtsmuskeln, um die Lähmungserscheinungen zu mildern. Etwa 80 Prozent der peripheren und idiopathischen Gesichtslähmungen heilen nach wenigen Wochen bis Monaten vollständig aus.

Handelt es sich um eine zentrale Fazialisparese, die auf eine Meningitis, Gehirntumoren, direkte Verletzungen des Fazialis-Nervs oder einen Schlaganfall zurückzuführen sind, wird jeweils die Grunderkrankung entsprechend therapiert. Bei einer zentralen Fazialisparese ist die Prognose der Rückbildung der Symptome nicht ganz so gut wie bei der peripheren Fazialisparese.

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Vorbeugung

Eine gezielte Vorbeugung der Fazialisparese ist aufgrund der Vielzahl der möglichen Ursachen nicht möglich. Es ist ratsam, Infektionen mit Herpesviren, Borreliose oder Ohrentzündungen frühzeitig zu behandeln, damit es im Verlauf der Erkrankung erst gar nicht zu einer Fazialisparese kommt. Bei den ersten Anzeichen einer beginnenden Gesichtslähmung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursachen abzuklären.

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