Karpaltunnelsyndrom

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 9. März 2016
Gesundpedia.deKrankheiten Karpaltunnelsyndrom

Das Karpaltunnelsyndrom zählt zu den häufigsten Nervenkompressionssyndromen und wird durch eine Einengung des Medianusnervs im Handwurzelkanal (Karpaltunnel) hervorgerufen. Die Druckerhöhung führt zu einer kurzfristigen oder chronischen Schädigung des Medianusnervs, die sich durch sensible und motorische Ausfallerscheinungen (z.B. taube und kribbelnde Finger) bemerkbar macht.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?

Als Karpaltunnelsyndrom wird eine Schädigung des Medianusnervs (Handgelenk) bezeichnet, die aus einer Verengung im Karpaltunnel resultiert. Der Handwurzelkanal dient als Tunnel zwischen Handgelenk und Unterarm, durch welchen der Medianusnerv sowie wichtige Handsehnen verlaufen.

Besteht eine Diskrepanz zwischen dem benötigten Platz der durch den Karpaltunnel laufenden Nerven und Sehnen und der Ausdehnung des Karpaltunnels wird auf den Medianusnerv erhöhter Druck ausgeübt, der zu einer Schädigung, dem Karpaltunnelsyndrom, führen kann.

Ursachen

Für das Karpaltunnelsyndrom können meistens keine unmittelbaren Ursachen festgestellt werden (idiopathisches Karpaltunnelsyndrom). In vielen Fällen ist einem Karpaltunnelsyndrom eine belastungsbedingte Sehnenscheidenentzündung vorausgegangen.

Die Schwellung der Beugesehnenscheiden bewirkt einen Anstieg des Drucks im Karpaltunnel, infolge dessen sich das Karpaltunnelsyndrom entwickeln kann. Können dennoch Ursachen festgestellt werden, unterliegen diese grundsätzlich einem der folgenden Mechanismen.

Zum einen kann lokal durch frakturbedingte Fehlstellungen in Handgelenknähe, Handwurzelknochenluxationen (Verrenkungen), Tumore oder Ganglien ein Druckanstieg auf den Medianusnerv und entsprechend ein Karpaltunnelsyndrom hervorgerufen werden.

Auch eine dauerhafte mechanische Belastung des Handgelenks von außen kann ein Karpaltunnelsyndrom nach sich ziehen. Zum anderen können systemische Erkrankungen, die den gesamten menschlichen Organismus berühren, wie eine Schilddrüsenüberfunktion, rheumatoide Arthritis oder Gicht, die Entwicklung eines Karpaltunnelsyndroms fördern. Auch eine Schwangerschaft, die oftmals von anschwellenden Strukturen begleitet wird, kann ein Karpaltunnelsyndrom verursachen.

Symptome und Verlauf

Mögliche Beschwerden bei Karpaltunnelsyndrom:

  • elektrisierende Schmerzempfindungen in der Hand
  • Einschränkungen in der Feinmotorik der Hand (z.B. Zugreifen)

Zu Beginn eines Karpaltunnelsyndroms berichten Betroffene häufig von eingeschlafenen Händen oder Fingern. Im weiteren Verlauf kommen Sensibilitässtörungen im Daumen, Zeige- und Mittelfinger (Kribbeln, Taubheitsgefühle) sowie Schmerzen hinzu, die vermehrt bei fester Beugestellung des Handgelenks (Halten eines Buches, aber auch nächtlicher Ruheschmerz durch eine gebeugte Handgelenkhaltung beim Schlafen) auftreten. Diese Sensibilitätsstörungen können sich zu motorischen und sensiblen Ausfallerscheinungen entwickeln.

Mitunter können die vom Karpaltunnelsyndrom verursachten Schmerzen bis in den Oberarm, die Schulter und auch den Nacken ausstrahlen. Wird ein Karpaltunnelsyndrom nicht behandelt, kann im späteren Verlauf ein massiver Abbau der Daumenballenmuskulatur (Daumenballenatrophie) und eine abnehmende Greiffähigkeit beobachtet werden. Im sehr fortgeschrittenen Stadium kann ein Karpaltunnelsyndrom zu einer irreparablen Taubheit im gesamten Bereich der betroffenen Finger und einer partiellen Lähmung des Daumenballens führen.

Diagnose

Beim Karpaltunnelsyndrom kann die Schilderung der Symptomatik durch die Betroffenen bereits auf die Erkrankung hindeuten. Anhand verschiedener klinisch-neurologischer Tests werden die Hände und die Funktion des Medianusnervs auf ein Karpaltunnelsyndrom geprüft.

So deuten ein Klopfschmerz und Gefühlsstörungen während des Beklopfens des Medianusnervs (Hoffmann-Tinel-Zeichen) sowie Schmerzen und Sensibilitätsstörungen bei einem maximal gebeugten Handgelenk (Phalen-Test) auf ein Karpaltunnelsyndrom.

Im fortgeschrittenen Verlauf eines Karpaltunnelsyndroms kann wegen der partiellen Lähmung eine Flasche nicht mehr von den Betroffenen umfasst werden (Flaschen-Test).

Wird bei der Messung der Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) des Medianusnervs und der elektrischen Muskelaktivität (Elektromyographie) zwischen der betroffenen und nicht-betroffenen Hand ein Unterschied festgestellt, weist dies gesichert auf ein Karpaltunnelsyndrom hin.

Behandlung und Therapie

Ein Karpaltunnelsyndrom wird zu Beginn meistens konservativ behandelt. Im Rahmen einer solchen Therapie wird die betroffene Hand nachts durch eine Schiene ruhig gestellt. Daneben kann zur Schmerzreduzierung ein Lokalanästhetikum in Kombination mit Kortison in den verengten Karpaltunnel gespritzt werden. In vielen Fällen wird eine Einnahme von Entzündungshemmern (Diclofenac, Ibuprofen) als zusätzliche Maßnahme angewandt, obgleich eine positive Wirkung in Bezug auf das Karpaltunnelsyndrom bisher nicht nachgewiesen werden konnte.

Therapie Karpaltunnelsyndrom: Während einer minimal-invasiven Operation wird das Karpalband gespalten, um den Nerv zu entlasten.

Führt eine konservative Therapie zu keiner sichtlichen Verbesserung, wird die Erkrankung operativ behandelt.

Auch bei einem akuten Karpaltunnelsyndrom, das durch Unfälle oder Entzündungen hervorgerufen wurde, wird in der Regel zeitnah operiert, um schnell für eine Druckentlastung zu sorgen.

Im Rahmen eines endoskopischen oder offenen minimal-invasiven Eingriffs wird das Karpalband gespalten, um über eine Erweiterung des Karpaltunnels für eine Druckentlastung auf den Medianusnerv zu sorgen.

Gehen einem Karpaltunnelsyndrom eine ausgeprägte Beugesehnenscheidenentzündung, eine Geschwulstbildung (Ganglion) oder eine Fehlbildung der Knochen voraus, wird das klassische offene Operationsverfahren, bei welchem ein längerer Hautschnitt durchgeführt wird, zur Therapie eines Karpaltunnelsyndroms angewendet.

Auch bei wiederholtem Auftreten des Karpaltunnelsyndroms wird dieses Operationsverfahren empfohlen.

Rezeptfreie Medikamente bei Karpaltunnelsyndromen


Vorbeugung

Da in den meisten Fällen keine explizite Ursache für ein Karpaltunnelsyndrom festgestellt werden kann, kann diesem nicht unmittelbar vorgebeugt werden. Dennoch sollte eine Beanspruchung der Hände, die zu einer dauerhaften Druckbelastung des Medianusnervs führen, vermieden werden.

Hierzu gehören beispielsweise immer wiederkehrende Handbewegungen bei der Arbeit am Computer oder dauerhaft auf der Tischkante oder Tastatur aufliegende Handgelenke. Einem Karpaltunnelsyndrom, das auf systemische Ursachen, wie rheumatischen Erkrankungen, zurückgeht, kann hingegen nicht vorgebeugt werden.

Bücher über Karpaltunnelsyndrom

Weitere Infos

Das könnte Sie auch interessieren:

Welche Erfahrungen und Hinweise haben Sie zum Thema Karpaltunnelsyndrom?

Name oder Pseudonym:

E-Mail: (optional)

(wird nicht angezeigt, nur notwendig, wenn aktuelle Gesundheitsinformationen erwünscht werden)

Kommentar:

(Bitte auf Groß-, Kleinschreibung und verständliche, ganze Sätze achten.)

Sicherheitsfrage: Wieviel sind 30 plus 5?