Missempfindungen in den Händen

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 10. April 2015
Gesundpedia.deSymptome Missempfindungen in den Händen

Missempfindungen in den Händen kommen von den Nerven. Sie äußern sich durch ein Kribbeln, das als unangenehm oder sogar schmerzhaft empfunden werden kann. Ebenso möglich ist eine teilweise oder komplette Taubheit eines bestimmten Bereiches.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Missempfindungen in den Händen?

Die Erfahrung von Missempfindungen machten viele Menschen bereits, wenn sie im Winter ohne Handschuhe das Haus verlassen. Sobald die Hände wieder erwärmt werden, fangen sie an zu kribbeln. Grund hierfür ist die Kälte, welche dafür sorgt, dass sich die Gefäße zusammenziehen und schlechter durchblutet werden.

Sobald die Durchblutung wieder angeregt wird, kehrt die Sensibilität in Form leichter Stiche zurück. Kribbeln und Taubheitsgefühl sind somit Missempfindungen der Hände. Die Sensibilitätseinschränkungen werden in vielen Fällen als störend empfunden. Oftmals tritt vor einer Übernahme von Taubheitsgefühlen ein intensives Kribbeln auf.

Ursachen

Missempfindungen entstehen, wenn Nerven nicht mehr einwandfrei arbeiten. Bei einem Kribbeln kommt es zu einer erhöhten Nervenaktivität, obwohl kein äußerlicher Reiz vorliegt, welcher diese verantwortet. Stattdessen werden "falsche" Reize ausgelöst, die zum Beispiel durch eine Schädigung des betroffenen Nervs kommen. Die Aktivität der Leitungsbahnen, die den Reiz zum Gehirn senden, nimmt zu. Betroffene spüren ein Ziehen, Stechen oder auch das Gefühl eines Ameisenhaufens.

Bei Taubheit hingegen handelt es sich um eine Unteraktivität der Nerven. Die Nerven können beschädigt und deshalb nicht mehr voll funktionstüchtig sein. Ist der Blutfluss gestört, können manche Körperteile nicht mehr optimal mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Konsequenz kann eine Sensibilitätsstörung sein. Die Ursachen für ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl können in der Wirbelsäule entspringen. Eingeschränkte Blutgefäße und Nervenbahnen verursachen Durchblutungsstörungen und bergen das Risiko, die Nerven zu verletzen.

Verändern sich Gewebe, Knochen oder Sehnen, so kann diese Wandlung einen Nerv physisch einengen, wodurch dieser zu Verletzungen und Entzündungen neigt. Für eine Einengung können Karpaltunnelsyndrome, Ulnartunnelsyndrome oder Bandscheibenvorfälle verantwortlich sein. Eine weitere Ursache birgt das periphere Nervensystem. Befinden sich hier verletzte Nerven, so können Betroffene dies als Missempfindung in den Händen spüren. Hormonelle Dysbalancen wirken sich ebenfalls negativ auf Nerven aus. Beispiele sind B12 Mängel oder eine Unterfunktion der Nebenschilddrüse.

Krankheiten

Diagnose und Verlauf

Tritt eine Sensibilitätsstörung in den Händen auf, ohne dass ein ersichtlicher Grund vorliegt, sollten Betroffene zügig einen Arzt aufsuchen. Besonders Taubheitsgefühl kann einen Schlaganfall ankündigen, welcher als Notfall behandelt werden muss. Bei der Diagnose helfen dem Arzt genaue Informationen über die betroffene Stelle. Zudem muss geklärt werden, seit wann das Problem besteht und in welchen Episoden es auftritt. Für die Diagnose nimmt der Arzt schließlich Blut ab und ordnet Röntgenbilder an.

Durch spezielle Methoden lässt sich die Nervenleitgeschwindigkeit messen. Ein Kribbeln, das sich bis in den Unterarm ausstrecken kann, deutet beispielsweise auf ein Karpaltunnelsyndrom hin, bei dem ein Nerv durch eine Engstelle abgedrückt wird. Kribbeln und Schmerzen in der Handoberfläche und den Seiten können durch das Ulnartunnelsyndrom ausgelöst werden. Bei dem wird durch eine dauerhafte falsche Haltung der Handgelenke, wie zum Beispiel beim Fahrradfahren, der Ulnarisnerv eingeklemmt. Eine genaue Lokalisierung der Beschwerden ist also ausschlaggebend für die richtige Diagnose.

Behandlung und Therapie

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Ist ein Nerv eingeklemmt, zielt die Therapie darauf ab, die Engstelle zu erweitern, damit diesem wieder ausreichend Platz zur Verfügung gestellt wird. Konservative Maßnahmen setzen auf Gymnastik- und Dehnübungen sowie Wärme. Gelingt es nicht, den Nerv freizulegen, so erfolgt dies in einer Operation. Nach einem chirugischen Eingriff sind die meisten Patienten sehr schnell schmerzfrei. Bei einer intensiven Verletzung des Nervs kann es jedoch sein, dass die vollständige Regeneration ungefähr ein halbes Jahr in Anspruch nimmt. Dass der Nerv bereits so geschädigt ist, dass eine Operation nicht hilft, ist nur sehr selten der Fall.

Entspringt das Kribbeln eingeschränkten Nerven durch einen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule, wird zunächst Krankengymnastik verordnet. Mit dieser lässt sich in der Regel die Wirbelsäule in die richtige Position bringen. Eine Kräftigung der Nackenmuskulatur ist ausschlaggebend, um die Wirbelsäule zu stabilisieren. Auch hier helfen entsprechende Übungen der Krankengymnastik. Sollten die äußerlichen Maßnahmen nicht helfen, muss das Gewebe der Bandscheibe entfernt werden. Dieses drückt aufgrund einer brüchigen Bandscheibe auf den Nerv, welcher das Kribbeln oder Taubheitsgefühl verursacht.

Liegt ein B12 Mangel vor oder Hormonstörungen, so müssen diese beseitigt werden. B12 kann durch Injektionen verabreicht werden oder in Form von Tabletten. Bei einer Unterfunktion der Nebenschilddrüse kann diese nicht mehr ausreichend Nebenschilddrüsenhormone herstellen. Bestimmte Medikamente gleichen den Mangel aus.

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Vorbeugung

Vorbeugend kann versucht werden, Durchblutungsstörungen zu verhindern und das Nervensystem in einem guten Zustand zu halten. Dies geschieht besonders durch einen gesunden Lebensstil ohne Nikotin und mit nur geringen Dosen Alkohol. Regelmäßige Bewegung stärkt die Muskulatur und regt die Durchblutung an. Vorteilhaft ist zudem eine gesunde Ernährung, die auch genügend Vitamin B12 enthält. Da dieses in größeren Mengen lediglich in Innereien vorkommt, ist es ein Vorurteil, dass die Komplementierung von B12 nur für Vegetarier und Veganer sinnvoll sei.

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