Kortisol

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für Innere Medizin) am 23. März 2016
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Kortisol ist ein Hormon aus der menschlichen Nebennierenrinde und ein Medikament aus dem Bereich der Glukokortikoide. Es wird manchmal auch als "Stresshormon" bezeichnet, wenngleich diese Funktion eher in einem langfristigen Kontext zu sehen ist.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Kortisol?

Kortisol ist das "Skalpell des Internisten" behaupten eigentlich-gar-nicht-so-böse Zungen und haben damit im Prinzip auch gar nicht so unrecht: Während der Chirurg standesgemäß zum Messer greift, um Krankheiten zu behandeln, da setzt der Internist tatsächlich ziemlich häufig das Medikament

Kortisol in all seinen verschiedenen Varianten und Ausprägungen ein: Asthma, rheumatisches Fieber, Schädel-Hirn-Traumata, Tumormetastasen - die Liste der Indikationen ist lang. Ist Kortisol also eine "Wunderwaffe" gegen alle Erkrankungen? Nun, im Grunde unterdrückt es nur das körpereigene Immunsystem. Das kann in vielen Fällen passager ganz hilfreich sein, birgt jedoch auch Risiken.

Kortisol ist auch als sogenanntes Stresshormon bekannt. Es aktiviert katabole (also abbauende) Stoffwechselvorgänge, um dem Körper Energie zur Verfügung zu stellen. Zudem wird das Immunsystem unterdrückt und dadurch zum Beispiel Entzündungen gebremst. Da Kortisol größtenteils über die Ablesung von Genprodukten wirkt, tritt die Wirkung stets erst nach Stunden bis Tagen ein.

Medizinische Anwendung, Wirkung und Gebrauch

Als Hormon ist das Kortisol ein Produkt der Zona fasciculata der menschlichen Nebennierenrinde. Seine Freisetzung wird durch ACTH, das adrenokortikotrope Hormon, induziert und erfolgt dauerhaft zur Regulation zahlreicher Stoffwechselvorgänge im ganzen Körper. Nebennierenüberfunktion führt zum Krankheitsbild des Morbus Cushing (zuviel Kortisol), eine Unterfunktion zum Morbus Addison (zuwenig Kortisol).

Die vielfältigen Wirkungen des Hormons Kortisol hat sich derweil auch die Pharmazie zunutze gemacht. In der Dermatologie werden Glukokortikoide wie das Kortisol in Form von Cremes und Salben bei sehr vielen Hauterkrankungen angewendet.

Bei Atemwegserkrankungen wie dem Asthma bronchiale oder der chronischen Bronchitis verwendet man kortisolhaltige Sprays, um die Entzündung in den Bronchien einzudämmen. Bei Gelenkentzündungen kann Kortisol direkt in die Gelenkhöhle injiziert werden.

Besonders zahlreich sind aber die systemischen Anwendungsgebiete, also jene, bei denen man Glukokortikoide zur Wirkung im gesamten Körper per Tablette oder intravenös zuführt: rheumatische und andere entzündliche Gewebserkrankungen (z.B. akutes rheumatisches Fieber, chronische Polyarthritis), Kollagenosen und Vaskulitiden (z.B. sytemischer Lupus erythematodes, Dermatomyositis), Nierenerkrankungen (nephrotisches Syndrom), allergische Erkrankungen (auch als Notfallmedikation beim anaphylaktischen Schock), Lungenerkrankungen (Sarkoidose, Asthma, COPD), Bluterkrankungen (z.B. hämolytische Anämien), Tumoren (z.B. Lymphome, ausgedehnte Metastasierungen), gastrointestinale Erkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa), endokrine Erkrankungen (z.B. akute thyreotoxische Krise bei Schilddrüsenüberfunktion), neurologische Erkrankungen (z.B. Hirnödem, akute Enzephalomyelitis), gegen Abstoßungsreaktionen und viele weitere Indikationen. Natürlich dient Kortisol auch der Therapie des oben genannten Morbus Addison.

Kortisol und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Kortisol und andere Glukokortikoide haben einige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die es zu bedenken gilt. So ist beispielsweise bei gleichzeitiger Therapie mit nicht-steroidalen Antiphlogistika (ASS, Ibuprofen, Diclofenac) das Risiko einer Schleimhautblutung im Magen-Darm-Trakt deutlich erhöht.

Bei Patienten, die Mittel gegen Diabetes einnehmen, vermindert Kortisol die Blutzuckersenkung und erschwert die sichere Einstellung des Blutzuckerspiegels. Die Wirkung von Herzglykosiden (Digitalis) wird durch den mit Kortisol entstehenden Kaliummangel verstärkt. Werden gleichzeitig Diuretika, also entwässernde Medikamente eingesetzt, so verschärft dies das Problem des Kaliummangels um so mehr (gilt nicht für sogenannte kaliumsparende Diuretika). Auch ein Kalziummangel kann auftreten.

Über Wechselwirkungen im Abbau der Wirkstoffe in der Leber kann es bei gleichzeitiger Medikation mit Enzyminduktoren wie Rifampicin zu einem beschleunigten Abbau des Kortisol kommen. Andersherum erhöht Kortisol den Blutspiegel von Ciclosporin.

Pflanzliche, natürliche und pharmazeutische Alternativen

Pflanzliche oder natürliche Alternativen zum Kortisol gibt es in gleichwertiger Form nicht. Es handelt sich bei diesem Medikament um ein menschliches Hormon - was man mit etwas Wohlwollen bereits als "natürlichen" Wirkstoff bezeichnen könnte. Wirkungen im Körper sind also nur solche, die auch mit dem Hormon auftreten würden - meist jedoch in deutlich höherer Dosierung. Wenn Kortisol eingesetzt wird, dann ist dies jedoch meist erwünscht und nötig, und einige Nebenwirkungen müssen manchmal in Kauf genommen werden, um eine schwerwiegende Grunderkrankung zu behandeln.

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Risiken und Nebenwirkungen

Risiken und Nebenwirkungen des Kortisol sind im Prinzip die Hauptwirkungen des Hormons, jedoch in potenzierter Ausprägung. Dabei ist zunächst einmal die Immunsuppression zu erwähnen: Wenn das körpereigene Abwehrsystem unterdrückt wird, kann es natürlich leichter und häufiger zu Infekten kommen, wozu auch schwerwiegende Krankheiten wie Pilzbefall oder Tuberkulose zählen.

Kortisol kann auf lange Sicht zu Osteoporose führen, da es den Knochen entmineralisiert. Bei Kindern muss Kortisol daher auch sehr vorsichtig eingesetzt werden, weil es das Wachstum hemmt. Die Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes wird geschädigt, es kann zu Blutungen kommen.

Die Wirkung auf den Stoffwechsel kann zu einer Diabetes-ähnlichen Lage mit erhöhten Blutzuckerspiegeln führen. Der Blutdruck steigt an ("Stresshormon"), Kalium geht über die Niere verloren. Eine verstärkte Thromboseneigung ist zu beobachten. Auch eine Wirkung auf das Gehirn in Form von Verhaltens- und Wesensänderungen und erhöhter epileptischer Krampfneigung ist beschrieben.

Darüber hinaus kann man durch dauerhaft erhöhte Kortisolspiegel ein iatrogenes Cushing-Syndrom hervorrufen. Unterdrückung der körpereigenen Hormonproduktion führt andererseits bei abruptem Absetzen zur Nebenniereninsuffizienz (Addison-Krise).

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