Virostatika

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 13. Juni 2016
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Virostatika sind Arzneimittel die zur Bekämpfung von Virusinfektionen eingesetzt werden. Viren können sich nicht ohne lebende Wirtszelle weiterentwickeln. Sie besiedeln daher Zellen von Lebewesen und nutzen diese um sich zu vermehren. Es gibt unterschiedliche Virenarten die verschiedene Zellen von Menschen, Tieren, Pflanzen, Pilzen und Bakterien besiedeln.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Virostatika?

Virostatika werden in der Medizin zur Behandlung von Infektionen mit Viren eingesetzt. Viren sind Mikroorganismen die sich außerhalb von Zellen übertragen. Zum Überleben können sich Viren aber nur innerhalb von Zellen, also intrazellulär, vermehren. Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel haben, sind sie auf eine Wirtszelle angewiesen. Heute sind etwa 3000 Virenarten bekannt. Daher gibt es eine Vielzahl antiviral wirksamer Medikamente. Für viele Viren ist eine Schutzimpfung als alternative Therapie vorhanden. Virostatika können teilweise schwerwiegende Nebenwirkungen haben. Die Mikroorganismen können Bakterien, Pflanzen, Pilze, Tiere und Menschen befallen. Die wissenschaftliche Bezeichnung der Lehre von Viren wird Virologie genannt.

Wirkung und medizinische Anwendung

Ein Virostatikum wird zur Behandlung von Virusinfektionen eingesetzt. Das Arzneimittel soll die Viren an einer weiteren Vermehrung hindern und somit die durch sie ausgelöste Infektion stoppen. Viren sind schwerer zu behandeln als Bakterien. Da sich Viren immer innerhalb der Zellen befinden weil sie sich außerhalb nicht vermehren können, sind sie für Medikamente wesentlich schwerer zu erreichen als Bakterien. Viren können jedoch nicht alle Zellen des menschlichen Organismus befallen. Die spezifischen menschlichen Zellen sind für ein bestimmtes Virus empfänglich. So können Hepatitis-Viren die Leberzellen angreifen, und Schnupfenviren die Nasenschleimhautzellen.

Zur Behandlung von Viren sind verschiedene Wirkmechanismen gegeben. Das Eindringen des Virus in die lebende Wirtszelle kann verhindert werden und auch das Eingreifen in den Zellstoffwechsel mit negativer Folge für den Virus ist möglich. Zudem können Virostatika so wirken, dass sie nach einer Virusvermehrung die neugebildeten Viren daran hindern, aus der Zelle auszutreten. Erkrankungen die mit antiviralen Medikamenten behandelt werden sind zum Beispiel Gürtelrose, Herpesinfektionen, Windpocken, Leberentzündungen durch Hepatitis C-Viren und Infektionen mit dem HI-Virus.

Formen und Gruppen

Virostatika bekämpfen den Virus in unterschiedlichen Stadien seiner Vermehrung und werden demnach unterteilt. Wirkstoffe die den Virus daran hindern an der Wirtszelle anzudocken werden Entry-Inhibitoren genannt. Dazu zählen unter anderem Enfuvirtid (Fuzeon®) und Maraviroc (Celsentri®). Arzneimittel die unterbinden, dass der Virus in die Wirtszelle eindringt werden als Penetrations-Inhibitoren bezeichnet. Dazu zählen die Wirkstoffe Amantadin und Rimantadin (Flumandine®).

Wirkstoffe die den Virus in der Synthese von Nukleinsäuren und Eiweißen stören und damit schwächen sind zum Beispiel Aciclovir (Aciclobeta®, Zovirax®) Penciclovir (Famvir®, Pencivir® ) , Ribavirin (Rebetol®, Virazole®) und Tenofovir (Eviplera®, Truvada®, Stribild®). Medikamente, die neu gebildete Viren daran hindern, aus der Wirtszelle auszutreten werden Neuraminidase-Inhibatoren genannt. Dazu zählen die Wirkstoffe Oseltamivir (Tamiflu®) und Zanamivir (Relenza®). Medikamente die nicht in die Stadien der Virenvermehrung eingreifen, sondern auf Zellen des Wirtes wirken zählen zu den Zytokinen. Dazu gehören Interferone.

Dosierung

Die Dosierung von Virostatika sollte mit dem behandelten Arzt besprochen werden und strikt eingehalten werden. In welcher Form und Menge das antivirale Mittel eingenommen werden soll, ist stark abhängig von Art und Schwere der Infektion. Zudem spielt die körperliche Konstitution des Betroffenen eine Rolle. Für die Therapie von Relevanz sind zudem chronische Erkrankungen. Virostatika sollten nicht plötzlich abgesetzt werden und auch bei einem Abklingen der Symptome solang wie verordnet eingenommen werden. In schweren Fällen, wie zum Beispiel immer wieder kehrenden Herpes simplex-Viren oder einer Infektion mit dem HI-Virus sind Langzeittherapien mit Virostatika nötig.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

Viren müssen nicht immer mit Virostatika behandelt werden. Für viele Viren gibt es wirksame Impfstoffe, wie zum Beispiel für Hepatitis A und Hepatitis B-Viren. Da Impfstoffe in der Regel schwächere Nebenwirkungen zeigen als Virostatika, sollte eine Impfung einer Behandlung mit antiviralen Arzneimitteln vorgezogen werden. Weitere Impfstoffe wirken unter anderem gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

Einige Viren lassen sich zudem durch pflanzliche Inhaltstoffe behandeln. So zeigt Eukalyptusöl Wirkung gegen Herpesviren. Das Arzneimittel Tamiflu® wird aus echtem Sternanis hergestellt und wirkt dem Vogelgrippevirus entgegen. Zudem weisen einige Pilzarten antivirale Wirkmechanismen auf. Diese Extrakte sind jedoch nicht auf rein natürlicher Basis verfügbar. In vielen Fällen heilen Viruserkrankungen im gesunden Körper von allein aus. Da sich ähnlich wie bei Bakterien bereits Resistenzen gebildet haben, sollte nur in schweren Fällen auf die Behandlung von Virostatika zurückgegriffen werden.



Wechselwirkungen und Nebenwirkungen

Der menschliche Zellstoffwechsel und die Virenvermehrung stehen in einem engen Zusammenhang. Daher ist eine Behandlung von Viruserkrankungen ohne eine Schädigung von Körperzellen stark begrenzt. Einige virushemmende Arzneimittel rufen teilweise schwere Nebenwirkungen hervor.

Die Variation der Virostatika ist groß, dementsprechend kommt es zu unterschiedlichen Nebenwirkungen. Diese sind unter anderem von der Art der Anwendung abhängig sind. Nebenwirkungen antiviral wirksamer Salben sind meist nur auf das Anwendungsgebiet begrenzt und gut verträglich. Virostatika die systemisch wirken, also auf den kompletten Organismus Einfluss nehmen, können Übelkeit, Kopfschmerzen, Hautauschlägen, und Durchfall hervorrufen. Menschen die an einer Lebererkrankung leiden sind besonders gefährdet, da die meisten antiviral wirksamen Medikamente über dieses Organ verarbeitet werden. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind möglich und je nach Wirkstoff unterschiedlich. Daher ist es wichtig, dem behandelnden Arzt über die Einnahme weiterer Arzneimittel in Kenntnis zu setzen.

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