Krankheiten der Schilddrüse

Letzte Aktualisierung am 4. September 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Schilddrüsenerkrankungen sind längst keine Seltenheit mehr. Oft stecken sie hinter Symptomen wie Erschöpfung und Appetitlosigkeit, Schlafstörungen sowie vermehrtem Schwitzen. Die Variation der Krankheit ist so vielfältig wie die Zeichen, in denen sie sich äußert.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Schilddrüsenerkrankungen?

Schilddrüsenerkrankungen äußern sich in vielfältigen Symptomen, wie z.B. Appetitlosigkeit, Erschöpfung und Schlafstörungen.

Bei der Schilddrüse handelt es sich um ein Organ unterhalb des Kehlkopfes, dass Hormone produziert und in den Körper entsendet. Mit dieser Funktion greift die Schilddrüse maßgeblich in den Energiestoffwechsel ein und beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen wie die Regulation der Körperwärme und das psychische Wohlbefinden. Ebenfalls Einfluss nimmt sie auf die Arbeit des Magen-Darm-Traktes, des Kreislaufes sowie auf die Funktion von Muskeln und Nerven.

Dies erklärt, warum oft schwerwiegende Symptome auf die Erkrankung des Organes folgen, obwohl dieses lediglich 25 Gramm wiegt. Während die Schilddrüse die Hormone produziert und später in den Körper gibt, bestimmen zwei Teile im Gehirn die Menge der herzustellenden Stoffe: die Hirnanhangdrüse und der Hypothalamus. Diese kontrollieren den Hormonspiegel im Blut und überliefern der Schilddrüse gegebenenfalls die Information, mehr oder weniger Hormone zu entsenden, um das optimale Gleichgewicht zu erreichen und die volle Funktion sämtlicher Körperbereiche zu gewährleisten.

Ursachen

Die Ursachen für eine aus den Fugen geratene Arbeit der Schilddrüse sind vielfältig, wenn auch teilweise noch nicht vollständig erforscht. Hier spielen die genetische Vorbelastung, Umwelteinflüsse wie sie zum Beispiel bei Tschernobyl existieren, Tabakkonsum und eine ungesunde Ernährung mit zu wenig Obst und Gemüse eine Rolle.

Ebenfalls in die Krankheitsentstehung einfließen können Stress und eine Veränderung der Sexualhormone durch Einsetzen der Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahre. Schilddrüsenkrankheiten beeinflussen den Hormonspiegel des Schilddrüsenhormons.

Die Ursachen für einen Hormonmangel beziehungsweise Überschuss sind vielfältig. Eine Mangelversorgung des Körpers mit wichtigen Schilddrüsenhormonen entsteht entweder durch eine Funktionsstörung der Schilddrüse selbst oder durch die eingeschränkte Arbeit der Hirnanhangdrüse beziehungsweise der Botenstoffe, die der Schilddrüse eine Anpassung des Hormonspiegels signalisieren.

Am häufigsten entsteht eine so genannte Schilddrüsenunterfunktion durch eine chronische Entzündung des Organs. Der Körper erkennt die Schilddrüse nicht mehr als eigenen Bestandteil, sondern als Fremdkörper an und produziert Antikörper, um diesen zu zerstören. Fälschlicherweise wird dabei jedoch das Schilddrüsengewebe teilweise vernichtet, wodurch diese nicht mehr optimal arbeiten kann.

Symptome krankhafter Schildrüsenveränderungen.

Wann zum Arzt?

Wenn Anzeichen einer Schilddrüsen-Erkrankung bemerkt werden, sollte der Hausarzt konsultiert werden. So sind Symptome wie Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme oder allgemeine Kraftlosigkeit deutliche Warnzeichen, die von einem Arzt abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden müssen. Eine Apathie deutet darauf hin, dass die Erkrankung womöglich bereits weiter fortgeschritten ist und umgehend untersucht werden muss. Typische Warnzeichen, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen, sind auch langsames Sprechen, Gesichts-, Bein oder Handschwellungen sowie eine auffallende Blässe.

Sollte sich ein Kropf bilden, muss ein Arzt konsultiert werden. Auch andere ungewöhnliche Symptome, die auf keine bestimmte Ursache zurückzuführen sind, werden am besten von einem Mediziner abgeklärt, um ernste Komplikationen zu vermeiden. Bei ernsten Herz-Kreislauf- oder Atembeschwerden sollte der Notarzt gerufen werden. Personen, die bereits an einer Erkrankung der Schilddrüse leiden, sollten bei unspezifischen Symptomen mit dem zuständigen Mediziner sprechen. Selbiges gilt für Schwangere, ältere und kranke Menschen. Kinder, bei denen sich Anzeichen einer Schilddrüsen-Erkrankung einstellen, sollten vom Kinderarzt untersucht werden. Im Zweifelsfall kann zunächst der ärztliche Notdienst kontaktiert werden.

Symptome

Typische Symptome von Krankheiten der Schilddrüse:

Eine Schilddrüsenerkrankung äußert sich durch extreme Kälteempfindlichkeit, unerklärliche Gewichtszunahme, Konzentrationsschwierigkeiten, Antriebsarmut, aber auch Verstopfungen, Haarausfall und brüchige Haare. Vermehrtes Schwitzen, Gewichtsverlust, Nervosität, Schlafstörungen und ein unregelmäßiger Puls, der unbehandelt durch Überbelastung zu einer Herzschwäche führen kann, sind die Folge.

Schwere körperliche Symptome können auch durch einen Hormonüberschuss entstehen. Dieser entwickelt sich auf verschiedenen Wegen. Bei einer Basedowschen Erkrankung produziert der Körper Antikörper, die jene Zellen der Schilddrüse anregen, welche Hormone herstellen. Diese produzieren dann Mengen an Schilddrüsenhormone, die weit über den Bedarf des Körpers liegen.

Ebenfalls Grund kann eine funktionelle Autonomie der Schilddrüse sein. Vereinzelte Teile oder sogar die gesamte Schilddrüse werden nicht mehr durch die Hirnanhangdrüse reguliert, sondern produzieren selbstständig Hormone.

Häufige Formen und Typen

Häufige Schilddrüsenerkrankungen:

Die am häufigsten auftretenden Schilddrüsenerkrankungen sind eine Über- oder Unterfunktion sowie eine Vergrößerung des Organes, welche Kropf oder Struma genannt wird. Bei der Schilddrüsenunterfunktion produziert die Schilddrüse zu wenige Hormone, was den Spiegel im Blut sinken lässt. Der Körper wird nicht mehr optimal mit wichtigen Schilddrüsenhormonen versorgt und es treten zahlreiche Symptome auf, die darauf zurückführen, dass der der Stoffwechsel aufgrund des Hormonmangels verlangsamt läuft.

Bei der Überfunktion der Schilddrüse produziert der Körper zu viele Hormone, was den Stoffwechsel in die Höhe schnellen lässt. Eine weitere Erkrankung ist die Vergrößerung der Schilddrüse. Diese bleibt meistens erst unbekannt und wird später bei Schluck- und Atembeschwerden bemerkt. Treten diese auf, drückt die Schilddrüse bereits auf die Luft- und Speiseröhre und hat oft schon einen Knoten in der Schilddrüse gebildet, welcher Struma genannt wird.

Es wird zwischen heißen und kalten Knoten unterschieden. Heiße Knoten handeln autonom und produzieren mehr Schilddrüsenhormone als die Hirnanhangdrüse verlangt. Überbelastete Zellen können sich in kalte Knoten verwandeln, die ihre Arbeit aufgegeben haben. Das Wachstum der Schilddrüse lässt sich auf eine mangelnde Jodversorgung zurückführen. Für die Hormonproduktion braucht die Schilddrüse Jod.

Wird zu wenig Jod konsumiert, bittet das Gehirn um die Herstellung von mehr Schilddrüsenhormonen. Die Schilddrüse bildet weitere Zellen, um dem Anspruch gerecht zu werden und so trotz mangelnder Jodversorgung den Hormonspiegel aufrecht zu erhalten. Dies funktioniert jedoch nur einen sehr begrenzten Zeitraum. Ein dauerhafter Jodmangel führt zu exponentiellem Wachstum der Schilddrüsenzellen und somit zu einer Vergrößerung des Organs.

Komplikationen

Je nach Art und Ursache der Beschwerden können sich aus einer Erkrankung der Schilddrüse unterschiedliche Komplikationen entwickeln. Bei Schilddrüsen-Krebs sind ernste Komplikationen wie Schluck- und Atembeschwerden, chronische Heiserkeit und Folgeerkrankungen wie das Horner-Syndrom denkbar. Schilddrüsenkrebs ist oft mit Schilddrüsenknoten verbunden, die in andere Organe streuen können und eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse bedingen können.

Infolge einer Hyperthyreose sind Stoffwechsel und Herzfrequenz beschleunigt, wodurch es unter anderem zu Bluthochdruck, Gewichtsverlust, Haarausfall, Nervosität, Schlafstörungen oder Durchfall kommen kann, jeweils mit der Gefahr ernster körperlicher und seelischer Komplikationen verbunden.

Eine Hypothyreose kann in ihrem Verlauf zu Sprachstörungen, Schwerhörigkeit und Wachstumsstörungen führen. Bleibt die Schilddrüsenunterfunktion über einen längeren Zeitraum unbehandelt, kann es unter Umständen zum sogenannten Myxödem-Koma kommen. Dabei verlangsamt sich die Atmung, der Blutdruck nimmt ab und es tritt ein allgemeines Schwächegefühl auf. Bei fehlender intensivmedizinischer Hilfe kann ein Myxödem-Koma zum Tod des Patienten führen.

Bei der operativen Behandlung von Schilddrüsen-Erkrankungen besteht das Risiko, dass die Schilddrüse verletzt wird. Verordnete Medikamente bergen immer gewissen Risiken und können bei unerkannten Allergien oder in Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln schwerwiegende Komplikationen nach sich ziehen.

Behandlung und Therapie

Schilddrüsenerkrankungen lassen sich in der Regel gut behandeln, wenn auch nicht heilen. Bei Über- oder Unterfunktionen der Schilddrüse hilft eine Hormontherapie, die das gesamte Leben fortgesetzt werden muss. Durch Tabletten werden dem Körper bei der Unterfunktion die Hormone zugeführt, welche die Schilddrüse selbst nicht mehr herstellen kann, um den Hormonspiegel konstant zu halten, bei der Überfunktion hemmen die Medikamente die Hormonproduktion.

Auch eine Vergrößerung lässt sich früh erkannt medikamentös behandeln. Ist die Gewebeproduktion zu weit fortgeschritten, hilft eine Operation. Die vielfältigen Symptome verschwinden durch eine ideal angepasste Behandlung meist vollständig.

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Vorbeugung

Vorbeugen lässt sich eine Erkrankung der Schilddrüse durch einen gesunden Lebensstil ohne Tabak, aufs Nötigste reduzierte Röntgenstrahlung, eine optimale Jodaufnahme und Stressvermeidung. Genetische Faktoren sind nicht beeinflussbar.

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2013
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart
  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013


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