Blasenentzündung beim Mann


Experte: Dr. med. Nonnenmacher
Autor: Medizinredaktion
Aktualisiert am: 8. November 2018

Blasenentzündungen treten aufgrund der längeren Harnröhre beim Mann eher selten auf. Sollten Symptome bemerkt werden, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden, welcher einen Urintest durchführen wird. Die Behandlung der Blasenentzündung erfolgt antibiotisch. Um lebensbedrohliche Komplikationen zu vermeiden, ist eine ärztliche Therapie zwingend notwendig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Blasenentzündung (Zystitis)?

Zwar ist eine Blasenentzündung beim Mann selten, dennoch kann sie auftreten. Schmerzen beim Wasserlassen sowie Blut im Urin sind typische Symptome.

Die Harnblase ist ein Teil des Harntrakts und dient der Zwischenspeicherung des Urins. Sie macht es möglich, den Harn willentlich zu bestimmten Zeiten abzugeben. Die Entzündung dieser Harnblase wird als Blasenentzündung oder Cystis bezeichnet. Obwohl diese Erkrankung aufgrund anatomischer Unterschiede vor allem Frauen und Kinder betrifft, kommt es hin und wieder auch beim Mann zu einer derartigen Entzündung.

Eine Blasenentzündung äußert sich in der Regel durch häufiges Wasserlassen mit geringer Urinmenge sowie Brennen und/oder Schmerzen beim Wasserlassen. Zudem kann es zu Unterleibsschmerzen, Blutbeimengungen im Urin, Dranginkontinenz und Blasenkrämpfen kommen. Bei Männern tritt eine Blasenentzündung vermehrt in fortgeschrittenem Alter auf und steht nicht selten mit einer gutartigen Vergrößerung der Prostata in Verbindung.

Die Harnröhre beim Mann ist wesentlich länger als bei der Frau. Aufgrund dieses anatomischen Unterschieds sind Frauen bedeutend häufiger von Blasenentzündungen betroffen.

Ursachen

Hervorgerufen wird die Entzündung der Blase zumeist durch Bakterien. Durch Pilze oder Viren hervorgerufene Infektionen sind ebenfalls möglich. Darüber hinaus können auch chemische und mechanische Reizungen der Blase zu einer Entzündung dieser führen.

In den meisten Fällen handelt es sich um eine durch Darmbakterien hervorgerufene, aufsteigende Infektion. In 70 bis 95 Prozent der Fälle ist das Bakterium E.coli als Ursache der Blasenentzündung auszumachen. Dieses macht einen bedeutenden Teil der natürlichen Darmbesiedelung des Menschen aus. Bei nachlässiger Hygiene kann das Bakterium während des Toilettenganges über die äußeren Geschlechtsorgane in die Harnröhre gelangen und von dort aus zur Blase aufsteigen.

Da die Harnöhre des Mannes wesentlich länger ist als die der Frau, sind Männer für Entzündungen der Harnblase bedeutend weniger anfällig – es handelt sich um eine typischerweise weibliche Erkrankung. Kinder sind unabhängig vom Geschlecht recht häufig betroffen, was darauf zurückzuführen ist, dass ihre Harnröhre ebenfalls recht kurz ist. Die Erreger haben in diesem Falle nur einen kurzen Weg zurückzulegen.

Männer in fortgeschrittenem Alter erkranken häufig im Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die vergrößerte Prostata die Harnröhre einengt, was letztendlich zu einer Störung des Harnabflusses mit Restharnbildung führt.

Symptome und Verlauf

  • Blasenentleerungsstörungen

Im Regelfall lässt sich eine bakterielle Blasenentzündung beim Mann rasch und effektiv mittels Antibiotika-Therapie behandeln. Meist sind die akuten Beschwerden nach 1-2 Tagen wieder abgeklungen. Es gilt zu beachten, dass die Medikamente nicht vorzeitig abgesetzt werden sollten, da dies zu einem erneuten Ausbruch der Infektion führen kann. Eher selten, aber möglich, kann eine Blasenentzündung auch beim Mann einen chronischen Verlauf nehmen.

Wann zum Arzt?

Frauen können eine unkomplizierte Entzündung der Blase häufig eigenständig behandeln. Für Männer gilt dies nicht. Leidet ein Mann an einer Blasenentzündung, sollte er in jedem Falle einen Arzt aufsuchen. Beim Mann ist bei jeder Entzündung der Blase von einem komplizierten Fall auszugehen, was einen Arztbesuch notwendig macht.

Sobald erste Symptome bemerkt werden, sollte also der Hausarzt konsultiert werden. Durch das Aufsuchen des Arztes bei ersten Anzeichen der Erkrankungen lässt sich der Verlauf erheblich abschwächen – die Patienten ersparen sich also die recht schmerzhafte Erfahrung einer voll ausgeprägten Blasenentzündung. Werden häufiger Harndrang, eine geringe Harnmenge, Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen, Blut im Urin oder sonstige Beschwerden beim Wasserlassen gemerkt, ist es für den Mann an der Zeit, einen Arzt zu konsultieren.

Diagnose

Die Diagnose einer Blasenentzündung ist in der Praxis recht einfach zu stellen. Anhand der Anamnese lässt sich relativ schnell erkennen, ob es sich um eine Blasenentzündung handelt. Der Arzt erfragt hierzu zunächst die bestehenden Probleme. Anschließend wird er den Patienten fragen, ob dieser sich allgemein schwach fühlt oder Fieber festgestellt hat. Eine Blasenentzündung geht niemals mit Fieber einher. Treten die typischen Symptome zusammen mit Fieber auf, liegt eine Beteiligung der Nieren nahe.

Weiterhin wird der Arzt Blase und Nieren mit den Händen abtesten. Anhand des Schmerzempfindens lässt sich zumeist ausmachen, welche Organe betroffen sind. Das wichtigste diagnostische Mittel stellt jedoch der Urintest dar. Der Patient muss einen Becher mit Urin füllen. Anschließend wird der Urin mit Hilfe eines Teststäbchens auf bestimmte Inhaltsstoffe untersucht. Blut, Eiweiß, Leukozyten und andere Stoffe im Urin deuten auf eine Entzündung der Blase hin. Ein weiteres Mittel, das unter Umständen angewendet wird, ist der Ultraschall. Mit diesem können sowohl Blase als auch Nieren untersucht werden.

Komplikationen

Die Nierenbeckenentzündung stellt eine gefürchtete Komplikation dar. Zur Nierenbeckenentzündung kommt es durch das Aufsteigen der Erreger über den Harnleiter. Wird die Blasenentzündung nicht oder nicht angemessen behandelt, können die Erreger von der Blase aus über den Harnleiter zum Nierenbecken und in die Nieren gelangen. Dort führen sie ebenfalls zu einer Entzündung, die schlimmstenfalls zur Sepsis führen kann. Diese Urosepsis, die in der maximalen Ausprägung der Nierenbeckenentzündung entsteht ist lebensbedrohlich.

Beim Mann kann es zudem zu einer Infektion der Nebenhoden kommen. Die Erreger steigen in diesem Falle über die Samenleiter zu den Nebenhoden auf, wo sie zu einer Entzündung führen, die sehr schmerzhaft ist und in der Regel zu einer massiven Vergrößerung des Nebenhodens führt. Aus der Nebenhodenentzündung können wiederum weitere Komplikationen resultieren.

Behandlung und Therapie

Die Blasenentzündung des Mannes muss in jedem Falle ärztlich behandelt werden. Während bei Frauen auch die Behandlung mit pflanzlichen Präparaten oder durch eine einmalige Antibiotikagabe möglich ist, sollte beim Mann immer eine längerfristige antibiotische Therapie durchgeführt werden. Je nach gewähltem Medikament dauert die Behandlung zwischen drei und zehn Tagen an. In Einzelfällen kann auch eine längere Behandlung möglich sein.

In der Praxis erfolgt die Therapie der Blasenentzündung des Mannes in der Regel kalkuliert. Das bedeutet, dass kein Erregernachweis durchgeführt wird, da mit hoher Wahrscheinlichkeit E. coli der Auslöser der Entzündung ist. Der Arzt wählt in diesem Falle ohne Nachweis des Erregers ein Antibiotikum, das mit hoher Wahrscheinlichkeit wirksam ist.

Neben der medikamentösen Therapie ist es sehr empfehlenswert, viel Wasser zu trinken und sich auszuruhen. Darüber hinaus gelten Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich und Cranberrykapseln als natürlich-wirksame Mittel bei einer Blasenentzündung.

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Aussicht und Prognose

Treten keine Komplikationen auf, verschwinden die Symptome bereits nach wenigen Tagen. Eine Blasenentzündung ist beim Mann zwar recht selten, lässt sich dennoch gut behandeln, sofern frühzeitig ein Arzt aufgesucht wird. Die antibiotische Behandlung muss zwingend bis zum Ende fortgesetzt werden, auch wenn die Symptome rasch verschwinden. Andernfalls werden Resistenzen gefördert und die Wahrscheinlichkeit, dass die Infektion schnell zurückkehrt, erhöht.

Vorbeugung

Vorbeugen lässt sich vor allem, indem gewisse Hygieneregeln eingehalten werden. Dies gilt besonders für den Toilettengang und für sexuelle Kontakte. Es sollte in jedem Falle vermieden werden, dass Darmbakterien in die Nähe des Harnröhreneinganges geraten. Wer vorbeugen möchte, sollte also auf seine Analhygiene achten, nach sexuellen Praktiken, die die Gefahr des Einbringens von Darmkeimen erhöhen, die Blase entleeren und generell auf die Hygiene im Intimbereich achten.

Quellen

  • Hof H, Dörries R. Duale Reihe: Medizinische Mikrobiologie. Thieme Verlag. 4. Auflage(2009)
  • Hofmann, R., (Hrsg.): Endoskopische Urologie. Springer, Berlin 2009
  • Schmelz, H.-U. et al.: Facharztwissen Urologie, Springer Verlag, 2014
  • Jocham, D. & Miller, K.: Praxis der Urologie, Georg Thieme Verlag, 2007


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